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Virtuelle Ordner für Spezial-Zwecke

24.12.2008 | 11:00 Uhr |

Gängige Dateisysteme wie FAT32 oder NTFS sind nicht besonders flexibel. Dateien und Ordner lassen sich in der Regel nur über einen festgelegten Pfad ansprechen. Wir zeigen Ihnen einen Weg, wie Sie mit einem PC-WELT-Tool Dateien (Dokumente, Bilder, Musik oder Videos) schnell unterschiedlich gruppieren, ohne sie zu kopieren. Das ist beispielsweise ideal, wenn Sie eine Diashow oder eine Dokumentenliste anlegen wollen.

Anforderung:

Fortgeschrittener

Zeitaufwand:

Mittel

Lösung:

In einem neuen, thematisch benannten Sammelordner per Drag & Drop Verknüpfungen anlegen – das geht seit Windows-Gedenken: Sie ziehen Dateien oder Ordner mit der rechten Maustaste in den Ordner und wählen im Menü den Eintrag „Verknüpfung hier erstellen“. Die Nachteile bei diesem Verfahren: Solche Ordner haben das gleiche Icon wie normale Ordner, und die Verknüpfungen zu Bild-, Musik- oder Videodateien des Link-Ordners lassen sich meist nicht in eine Diashow oder Wiedergabeliste einlesen.

PC-WELT-Tool: Wir beheben diese Mängel mit pcwVirtualFolder , mit dem Sie virtuelle Ordner über das Explorer-Kontextmenü anlegen. Damit erhalten Sie einen neuen Ordnertyp mit speziellem Icon und können außerdem NTFS-spezifische Hardlinks (XP) beziehungsweise Symlinks (Vista) erzeugen, die das Diashow- und Wiedergabelisten-Problem beheben.

Exkurs: Hardlinks, Symlinks und Softlinks
Windows kennt drei Verknüpfungsarten. NTFS legt im Prinzip bei jeder Partition alle Dateien zentral in einer „Master File Table“ (MFT) an. Diese Tabelle enthält alle Informationen zu jeder gespeicherten Datei – etwa Dateipfad und Zugriffsrechte. Sehr kleine Dateien werden direkt in der MFT gespeichert. Bei größeren lagert Windows den Inhalt aus und legt lediglich einen Zeiger auf die physikalischen Datenblöcke in der MFT ab.
Hardlinks sind Dateien, die einen bereits bestehenden Inhalt in der MFT ein zweites Mal referenzieren. Das bedeutet, der Hardlink hat identische Eigenschaften und einen identischen Inhalt wie die Original-Datei, aber einen anderen Pfad. Wird eine Datei gelöscht, für die ein Hardlink existiert, übernimmt dieser die Rolle der Original-Datei, und der Inhalt bleibt erhalten.
Softlinks sind die gängigsten Links, also die normalen Verknüpfungen, wie sie etwa im Startmenü zu finden sind. Es sind Dateien mit eigenen Inhalten und Eigenschaften in der MFT, die über einen Windows-Mechanismus auf eine andere Datei verlinken. Das hat nichts mit dem Dateisystem zu tun. Softlinks haben deshalb nicht dieselben Eigenschaften wie die verlinkte Datei.
Symlinks sind neu unter Vista und Server 2008 (NTFS 5). Es handelt sich dabei um ein eigenes Dateisystem-Objekt in der MFT, das auf ein anderes Objekt zeigt. Auch Symlinks haben aus Sicht des Systems dieselben Eigenschaften wie die eigentliche Datei.

Installation von pcwVirtualFolder: Rufen Sie das Tool per Doppelklick auf. Dabei werden die pcwVirtualFolder.exe und pcwVirtualFolder.dll in das Windows-Verzeichnis kopiert und einige Registry-Einträge erzeugt. Die DLL-Datei wird daraufhin registriert. Sie sorgt dafür, dass Sie im Kontextmenü von jedem Ordner-Hintergrund (etwa einer freien Stelle auf dem Desktop) den Eintrag „Virtuellen Ordner anlegen“ vorfinden. Um das Tool später wieder zu deinstallieren, rufen Sie die pcwVirtualFolder.EXE wieder direkt per Doppelklick auf und folgen den Anweisungen.

Virtuellen Ordner anlegen: Klicken Sie mit der rechten Maustaste auf eine freie Stelle des Desktops oder in jedem anderen gewünschten Ordner, und wählen Sie den Punkt „Virtuellen Ordner anlegen“. Einzige Einschränkung: Die virtuellen Ordner setzen eine NTFS-Partition voraus, weil die Hard- beziehungsweise Symlinks sonst nicht erzeugt werden können.

Virtuellen Ordner füllen: Markieren Sie nun beliebige Dateien (etwa mit gedrückter Strg-Taste), die Sie in den virtuellen Ordner aufnehmen wollen. Klicken Sie mit der rechten Maustaste, und wählen Sie „In virtuellem Ordner ablegen“. Kurz darauf erscheint eine Dialogbox, in der Sie aus der Liste der zuvor angelegten virtuellen Ordner auswählen können, in welchen die Dateien eingebunden werden sollen. Mit einem Klick auf „OK“ bestätigen Sie. Wiederholen Sie den Vorgang für alle weiteren Dateien, auf die ebenfalls in verlinkt werden soll. Sie sollten es vermeiden, dem Tool bei jedem Durchgang eine allzu große Anzahl von Dateien (mehr als 20) zu übergeben. Sonst dauert es lange, und der Explorer ist teilweise blockiert. Wenn Sie jetzt einen virtuellen Ordner im Explorer öffnen, finden Sie unter Vista Symlinks zu allen zuvor ausgewählten Dateien. Unter XP legt unser Tool bei Dateien, die sich auf derselben Partition befinden wie der virtuelle Ordner, Hardlinks an, für alle anderen Softlinks.

Übrigens: Mit unserem Tool können Sie natürlich auch Ordner in virtuelle Ordner verlinken. Optisch klappt das allerdings nur unter Vista fehlerfrei, bei XP stimmen die Ordner-Icons nicht. Die Links sind aber voll funktionstüchtig.

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