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LibreOffice und OpenOffice im Vergleich

28.08.2013 | 10:45 Uhr |

Wenn Sie eine kostenlose Alternative zu Microsoft Office suchen gibt es zwei große Möglichkeiten: LIbreOffice und Apache OpenOffice. Wir vergleichen die beiden Büro-Suiten.

LibreOffice und Apache OpenOffice (ehemals OpenOffice, das seinerzeit von Sun/Oracle entwickelt wurde und nun von der Apache Foundation gepflegt wird) sind leistungsfähige Alternativen zu Microsoft Office. Auch wenn sich LibreOffice und OpenOffice die gleiche Code-Basis teilen, unterscheiden sie sich dennoch in ihren Funktionen und bei den Lizenz- und Nutzungsbestimmungen für den Quellcode.

Einige Zeit war LibreOffice deutlich weiter verbreitet als OpenOffice. LibrOffice hatte schnellere Überarbeitungszyklen ein und war für viele Nutzer auch dadurch interessant, dass LibreOffice zum Office-Standard für viele Linux-Distributionen wurde.

Seit der Version 4 gewinnt OpenOffice aber wieder Nutzer hinzu. Dank einer neuen Benutzeroberfläche, vielen Fehlerkorrekturen und neuen Funktionen. Die Kollegen unserer Schwesterpublikation PC-World machten einen Vergleichstest.

LibreOffice 4.1

Es war schon erstaunlich, wie schnell das neue LibreOffice das etablierte  OpenOffice überholt hat. Das liegt vor allem daran, dass OpenOffice so oft den Besitzer gewechselt hat. Erst gehörte es Sun, dann Sun beziehungsweise Oracle (das Sun geschluckt hatte) und schließlich Apache. Jedes dieser Unternehmen beziehungsweise Einrichtungen legte OpenOffice nach seinen individuellen Wünschen aus. LibreOffice dagegen wird von früheren OpenOffice-Projektmitgliedern bearbeitet und durch den sechsmonatigen Updatezyklus aktuell gehalten.

LibreOffice 4.0, das im Februar 2013 herauskam, wirkte allerdings nicht wie eine 4.0-Version, da die Änderungen größtenteils sehr klein und einfach waren. Die Kompatibilität zu .docx-Dokumenten und die Möglichkeit an Textpassagen Kommentare zu knüpfen waren zwar nützlich, aber die Fähigkeit jetzt auch Firefox-Themes für LibreOffice zu nutzen, ist denkbar überflüssig.

Auch bei LibreOffice 4.1 änderte das LibreOffice-Team nichts grundlegend. Die Änderungen an der Benutzeroberfläche waren kleinteilig aber sinnvoll. Zum Beispiel gibt es nun in der Aktionsleiste die Schaltfläche "Zähler", so dass Sie diese Option nicht mühsam in einem Menü aufrufen müssen wie bei OpenOffice.

Die Bearbeitung von Microsoft-Office-Dokumenten ist mitunter ein Problem sowohl bei LibreOffice als auch bei OpenOffice. Durch LibreOffices verbesserte Dokumentenübertragung lassen sich jetzt aber sowohl alte als auch aktuelle Microsoft-Office-Dokumente besser öffnen und bearbeiten. Zum Beispiel werden Aufzählungen jetzt richtig übertragen, was bei früheren Versionen nicht der Fall war.

Bilder drehen ist bisher nur in Libreoffice möglich.
Vergrößern Bilder drehen ist bisher nur in Libreoffice möglich.

Die Verankerung der Schriftart ist bei ODF-Dokumenten nur möglich, wenn Sie Ihr Dokument als PDF abspeichern. LibreOffice 4.1 dagegen beinhaltet dieses Feature als Dokumenteneigenschaft. Auch die Möglichkeit Bilder im Writer zu drehen, wenn auch nur in 90-Grad Winkeln, bietet LibreOffice. Zusätzlich können Sie bei LibreOffice mehrere Bilder zu einem Fotoalbum zusammenfügen.

OpenOffice 4.0

OpenOffice 4.0 ist ein großer Fortschritt bei Funktionalität und Nutzbarkeit, auch wenn diese Änderungen größtenteils mit einem einzigen großen neuem Feature, nämlich der Sidebar, zusammenhängen.

OpenOffice Writer: Die Textverarbeitung von OpenOffice
Vergrößern OpenOffice Writer: Die Textverarbeitung von OpenOffice

OpenOffice (oben) führt eine Sidebar ein, welche anschaulich die Eigenschaften des ausgewählten Objekts, die Schriftart, die Clip Art-Galerie oder einen Navigator für Ihre Dokumente anzeigt. Wenn Sie die Sidebar auch in LibreOffice (unten) wünschen, können Sie diese im erweiterten Menü aktivieren. In früheren Versionen von OpenOffice gab es diese Optionen als einzelne Toolbars, nun sind aber alle an einem Platz zusammen. Wenn Ihnen die Sidebar nicht gefällt, können Sie diese mit einem Klick entfernen.

Der Rest von OpenOffice sieht immer noch relativ unverändert aus und fühlt sich auch so an. Wenn Sie bereits mit der Bedienung von Microsoft Office ab Version 2007 vertraut sind, kommen Ihnen die Toolbars in sowohl OpenOffice als auch LibreOffice vielleicht etwas antiquiert vor, aber Sie reichen für den Arbeitsalltag völlig aus.

Wie LibreOffice hat auch OpenOffice sehr viele Verbesserungen hinzugefügt, viele davon betreffen die Kompatibilität zu .docx-Dateien. Damit sollten Probleme wie ungenaue Abschnittsnummerierung von Überschriften in Word-Dokumenten behoben sein. Einige sind wirkliche Erweiterungen der Funktionalität, so wie die Ergänzung der Unterstützung der GETPIVOTDATA-Funktion in Excel, welche auch in LibreOffice unterstützt wird. Sie ist sehr wichtig angesichts der Tatsache, dass die meisten Excel-Nutzer Buchhalter sind, die die Anwendung als Vorlage für Pivot-Tabellen-Berichte nutzen.

LibreOffice Writer heißt die Textverarbeitung beim Konkurrenten
Vergrößern LibreOffice Writer heißt die Textverarbeitung beim Konkurrenten

 Die Hauptunterschiede

Schon beim Starten fällt auf, dass OpenOffice viel schneller ist auch ohne aktivierten OpenOffice-Schnellstarter. Den Schnellstarter gibt es bei LibreOffice nicht einmal mehr, was Sie als Hinweis darauf sehen können, dass die beiden Projekte komplett unterschiedliche Wege in der Entwicklung gehen.

Trotz der umfangreichen Verbesserungen, die an beiden Paketen durchgeführt wurden, haben beide immer noch Probleme damit komplex formatierte Word-Dokumente zu konvertieren. Bei einem Dokument über 800 Seiten zeigten beide verschiedene Konvertierungsprobleme. Keine der beiden Anwendungen übertrug die Absatznummerierung richtig. Bei LibreOffice wurden die Seitenzahlen in der Fußnote nicht richtig konvertiert, bei OpenOffice wurden diese allerdings gar nicht konvertiert. Die Web-Layout-Ansicht in beiden Programmen schafft es nicht dem Nutzer eine richtige Seitenzahl zu präsentieren.

Die größten Unterschiede betreffen einen Aspekt, der für die meisten PC-Nutzer nicht von Belang ist: Die Lizenzierung des Quellcodes. OpenOffice ist jetzt ein Projekt von Apache, also gehören die Lizenzen Apache, wogegen die Lizenzen bei LibreOffice LGPLv3 sind. Daraus resultierend kann der Quellcode von OpenOffice in LibreOffice importiert werden, andersherum dagegen nicht.

Beide Projekte haben unterschiedliche Entwicklungszyklen. Bei OpenOffice gab es immer neue Versionen, wenn das Entwicklungsteam damit fertig ist. Das Entwicklerteam von LibreOffice dagegen verspricht alle sechs Monate neue Versionen, teilweise um für die Benutzer berechenbarer zu sein und teilweise, um das Projekt mit neuen Versionen von anderen Produkten zu synchronisieren.

Beide Projekte teilen sich eine gemeinsame Code-Basis und sind sich deshalb sehr ähnlich. Zur Zeit hat LibreOffice eine etwas bessere Auswahl an Textverarbeitungsfunktionen, während OpenOffice eine etwas bessere Performance aufweisen kann. Da beide Produkte kostenlos sind ist zumindest der Preis kein Kriterium und Sie können beide ausprobieren.

Dieser Artikel stammt von unserer Schwesterpublikation Infoworld.

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