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Netzwerk

Kleiner Datei-Server (NAS) selbst gebaut

11.11.2014 | 15:34 Uhr |

Der scheckkartengroße Platinen-Computer Raspberry Pi ist sehr schnell populär geworden. Kein Wunder – bei einem Preis von nur knapp 50 Euro. Er eignet sich nicht nur wunderbar zum Experimentieren, sondern auch als kleiner Heim-Server. In diesem Tipp zeigen wir Ihnen, wie Sie aus dem Raspberry Pi in Verbindung mit einer USB-Festplatte einen sehr flexiblen Datei-Server (NAS) machen.

Schritt 1: Laden Sie mithilfe Ihres Rechners die für den Raspberry Pi optimierte Linux-Version Raspbian wheezy in Form von einer Image-Datei herunter. Darüber hinaus benötigen Sie das Freeware-Programm Win32 Disk Imager . Damit schreiben Sie die Image-Datei auf eine mindestens zwei GB große SD-Karte, die ja beim Raspberry Pi als System-„Festplatte“ zum Einsatz kommt.


Schritt 2 : Stecken Sie die SD-Karte mit Raspbian wheezy darauf in den Raspberry Pi. Schließen Sie im Anschluss daran die Stromversorgung an die Micro-USB-Buchse an sowie eine Tastatur an die eine und die Festplatte an die andere USB-Buchse.

Falls Sie auch eine Maus benutzen möchten, brauchen Sie einen USB-Hub. Den Monitor verbinden Sie per HDMI. Vergessen Sie aber nicht, das Netzwerkkabel ebenfalls einzustecken.

Schritt 3: Zur Anmeldung verwenden Sie den Benutzernamen „pi“ sowie das Passwort „raspberry“. Im Konfigurationsdialog „Raspi-config“ stellen Sie dann bei „configure_keyboard“ ein deutsches Tastatur-Layout ein. Bei „change_ locale“ wählen Sie „de_DE.UTF8 UTF8“, und bei „change_timezone“ stellen Sie „Europe“ und „Berlin“ ein. Mittels „change_password“ ändern Sie das Passwort des Standardbenutzers „pi“. Sie müssen das Passwort zweimal eingeben – es wird dabei nicht auf dem Bildschirm angezeigt.

Aktivieren Sie außerdem unter „ssh“ den SSH-Server. Sie benötigen ihn, wenn Sie das System fernwarten möchten (> Schritt 5). Bei „boot_behavior“ stellen Sie „Yes“ ein, damit das System gleich mit einer grafischen Oberfläche startet.

Wenn Sie eine SD-Karte mit vier GB oder mehr Kapazität verwenden, gehen Sie auf „expand_rootfs“ und folgen dann den Anweisungen auf dem Bildschirm. Daraufhin nutzt das System den gesamten verfügbaren Platz aus. Zum Abschluss gehen Sie noch auf „Finish“ und bestätigen den Neustart mit „Yes“.

Schritt 4: Um Raspbian mit Datei-Server-Funktionen auszustatten, müssen Sie einige zusätzliche Tools installieren und die Konfiguration ändern. Klicken Sie im Menü links unten auf „Zubehör > Root Terminal“. Führen Sie im Anschluss daran auf der Kommandozeile die beiden Zeilen


apt-get update

apt-get install samba samba-common-bin ntfs-3g mc

aus. Die beiden Samba-Pakete richten den Server für Windows-Freigaben ein, ntfs-3g ist für den Schreibzugriff auf NTFS-formatierte USB-Geräte erforderlich. Hinter mc verbirgt sich der Dateimanager Midnight Commander, der auch einen kleinen Texteditor mitbringt.

Als Nächstes legen Sie mit dem Befehl

smbpasswd pi

ein Passwort für den Zugriff auf die freigegebenen Ordner fest. Sie tippen das Passwort zweimal blind ein und bestätigen dann jeweils mit der Enter-Taste.

Öffnen Sie nun mithilfe des Befehls

mcedit /etc/samba/smb.conf

die Samba-Konfigurationsdatei. Erstellen Sie am Ende der Datei folgende Zeilen


[public]
path=/media
read only=no
writable=yes

Dadurch geben Sie unter dem Namen [public] den Linux-Pfad „/media“ frei, unter dem Raspbian die USB-Laufwerke einhängt.

Als Nächstes sollten Sie in der Samba-Konfigurationsdatei noch den Eintrag hinter „workgroup“ so anpassen, dass er dem Namen der in Windows definierten Arbeitsgruppen-Bezeichnung entspricht. Falls Sie sich nicht sicher sind, schlagen Sie die Bezeichnung in Windows unter „Systemsteuerung > System“ nach. Drücken Sie die F2-Taste, um die Datei zu speichern. Mit F10 beenden Sie den Editor. Geben Sie zum Abschluss

/etc/init.d/samba restart

ein, um den Dienst für die Dateifreigaben neu zu starten. Im Windows-Explorer geben Sie in die Adresszeile

\\raspberrypi\public

ein und bestätigen mit Enter. Dann melden Sie sich als Benutzer „pi“ mit dem über „smbpasswd“ vergebenen Passwort an. Wenn der Zugriff über den Namen „raspberrypi“ nicht möglich sein sollte, verwenden Sie stattdessen die IP-Nummer. Diese bekommen Sie im Terminal-Fenster des Raspberry-Systems über den Befehl

ifconfig

heraus.

Schritt 5: Ihr Raspberry-NAS können Sie nach der Erstkonfiguration ohne Monitor und Tastatur betreiben. Falls Sie allerdings doch mal etwas an den Einstellungen ändern möchten, können Sie das fortan auch von einem anderen Rechner aus über das Netzwerk tun.

Unter Windows nutzen Sie beispielsweise den SSH-Client Putty. Geben Sie dazu in Putty den Host-Namen oder die IP-Adresse des Raspberry Pi ein und klicken Sie auf „Open“. Loggen Sie sich als Benutzer „pi“ mit dem Passwort ein, das Sie unter > Schritt 3 vergeben haben.

Müssen Sie Befehle oder Anwendungen als Administrator („root“) ausführen, stellen Sie dem Befehl einfach ein „sudo“ voran, also beispielsweise

sudo apt-get update
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