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Der Custom-ROM-Flash geht schief – was nun?

01.03.2015 | 10:09 Uhr |

Das Custom-ROM ist der letzte Schritt zu einer neuen Software-Version auf dem Android-Smartphone. Doch stimmt dabei nur eine Kleinigkeit nicht, schlägt das Flashen fehl, und das Handy startet nicht mehr richtig. Wir sagen Ihnen, was Sie in diesem Fall tun können.

Nehmen Sie Änderungen an der Software via Rooten und Flashen von Custom ROMs vor, kann das ordentlich in die Hose gehen. Es muss nur eine Datei nicht passen, schon hängt das Smartphone beispielsweise in der Boot-Schleife fest. Es startet also von selbst immer wieder neu. Solange Sie aber noch in den Bootloader über eine entsprechende Tasten-Kombination gelangen, besteht eine gute Chance, das Handy zu retten.

Was ist ein Custom-ROM?

Als Custom-ROM wird eine zum Original-Betriebssystem alternative Firmware bezeichnet, die in der Regel nicht vom Gerätehersteller stammt, sondern von Privatpersonen oder Drittfirmen entwickelt wurde. Der Vorteil: Meistens besitzen diese Software-Versionen erweiterte Einstellungen und umfangreichere Funktionen als das Originalsystem.

Außerdem können mit einem Custom-ROM neueste Android-Versionen auf Ihr älteres Smartphone spielen, für das normalerweise keine Aktualisierung mehr vorgesehen ist. So profitieren Sie von aktuellen Features. Trotzdem sollten Sie immer im Hinterkopf behalten, dass die Software Bugs enthalten kann, da sie teilweise nicht speziell für dieses Gerät optimiert ist.

Dieser Artikel stammt aus der AndroidWelt 06/2014

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Was bedeutet „Flashen“?

Wenn Sie Ihr Android-Smartphone flashen, dann überschreiben Sie meistens den „Kernel“, also den Systemkern, in dem grundlegende Daten des Betriebssystems verankert sind, mit neuen Daten. So wird demnach die Systempartition gelöscht und mit neuen Dateninhalten des Custom-ROM gefüttert.

Übrigens: Die Voraussetzung zum Flashen bestehender Software ist stets das Rooting. Sie müssen also im Besitz aller Benutzerrechte sein.

Custom ROM: So tauschen Sie Ihr Android aus

Fehler beim Flashen des Custom-ROM

Weil Sie die Software anpassen und originale Daten überschreiben, können Fehler passieren. Vor allem, weil Sie sich auf die bereitgestellten Dateien von Dritten verlassen müssen, birgt das Flashen einige Gefahren. Aus diesem Grund handeln Sie stets auf eigene Verantwortung.

In den Telefon-Informationen Ihres Android-Geräts finden Sie die Android-Version mit ihrer Build-Nummer, die relevant für das richtige Custom-ROM ist.
Vergrößern In den Telefon-Informationen Ihres Android-Geräts finden Sie die Android-Version mit ihrer Build-Nummer, die relevant für das richtige Custom-ROM ist.

Beim Flashen eines Custom-ROM müssen Sie unbedingt auf die richtige Software achten; in der Regel sind die Versionen anhand ihrer Build-Nummer zu erkennen. Die Build-Nummer Ihres Smartphones finden Sie in den Einstellungen unter „Geräteinformationen > Software“. Nehmen Sie ein willkürliches Custom-ROM, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass die Installation fehlschlägt.

Doch auch wenn die Dateiversion passt, können unerwartet Fehler auftreten. Dann startet das Smartphone nicht mehr, es hängt in der Boot-Schleife oder die lässt sich einfach nicht installieren – wobei Letzteres das geringste Problem darstellt. Außerdem kann es passieren, dass die neue Software so viele Bugs aufweist, dass sie kaum bedienbar ist. Hier hilft nur eine Neuinstallation.

Smartphone retten – Prävention

Ist das Flashen des Custom-ROMs fehlgeschlagen, hilft meistens die Installation des Stock-ROM – das ist die ursprüngliche Originalversion. Weil es aber nicht immer einfach ist, eine Datei auf das Smartphone zu übertragen, wenn das Smartphone nicht mehr startet und nicht vom PC erkannt wird, sollten Sie Vorkehrungen treffen.

Grundlegend laden Sie das Stock-ROM aus dem Internet herunter und – ganz wichtig – speichern es nach dem Root im internen Speicher des Smartphones.

Stock-ROM suchen und herunterladen

Besitzen Sie ein Nexus-Gerät mit klassischem Android, bekommen Sie alle offiziellen Android-Systeme von Google selbst. Besuchen Sie dazu die Webseite der PC-Welt , suchen Sie dort nach Ihrem Nexus-Modell, und laden Sie sich die ROM-Version passend zu Ihrer Android-Version auf Ihren PC herunter und legen Sie sie dann im internen Speicher des Smartphones ab.

Bei Handys, die mit einer Nutzeroberfläche des jeweiligen Herstellers arbeiten, ist es schwieriger, das Originalsystem zu laden – vor allem, wenn Sie ein eher unbekanntes Gerät besitzen, für das die Entwicklung eigener Systeme sich kaum lohnt. Hier sind Sie auf Drittanbieter angewiesen. Das Stock-ROM ist demnach streng genommen ebenfalls ein Custom-ROM, gleicht aber der originalen Version. Geben Sie in eine Suchmaschine wie www.google.de „[Gerätenamen] Stock-ROM Download“ ein – Beispiel: „Samsung Galaxy S5 Stock-ROM Download“. Über eine Webseite der Suchtreffer finden Sie dann das für Ihr Smartphone passende Stock-ROM. Achten Sie stets auf die richtige Dateibezeichnung. Sie erkennen die Datei anhand des Smartphone-Modells sowie der entsprechenden Android-Version. Diese finden Sie, wie bereits oben erklärt, in den Smartphone-Einstellungen unter „Geräteinformationen“.

Wir empfehlen allerdings die nachfolgende Methode, weil Sie dadurch nicht nur Ihr „echtes“ Stock-ROM mit aktuellem App-Stand sichern und wiederherstellen, sondern gleichzeitig Dateien wie Fotos und Videos speichern.

System-Backup bei gerooteten Smartphones

Wollen Sie Ihr Android-Smartphone flashen, müssen Sie es zuvor rooten – deshalb gehen wir davon aus, dass dieser Schritt bereits erfolgreich hinter Ihnen liegt. Mit den erlangten Rechten, können Sie nun System-Backups erstellen.

Der Vorteil liegt klar auf der Hand: Sie sichern das Stock-ROM, müssen also nicht nach entsprechender Datei im Internet suchen; Sie sichern gleichzeitig alle gespeicherten Dateien wie Videos und Fotos sowie App-Daten, und die Sicherung liegt sofort im internen Speicher!

Mit der App Nandroid können Sie eine komplette Systemsicherung Ihres gerooteten Smartphones speichern.
Vergrößern Mit der App Nandroid können Sie eine komplette Systemsicherung Ihres gerooteten Smartphones speichern.

Ein so umfangreiches Backup laden Sie mit der Software Nandroid herunter. Das Backup-Tool führen Sie normalerweise in Ihrem Custom Recovery aus, das Sie in der Regel mit einem Root auf das Smartphone übertragen – die bekanntesten Recoveries sind Teamwin und Clockworkmod. Mit der Anwendung „Online Nandroid Backup“, die Sie unter www.pcwelt.de/mobu finden, erstellen Sie das System-Backup im laufenden Betrieb – Sie können das Smartphone währenddessen nutzen.

Ein Custom-Recovery von Teamwin oder Clockworkmod ist deutlich komfortabler zu bedienen als der originale Recovery-Modus.
Vergrößern Ein Custom-Recovery von Teamwin oder Clockworkmod ist deutlich komfortabler zu bedienen als der originale Recovery-Modus.

Installieren und starten Sie die Backup-App. Erteilen Sie ihr anschließend Root-Rechte. Falls Sie die Busybox nicht während des Roots installiert haben, können Sie diese nun herunterladen und installieren – mit ihr gelangen bestimmte Linux-Befehle auf das Smartphone, mithilfe derer das System-Backup überhaupt erst möglich ist.

Tippen Sie auf „Custom Backup“, um die Sicherungs-Einstellungen manuell zu bestimmen. Wählen Sie den entsprechenden Backup-Namen, den Backup-Typ TWRP oder Clockworkmod je nach Recovery-Modus und anschließend das entsprechende Format, das gesichert werden soll. Unter „Save Location“ geben Sie den Speicherort an – entweder wählen Sie einen vorprogrammierten Pfad aus oder Sie bestimmen selbst einen. Das Backup können Sie somit auch auf eine Micro-SD-Karte sichern, sofern ein entsprechender Slot im Smartphone verbaut ist.

Smartphone retten – nach missglücktem Flashen

Hängt Ihr Smartphone in der Boot-Schleife fest, hilft das Aufspielen des Stock-ROM. Dabei gibt es verschiedene Möglichkeiten. Konnten Sie noch vor dem Flashen das Stock-ROM im internen Speicher sichern, gibt es kaum Probleme. Schwieriger wird es, wenn Sie das Stock-ROM erst auf das Handy übertragen müssen, der Computer das angeschlossene Gerät nicht erkennt oder das Smartphone keinen Speicherkarten-Slot besitzt.

Android-Smartphones rooten - so geht's

Stock-ROM aus internem Speicher installieren

Schalten Sie zunächst Ihr Smartphone komplett aus. Befindet sich das Smartphone in der Boot-Schleife, versuchen Sie folgende Methoden: Entfernen Sie den Akku, sofern dies möglich ist, oder halten Sie die Power-Taste so lange gedrückt, bis sich das Smartphone abschaltet – das kann bis zu 20 Sekunden dauern.

Nach etwa 5 bis 10 Sekunden starten Sie Ihr Smartphone mit einer Tastenkombination neu, um in den Bootloader oder Recovery-Modus zu starten. Dazu halten Sie bei den meisten Smartphones die Power- sowie Leiser-Taste gleichzeitig gedrückt, bis das Google- oder Hersteller-Logo erscheint. Bei Geräten mit Home-Button müssen Sie diesen zusätzlich drücken. Falls diese Methode bei Ihnen nicht funktioniert, lesen Sie im Internet nach, wie die Tastenkombi speziell für Ihr Gerät funktioniert – bei der Vielzahl von Smartphones gibt es keine pauschale Vorgehensweise.

Gelangen Sie zunächst in den Bootloader, navigieren Sie via Lautstärkewippe zum Punkt „Recovery“ und bestätigen mit der Power-Taste. Weil System-Images in Normalfall als ZIP-Datei im internen Speicher liegen, können Sie das Stock-ROM über „Install ZIP“ aufspielen. Dazu lokalisieren Sie das zuvor gespeicherte ROM und installieren dieses. Nutzen Sie ein Custom Recovery, dann funktioniert die Installation ähnlich, Sie navigieren lediglich etwas komfortabler über eine Touch-Bedienung.

Google stellt Entwicklern die System-Images für alle Nexus-Geräte und die jeweilige Version offiziell zum Download bereit.
Vergrößern Google stellt Entwicklern die System-Images für alle Nexus-Geräte und die jeweilige Version offiziell zum Download bereit.

Dabei wird die fehlerhafte ROM-Version mit den Original-Systemdaten überspielt; das Smartphone sollte nach dem Aufspielen neu starten und wieder ordnungsgemäß funktionieren. Falls nicht, starten Sie einen erneuten Flash-Versuch.

Stock-ROM via PC installieren

Ist es für eine präventive Speicherung eines Sys-tem-Backups bzw. des Stock-ROMs zu spät, müssen sie den Weg über den PC gehen. Das Problem: Funktioniert die Software nicht mehr richtig und bootet das Smartphone immer wieder neu, erkennt der Computer das via USB angeschlossene Gerät nicht. Folglich können Sie über die gewohnte Methode keine Daten auf das Handy übertragen. Deshalb müssen Sie einen Umweg über die Kommandozeile gehen.

Weil das Smartphone mit installiertem Custom-ROM noch nicht vollständig mit dem PC verbunden war, fehlen ihm die Treiber für dieses Gerät. Schließen Sie Ihr Smartphone mit geöffnetem Recovery-Modus per USB-Kabel an Ihren Computer an. Daraufhin wird der PC eine Verbindung erkennen, aber keinen Zugriff auf das Handy gestatten. Öffnen Sie auf Ihrem Windows-Rechner den Geräte-Manager über „Win-Start > Hardware > Geräte-Manager“, finden Sie das angeschlossene Smartphone mit einem Ausrufezeichen davor. Klicken Sie rechts auf den Eintrag, und wählen Sie „Treibersoftware aktualisieren > Automatisch nach aktueller Treibersoftware suchen“. Die entsprechenden Treiber sollten nun installiert werden. Klappt der automatische Download nicht, können Sie versuchen, die Treiber automatisch herunterzuladen. Laden Sie dazu die passende Verwaltungssoftware herunter, die der jeweilige Geräte-Hersteller bereitstellt – eine Auflistung der gängigsten Hersteller inklusive Download-Link finden Sie im Artikel „ Datenschutz trotz kaputten Bildschirms “.

Installieren Sie die Treiber für das Android-Device, damit eine Verbindung zwischen PC und Smartphone bestehen kann.
Vergrößern Installieren Sie die Treiber für das Android-Device, damit eine Verbindung zwischen PC und Smartphone bestehen kann.

Dank installierter Treiber können Sie eine Verbindung zum Smartphone herstellen und die nötige Image-Datei aufspielen. Diese müssen Sie dann nur noch über den Android-Recovery-Modus auf dem Handy installieren.

Treiber-Installation hilft nichts – letzte Lösung

Will trotz heruntergeladener Treiber und angeschlossenen Smartphones im Recovery-Modus keine Verbindung funktionieren, müssen Sie etwas in die Trickkiste greifen. Wir erklären die folgenden Schritte anhand eines Google Nexus 7 – das müsste so auch für andere Nexus-Geräte klappen. Wir können aber nicht garantieren, dass diese Methode bei allen Smartphones erfolgreich ist – die Schritte sind aber bis auf wenige geräte-spezifische Punkte gleich.

Laden Sie sich zunächst das Entwickler-Tool Android Studio herunter, und installieren Sie das Programm. Stecken Sie daraufhin das Nexus 7 im Fastboot-Modus (Halten Sie beim Booten die Power- und Leiser-Taste gedrückt) per USB an den Computer an. Das Tab-let müsste jetzt im Geräte-Manager mit Ausrufezeichen erscheinen. Klicken Sie rechts auf den Eintrag „Eigenschaften > Details“, und klappen Sie unter „Eigenschaft“ den Punkt „Hardware-IDs“ aus.

Lesen Sie die Hardware-ID Ihres Android-Geräts aus, um die Treiber-Software-Datei zu modifizieren.
Vergrößern Lesen Sie die Hardware-ID Ihres Android-Geräts aus, um die Treiber-Software-Datei zu modifizieren.

Jetzt downloaden Sie die Google-USB-Treiber und entpacken diese. Öffnen Sie im entpackten Ordner die Datei „android.winusb.inf“ mit einem Texteditor. In der Rubrik Nexus 7 ersetzen Sie die angezeigten IDs hinter „USB_Install“ durch die zuvor im Geräte-Manager ausgelesene Hardware-ID.

Dann: erneut den Geräte-Manager starten, auf den Nexus-7-Eintrag rechtsklicken und „Treibersoftware aktualisieren“ auswählen. Suchen Sie auf dem Computer nach den Treibern. Dabei öffnen Sie Ihre modifizierte Treiber-Installationsdatei, die Sie trotz Warnung installieren – das Ausrufezeichen sollte verschwinden.

Trennen Sie kurz die USB-Verbindung, und stecken Sie das Nexus 7 dann mit geöffnetem Fastboot-Modus an. Laden Sie das Stock-ROM für das Device herunter, und entpacken Sie es, bis die Datei image-razor-xxxxxxx.zip offen liegt – der Dateiname kann je nach Android- bzw. Build-Version variieren.

Starten Sie die Kommandozeile am PC, indem Sie auf Win-Start klicken und „cmd“ in die Suche eingeben. Sodann mit dem Befehl „cd /d C:\Users\<Benutzer>\AppData\Local\Android\android-studio\sdk\platform-tools" in den Ordner wechseln, in dem die fastboot.exe liegt.

Daraufhin installieren Sie das Stock-ROM mit fastboot „-w update <Pfad>\image-razor-xxxxxx.zip". Nach diesem Schritt müsste das Nexus 7 wieder ordnungsgemäß starten und funktionieren.

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