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Netzwerkkontrolle mit dem Raspberry Pi selbstgebaut

22.08.2014 | 09:33 Uhr |

Der Kleincomputer Raspberry Pi ist ein besonders sparsames Gerät, das auch in der Anschaffung sehr günstig ist. Es eignet sich deshalb besonders gut für die Nutzung als Netzwerkzentrale.

Der ARM-Prozessor ist zwar nicht besonders leistungsfähig, genügt aber problemlos, um Dienste wie einen DNS- oder DHCP-Server auszuführen; ebenso gut kann man damit einen Router oder eine Firewall betreiben. Aber Achtung: Die Rechenleistung eines Raspberry Pi ist bei ungefähr 50 MBit/s am Ende, wenn die Daten gerouted werden müssen.

Dieses Programm brauchen Sie: Rasbian Wheezy , kostenlos.
 
So geht’s: Installieren Sie das aktuelle Raspbian Wheezy auf einer SD-Karte wie auf der Projekt-Website beschrieben. Wenn der kleine Computer läuft, dann können Sie ans Konfigurieren gehen. Die beiden Pakete bind9 und named gehören direkt zur Distribution, so dass man für diese beiden Dienste keine weiteren Installationen durchführen muss. Allerdings ist es sinnvoll, nach der Installation und dem ersten Start die Konfigurationsoberfläche Webmin herunterzuladen. Insbesondere bind9 lässt sich mit diesem Tool erheblich schneller und einfacher konfigurieren als über die Kommandozeile. Läuft Webmin erst einmal, genügt es, bind anzuklicken, und unter „Forwarding and Transfers“ einige freie DNS-Server einzutragen. Noch ein Klick auf Start am unteren Ende der Seite, dann läuft der eigene DNS. Eine Liste solcher DNS-Server findet sich beispielsweise unter ccc.de .

In vielen Heimnetzwerken gibt es Geräte, die eigentlich keinen Internetzugang brauchen – und die deshalb auch ohne Internetzugang auskommen sollten. Der übliche Router, den ein Provider einem Kunden liefert, kann dafür nicht sorgen: Die meisten SmartTV-Geräte beispielsweise kann man nicht manuell auf eine feste IT-Adresse festlegen, sie beziehen diese stets von einem DHCP-Server. Deshalb ist es sinnvoll, diese Software in eigener Regie zu verwalten. Auch sie konfiguriert man am besten über Webmin. Klicken Sie dazu zunächst Server und dann DHCP-Server an, wählen Sie „ein neues Subnet hinzufügen“ an und füllen Sie diese Maske aus. Die Subnetz-Beschreibung bleibt Ihnen überlassen. Unter Netzwerkadresse tragen Sie beispielsweise 192.168.1.0 ein (oder eben die Netzwerkadresse, die in Ihrem Netzwerk aktuell ist). Unter Netzwerkmaske steht normalerweise 255. 255.255.0, damit verfügt Ihr Netzwerk über 254 nutzbare IP-Adressen. Unter Adressbereiche tragen Sie die Anfangs- und die Endadresse ein, die für die Adresszuweisung genutzt werden sollen. In diesem Beispiel sind das als Startadresse 192.168.1.100 und als Endadresse 192.168.1.160. Als Standardvergabezeit hat sich der Wert 3600 Sekunden bewährt, als maximale Vergabezeit sind 86.400 Sekunden ein praktikabler Wert. 

Die übrigen Einträge können Sie auf „Standard“ stehen lassen und die Maske mit „Speichern“ verlassen. Klicken Sie jetzt noch „bearbeite Client-Einstellungen“ an und tragen Sie in der Maske die IT-Adresse des Raspberry Pi unter DNS-Server ein. Auch die IP-Adresse Ihres Routers sollten Sie angeben. Wenn Sie noch weitere Dienste im Netzwerk betreiben, beispielsweise einen NTP-Server, können Sie ihn hier ebenfalls zufügen. Bestätigen Sie auch diese Maske mit „Speichern“ und klicken Sie nun noch auf „Starte Server“. Übrigens: Unter Hosts und Hostgruppen können Sie auch die Clients eintragen, die eine feste IP-Adresse bekommen sollen.
 
Sollen einige Geräte keine Möglichkeit haben, mit dem Internet zu kommunizieren, dann müssen Sie auf dem Kleincomputer eine zweite Netzwerkadresse aktivieren (wie das geht, steht in der Dokumentation) und können nun einzelne Geräte mit fester Adresse in diesem zweiten Netzwerk eintragen – und für das gibt es kein Gateway. Damit sind diese Geräte vom Internet getrennt. Der Raspberry Pi benötigt im Standardbetrieb etwa 5 W, unter Volllast maximal 8 W. Damit fällt der Kleincomputer in der Stromabrechnung kaum mehr ins Gewicht als eine handelsübliche Energiesparlampe. Der Komfortgewinn aber und die Sicherheit, dass der Smart-TV keine wertvollen Daten an Hersteller oder TV-Sender verschickt, dürfte diesen marginalen Aufpreis wert sein.

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