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Kamera 2.0: Bilder nachträglich fokussieren

03.06.2016 | 15:10 Uhr |

Normalerweise muss der Fotograf bei einem Bild bestimmen, wo der Schärfepunkt liegen soll. Er fokussiert darauf – entweder manuell oder per Autofokus – und betätigt den Auslöser. Es gibt jedoch auch Möglichkeiten, den Fokuspunkt erst nach dem Auslösen zu setzen.

Die wohl bekannteste Technik, die dies zulässt, ist die Lichtfeldfotografie, ihr bekanntester Vertreter das US-amerikanische Unternehmen Lytro . So löst beispielsweise der 1/1,2-Zoll-Bildsensor der Lytro Illum nicht in Megapixeln auf, sondern in „Lichtstrahlen“, genauer gesagt 40 Millionen Lichtstrahlen (40 Megarays). Der Sensor liegt hinter einem Mikrolinsengitter. Diese Mikrolinsen erweitern jeden einfallenden Lichtpunkt zu einem Kreis. Aus diesem Kreis errechnet die sogenannte Light Field Engine 2.0 die Richtungsinfos und wandelt sie zusammen mit den Farb- und Helligkeitswerten in eine Bilddatei um. Sie trägt die Endung „lfp“ (Light Field Picture) und enthält auch die dazugehörigen Schärfeebenen in den Metadaten. Über eine spezielle Software können Sie dann den Fokuspunkt in jedem Lytro nach Belieben bestimmen.

Hinweis: Überraschend hat Lytro im April 2016 angekündigt, seine Lichtfeldkamera-Produktlinie bis auf weiteres einzustellen . Wer an der Technik also interessiert ist, sollte wohl möglichst bald eine Kaufentscheidung treffen.

Eine Alternative zur Lichtfeldfotografie bietet Panasonic mit dem Feature „ Post Focus “, das Sie derzeit für die Modelle FZ300, G70 und GX8 per Firmware-Update nachrüsten können. Dabei nutzt der Hersteller die 4k-Videofunktion der Kameras: Sie nehmen bis zu 30 Serienbilder pro Sekunde mit 8 Megapixeln (4k) auf, wobei jedes Mal die Schärfeebene versetzt wird. Über das Kameradisplay können Sie anschließend beim Ansehen den Fokuspunkt bestimmen und das Bild abspeichern. Auch Olympus hat eine ähnliche Funktion in seine OM-D E-M10 II eingebaut, die sich für weitere Modelle nachrüsten lässt. Beim „Focus Bracketing“ nimmt die Kamera bis zu 999 (!) Bilder mit vorbestimmtem Fokusschritten und 11 Bildern pro Sekunde auf. Die einzelnen Bilder werden mit voller Auflösung abgespeichert, sodass Sie sich nachher das passende aussuchen können.

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