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Wer trackt mich beim Surfen?

17.09.2014 | 14:23 Uhr |

Wenn Sie im Browser eine Webseite aufrufen, dann wird Ihre Anfrage an den entsprechenden Server weitergeleitet, und dieser schickt den Inhalt der Webseite dann an Sie zurück – so weit, so klar.

Sie bekommen heutzutage aber nicht nur eine einfache HTML-Seite zurück, sondern in der Regel eine ganze Reihe Cookies dazu. Dabei handelt es sich um kleine Datenpakete, die in Ihrem Browser abgelegt werden und Informationen darüber speichern, was Sie auf der Webseite gemacht haben. Wenn Sie später zu dieser Webseite zurückkehren, „erinnert“ sich der Server an Sie und kann Sie beispielsweise direkt anmelden oder kennt noch den Inhalt Ihres Warenkorbs.

Eine verschärfte Form davon sind sogenannte Tracking-Cookies von Drittanbietern. Dabei handelt es sich um Cookies, die nicht von der besuchten Webseite selbst ausgeliefert werden, sondern von anderen Webseiten, etwa Werbe-Netzwerken, die Inhalte wie Werbebanner auf der besuchten Seite einblenden. Diese Cookies überdauern auch eine Browser-Session und können über Monate oder sogar Jahre Ihre Surfgewohnheiten mitschreiben. Da viele Webseiten Kunden bei denselben Werbe-Netzwerken sind, werden Sie auf anderen Seiten wiedererkannt, weil dasselbe Cookie genutzt wird.

Die gesammelten Langzeitinformationen nutzen die Betreiber der Webseiten und Werbe-Netzwerke dazu, um Ihnen passende Inhalte oder Werbung anzuzeigen. Das ist in erster Näherung auch nichts Schlimmes, sondern eher angenehm. Bei genauerem Hinsehen stellt sich jedoch das Problem, dass Werbenetze und Webseiten dadurch oft mehr über Sie wissen als der Staat oder sogar als Ihre Freunde.

Wenn Sie sich ein Bild davon machen möchten, wer Sie beim Surfen trackt, installieren Sie das Firefox-Addon Collusion . Es funktioniert jedoch nur, wenn Sie in Ihrem Firefox zugelassen haben, dass eine Chronik erstellt wird. Collusion zeigt Ihnen nach einem Klick auf das Kreis-Symbol unten rechts im Browser-Fenster (das ist die Add-on-Leiste, die Sie über das Symbol ganz rechts oben aktivieren) ein Spinnennetz aus besuchten Seiten und trackenden Drittanbieter-Seiten an – in Form verbundener kleiner Kreise. Mit einem Klick auf einen dieser Kreise sehen Sie dessen direkte Verbindungen und links noch weitere Informationen darüber, an wen die Seite Ihre Daten weiterreicht. Das alles geschieht in Echtzeit – je länger Sie also surfen, desto dichter wird das Netz.

Da im Internet leider noch immer selten die Nutzer für Inhalte zahlen, ist Werbung natürlich das wesentliche Standbein für Webseiten-Betreiber, um überhaupt wirtschaftlich handeln zu können. Folge davon ist das mittlerweile extreme Tracking. Wenn sich auch im Internet eine ganz normale Bezahl-Kultur durchsetzen würde, wären wir nicht mehr Nutzer des Produkts, sondern würden wieder zu Kunden. Übrigens: Um Drittanbieter-Cookies in Firefox zu deaktivieren, klicken Sie auf „Extras ➞ Einstellungen ➞ Datenschutz“, wählen im Bereich „Chronik“ „nach benutzerdefinierten Einstellungen anlegen“ und neben „Cookies von Drittanbietern akzeptieren“ den Eintrag „Nie“.

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