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Mini-NAS, Repeater, Access Point - einfach per Alt-Router

27.08.2016 | 08:33 Uhr |

Ein WLAN-Router kann oft mehr, als nur Clients zu verbinden und ins Internet zu bringen. Auch Altgeräte haben eventuell noch nicht ausgedient, wenn sie weiter als Access Point oder Repeater dienen.

Alle Geräte kommen ins Internet, und der beste Platz für den WLAN-Router ist auch gefunden? Nur nichts ändern! Dieses Motto hält das eigene Netzwerk im Idealfall jahrelang ohne Eingriffe online. Allerdings haben die meisten Router interessante Zusatzfunktionen auf dem Kasten. Ein ergiebiges Bastelthema sind alte Router, die der Provider nicht mehr zurückfordert, wenn der Vertrag lange genug lief. Statt das Gerät ungenutzt in der Schublade zu lassen, kann das Gerät neue Aufgaben als Repeater oder Access Point erfüllen.

Der Router als Mini-NAS

Auch günstige Router bieten einen Anschluss für USB 2.0. Der USB-Port bringt angeschlossene, FAT-formatierte Datenträger bequem über CIFS/SMB (Windows-Freigaben) ins Netzwerk und macht den Router zum Mini-NAS. Dieser Weg ist praktisch, um schnell mit einem Smartphone oder Tablet auf einen USB-Stick zuzugreifen. Die Leistung eines NAS-Systems darf man allerdings nicht erwarten.

Extra WLAN für Gäste einrichten - so klappt's

In der Konfigurationsoberfläche des Routers sehen Sie nach dem Anschluss eines USB-Sticks nach, wie der Menüpunkt zum Aktivieren des NAS lautet, etwa „USB“, „USB-Storage“, „NAS“ oder „Samba“. Hier können Sie meist noch einen Server- und Freigabenamen eingeben. Bei der AVM Fritzbox kommen Sie über das Konfigurationsmenü „Heimnetz > Speicher (NAS)“ zur Freigabe von USB-Datenträgern. Im Fall der Fritzbox dürfen diese auch mit NTFS oder Ext2 formatiert sein. Im Menü „System > FRITZ!Box-Benutzer > Anmeldung im Heimnetz“ versehen Sie die Freigabe mit Benutzernamen und Passwort. Der Zugriff auf die Freigabe erfolgt über den Windows-Explorer oder einen netzwerkfähigen Dateimanager anhand der IP-Adresse des Routers und dem Freigabenamen (etwa „\\192.168.1.254\USB“).

Beachten Sie, dass der USB-Port von Routern meist nicht mehr als 500 mAh Strom liefert. Das genügt für USB-Sticks; externe Festplatten ohne eigene Stromversorgung werden nicht funktionieren.

Nicht nur die Fritzbox, sondern viele weitere Router bringen einen Stick am USB-Port als Windows-Freigabe ganz unkompliziert ins Netzwerk. Das Bild zeigt die Freigabe-Einstellungen eines D-Link-Routers.
Vergrößern Nicht nur die Fritzbox, sondern viele weitere Router bringen einen Stick am USB-Port als Windows-Freigabe ganz unkompliziert ins Netzwerk. Das Bild zeigt die Freigabe-Einstellungen eines D-Link-Routers.

Alt-Router als Access Point

Mit einem zusätzlichen Access Point, der per Ethernet oder Powerline angeschlossen ist, erweitern Sie die Reichweite des WLANs. Alte Router eignen sich nach einigen Vorbereitungen ideal: Der Router, der als Access Point dient, muss eine statische IP-Adresse bekommen, und es darf nur der DHCP-Server des Haupt-Routers aktiv sein.

Gehen Sie dazu in die DHCP-Einstellungen des Haupt-Routers, und legen Sie dort einen eingeschränkten Adressbereich fest, beispielsweise von 192.168.1.0 bis 192.168.1.100. Den alten Router verbinden Sie nun per LAN-Kabel mit einem PC zur weiteren Konfiguration und klemmen diesen temporär vom WLAN ab.

Das Altgerät gibt dem PC eine IP-Adresse, und Sie können die Konfigurationsoberfläche im Browser aufrufen. Dort geben Sie dem Router eine IP-Adresse, die außerhalb des zuvor definierten DHCP-Bereichs liegt, beispielsweise 192.168.1.101. Schalten Sie zudem den DHCP-Server ab.

Ihr zweites WLAN richten Sie dann nach Belieben mit SSID und Kennwort ein. Bei einer AVM-Fritzbox müssen Sie unter „Internet > Zugangsdaten“ noch die die Optionen „Internetzugang über LAN 1“ und „Vorhandene Internetverbindung im Netzwerk mitbenutzen (IP-Client)“ einschalten. Danach führen Sie einen Router-Neustart durch, klemmen den umfunktionierten Router vom PC ab und verbinden ihn als neuen Access Point über den LAN-Port (nicht über WLAN/DSL) mit dem zentralen WLAN-Router.

Eine neuere Fritzbox kann als Haupt-Router und Basisstation mit einer älteren Fritzbox (ab der Firmware-Version Fritz-OS 05.50) als Repeater zusammenarbeiten.
Vergrößern Eine neuere Fritzbox kann als Haupt-Router und Basisstation mit einer älteren Fritzbox (ab der Firmware-Version Fritz-OS 05.50) als Repeater zusammenarbeiten.

Alt-Router als Repeater

Viele Router unterstützen den Standard WDS (Wireless Distribution System), um als Repeater zu arbeiten. Der Standard ist jedoch veraltet, da die Verbindung zwischen WDS-fähigen Geräten über die unzureichende WEP-Verschlüsselung erfolgt. Es gibt jedoch herstellerspezifische Erweiterungen für WPS, damit diese auch mit der sicheren WPA/WPA2-Verschlüsselung erfolgt. Dies funktioniert etwa mit einer älteren AVM Fritzbox als Repeater, nicht aber mit ganz alten Modellen der Serien 71XX, 70XX, 31XX und 30XX. Eine Übersicht finden Sie auf dieser AVM-Seite .

Die primäre Fritzbox konfigurieren Sie als Basisstation, indem Sie auf der Konfigurationsoberfläche in der erweiterten Ansicht „WLAN > Repeater > Basisstation“ aktivieren. Notieren Sie sich außerdem die SSID und das WLAN-Passwort. Verbinden Sie dann einen PC nur mit der zweiten Fritzbox, die als Repeater dienen soll, und öffnen Sie deren Konfiguration. Richten Sie die gleiche SSID und das WLAN-Passwort wie bei der Basisstation ein. Unter „WLAN > Sicherheit > WPA-Verschlüsselung“ wählen Sie den Modus „WPA2 (CCMP)“. In der erweiterten Ansicht gehen Sie auch hier auf „WLAN > Repeater“, aktivieren jetzt aber den Modus „Repeater“ worauf sich die Basisstation zeigt. Nach der Auswahl der Basisstation tragen Sie unter „WLAN-Netzwerkschlüssel“ noch das WLAN-Kennwort ein.

Alternative Firmware: Alte Router aufgefrischt

Auf handelsüblichen Routern läuft ein vom Hersteller angepasstes Linux-System. Alternative Firmware-Versionen zielen darauf ab, zusätzliche Funktionen freizuschalten. Mittlerweile gibt es Dutzende alternative Firmware-Varianten für Hunderte Router. Das Aufspielen solcher Firmware ist bei einigen Geräten so einfach wie ein Software-Update, bei anderen ein Geduldsspiel mit Risiken. Router wie den Belkin WRT1900AC bewirbt der Hersteller sogar ausdrücklich mit der Kompatibilität zu Open-Source-Firmware. Ursprung dieses Phänomens war aber nicht die freundliche Zusammenarbeit von Hardware-Herstellern und Bastlern, sondern eine harte Auseinandersetzung: 2003 stellte die Open-Source-Szene fest, dass Linksys auf seinem legendären Modell WRT54G einen angepassten Linux-Kernel einsetzt. Linksys veröffentlichte den Quellcode der Firmware, die schließlich auch auf verwandte ARM-Chipsätze anderer Router portiert wurde. Drei Firmware-Projekte der Open-Source-Szene haben sich etabliert: DD-WRT , OpenWRT und TomatoUSB . In einer anderen Liga spielen die Router von AVM, die als Fritzbox, Speedport oder 1&1 Homeserver vermarktet werden.

Die Weboberfläche öffnet je nach Gerät zahlreiche zusätzliche Einstellungen – hier die Seite mit den WLAN-Einstellungen.
Vergrößern Die Weboberfläche öffnet je nach Gerät zahlreiche zusätzliche Einstellungen – hier die Seite mit den WLAN-Einstellungen.

Inoffizielle Firmware-Images können hierfür aus rechtlichen Gründen nicht zum Download angeboten werden, sondern erfordern ein Kompilieren auf eigene Faust . Fremd-Firmware bleibt in jedem Fall ein Bastel-Thema. Zunächst ist es erforderlich, in der meist englischsprachigen Dokumentation nachzusehen, ob der eigene Router unterstützt wird. Der „eigene Router“ ist ein selbst gekaufter – kein Leihgerät über die Vertragslaufzeit mit dem Provider. Da Router seitens des Providers über den eingebauten Wartungszugang per Provisioning zentral konfiguriert sind, empfiehlt sich eine fremde Firmware bei Zwangsroutern nicht. Zudem gehen dabei Hersteller-Support und Gewährleistung verloren.

Tipp: Notnetz mit Smartphone an der Fritzbox

Jedem Smartphone-Besitzer ist prinzipiell klar, dass er beim Ausfall seines DSL- oder Kabelzugangs auch noch mit dem Handy ins Web kommt. Auch der Einsatz des Smartphone als Access Point für weitere Mobilgeräte ist weitgehend geläufig.

In Verbindung mit der Fritzbox geht allerdings noch mehr: Die Fritzbox kann über das Smartphone sämtliche heimischen Geräte ins Internet bringen. Das ist dann sicher kein Highspeed für alle, aber immerhin eine Notverbindung, wenn DSL oder Kabel ausfallen:

Verbinden Sie das Android-Smartphone per USB-Kabel mit der Fritzbox. Auf dem Smartphone gehen Sie dann in den Bereich „Einstellungen“ und dort auf „Drahtlos & Netzwerke -> Tethering & mobiler Hotspot“. Hier aktivieren Sie die Option „USB-Tethering“. Öffnen Sie dann im Browser eines PCs oder Notebooks die Konfigurationsoberfläche der Fritzbox. Hier erscheint jetzt unter „Internet” der zusätzliche Eintrag „Mobilfunk“. Aktivieren Sie dort den Eintrag „Internetzugang über Smartphone oder USB-Tethering“ und bestätigen Sie dies mit „Übernehmen“. Jetzt können alle heimischen Geräte wieder über die Fritzbox online gehen.

Die weiteren Optionen innerhalb des Fritzbox-Dialogs sind nur für den mobilen Einsatz der Fritzbox unterwegs von Belang. Sie steuern den Internetzugriff über ein per USB angeschlossenes Modem für das Funknetzwerk. Hier haben Sie zusätzlich die Möglichkeit, den Zugriff per Mobilfunk nur für den Ausfall von DSL/ Kabel zu aktivieren. Daher müssen Sie hier in den Optionen den Netzwerkanbieter und die PIN auf die SIM-Karte eintragen, damit die Fritzbox die Verbindung bei Bedarf automatisch herstellen kann.

Video: Raspberry Pi als WLAN-Router verwenden
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