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iPad und Co. aus dem Ausland: Wenn Onlineshopping teuer wird

20.03.2012 | 10:00 Uhr |

Wer bei einer Bestellung bei internationalen Online-Shops aus Übersee nicht aufpasst, zahlt schnell drauf und hat zusätzlich Ärger mit dem Zoll.

Das neue iPad schon Tage vor dem Verkaufsstart in Deutschland, aktuelle Hollywoodstreifen Wochen vor der DVD-Auslieferung in Europa, dazu der günstige Dollarkurs oder ein ultimatives Schnäppchen in Asien: Gründe für den Onlineeinkauf im Ausland existieren viele.

Leistungsstarke Fahrradscheinwerfer für weniger als 40 Euro – in Deutschland kosten Premiumlampen fürs Bike zwischen 500 und 1.000 Euro.
Vergrößern Leistungsstarke Fahrradscheinwerfer für weniger als 40 Euro – in Deutschland kosten Premiumlampen fürs Bike zwischen 500 und 1.000 Euro.

Manche Geräte gibt es hierzulande schlicht nicht zu kaufen. Wer den Kindle Fire haben möchte, muss den Tablet-PC bei Amazon USA bestellen und gleich noch ein paar Tricks beim Versenden anwenden. Amazon.de bietet dieses Gerät derzeit ebenso wenig an wie seinen aktuellen Ebook-Reader mit Touchbedienung . Die Aufzählung günstiger Schnäppchen aus dem Internet lässt sich fast beliebig fortsetzen: Musikinstrumente, hochwertige Taschenlampen oder gar Brautkleider kosten beim Direktimport aus Asien nur ein Bruchteil dessen, was man hier über den Onlinetresen schieben muss. Dabei ist der Einkauf in Übersee im Prinzip genauso einfach wie bei einem deutschen Onlineshop: Waren bestellen, Name und Adresse eingeben, mit Kreditkarte oder Paypal bezahlen, fertig.

So sparen Sie bares Geld beim Onlineshopping

Versteckte Kosten beim Auslandseinkauf

Doch bevor Sie gleich irgendwo im Ausland bestellen, machen Sie sich die Schattenseiten bewusst. Da ist einmal die Lieferzeit: Zwar kosten beispielsweise die gleichen (!) Lithiumbatterien in Asien nur ein Zehntel von dem, was die Geschäfte hier üblicherweise verlangen. Doch wenn Sie die Fotobatterien für den Urlaub benötigen, müssen Sie sie frühzeitig bestellen – der Versand aus China dauert eben zwei oder drei Wochen.

Bei vielen technischen Geräten sollten Sie zudem die genauen Spezifikationen beachten. Läuft das Gerät auch mit 230 Volt? Bei Notebooks gilt es die Tastaturbelegung zu berücksichtigen, bei Smartphones und Tablets unter Umständen andere Mobilfunkstandards, bei Filmen und Playern die Regionalcodes.

Selbst bei Luftfracht muss man vom Bestellen bis zur Auslieferung daheim zwei bis drei Wochen einkalkulieren.
Vergrößern Selbst bei Luftfracht muss man vom Bestellen bis zur Auslieferung daheim zwei bis drei Wochen einkalkulieren.
© DHL

Dazu kommen vielfach versteckte Kosten: Liefert ein US-Händler nämlich nur an Adressen in den USA und nach Kanada, müssen Sie einen Weiterleitungsdienst in Anspruch nehmen. Services wie BongoUS.com , Bonvu.com und MyUS.com bieten eine US-Postadresse als primäres Versandziel, von wo die Ware an das gewünschte Ziel in Deutschland weitergeschickt wird. Das aber schlägt bei einem 10-Kilo-Paket meist mit rund 100 US-Dollar zu Buche.

So klappt der US-Einkauf: IP-Adresse in USA vortäuschen

Zoll und Steuer: Der Staat verdient (fast) immer mit

Mit den Versandkosten allein ist noch nicht getan. Nur innerhalb der Europäischen Union herrscht freier Warenverkehr, beim Onlineeinkauf aus dem übrigen Ausland müssen Sie gegebenenfalls Zoll, Einfuhrumsatzsteuer und weitere Gebühren bezahlen.

Bei geringwertigen Artikeln ist eine Grenze besonders wichtig: Liegt der Wert einer Sendung unter 22 Euro (Warenwert, ausländische Umsatzsteuer und Porto zusammen), müssen Sie gar nichts bezahlen. Gerade bei Onlineshops, bei denen die Versandkosten bereits im Kaufpreis enthalten sind, lohnt es sich deshalb, eine Bestellung in Pakete von jeweils maximal 22 Euro Wert aufzuteilen.

Liefert ein US-Händler nur in die USA, kommt man um einen Weiterleitungsdienst nicht herum: Ein Standardpaket von 10 Kilogramm kostet rund 100 Dollar extra.
Vergrößern Liefert ein US-Händler nur in die USA, kommt man um einen Weiterleitungsdienst nicht herum: Ein Standardpaket von 10 Kilogramm kostet rund 100 Dollar extra.

Bis zur Grenze von 150 Euro fällt zwar kein Zoll an, dafür sind die Postsendungen aber mit der entsprechenden Einfuhrumsatzsteuer zu versteuern. Dabei gilt bis zu einem Warenwert von 700 Euro eine Pauschalsteuer von 17,5 Prozent. Über 700 Euro sind Zoll und zusätzlich die Einfuhrumsatzsteuer (meist 19 Prozent) zu zahlen, die Höhe der Zölle hängt von der Art der Ware ab (bis etwa 17 Prozent). Dazu kommen zum Teil noch Gebühren für die Verzollung, die das Postunternehmen erhebt. Und wehe, der Versender hat die Ware nicht ordnungsgemäß deklariert: Dann bleibt sie beim Zoll hängen und sie müssen persönlich erscheinen.

Haben Sie im Urlaub selbst eingekauft, gilt für Flug- und Schiffsreisende eine Freigrenze von 430 Euro, für Bahn- und Autoreisende sind es 300 Euro. Einzelne Waren können dabei nicht auf mehrere Personen verteilt werden. Darüber hinaus gilt bei der Mitnahme ebenfalls die Pauschalbesteuerung bis 700 Euro Warenwert.

Alles klar? Auf der Zollseite stehen alle Details, die Regelungen sind aber zum Teil so kompliziert, dass man die richtige Auskunft schneller per Telefon (0351/44834-510, Mo bis Fr. 8-17 Uhr) oder Mail bekommt.

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