21.05.2008, 10:55

Thorsten Eggeling

Windows intern

Wozu dient "WinSxS"?

Wenn Sie als Vista-Nutzer auf der Suche nach platzfressenden Ordnern im Windows-Verzeichnis stöbern, stoßen Sie schnell auf das Verzeichnis Winsxs. Unter Windows XP benötigt es meist kaum 100 MB, bei Vista sind es hingegen schon nach der Installation mehr als 3 GB, nach einigen Monaten 5 bis 10 GB. Aufräumen scheint verlockend, ist aber riskant.
Unter Winsxs finden Sie Ordner mit komplexen Namen wie "x86_Microsoft.Windows.Common-Controls_6595b64144ccf1df _6.0.2600.2982_x-ww_ac3f9c03", in denen eine oder mehrere DLL-Dateien (Dynamic Link Libraries) liegen. Diese Dateien stellen den installierten Programmen Standardfunktionen zur Verfügung. Die Windows Common Controls (Comctl32.dll) etwa enthalten Dialoge wie "Öffnen" oder "Drucken", die viele Anwendungen benötigen. Programmierer müssen diese also nicht selbst einbauen, sondern können stattdessen die Microsoft-DLLs verwenden.
Versionsarchiv: Neue Funktionen und Fehler machen jedoch von Zeit zu Zeit ein Update der Dateien nötig. Bei der Installation einer Anwendung muss daher sicher-gestellt werden, dass sich genau die Version der DLL auf dem Rechner befindet, mit der das Programm entwickelt wurde. Ältere Programme erwarten die DLLs unter %windir%\System32 oder im Programmverzeichnis und suchen nur nach dem Namen. Neuere enthalten Informationen über die benötigte DLL-Version ("Manifest") und suchen nach der passenden Datei im Verzeichnis %windir%\WinSxS. Ist diese bisher nicht vorhanden, legt das Installationsprogramm sie hier an.
Dieses Verfahren - Microsoft nennt es "Windows Side by Side" - soll sicherstellen, dass sich unterschiedliche Programme und DLL-Versionen problemlos parallel betreiben lassen. Gleichzeitig ist auch eine zentrale Aktualisierung der DLLs im Winsxs-Verzeichnis durch das normale Windows-Update möglich.
Sprachen brauchen Platz: Die enorme Vergrößerung des Winsxs-Verzeichnisses unter Vista gegenüber XP ist nicht auf die DLL-Versionen, sondern auf die unterschiedlichen Sprachversionen zurückzuführen: Für die meisten DLLs gibt es ein Verzeichnis mit Übersetzungen in die jeweilige Landessprache. Weitere Installationen lassen das Verzeichnis in Zukunft noch anwachsen.
Achtung: Das Entfernen überflüssiger Dateien in diesem Verzeichnis sollten Sie in jedem Fall den De-Installationsprogrammen überlassen. Wenn Sie hier selbst Hand anlegen, riskieren Sie, dass bestimmte Anwendungen danach nicht mehr funktionieren.
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