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SSDs unter Linux optimal eingesetzt

17.12.2012 | 11:22 Uhr |

Die Geschwindigkeit von SSDs macht Laune, und aktuelle Linux-Systeme kommen mit dieser Sorte Datenträger gut klar. Für den optimalen Einsatz unter Linux sind aber einige Feinheiten zu beachten.

Mit Ext4 bietet Linux bereits seit Kernel-Version 2.6.33 mit Ext4 ein ausgereiftes und geeignetes Dateisystem für Partitionen auf einer SSD. Die richtigen Einstellungen für das Dateisystem auf einer SSD trifft die verwendete Linux-Distribution aber nicht selbst, sondern überlässt Ihnen die Feinabstimmung. Damit das Laufwerk nicht unerwartet schlappmacht, hilft die Kontrolle der Leistungsdaten über SMART, die verbleibende Lebensdauer einer SSD abzuschätzen. Und ein spezieller Formatbefehl setzt die SSD bei Bedarf in den Werkszustand zurück.

Ext2/3/4: Mehr Platz auf SSDs

Nachträglich können Sie die Anzahl der reservierten Blöcke mit tune2fs reduzie- ren. Bei SSDs ab 100 GB ist ein Prozent ausreichend.
Vergrößern Nachträglich können Sie die Anzahl der reservierten Blöcke mit tune2fs reduzie- ren. Bei SSDs ab 100 GB ist ein Prozent ausreichend.

Bei der Formatierung reserviert das Dateisystem Ext2/3/4 eine bestimmte Anzahl an Inodes für Systemdateien und privilegierte Systemprozesse. Der reservierte Platz soll sicherstellen, dass sich der Systemadministrator root auch dann System anmelden kann, wenn es durch eine volle Systempartition praktisch lahmgelegt ist. Standardmäßig liegt der reservierte Platz bei fünf Prozent – bei einer 100-GB-SSD sind das also schon 5 GB. Bei den heute üblichen Größen von SSDs von über 100 GB lässt sich der Platz gefahrlos verringern. Das gelingt mit dem Tool tune2fs, das viele Parameter von Ext2/3/4-Dateisystemen nachträglich ohne Datenverlust anpassen kann. Das Kommando /sbin/tune2fs -m 1 /dev/sda1 reduziert die Anzahl der reservierten Blöcke auf der Partition /dev/sda1 auf ein Prozent.
Für diesen Befehl brauchen Sie root-Privilegien, oder Sie stellen ein sudo voran.

Schnell, schneller, SSD - lohnt sich das Upgrade?

Swap für SSDs optimieren
Die Weisheit „Nur nicht swappen, lieber mehr RAM einbauen“ ist bei schnellen SSDs nicht mehr gültig. Auch dass das Auslagern grundsätzlich mit mehr RAM vermieden werden sollte, ist kein optimales Rezept: Denn der Kernel lagert Speicher auch aus, wenn belegte Speicherseiten im RAM schlicht nicht mehr genutzt werden.

Beim Einsatz einer schnellen SSD lohnt es sich, höhere Werte für „vm. swappiness“ auszuprobieren und so den Auslagerungsspeicher (Swap) aktiver zu nutzen.
Vergrößern Beim Einsatz einer schnellen SSD lohnt es sich, höhere Werte für „vm. swappiness“ auszuprobieren und so den Auslagerungsspeicher (Swap) aktiver zu nutzen.

Der Parameter „Swappiness“ des Speichermanagements steuert, wie eifrig der Kernel unbenutzten Speicher auslagert. Dieser Parameter kann einen Wert zwischen 10 und 100 annehmen – je höher, desto aktiver wird der Auslagerungsbereich genutzt. Bei aktuellen Linux-Distributionen ist dieser Wert auf 60 festgelegt, eine gute Balance für normale Desktop-PCs mit mechanischer Festplatte. Welchen Wert der Parameter „Swappiness“ auf Ihrem System hat, findet Sie mit diesem Kommando heraus: cat /proc/sys/vm/swappiness
Und wie viel Auslagerungsspeicher das System gerade nutzt, verrät dieser Befehl: cat /proc/swaps
Mit einer SSD lohnt sich das Experiment mit auslagerungsfreudigen Einstellungen. Um beispielsweise den Wert auf 80 zu erhöhen und damit mehr und früher auszulagern, geben Sie mit root-Rechten oder mit vorangestelltem sudo den Befehl sudo sysctl vm.swappiness=80 ein. Starten Sie dann einige typisch speicherintensive Programme wie Gimp oder Libre Office, um das neue Swap-Verhalten zu testen. Diese Änderungen sind temporär und gehen beim Neustart verloren. Permanent können Sie den Wert stattdessen in der Konfigurationsdatei „/etc/sysctl.conf“ mit der Zeile vm.swappiness=<Wert> festlegen, wobei der Platzhalter <Wert> die gewünschte Swappiness angibt. Bei den meisten Distributionen müssen Sie diese Zeile in der Datei manuell hinzufügen.

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