12.06.2010, 09:22

Jörg Thoma

dd und dd_rescue

Datenrettung für Windows und Linux

Mit dem Kommandozeilen-Tool dd erstellen Sie bequem und schnell Backups ganzer Festplatten und Partitionen. Das Derivat dd_ rescue kratzt wiederum Ihre Daten von sterbenden Festplatten.
Wenn Ihr System auf dem Rechner nicht mehr starten will – egal ob Windows oder Linux – ist guter Rat teuer. Meist lassen sich persönliche Daten noch retten, die Neu-Installation kostet allerdings viel Zeit. Bei Unternehmen sind zudem geschäftskritische Daten bedroht, die Existenz der ganzen Firma kann durch einen Festplattenschaden bedroht sein. Gerade Kleinunternehmen und Freelancer verfügen meist nicht über aufwändige und professionelle Backup- und Datenrettungssysteme. Doch zur Not geht es auch mit Gratis-Tools und Konsolenbefehlen, wie dieser Artikel beweist.
Mit dem Konsolen-Tool dd können Sie diesem Fall vorbeugen: Klonen Sie Ihre Systempartitionen dann, wenn alles korrekt funktioniert und eingerichtet ist. Bei Bedarf stellen Sie sie schnell wieder her oder ziehen damit das System auf neuere, größere Festplatten um. Ist Ihre Festplatte dabei, sich ganz zu verabschieden, etwa weil zu viele defekte Sektoren einen sauberen Start verhindern, hilft Ihnen das Kommandozeilenwerkzeug dd_rescue weiter.
Backup leicht gemacht
Das Tool dd (Disk Dump) ist eines der ältesten Linux-Tools. Es kopiert Datenträger Sektor für Sektor, unabhängig von dem darüberliegenden Dateisystem und den darauf befindlichen Daten. Es eignet sich also vorzüglich, um Backups von Disketten, CD/DVDs, USB-Sticks oder eben Partitionen und Festplatten zu erstellen. Backups werden dabei als sogenannte Image-Dateien abgelegt, also als Dateien, die ein exaktes Abbild des gesicherten Mediums enthalten. Diese Dateien können Sie dann später mit dem gleichen Tool auf ein anderes Medium zurückspielen. Unter Linux haben gesicherte Images einen weiteren Vorteil: Sie können sie direkt in das Dateisystem einbinden, um auf die enthaltenen Daten zuzugreifen.
Alternativ verwenden Sie dd, um Inhalte direkt von einer Festplatte auf eine andere zu übertragen, diese also zu klonen. Ein weiterer Vorteil: Das Tool „dd“ gibt es in verschiedenen Varianten auch für Windows. Abgesehen von der Systempartition können Sie also Backups einzelner Partitionen auch unter Windows erstellen und wieder einspielen.
Um eine Festplatte zu klonen, müssen Sie ein paar Dinge beachten: Weder der Quell-Datenträger noch der Ziel-Datenträger dürfen eingebunden (gemountet) sein, denn zwischenzeitliche Zugriffe verhindern eine komplette Spiegelung. Sollten Sie also eine Systemplatte übertragen wollen, müssen Sie auf ein Live-System zurückgreifen. Achten Sie außerdem darauf, dass die Ziel-Festplatte mindestens genau so groß oder größer ist als das Quell-Laufwerk. Ursprünglich kleinere Partitionen können Sie später mit einem Partitionierungs-Tool wie GParted anpassen. Die Ziel-Festplatte muss nicht partitioniert sein, denn dd überträgt beim Klonen den kompletten Festplatteninhalt samt Partitionstabelle.
Um nun den Inhalt einer Festplatte auf eine andere zu übertragen verwenden Sie folgenden Befehl:
dd if=/dev/sda of=/dev/sdb
wobei /dev/sda die zu kopierende Festplatte ist und /dev/sdb der Ziel-Datenträger. War die ursprüngliche Festplatte bootfähig, sollten Sie sicherheitshalber zusätzlich den MBR (Master Boot Record) übertragen. Dazu verwenden Sie ebenfalls dd, allerdings mit leicht veränderter Syntax:
dd if=/dev/sda of=/dev/sdb bs=512 count=1 .
Mit dem Parameter „bs“ legen Sie die Größe der Blöcke, mit „count“ die Anzahl der zu kopieren Blöcke fest, hier also ein Block mit der Größe von 512 Bytes.
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