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Cameyo: Beliebige Anwendungen portabel machen

13.10.2014 | 11:31 Uhr |

Wenn es von Ihrem Lieblings-Programm keine portable Version gibt, hilft Cameyo weiter. Das Gratis-Tool kann aus einem normalen Programm eine portable Anwendung machen.

Portable Anwendungen sind eine praktische Sache: Sie müssen nicht installiert, sondern nur entpackt werden, vermüllen nicht die Windows-Registry oder versteckte Verzeichnisse, lassen sich samt Benutzereinstellungen mitnehmen und auf anderen PCs ausführen und sind blitzschnell gelöscht, wenn Sie sie nicht mehr benötigen. Kein Wunder also, dass sich das Projekt Portableapps.com, das sich darauf spezialisiert hat, beliebte Freeware-Tools wie Firefox , Irfan View , VLC Media Player , Open Office und Skype portabel zu machen, großer Beliebtheit erfreut.

Möglicherweise ist aber genau Ihr Lieblings-Tool unter den gut 300 von Portableapps.com portabel gemachten Anwendungen nicht dabei. Wenn auch der Hersteller selber auf seiner Homepage keine portable Version anbietet, hilft das kostenlose Tool Cameyo weiter. Es kann aus vielen Programmen - wenn auch nicht aus jedem - eine portable Anwendung machen. Sie können die resultierenden Programm-Pakete sogar so einschränken, dass sie keinerlei Schreibzugriff auf das Betriebssystem haben.

Arbeiten Sie mit einem frisch aufgesetzten Windows: Um eine Anwendung portabel zu machen, überwacht Cameyo ihren Installationsvorgang. Das setzt natürlich voraus, dass die entsprechende Anwendung noch nicht auf dem System installiert ist. Falls doch, könnten Sie sie zwar theoretisch entfernen und - mit Cameyo im Hintergrund - erneut installieren. Da allerdings nicht gesichert ist, dass bei der Deinstallation wirklich alle Bestandteile entfernt werden, sind die Erfolgsaussichten eher durchwachsen.
Außerdem sollten Sie dafür sorgen, dass während der von Cameyo überwachten Installation keine anderen Anwendungen im Hintergrund laufen und möglicherweise Registry-Einträge schreiben oder Dateien verändern.

Daher ist es am besten, wenn Sie zum Erstellen portabler Anwendungen immer ein frisch aufgesetztes Windows-System benutzen. Damit meinen wir natürlich nicht, dass Sie jedes Mal Ihr Hauptsystem „platt machen“ sollen. Stattdessen installieren Sie entweder Windows auf einer zweiten Festplatten-Partition, oder – viel eleganter – nutzen eine Virtualisierungs-Software wie das kostenlose Virtual Box. Darin installieren Sie Windows und erstellen nach erfolgter Einrichtung in Virtual Box einen „Sicherungspunkt“. Dabei handelt es sich um einen Schnappschuss des aktuellen Zustands des virtuellen Systems, zu dem Sie jederzeit zurückkehren können, also zum Beispiel jeweils vor dem Erstellen einer neuen portablen Anwendung.

So gehen Sie vor: Starten Sie Cameyo idealerweise auf einem frisch installierten Windows, zum Beispiel innerhalb eines virtuellen PCs, und wählen Sie „Capture an installation“. Warten Sie, bis das Fenster „Taking initial snapshot before installation“ rechts unten verschwunden ist und dort stattdessen „Install the software you wish to package“ steht.

Installieren Sie nun das Programm, das Sie portabel machen möchten. Sollte die Installationsroutine im Anschluss nach einem Neustart verlangen, führen Sie ihn durch, ohne vorher auf das Cameyo-Dialogfeld rechts unten zu klicken. Nach vollständiger Installation starten Sie das betreffende Programm einmal und beenden es wieder. Erst dann klicken Sie rechts unten im Cameyo-Dialogfeld, das nach einem eventuellen Neustart automatisch wieder erscheint, auf „Install done“.

Nun überprüft Cameyo, welche Dateien und Registry-Einträge durch die Installation hinzugekommen sind, kopiert diese und erstellt daraus ein portables Anwendungs-Paket, das es im Benutzer-Verzeichnis „Dokumente\Cameyo apps“ speichert. Dieses können Sie nun überall mit hinnehmen und ohne Installation per Doppelklick starten. Durch seine Virtualisierungs-Schicht gaukelt Cameyo der Anwendung vor, dass die Dateien und Registry-Einträge an ihrer gewohnten Stelle vorhanden sind. Wie eingangs erwähnt, funktioniert dies bei vielen, aber nicht bei allen Programmen. Eine Prognose ist schwierig, daher gilt: Einfach ausprobieren.

Standardmäßig hat die portable Anwendung aus Sicherheitsgründen nur auf die Benutzerverzeichnisse, den Desktop und auf Netzlaufwerke Schreibzugriff. Versucht sie, auf andere Ordner schreibend zuzugreifen, leitet Cameyo die neuen und geänderten Daten - für die jeweilige Anwendung unbemerkt - um. Das bedeutet, dass Sie Dateien, die Sie mit der portabel gemachten Anwendung bearbeitet haben, nur an den zuvor genannten Stellen speichern sollten. Falls Sie sie in einem anderen Verzeichnis ablegen, erhalten Sie zwar keine Fehlermeldung, können von anderen Programmen aus aber nicht darauf zugreifen.

Möchten Sie dieses Verhalten ändern, starten Sie Cameyo und klicken im Auswahlmenü „Edit a package“ und danach „Open existing virtual app“ an. Anschließend wählen Sie die portable Anwendung mit der Endung „.cameyo.exe“ aus. Unter „Isolation mode“ können Sie statt dem voreingestellten „Data mode“ nun entweder „Isolated“ (keinerlei Schreibzugriff) oder „Full access“ (voller Schreibzugriff) wählen. Auf der Registerkarte „Files“ sehen Sie die im Paket enthaltenen Dateien und auf der Registerkarte „Registry“ die Registry-Einträge. Bei Bedarf können Sie Elemente beziehungsweise Einträge exportieren oder hinzufügen.

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