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Wer haftet bei Identitätsdiebstahl im Internet

27.10.2016 | 15:10 Uhr |

Müssen Sie zahlen, wenn ein Betrüger auf Ihren Namen Ware bestellt? Die Antwort auf diese Frage weiß IT-Anwalt Solmecke.

Hacker verschaffen sich Zugang zu den Servern großer Online-Dienste, etwa zum sozialen Netz Linkedin . Von dort entwenden Sie alle Anwenderdaten, die sie bekommen können und bieten diese Daten in Untergrundforen an. Die meisten Nutzer fürchten nach solchen Diebstählen meist den Zugriff auf eines Ihrer Online-Konten, allen voran das Konto bei der Online-Bank oder bei einem Bezahldienst wie Paypal. Wie viele Konten betroffen sind, hängt meist davon ab, für wie viele Konten das Opfer dasselbe Passwort verwendet hat.

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Dramatische Folgen kann ein Identitätsdiebstahl im Internet aber nicht nur nach den Zugriff auf Finanzkonten haben. Kriminelle nutzen gestohlene Identitäten unter anderem auch dazu, einen Online-Shop auf diesen Namen zu erstellen. Die Daten aus dem Identitätsdiebstahl werden dann einfach für das Impressum des Webshops genutzt. Über den Shop verkaufen die Kriminellen zum Beispiel gefälschte Kleidung als Markenware.

Probleme bekommt das Opfer des Identitätsdiebstahls entweder, wenn den Kunden des Shops der Schwindel auffällt, etwa weil die Qualität der Ware schlecht ist, oder wenn der Markenhersteller den nicht autorisierten Shop entdeckt und gegen den vermeintlichen Betreiber vorgeht. Bei einer anderen Masche bestellen die Kriminellen auf den Namen einer gestohlenen Identität bei Onlineshops. Die Ware geht an eine Deckadresse der Betrüger. Das Opfer erhält die Rechnung.

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In allen Fällen flattern dem bis dahin völlig ahnungslosen Opfer Forderungen von mehreren Tausend Euro ins Haus. Die Frage, wer für den Schaden haftet, beantwortet Christian Solmecke, Rechtsanwalt für Medienrecht und IT-Recht und Partner der Kanzlei Wilde Beuger Solmecke. Auf der Website der Kanzlei finden Sie über www.pcwelt.de/MVt57T die wichtigsten Tipps für Opfer von Identitätsdiebstahl. Zu dem Problem von Online-Shops, die mit gestohlnen Identitäten geführt werden, meint Solmecke: „Wer nachweislich nichts von dem Online-Shop wusste, muss auch nicht haften. Betroffene sollten eine Strafanzeige erstellen, sobald sie von dem Datenklau erfahren. Trudelt eine teure Abmahnung eines Markenrechtsinhabers ins Haus, können die Betroffenen die Strafanzeige vorlegen und damit deutlich machen, dass der Online-Shop nie von ihnen betrieben worden ist.“

Auch für Opfer, auf deren Namen Waren bestellt wurden und die daraufhin eine Rechnung erhalten, sieht Solmecke keine Pflicht zur Bezahlung. Der Rechtsanwalt meint: „Für nicht von Betroffenen veranlasste Bestellungen kann dieser nicht zur Verantwortung gezogen werden. Der Betreiber des Online-Shops muss erst einmal nachweisen, dass die Bestellung vom Nutzer getätigt wurde. Genauso wie beim gefälschten Online-Shop erst einmal nachgewiesen werden muss, dass derjenige, der im Impressum steht auch tatsächlich etwas mit dem Online-Shop zu tun hat“.

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Wer eine Rechnung für eine Bestellung erhält, die er sicher nicht getätigt hat, soll sich auch nicht durch ein Inkassounternehmen einschüchtern lassen, das die Onlineshop-Betreiber eingesetzt haben. Hier rät Solmecke: „Die Betroffenen sollten sofort eine Strafanzeige gegen Unbekannt erstatten und auch die Auskunfteien, wie die Schufa, darüber informieren, dass sie Opfer eines Identitätsdiebstahl wurden.“

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