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Zwangsrouter mit 50-Euro-Fritzbox erweitern - so geht's

16.10.2015 | 14:02 Uhr |

Wer sich nicht mit seinem Zwangsrouter abfinden möchte, kann einfach eine Fritzbox dahinterschalten. Wir zeigen wie.

Das Gesetz zur Beseitigung des Routerzwangs seitens der Provider soll in den kommenden Monaten in Kraft treten. Bis dahin kann aber - zusammen mit einer geplanten Übergangsphase - noch viel Zeit vergehen. Bis es soweit ist, dass Sie Ihre Zugangsdaten in den Händen halten, bieten wir Ihnen in diesem Beitrag eine Alternativ-Lösung an: Fritzbox-Komfort trotz Zwangs-Router, und das mit Investitionskosten von rund 50 Euro.

Möglich macht’s die „Mini-Fritzbox“, die AVM dieses Jahr auf den Markt gebracht hat , genauer gesagt die Fritzbox 4020. „Mini“ ist nicht nur das Gehäuse - gegenüber anderen Modellen hat AVM es um rund die Hälfte geschrumpft - sondern auch der Preis von 49 Euro. Natürlich gibt es in diesem Preisbereich auch eine Handvoll an Routern anderer Hersteller. Aber die Kombination von sehr hoher Benutzerfreundlichkeit und einem hohen Funktionsumfang, der durch Updates laufend erweitert wird, findet man eben nur bei AVM. Daher konzentrieren wir uns in diesem Beitrag auf die Mini-Fritzbox zum Schnäppchenpreis. Sie bietet viele von ihren großen Brüdern bekannte Funktionen, unter anderem

  • einen komfortablen WLAN-Gastzugang

  • Kindersicherung

  • App-Unterstützung

  • USB-Anschluss zum Freigeben eines Drucker und/oder eines Speichermediums im Heimnetz

  • Upnp-/Dlna-Medienserver zum Streamen von Multimedia-Dateien von USB-Datenträgern an kompatible Fernseher, Set-Top-Boxen, Internet-Radios etc.

  • VPN-Server zum sicheren Zugriff aufs Heimnetz und zum sicheren Surfen von unterwegs aus

  • Detaillierte Infos zu Bandbreiten-Auslastung getrennt nach Download und Upload, übertragenen Datenmengen, Energieverbrauch, verbundenen Geräten und Sicherheits-Status

  • Alternativer (Notfall-)Zugang über einen UMTS- oder LTE-USB-Stick oder über ein Smartphone mit aktivierter Hotspot-Funktion

Fritzbox 4020 für 49 Euro: Solider Router mit kleinen Abstrichen

Die geringen Abmessungen und den günstigen Preis erzielt AVM durch Einsparungen bei der Hardware: Konsequent ist, dass das Gerät über kein eingebautes DSL-/Kabel-Modem verfügt. Denn es ist ja gerade dazu konzipiert, hinter eine bereits aktive Internet-Verbindung geschaltet zu werden. In die Kategorie „verschmerzbar in dieser Preisklasse“ ordnen wir ein, dass die vier Netzwerk-Anschlüsse der Fritzbox 4020 kein Gigabit-Tempo liefern, sondern nur 100 MBit/s, und dass das WLAN-Modul nur im stark frequentierten 2,4-GHz-Bereich funkt und nicht auch im weniger ausgelasteten 5-GHz-Band. Beides betrifft hauptsächlich Anwender, die entweder über einen Internetzugang verfügen, der eine Bandbreite über 100 MBit/s hat oder diejenigen, die innerhalb ihres Heimnetzes große Dateien im Gigabyte-Bereich innerhalb kürzester Zeit übertragen wollen. Diese Anwender würden durch die Mini-Fritzbox ausgebremst und sollten den Kauf eines anderen Modells erwägen. Zum Online-Preis von 108 Euro käme hier zum Beispiel die Fritzbox 3390 infrage.

Die Fritzbox 4020 lässt sich so einrichten, dass sie – mit Einschränkungen – auch hinter einem (Zwangs-)Router läuft.
Vergrößern Die Fritzbox 4020 lässt sich so einrichten, dass sie – mit Einschränkungen – auch hinter einem (Zwangs-)Router läuft.

Grundlagen: Unterschied zwischen WAN und LAN

Bevor es an die Konfiguration geht, gilt es noch kurz einige Begrifflichkeiten und netzwerktechnische Zusammenhänge zu klären. Zum einen werden Ihnen im Folgenden die Abkürzungen LAN und WAN begegnen. Dass LAN für Local Area Network steht, und dass damit ihr Heimnetzwerk gemeint ist, wissen Sie sicherlich bereits. WAN steht wiederum für Wide Area Network und bezeichnet das Netzwerk jenseits Ihres Heimnetzes, wobei es sich in den meisten Fällen um das Internet handelt. Die Fritzbox 4020 und andere Router ohne eingebautes Modem verfügen über mehrere LAN-Buchsen und über einen WAN-Anschluss. Diesen verbinden Sie mit einem handelsüblichen Netzwerkkabel mit einer LAN-Buchse des vorgeschalteten (Zwangs-)Routers.

Top 10: Die zehn besten Tipps & Tricks zur Fritzbox

Bei Fritzboxen mit eingebautem Modem ist der WAN-Anschluss als DSL- oder Kabel-TV-Buchse ausgeführt. Hieran lässt sich kein vorgeschalteter (Zwangs-)Router anschließen. Stattdessen gibt es aber die Option, das Modem zu deaktivieren und dafür den LAN-1-Anschluss in eine WAN-Buchse umzuwidmen. Dazu wählen Sie im Konfigurationsmenü unter „Internet -> Zugangsdaten -> Internetzugang über“ die Option „Kabelmodem oder Internet-Router“. Bei einigen anderen Fritzboxen nennt sich die Option „Vorhandener Zugang über LAN“.

Die Kopplung via Netzwerkkabel ist auf jeden Fall die beste Option. Alternativ lässt sich aber auch ein vorhandenes WLAN einbinden, ganz gleich ob es von einem anderen Router oder von einem Smartphone zur Verfügung gestellt wird. Dazu wählen Sie in der Fritzbox auf „Vorhandener Zugang über WLAN“, markieren in der darunter stehenden Liste das passende aktive WLAN-Netz aus und geben dessen WLAN-Passwort ein.

Auf der Einstiegsseite der Fritzbox-Konfiguration sollte jetzt stehen „Internet verbunden seit xx.xx.20xx, xx:xx Uhr, IP-Adresse: 192.168.xx.xx“. Beachten Sie, dass Geräte, die weiterhin direkt per LAN oder WLAN mit dem Zwangs-Router verbunden sind, nicht Teil des Fritzbox-Netzes sind und daher nicht mit den daran angeschlossenen Netzwerk-Teilnehmern und freigegebenen USB-Geräten kommunizieren können. Außerdem werden sie nicht von den Sperr-Regeln beziehungsweise der Kindersicherung erfasst, die Sie in der Fritzbox definiert haben.

Fritzbox-Firmware aktualisieren: So geht’s

Nachdem die Fritzbox jetzt mit dem Internet verbunden ist, sollten Sie als erstes prüfen, ob eine neue Firmware-Version vorliegt, die zum Beispiel neue Funktionen mitbringen oder eventuelle Sicherheitslücken stopfen könnte. Wechseln Sie zu „System -> Update“ (bei manchen älteren Firmware-Versionen „System -> Firmware-Update“) und klicken Sie auf die Schaltfläche „Neues Fritz!OS suchen“ beziehungsweise „Neue Firmware suchen“. Gibt es eine neue Version für Ihr Gerät, erscheint kurz darauf eine Schaltfläche, über die Sie das Update starten können.

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Die blinkende „Info“-LED am Gerät signalisiert den aktiven Update-Prozess. Trennen Sie währenddessen die Fritzbox nicht von der Stromversorgung, sonst funktioniert sie anschließend möglicherweise nicht mehr. Nach der Aktualisierung startet die Fritzbox automatisch neu. Ihre Einstellungen bleiben in der Regel erhalten.

Hierfür müssen Sie Portfreigaben nicht nur im Zwangsrouter, sondern auch in der dahinter geschalteten Fritzbox einrichten.
Vergrößern Hierfür müssen Sie Portfreigaben nicht nur im Zwangsrouter, sondern auch in der dahinter geschalteten Fritzbox einrichten.

Fritzbox hinter Zwangs-Router: Diese Einschränkungen gibt es

Grundsätzlich können Sie nun schon die meisten Funktionen nutzen. Doch dadurch, dass Sie die Fritzbox mangels Zugangsdaten hinter dem vorgeschalteten Zwangs-Router betreiben müssen, ergeben sich bei bestimmten Anwendungs-Szenarios Probleme.
Das betrifft insbesondere Internet-Anwendungen und Dienste, bei denen es wichtig ist, dass bestimmte Geräte oder Programme nicht nur dann Daten empfangen können, wenn sie sie zuvor angefordert haben, sondern über ihre spezifische Port-Nummer permanent für eingehende Verbindungsanfragen erreichbar sind. Beispiel hierfür sind vor allem Filesharing-/P2P- und Server-Anwendungen. Aber auch das ein oder andere Telefonie- oder Videochat-Programm könnte Probleme machen.

Denn aus Sicherheitsgründen verfügen sowohl der Zwangs-Router als auch die dahinter geschaltete Fritzbox jeweils über eine Firewall, die ungefragte Verbindungen von außen blockiert. Während Sie im Zwangs-Router möglicherweise schon Portfreigaben eingerichtet haben - oder die automatische Portfreigabe über das Upnp-Protokoll aktiviert ist - müssen Sie die gleichen diesbezüglichen Einstellungen nun auch in der dahintergeschalteten Fritzbox vornehmen. Dazu klicken Sie auf „Internet -> Freigaben -> Neue Portfreigabe“. Außerdem halten wir es für ein vertretbares Risiko bei erheblichem Komfortgewinn, wenn Sie auf der gleichen Seite die Option „Änderungen der Sicherheitseinstellungen über UPnP gestatten“ aktivieren. Dann können Netzwerk-Geräte, Apps und Programme bei Bedarf selbsttätig temporäre Portfreigaben aktivieren.

Ports des Zwangsrouters an die Fritzbox weiterleiten

Wenn Sie an Ihrem Zwangs-Router außer der Fritzbox keine weiteren Netzwerkgeräte (mehr) betreiben, können Sie sich das Leben auch leichter machen: Leiten Sie über seine Konfigurations-Oberfläche einfach alle Ports von 1 bis 65535 sowohl für das TCP- als auch für das UDP-Protokoll an die interne IP-Adresse weiter, die der Zwangs-Router der Fritzbox zugewiesen hat. Welche das ist, zeigt Ihnen die Fritzbox auf der Startseite der Konfiguration an. Wenn möglich, sollten Sie im Zwangs-Router nach einer Option suchen, bestimmten Netzwerkgeräten eine feste interne IP zu verpassen und dies dann für die Fritzbox auch tun.
Als zuverlässigere Alternative dazu, den weiterzuleitenden Portbereich manuell einzugeben, bieten manche Router auch die Option eine interne IP-Adresse, in unserem Fall also die der Fritzbox, als „DMZ“ (demilitarisierte Zone) zu definieren.

Crashkurs: Portfreigaben am Router

Dyndns nicht in der Fritzbox, sondern im Zwangs-Router aktivieren

Einem weiteren Problem werden Sie gegenüberstehen, wenn Sie versuchen, in der hinter den Zwangs-Router geschalteten Fritzbox unter „Internet -> Freigaben -> Dynamic DNS“ einen dynamischen DNS-Dienst einzurichten. Dynamische DNS-Dienste (Dyndns) wie www.no-ip.com sind dazu da, ihren Router beziehungsweise ihr Heimnetz unter einer festen Domain wie <Wunschname>.ddns.net erreichbar zu machen. Das gleiche gilt für den AVM-eigenen Dienst „ MyFRITZ! “.

Wenn die Fritzbox hinter einen Zwangsrouter gehängt wird, meldet sie Dyndns-Diensten eine falsche, weil interne IP-Adresse.
Vergrößern Wenn die Fritzbox hinter einen Zwangsrouter gehängt wird, meldet sie Dyndns-Diensten eine falsche, weil interne IP-Adresse.

Damit das Ganze funktioniert, sendet die Fritzbox immer dann, wenn sie von Ihrem Internet-Provider eine neue öffentliche IP-Adresse zugewiesen bekommt, diese an den von Ihnen ausgewählten Dyndns-Dienst. Der verknüpft sie in Echtzeit mit Ihrem Domainnamen.

Da die Fritzbox aber die öffentliche IP-Adresse, die der Zwangs-Router zugewiesen bekommt, nicht kennt und es auch nicht mitbekommt, wenn sie sich ändert, lässt sich die Funktion in dieser Konstellation nicht nutzen. Möglicherweise bietet Ihr Zwangs-Router aber ebenfalls eine Dyndns-Option. Dann sollten Sie diese aktivieren. Dank Portweiterleitung oder DMZ-Zuweisung im Zwangs-Router (siehe oben) erreichen Sie über Ihren festen Domainnamen dann trotzdem die Fritzbox beziehungsweise die daran angeschlossenen Netzwerkgeräte- Natürlich nur, sofern Sie dies auch wollen und in Form von Portweiterleitungen innerhalb der Fritzbox-Konfiguration auch zugelassen haben.

Fernzugriff aufs Heimnetz leichtgemacht

Gastzugang & Dateifreigabe (NAS): Beliebte Fritzbox-Funktionen erklärt

Im Folgenden erklären wir noch Schritt für Schritt die Einrichtung und Benutzung zwei besonders beliebter Fritzbox-Funktionen:

Die Fritzbox generiert aus den Zugangsdaten für das zweite WLAN-Netz einen QR-Code zum Ausdrucken und Abscannen.
Vergrößern Die Fritzbox generiert aus den Zugangsdaten für das zweite WLAN-Netz einen QR-Code zum Ausdrucken und Abscannen.

WLAN-Gastzugang: Über „WLAN -> Gastzugang“ können Sie einstellen, dass die Fritzbox ein zweites Funknetz mit einem anderen Namen (SSID) und einem anderen Verschlüsselungs-Code aufspannen soll. Der Gastzugang ist vom lokalen Netz abgeschottet – es ist somit also nur der Zugriff aufs Internet möglich, nicht aber auf Geräte in Ihrem Heimnetz. Sobald der Zugang aktiv ist, blendet die Fritzbox unter „WLAN -> Gastzugang“ ganz unten auf der Seite den Button „Info-Blatt drucken“ ein. Ein Klick darauf und es öffnet sich ein Pop-up, in dem alle (Zugangs-)Daten Ihres Gastzugangs übersichtlich zum Ausdrucken aufgelistet sind. Besonders praktisch: Auf dem Ausdruck findet sich auch ein QR-Code, der die genannten Daten in maschinenlesbarer Form enthält. Ihre Gäste können sich dadurch die manuelle Einrichtung sparen. Sie starten einfach auf ihrem Smartphone oder Tablet eine kompatible QR-Code-App, halten mit der Kamera auf den Code, warten die Erkennung ab und bestätigen die Einrichtung des WLANs. AVM empfiehlt Android-Nutzern die App „FRITZ!App WLAN“, aber auch die App „Barcode Scanner“ leistet gute Dienste. Auf iPhone und iPad ist die App „Qrafter“ eine gute Wahl.

Dateien auf externem Speicher freigeben: Fritzboxen mit USB-Buchse können den Inhalt eines daran angeschlossenen Speichermediums als NAS (Network Attached Storage) im lokalen Netz und auf Wunsch auch übers Internet verfügbar machen. Der Speicher lässt sich zum einen als Netzlaufwerk in Windows oder andere Betriebssysteme einbinden. Alternativ greifen Sie per Browser darauf zu. Um das NAS einzuschalten, verbinden Sie zuerst den USB-Speicher mit der Fritzbox, klicken auf „Heimnetz -> Speicher (NAS)“ und aktivieren die Option „Speicher (NAS) aktiv“. Um aus dem Heimnetz darauf zuzugreifen, geben Sie im Browser die Adresse http://fritz.box/nas ein.

Video: Fritzbox - So machen Sie ein Firmware-Update
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