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Das perfekte Bild - So kalibrieren Sie Ihr Display

28.10.2016 | 09:23 Uhr |

Monitor auspacken, einstecken – und fertig. Mehr braucht es nicht für die Installation. Dabei kann sich mit einer Kalibrierung die Bildqualität nochmals erheblich verbessern.

Fotos sehen wir auf dem Monitor, dem Smartphone, dem Tablet und auf Papier. Häufig unterscheiden sich die Farben. Während sie auf Schirmen mit erweitertem Farbraum unnatürlich überzeichnet sind, kommen sie uns auf Papier ungemein flau vor. Damit müssen Sie sich aber nicht abfinden. Denn die Geräte lassen sich kalibrieren. So erhalten Sie Farben, die einem Industriestandard entsprechen. Das ist in gewisser Weise ein Kompromiss, verleiht Ihnen allerdings die Kontrolle über Ihre Bilder. In diesem Ratgeber geben wir Tipps, wie Sie zu farbgenauer Darstellung am Schirm, Mobilgerät und Drucker kommen, welche Programme mit Farbmanagement umgehen können und wie sich Windows dabei verhält.

Grundlage: Farbverwaltung von Windows verstehen

Um zu einem kontrollierten Umgang mit digitalen Farben zu kommen, ist die „Farbverwaltung“ von Windows Ihre erste Anlaufstelle. Sie ist im Vergleich zu anderen Betriebssystemen wie dem Mac-OS weniger ausgeprägt, fungiert jedoch als Zentrale im System für den Umgang mit ICC-Profilen und bietet ein eigenes Color Management System (CMS). Unter Windows 10 etwa rufen Sie durch einen Rechtsklick auf das Windows-Symbol die „Systemsteuerung“ auf. Damit die Farbverwaltung angezeigt wird, klicken Sie bei „Anzeige:“ auf „Kleine Symbole“.

In der Farbverwaltung von Windows finden Sie unter dem Reiter „Geräte“ eine Liste mit allen profilfähigen Geräten. Sind mehrere Bildschirme an den Rechner angeschlossen, so sind sie durchnummeriert. Wollen Sie die Reihenfolge nachvollziehen, klicken Sie auf „Monitore identifizieren“. Windows blendet nun kurz die Zahlen 1 sowie 2 auf den jeweiligen Bildschirmen ein. Ist keinem Monitor oder sonstigem Gerät ein selbst definiertes Profil zugeordnet, fehlt der Haken im Kästchen bei „Eigene Einstellungen für das Gerät verwenden“. In dem Fall nutzt Windows das Systemstandardprofil.

Die Farbverwaltung wird in der Windows-Systemsteuerung nur dann angezeigt, wenn Sie unter „Anzeige:“ „Kleine Symbole“ auswählen.
Vergrößern Die Farbverwaltung wird in der Windows-Systemsteuerung nur dann angezeigt, wenn Sie unter „Anzeige:“ „Kleine Symbole“ auswählen.

Sie können einem Gerät – etwa Ihrem Monitor – mehrere Profile zuordnen. Dies ist sinnvoll, wenn Sie Testprofile für bestimmte Programme ausprobieren möchten oder verschiedene Profile für unterschiedliche Umgebungsbedingungen definiert haben. Um das Profil zuzuordnen, wählen Sie es einfach aus der angezeigten Liste aus und klicken im Anschluss daran auf „Als Standardprofil festlegen“.

Auf dem Reiter „Alle Profile“ sind die Profile aufgelistet, die sich auf Ihrem Rechner nutzen lassen. Unter „WCS-Geräteprofile“ finden Sie Dateien nach dem Windows-eigenen Standard „Windows Color System“. Dieser wird allerdings von fast keinem Programm unterstützt. Deshalb können Sie diese Profile getrost ignorieren. Relevant sind die Dateien mit den Endungen „.icc“ oder „.icm“. Sie entsprechen den Normen des International Color Consortiums, einem Zusammenschluss von Programmherstellern, um die Farbmanagementsysteme zu vereinheitlichen. Um ein neues Profil zu laden, klicken Sie auf „Hinzufügen“ oder mit einem Rechtsklick auf die Datei und wählen nun „Profil installieren“. Oft ist auf der Treiber-CD Ihres Monitors oder Druckers bereits ein ICC-Profil zum Modell zu finden. Laden Sie den Treiber, wird auch das Profil aufgespielt. Sie finden es im Windows-Standardprofilordner unter „Windows\System32\spool\drivers\color“.

Siehe auch: PC-Monitor optimal kalibrieren - so geht's

Systemweite Standards von Windows ändern

Die Windows-Farbverwaltung arbeitet auf zwei Ebenen: auf das angemeldete Benutzerkonto bezogen oder systemweit. Haben Sie Administratorrechte für Ihren Rechner, finden Sie unter „Erweitert“ das Feld „Systemstandards ändern…“ aktiv gesetzt. Klicken Sie darauf, öffnet sich ein weiteres Fenster, das im Prinzip genauso aufgebaut ist wie das erste mit den Reitern „Geräte“, „Alle Profile“ und „Erweitert“. Die Auswirkungen auf das System sind jedoch unterschiedlich. Während sich Änderungen im ersten Fenster nur auf Ihre Anmeldung beziehen, definieren Sie im zweiten Fenster systemweite Standards. Als einzelner Benutzer lohnt sich hier allerdings nur eine Einstellung: Setzen Sie ein Häkchen bei „Windows-Bildschirmkalibrierung verwenden“.

Ist die Funktion aktiviert, so schreibt Windows künftig beim Systemstart von sich aus die Kalibrierungsdaten in die LUT (Look-Up-Table) der Grafikkarte. So übernimmt Windows automatisch das Profil, das unter „Geräte“ als Standard definiert ist. Des Weiteren können Sie aus der Farbverwaltung heraus zwischen Profilen umschalten und so feststellen, ob das Monitorprofil überhaupt eine Veränderung bringt.

Keine wirkliche Farbkontrolle mit Bildschirmtools

Manche Monitorhersteller bieten zu ihren Displays kostenlose Programme an, mit denen sich die Geräte einfacher einstellen lassen – etwa Philips Smart Control Premium . In der Regel verlagern sie die Bedienung vom Onscreen-Menü des Bildschirms auf den Rechner. So können Sie die Einstellungen per Maus vornehmen und ersparen sich das Navigieren über Monitortasten. Neben Einstellungen wie etwa Kontrast oder Helligkeit lassen sich auch Funktionen wie Pivot oder Energiesparmodi einstellen. Beim ersten Aufruf erkennt das Tool das entsprechende Monitormodell und fragt die derzeitigen Einstellungen vom Onscreen-Menü ab. Verändern Sie Werte, übernimmt sie der Monitor automatisch.

Zwei Ebenen der Windows-Farbverwaltung: Die erste bezieht sich auf das angemeldete Benutzerkonto, die zweite gilt für das gesamte System.
Vergrößern Zwei Ebenen der Windows-Farbverwaltung: Die erste bezieht sich auf das angemeldete Benutzerkonto, die zweite gilt für das gesamte System.

Zusätzlich bieten die Tools der Hersteller häufig Einstellungen für die Farbkalibrierung an – bei Philips Smart Control Premium unter dem Menüpunkt „Farbe“. Hier können Sie den Farbraum des Monitors auf sRGB einstellen sowie Weißpunkt und Gamma definieren. Es findet jedoch keine echte Profilierung statt und damit keine wirkliche Kalibrierung des Monitors.

Neben den Programmen vom Hersteller gibt es auch herstellerunabhängige Tools zum Einstellen des Monitors – wie etwa Calibrize . Wiederum sollen sich die Programme für das Kalibrieren des Bildschirms eignen. In Wahrheit lassen sich aber nur in drei Schritten Einstellungen für Kontrast, Helligkeit, Gamma und RGB-Kanäle vornehmen, die in einer ICC-Datei abgespeichert werden. So lädt Windows die Monitoreinstellungen beim Systemstart. Im Gegensatz zu einem echten Farbprofil fehlen allerdings festgelegte Definitionen, wie die Farben auszusehen haben.

Monitortool vom Hersteller: Es regelt Einstellungen wie beispielsweise Helligkeit und Kontrast über Tastatur und Maus, erstellt allerdings kein echtes Farbprofil.
Vergrößern Monitortool vom Hersteller: Es regelt Einstellungen wie beispielsweise Helligkeit und Kontrast über Tastatur und Maus, erstellt allerdings kein echtes Farbprofil.

Echtes Farbmanagement am Schirm mit dem Colorimeter

Wollen Sie mit verlässlichen Farben arbeiten, dann genügt es nicht, den Bildschirm über das Onscreen-Menü oder ein Tool einzustellen. Sie müssen die Farben des Schirmes definieren. Das geht aber nur mit einem Messgerät, dem Colorimeter. Es richtet die Farbdarstellung auf einen Industriestandard aus und berücksichtigt je nach Modell auch die Umgebungsverhältnisse, in denen sich der Monitor befindet. Außerdem lassen sich individuelle Profile für mehrere Monitore an einem Rechner erstellen. So ist sichergestellt, dass die Farben auf jedem Schirm gleich aussehen. Colorimeter gibt es mit unterschiedlichem Funktionsumfang. Die Lösungen umfassen stets das Messgerät und ein abgestimmtes Kalibrierprogramm. Sie eignen sich für Desktop-und Notebook-Schirme sowie Beamer und starten bei rund 120 Euro wie etwa das Datacolor Spyder 5 Express . Teurere Versionen bieten einen erweiterten Funktionsumfang wie zum Beispiel die Simulation des Druckergebnisses am Schirm.

Kontrolle: Wo das Colorimeter eingegriffen hat, zeigt die Ausgangs-und Zielwerteübersicht.
Vergrößern Kontrolle: Wo das Colorimeter eingegriffen hat, zeigt die Ausgangs-und Zielwerteübersicht.

Dabei arbeiten Colorimeter nach einem festgelegten Verfahren: Zuerst laden Sie die Software auf den Rechner, an welchem der Schirm angeschlossen ist. Sie führt durch den gesamten Messvorgang. Den Monitor setzen Sie am Onscreen-Menü auf Werkseinstellungen zurück und stellen ihn auf die gewünschte Farbtemperatur – etwa 6500 Kelvin – ein. Das Colorimeter ist per USB mit dem PC verbunden. Sie wählen die Monitorart (Desktop, Notebook, Beamer), den Hersteller und das Modell aus. Das Gerät misst die derzeitigen Farben des Monitors und gibt Einstellungsempfehlungen. Manche Colorimeter sind in der Lage, die Raumbeleuchtung zu messen und abhängig davon eine Empfehlung auszugeben – etwa 180 Candela pro Quadratmeter Helligkeit.

25 Windows-10-Hacks: Mehr Speed, bessere Oberfläche

Als nächsten Schritt bringen Sie das Colorimeter in der Bildschirmmitte an. Damit es plan aufliegt, neigen Sie den Monitor etwas nach hinten. Die Messung startet mit unterschiedlichen Vollbildern (Weiß, Schwarz, Rot, Blau). Stimmt die tatsächliche Helligkeit nicht mit der Empfehlung überein, werden Sie zur Korrektur am Monitormenü aufgefordert. Erst danach optimiert das System den Weißpunkt. Die Messung endet mit dem Entfernen des Geräts vom Schirm. Sie vergeben einen Profilnamen und speichern die ICC-Datei, die im Windows-Standardprofilverzeichnis abgelegt wird. In einer Ergebnistabelle sehen Sie die Werte vor und nach der Messung. So können Sie genau nachvollziehen, was am Schirm verändert ist.

Displays von Tablets und Smartphones kalibrieren

Manche Kalibriergeräte lassen sich zusammen mit der entsprechenden App auch für das Farbmanagement von Tablets und Smartphones einsetzen – etwa das X-Rite i1 Display Pro für rund 200 Euro. So funktioniert der Kalibriervorgang:

Vorbereitung: Sie haben die Messgerätesoftware iProfiler auf dem Rechner installiert und auf die neueste Version aktualisiert. Das Colorimeter i1 Display Pro ist per USB mit dem PC verbunden. Dieser und das Mobilgerät befinden sich in einem WLAN. Außerdem ist auf dem Mobilgerät die App Colortrue aufgespielt, die es für iOS und Android in den jeweiligen Stores gibt. Damit iOS-Geräte am Windows-Rechner erkannt werden, müssen iTunes oder Bonjour auf dem PC installiert sein. Unabhängig vom Mobilbetriebssystem rät X-Rite, die Treiber von der Webseite herunterzuladen und zu installieren.

Messung: Starten Sie die App, damit sich Messgerät und Mobilgerät finden. Danach setzen Sie das Colorimeter auf den Bildschirm des Tablets oder Smartphones. Die Messung beginnt und läuft automatisch ab. Die App lädt das erstellte Profil automatisch in die entsprechende Cloud und nutzt es, sobald Sie die Anwendung starten.

Bildbetrachter: Haben Sie erlaubt, dass die App auf Ihre Fotos zugreifen kann, zeigt sie Ihre Bilder nach der Messung im Vergleich kalibriert und nicht kalibriert in der „Color True Bildergalerie“ an. Sie können nun zwischen den Farbräumen sRGB, Adobe RGB oder Pro Photo RGB wechseln. Außerdem lassen sich die Bilder unter Berücksichtigung des Umgebungslichts, der Weißpunkte D50 und D65 sowie in der Drucksimulation beurteilen.

Alternative: Monitor mit Hardwarekalibrierung

Bei einem herkömmlichen Monitor misst das Colorimeter die Farbwiedergabe und hält die Korrekturwerte im ICC-Profil fest, das beim Systemstart in die LUT (Look-Up-Table) der Grafikkarte geladen wird. Für die Farbwiedergabe versucht die Grafikkarte, die Farbwerte so korrekt wie möglich zu treffen. Je stärker sie korrigieren muss, desto größer fallen die Abweichungen aus. Tonwertabrisse sind dabei nicht auszuschließen. Das umgehen hardwarekalibrierte Monitore über einen eingebauten Chip, in den sich das Profil speichern lässt. Die Grafikkarte bleibt außen vor, die Farben am Bildschirm fallen hierdurch sehr genau aus.

Gleichzeitig beherrschen diese Monitore neben sRGB mit Adobe RGB einen größeren Farbraum. Er ist bei Kreativen aus den Bereichen Foto und Video der Standardfarbraum, denn hier sind die Programme des Herstellers die etablierte Norm. Zu dem größeren Farbraum kommt noch ein Talent des hardwarekalibrierten Monitors dazu: Er kann Farben mit mindestens 10 Bit Farbtiefe darstellen. Damit erreicht er wesentlich mehr Abstufungen als ein Gerät mit 8 Bit pro Kanal (RGB). Diese Fähigkeiten schlagen sich allerdings auch im Preis nieder. Selbst im Einsteigerbereich müssen Sie mit mehreren hundert Euro rechnen – etwa für den Benq SW2700PT , der bei einer Bilddiagonalen von 68 Zentimetern (27 Zoll) auf rund 700 Euro kommt. Bildschirme mit eingebautem Colorimeter können noch weitaus teurer sein – wie zum Beispiel der Eizo Coloredge CG247X , der bei einer Diagonalen von 61 Zentimetern (24 Zoll) auf stolze 1630 Euro kommt.

Echte Farbmessung: Um die Farben des Bildschirms auf einen Industriestandard zu bringen, benötigen Sie ein Hilfsmittel ? das Colorimeter.
Vergrößern Echte Farbmessung: Um die Farben des Bildschirms auf einen Industriestandard zu bringen, benötigen Sie ein Hilfsmittel ? das Colorimeter.
© Datacolor

Richtige Farben nur mit kalibriertem Drucker

Wollen Sie die Farben nicht nur kalibriert am Bildschirm betrachten, sondern auch verbindlich ausdrucken, so benötigt der Drucker ebenfalls eine Kalibrierung. In manchen Fällen liefern die Druckertreiber bei der Installation ICC-oder ICM-Profile mit, welche im Windows-Systemordner abgelegt sind. Sie können diese über die Windows-Farbkalibrierung installieren. Alternativ erstellen Dienstleister ein Profil für Ihren Drucker. Sie drucken ein Testchart und senden es an den Anbieter. Im Gegenzug erhalten Sie ein ICC-Profil. Die Leistung kostet ab 20 Euro – etwa bei www.caliprint.de oder bei www.farbenwerk.com . So kommen Sie zwar zu verbindlichen Farben, müssen allerdings den Vorgang mit jeder Papiersorte wiederholen, um auf der sicheren Seite zu sein. Das kann ins Geld gehen. Alternativ können Sie selbst Profile für Ihren Drucker erstellen. Dieser Aufwand lohnt sich aber nur, wenn Ihr Monitor schon kalibriert ist. Sonst sehen Sie am Schirm andere Farben als auf dem Ausdruck. Wie bei der Monitorkalibrierung brauchen Sie auch bei der Druckfarbenmessung ein extra Messgerät und eine entsprechende Software. Relativ günstige Lösungen bieten das X-Rite Colormunki Photo für rund 420 Euro oder das Datacolor Spyder 5 Print für etwa 345 Euro. Mit dem Gerät von X-Rite können Sie sowohl Monitore als auch Drucker messen. Das Spyder 5 Print ist auf Druckerprofile spezialisiert. Als Bundle-Lösung Studio 5 bietet Datacolor ein Set an Messgeräten für Kamera, Monitor und Drucker an, das für rund 450 Euro erhältlich ist.

Monitor mit Hardwarekalibrierung: Diese Schirme wie etwa der Benq SW2700PT speichern die Profildaten direkt in der eingebauten Elektronik und können so Farben exakter wiedergeben.
Vergrößern Monitor mit Hardwarekalibrierung: Diese Schirme wie etwa der Benq SW2700PT speichern die Profildaten direkt in der eingebauten Elektronik und können so Farben exakter wiedergeben.
© Benq

Vor der Druckerkalibrierung müssen alle Funktionen zur Farbverbesserung im Treiber deaktiviert sein. Das verhindert, dass der Druckertreiber die Umsetzung in den CMYK-Farbraum vornimmt. Bevor Sie drucken, überprüfen Sie die Druckqualität. Sehen Sie Streifen im Probedruck, so führen Sie eine Düsenreinigung durch. Wählen Sie anschließend im Programm zum Messgerät aus, wie genau die Kalibrierung ausfallen soll, sprich: wie viele Felder gemessen werden sollen. Ein mittleres Ziel hat etwa 255 Messfelder. Je genauer die Messung, desto kleiner sind auch die Felder auf den Ausdrucken. Nehmen Sie genau den Papiertyp – etwa Fotopapier oder mattes Qualitätspapier – mit dem Sie das Profil erstellen möchten. Vor dem Messen müssen Sie die Ausdrucke mindestens eine halbe Stunde trocknen lassen. Mithilfe des Spektralcolorimeters erfassen Sie jedes Farbfeld. Das kann einzeln oder im Zeilenverfahren geschehen. Das fertige Profil speichern Sie daraufhin noch unter einer möglichst genauen Bezeichnung ab. Es wird unter Windows im Standardprofilordner abgelegt.

Farben nach Industriestandard: Das Spektralphotometer X-Rite Colormunki Photo vermisst ausgedruckte Farbfelder genauso wie Monitorfarben.
Vergrößern Farben nach Industriestandard: Das Spektralphotometer X-Rite Colormunki Photo vermisst ausgedruckte Farbfelder genauso wie Monitorfarben.

Farbmanagement abhängig vom Programm

Gimp: Kostenloses Bildbearbeitungsprogramm mit umfangreicher Farbmanagementverwaltung, das mit Farbprofilen für Monitor und Drucker umgehen kann.
Vergrößern Gimp: Kostenloses Bildbearbeitungsprogramm mit umfangreicher Farbmanagementverwaltung, das mit Farbprofilen für Monitor und Drucker umgehen kann.

Auch wenn Monitor und Drucker kalibriert sind, kann nicht jede Software automatisch mit Farbmanagement umgehen. So ignorieren beispielsweise die Office-Programme Farbinformationen komplett. Das gilt gleichfalls für die Webbrowser Internet Explorer und Edge sowie die gängigen Browser-Varianten bei Mobilgeräten mit iOS-und Android-Betriebssystemen. Bei anderen Browsern wie beispielsweise Mozilla Firefox oder auch Google Chrome kommt ein bedingtes Farbmanagement zum Zug, indem sie Bilder im sRGB-Farbraum anzeigen.

Immerhin lässt sich in Firefox seit der Version 3.5 das Farbmanagement mit einem Trick aktivieren. Öffnen Sie hierzu den Browser und geben Sie im Anschluss daran in die Adresszeile about:config ein. Bei der nachfolgenden Sicherheitsabfrage klicken Sie auf „Ich werde vorsichtig sein, versprochen!“. Auf der Konfigurationsliste suchen Sie nun den Eintrag „gfx.color_management.mode“. Klicken Sie danach doppelt auf die Zeile und ändern Sie den Eintrag „2“ auf den Wert „1“. Jetzt kann Firefox mit ICC-Profilen umgehen. Wenn Sie zusätzlich den Eintrag „gfx.color_management.ena blev4“ mit einem Doppelklick von „false“ auf „true“ umstellen, erkennt der Browser auch Profile der aktuellen Version 4.

Nicht einmal bei Bildbearbeitungsprogrammen ist Farbmanagement selbstverständlich vorhanden, abgesehen von Profi-Software wie Adobe Photoshop. Bedingt wenden die Gratis-Programme Irfanview und Xnview Profile an. Windows Paint verzichtet hingegen komplett auf Farbmanagement. Ein kostenloses Programm, das umfangreich mit Farbprofilen umgehen kann, ist Gimp . Unter „Bearbeiten -> Einstellungen -> Farbverwaltung“ finden Sie die Voreinstellungen für das Farbmanagement. Sie können den „Arbeitsmodus“ in „Farbkorrigierte Darstellung“ ändern und unter „Drucksimulationsprofil“ erstellte Profile aktivieren.

Fachchinesisch erklärt

Beschäftigen Sie sich mit der Farbkalibrierung Ihres Monitors oder Druckers, begegnen Ihnen Begriffe, die einer Erklärung bedürfen.

Adobe RGB: Der Farbraum ist etwas größer als sRGB und als Alternative dazu entstanden. Er sollte die Ecken des CMYK-Farbraums von Druckern abdecken. Adobe RGB gilt in der Druckbranche als bevorzugter Standard und lässt sich auch bei manchen Digitalkameras oder Monitoren einstellen.

CMYK: Das Kürzel steht für Cyan, Magenta, Yellow, Black und beschreibt die Farben Blau, Rot, Gelb und Schwarz, aus denen Ausgabegeräte wie Drucker und Multifunktionsgeräte die Farben mischen. Der CMYK-Farbraum ist kleiner als etwa RGB. Ein Bild am Monitor muss zum Ausdruck deshalb in den kleineren Farbraum umgesetzt werden.

Farbtiefe: Sie beschreibt die Differenzierung aller Helligkeits-und Farbwerte. Bei einem RGB-Bild ergibt sich für jede Farbe ein Wert pro Kanal RGB. Maximal sind 256 Abstufungen pro Farbkanal eines Pixels möglich. Sie entsprechen einer Farbtiefe von 8 Bit pro Kanal. Je mehr Abstufungen vorhanden sind, desto mehr Helligkeitsstufen lassen sich darstellen. Bei einer Farbtiefe von 16 Bit pro Kanal lassen sich nicht doppelt so viele Helligkeitsstufen, sondern vielmehr 256 mal so viele darstellen. Es ergibt sich eine maximal mögliche Anzahl von 281 Milliarden Helligkeitswerten. Sie entsprechen 48 Bit Farbtiefe und reichen für jede Art der Bildbearbeitung derzeit aus, ohne dabei Tonwertabrisse zu riskieren.

Gamut: Der Fachbegriff steht für Farbkörper und beschreibt den geometrischen Körper, der sich je nach verwendetem Farbsystem (sRGB, CMYK, Adobe RGB) ergibt. Er dient zur Darstellung des je-weiligen Farbmodells.

ICC-Profil: Damit ist eine Farbraumbeschreibung gemeint. Aus ihr geht hervor, welche Farben mit den angegebenen Werten gemeint sind. Die Profile sind in Bildformaten wie TIFF, JPEG oder PNG eingebettet und damit Teil der Meta-Daten der Bilddatei. Die Daten lassen sich von Programmen beispielsweise zur Bildbearbeitung auslesen. Bei Monitoren und Druckern beschreiben die Profile die farblichen Eigenschaften des Geräts.

LAB: Dieser Farbraum enthält alle sichtbaren Farben und dient als geräteunabhängige Basis zur Umrechnung in andere Farbräume. Er ist kugelförmig und enthält die Achsen XYZ. Die vertikale Achse L beschreibt die Helligkeit (Lightness), die horizontalen Achsen A und B stellen die Farben zwischen Blau und Gelb sowie Grün und Rot dar. In den Raum (Z) nimmt die Farbsättigung ab.

LUT: Das Kürzel steht für Look-Up-Table. Gemeint ist eine Umwandlungstabelle, die in Geräten hinterlegt wird, um aufwendige Berechnungen zu vereinfachen. So enthalten ICC-Profile Werte, die auf die LUT der Grafikkarte verweisen. Andererseits können die Profile auch eine eigene Farbzuordnungstabelle enthalten. Dann wachsen sie von wenigen KB auf rund ein MB an.

sRGB: Das Kürzel steht für Standard Rot, Grün, Blau und bezeichnet den kleinsten und gleichzeitig gängigsten der Farbräume. Er entstand als Kompromiss, um die Darstellung eines durchschnittlichen Röhrenmonitors zu beschreiben. Inzwischen ist sRGB der feste Standard für die Hersteller von Kameras, Druckern und Monitoren.

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