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35 Jahre PC-WELT: Ein halbes Leben Technik

01.11.2018 | 08:00 Uhr | Birgit Götz, Christian Löbering

PC-WELT hat Geburtstag! Grund genug, 35 Jahre Informationen zu Informationstechnologie einmal anders darzustellen – aus der Sicht der Redaktion: eine kleine Chronologie von 1983 bis 2018.

1983 bis 1990 - die Anfänge

Die erste PC-WELT im November 1983 bringt die in den USA bereits erfolgreiche Marke PC World nach Deutschland.

In den ersten Jahren ist die PC-WELT ein kleines Fachmagazin mit bescheidener Auflage und nur einer Handvoll Redakteure, die sich in erster Linie als deutsche Übersetzer des großen amerikanischen Vorbilds verstanden. Bereits damals aber geht es um den PC, also den IBM-kompatiblen „Personal Computer“, der als 80286 (IBM PC AT) zunächst 4, später bis zu 25 MHz leistet. Zum Vergleich: Heutige PC-CPUs kommen auf 5 GHz Taktfrequenz bei 6 Kernen.

Festplatten sind noch unerschwinglicher Luxus, wobei die Kapazität solcher Highend-Peripherie nur von 20 MB bis etwa 120 MB reicht. Speicher? Technisch kennt bereits der 80286 einen Protected Mode, um bis zu 16 MB RAM zu adressieren, aber das Betriebssystem MS-DOS hat noch keinen Speichermanager für Extended Memory oberhalb 1 MB.

Die Grafikkarten zaubern einen grünen, später bernsteinfarbigen blinkenden Eingabe-Prompt auf kleine, schwarze Röhrenmonitore. Bunt wird es erst Ende der 80-er Jahre mit 256 Farben und den ersten VGA-Grafikkarten.

Die Nutzer dieser technischen Wunderwerke und damit die Leser der frühen PC-WELT sind Profis und Freaks, die bereit sind, für ein spartanisches Single-Tasking-System Tausende von D-Mark zu investieren und für einen Laserdrucker fünfstellige Summen auszugeben.

1990 bis 2000 – Tüftlermagazin für alle

Die 90-er Jahre sind paradox: Einerseits erobert der PC mit dem 80386 und ersten Pentium-Prozessoren sowie mit DOS- und Windows-Betriebssystemen ungebremst den Büroalltag und die Privathaushalte.

Andererseits sind Hardware- wie Software-Technik grundsätzlich, aber auch aus Kostengründen noch meilenweit von der Bedienerfreundlichkeit entfernt wie sie TV-Geräte oder Hi-Fi-Elektronik längst vormachten. Hinzu kommt die generell höhere Komplexität des multifunktionalen PCs.

Ganz logische Folge war ein gewaltiges Informationsdefizit, das in dieser Zeit alle Computer-Magazine gedeihen lässt, das aber kein Magazin besser und praxisnäher bedient als die PC-WELT: Aufrüsten, Komponententausch, Hardware-Tuning ist in der Zeit kein Hobby, sondern Pflicht. Das ebenso erfolgreiche wie mängelbeladene Windows (3.0 – 3.1 –3.11 – 95 –98) einigermaßen stabil, schnell und speicheroptimiert zu tunen, ist pure Notwendigkeit.

Der Leidensdruck ist an allen Ecken gewaltig: Die Festplatten sind ebenso notorisch zu klein wie der Arbeitsspeicher, externe Datenträger wie ZIP-Laufwerke immer zu langsam, die frühen CD-ROM-Brenner genauso träge wie störanfällig.

Und während die Daten durch die frühen 10-MBit-Netze, durch 28,8-KBit-Modems, später durch ISDN-Adapter mit maximal 2 MBit tröpfeln, drängen neue Techniken auf den völlig überforderten PC: Streaming für komprimierte Unterhaltungsmedien, LAN- Netzwerkspiele, Online-Spiele, ein rasant wachsendes World Wide Web.

1997 startet auch die PC-WELT mit einem Online-Auftritt. Das Angebot – Nachrichten, Tipps und Diskussionsforen sowie Top-Artikel der aktuellen Ausgaben – ist via AOL, Compuserve, T-Online oder über www.pcwelt.de verfügbar.

Im Prinzip ging damals schon ziemlich viel – irgendwie und mal mehr, mal weniger, immer aber mit Schrauben, Patchen, Tunen verbunden … Nebenbei: In dieser Zeit drehte sich alles nur ums Funktionieren. Dass dieser graue, hässliche Kasten unterm Schreibtisch das Zimmer heizt und dass das Fauchen der Lüfter, das  Kratzen der Festplatten, das Quietschen des CD-Laufwerks das Telefon übertönen, nimmt die damals noch robuste Nutzerschaft nicht genervt,sondern analytisch kontrollierend zur Kenntnis: CPU läuft normal, hoppla – Kopiervorgang auf der zweiten Platte ist nicht mehr hörbar…

2000 bis 2007 – System- und Datenschutz im Fokus

Der PC wird technisch endlich erwachsen: PCs und Notebook von der Stange sind inzwischen so bestückt, dass man nicht schon beim Kauf die ersten Aufrüstaktionen mitplanen muss. Auch Software-Seite gelingt der NT-Linie mit Windows XP nach langem Widerstand der Durchbruch gegen die DOS-basierten Windows-Varianten aus dem eigenen Haus. Plug & Play, Treiberinstallation, Ressourcenverwaltung funktionieren zunehmend reibungsloser, USB wird mit Version 2.0 benutzbar, leidlich flottes 100-MBit-LAN wird Standard und DSL mit 2, 6 und 16 MBit oder Breitbandkabel ersetzen zunehmend die zähen Vorgänger. Wireless LAN ist etwa ab dem Jahr 2000 massentauglich und bereitet mit stets verbessertem Durchsatz den Aufbruch der mobilen Geräte vor.

Aber lokale Netzwerke, Mail, Online-Banking und explodierendes Internet bombardieren den PC und seinen Nutzer mit neuen Herausforderungen: Der simple Loveletter-Wurm zeigt 2000, wie leicht sich Nutzer durch Mailanhänge übertölpeln lassen. Die Heft-CD der PC-WELT 4/2002 brachte das erste Rettungssystem auf Linux-Basis und mit Virenscanner. Denn Sicherheitslücken werden zunehmend professionell ausgenutzt und gekaperte PCs insgeheim zu Bot-Armeen zusammengeschlossen – ein Thema für die PC-WELT seit 2004. In der PC-WELT 7/2004 fiel erstmals der Begriff „Phishing“.

In der Ausgabe 9/2004 erschien die erste frühe Version des PC-WELT-Patchloader, der die Windows-Sicherheitsupdates vorsorglich für spätere Installationen archiviert. Router, Firewall, Updates, Virenabwehr, Mailsicherheit, Netzfreigaben werden zentrale Themen.

2007 bis 2013 – mobil, sozial und vernetzt

Inzwischen gehören Notebooks und PCs zum funktionierenden Alltag. Sicherheit war und bleibt zwar ein Thema, allerdings nicht mehr primär für das lokale Gerät, sondern mehr noch für die Daten im Netz. Der Begriff „Cloud“ fällt in der PC-WELT 9/2009 zum ersten Mal in der heute gebräuchlichen Bedeutung, die Nutzung von Google Docs (jetzt Google Drive) und Skydrive ist seit 2007 wichtiges Thema.

Soziale Netze gewinnen in Deutschland ab 2007 rapide an Bedeutung: Die PC-WELT berichtet in der Ausgabe 11/2007 erstmals über Facebook, ab 2008 über Twitter. Und sie erklärt Verschlüsselungstechniken und Verhaltensregeln, um die Privatsphäre im modernen Netz zu schützen.

Auf Hardware-Seite nimmt die PC-WELT zur Kenntnis, dass ihr namengebendes Gerät die Alleinherrschaft verliert: Smartphones, Netbooks und Tablets bestimmen das Kundeninteresse. Und deren Betriebssysteme heißen nicht Windows,sondern Android, Linux oder Windows RT.

2013 bis 2018 - die Digitalisierung des Lebens

Mittlerweile hat sich die Perspektive gegenüber Technologie deutlich gewandelt. Stand doch bis vor fünf Jahren das Produkt und dessen Leistungsumfang im Zentrum des Nutzerinteresses, so steht heute die Funktion und deren möglichst bequeme Nutzbarkeit im Fokus. Smartphones und die darüber verfügbaren Dienste, Netze und Funktionen sind heute wesentlicher Bestandteil des Alltags geworden.

Wartezeiten werden bei Youtube, Instagram oder Facebook überbrückt, der Kontakt zu Freunden wird über WhatsApp gehalten, statt linear fernzusehen wird über Netflix, Amazon und Co. gestreamt und dank Spotify, Deezer, iTunes & Co. ist das CD-Regal überflüssig geworden. Online-Dienste wie Airbnb, Uber, Shpock vernetzen Angebot und Nachfrage auf eine elegante und Disruptive Art und Weise und Daten sind das neue Gold.

Kaum hatte die Gamescom 2018 begonnen, war sie auch schon wieder vorbei. Sie war laut, voll, höllisch heiß und wie immer ein echtes Highlight in diesem Jahr. Wir sagen Danke an all unsere treuen Zuschauer, die uns während der Messe-Tage begleitet haben! Wir freuen uns schon auf nächstes Jahr!

Hier unsere Videos von der Gamescom 2018 auf einen Blick:

► GRAFIK-REVOLUTION - Nvidia stellt RTX 2070, RTX 2080 & RTX 2080 Ti vor: www.youtube.com/watch?v=dYqcmeEf5dM

► 65-ZOLL-DISPLAY mit 4K@120Hz für die Höllenmaschine X: HP Omen X BFGD: www.youtube.com/watch?v=nB7S_c7L3FI

► Display in der Heckscheibe! Team Hölle checkt das Auto der Zukunft am REHAU Stand@Gamescom 2018: www.youtube.com/watch?v=CD8st-Vhstc

► Aufzeichnung der Show zur Höllenmaschine X auf der Gamescom 2018: www.youtube.com/watch?v=h0D5Hj-1FjQ

► Server unter "Wasser" - der8auer baut schnellstes Dual-Socket-System für 20.000 Euro: www.youtube.com/watch?v=7AZ2cfiL72E

► Verändert dieser Schuh das VR-Gaming? - www.youtube.com/watch?v=s-Djsz3vXjg

Auch die Rolle der PC-WELT hat sich in den letzten fünf Jahren stark gewandelt. Neben Magazin und Webseite , stehen jetzt auch  große Youtube- , Facebook- und Instagram -Kanäle im Fokus, da auch die Mediennutzung sich stark auf diese Plattformen verlagert. Die Höllenmaschine wächst auf diesen Kanälen und auf der Gamescom über sich hinaus und neue Video-Formate wie die wöchtenlichen Technik-News Tech-Up-Weekly ergänzen die Berichterstattung um eine bunte und interaktive Komponente.

PC-WELT bleibt dabei im Kern aber natürlich weiterhin die Medienmarke mit Nutzwert-Inhalten zum gesamten Lebenszyklus smarter Technik - von der Information zu neuen Produkten, über Kaufempfehlungen, bis hin zu Tipps, Tricks und Reparaturanleitungen.

Wie sich die Technik in den nächsten 35 Jahre entwickeln wird, wissen wir nicht. Wir freuen uns aber darauf zusammen mit Ihnen, unseren Lesern, auf diese spannende Reise zu gehen.

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35 Jahre PC-WELT ...

Birgit Götz ist seit 1983 bei der PC-WELT
© Götz

... für mich als eine der ersten im Redaktionsteam bedeutet das: Mehr als mein halbes Leben schon arbeite ich für die PC-WELT und bin damit Teil einer Erfolgsgeschichte, die mit vielen Veränderungen und immer neuen Herausforderungen bis heute nichts an Spannung verloren hat.

Es dauerte, bis die PC-WELT so richtig auf dem Markt in Erscheinung trat. Lange Zeit war das Magazin eher ein Geheimtipp, obwohl es mit Heftumfängen von 200 Seiten nicht zu übersehen war. Eine Auflagenmeldung von 1985 jedoch zeigte: 7479 verkaufte Exemplare – da muss noch mehr gehen.

Die Leser waren von unseren Inhalten begeistert – von Programmiersprachen bis zu Hard- und Software-Tests, alles war interessant. Nervenstarke tippten aus unseren Heften sogar seitenlange Programmlistings ab.

PC-WELT hatte es sich von Anfang an zum Ziel gesetzt, dem Leser alles so zu erklären, dass er wirklich versteht, worum es geht. Dazu haben wir getestet und programmiert, Seminar- und Workshop-Beiträge verfasst und Tausende von Tipps geschrieben. 4800 Profi-Tipps haben wir der Ausgabe 8/1998 auf CD beigelegt. Im Jahr darauf gab es noch einmal eine CD mit 5850 Tipps. Unsere Hefte waren in den 90-er Jahren weit über 300 bis zu fast 500 Seiten dick. Geschafft haben wir das in dieser Zeit mit über 50 Leuten in der Redaktion und rund 20 freien Autoren.

Berichtet haben wir immer unabhängig – doch nicht immer haben die Leser das so gesehen: Zu microsoftlastig sei die PC-WELT, überhaupt sei die Microsoft-Dominanz  im PC-Sektor „unerträglich“ (aus einem Editorial 1993).

Ohne Microsoft ging es tatsächlich nie, doch Microsoft war und ist nicht alles. Wir haben unseren Blick auf alles gerichtet, was uns interessant schien, wir haben viele heiße Eisen angepackt, Herstellerlügen und Abzocke aufgedeckt – und wir haben uns mit Microsoft angelegt, 1998, als uns Microsoft aufgrund unseres Artikels „Unautorisiertes Windows 95“ die „Anleitung zum Rechtsbruch“ vorwarf und Strafanzeige erstattete.

Die Staatsanwaltschaft lehnte es jedoch ab, ein Strafverfahren gegen die PC-WELT zu eröffnen. Für uns führte diese Geschichte zu einer mehrjährigen eingeschränkten Zusammenarbeit mit Microsoft: Wir bekamen keine Vorab-Versionen mehr, und Fragen der Redaktion wurden schlicht nicht mehr beantwortet.

1997 starteten wir unsere Internetseite www.pcwelt.de und konnten im März 1999 bereits 870 000 Besucher verbuchen. Zentrales Thema war von Anfang an nicht nur Information, sondern auch Service für den Leser. So konnten sich Interessierte im Jahr 2000 aus dem Online-PC-WELT-Archiv alle redaktionellen Teile ab Januar 1995 gratis holen. Diese PDFs gibt es heute noch, mittlerweile aber kostenpflichtig.

Viele Services sind seitdem dazugekommen. Unter anderem 17 PC-WELT-Newsletter, die je nach Thema täglich oder wöchentlich verschickt werden. Nach ein paar Spitzen beim Heftverkauf – in den Jahren 2002 und 2003 kamen wir zweimal über 512 000 Exemplare – war dann langsam eine Trendwende erkennbar.

Noch immer verkauften wir über 400 000 Exemplare monatlich – aber die Auflagenzahl sank, auch weil vieles sich mittlerweile schon im Internet abspielte.

Das Redaktionsteam wurde geschrumpft. Am Heft wurde weiter verbessert, mehrfach Schriftbild und Layout umfangreich geändert. Wir haben neue Themenschwerpunkte gesetzt, neue  Rubriken geschaffen. Bis schließlich Änderungen anstanden, die unser Magazin der Computer-Bild sehr ähnlich werden ließen – was sowohl in der Redaktion als auch bei vielen Lesern nicht gut ankam.

Diese Phase ging vorüber, und so hieß es in Heft 2/2012 „Alles neu“ – doch auch das war nur  eine „Beta“.

Die nächste große Änderung stand 2015 an: Das IDG-Medienhaus beschloss, die Print-Redaktion der PC-WELT auszulagern, nur der Online-Bereich sollte noch bei IDG bleiben. Das war die Chance für den damaligen Chefredakteur der PC-WELT, sein eigenes Unternehmen zu gründen und mit der Hälfte des Redaktionsteams PC-WELT, Android-Welt, Linux-Welt und viele weitere Sonderhefte zu publizieren.

Nach wie vor sind jedoch Online- als auch Print-Redaktion in Zusammenarbeit und Austausch miteinander verbunden.

Im Online-Bereich haben sich neben der üblichen redaktionellen Berichterstattung viele neue Aktivitäten aufgetan. Wir sind unterwegs in den sozialen Medien Facebook und Twitter, haben einen starken Youtube-Kanal und begeistern unsere Leser mit den "Tech-up Weekly"-Redaktionsvideos auf pcwelt.de. Ein gewichtiges Produkt ist der Zusammenbau und die anschließende Verlosung der alljährlichen "Höllenmaschine" mit Zubehör im Gesamtwert von 30.000 bis 40.000 Euro und unser Team Hölle - Michi und Fritz - hat mittlerweile einen riesigen eigenen Fanclub.

Und das ist das vielleicht Wichtigste bei PC-WELT: Wir sind zwar 35 geworden - aber deshalb noch lange nicht in die Jahre gekommen. Wir entwickeln (uns) stetig weiter, bleiben neugierig und berichten engagiert und kompetent, was für Sie, liebe Leser, interessant sein könnte.

Bleiben Sie uns daher weiterhin gewogen!

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