06.11.2010, 07:10

Maximilian Gaub

Zukunft des Schienenverkehrs: Zugführer PC

Mehr Menschen in den Städten, das bedeutet auch: Mehr Passagiere in öffentlichen Verkehrsmitteln. Die Züge der Zukunft müssen also in kürzerem Abstand fahren. Eine noch höhere Frequenz, das schafft allerdings nur ein Rechner. Wie in Nürnberg. Dort kommuniziert der Computer im Zug zu jedem Zeitpunkt mit der Strecke, kann daher zu jeder Sekunde auf Änderungen im Verkehr reagieren – und benötigt daher im Idealfall nur einen Abstand von 100 Sekunden zum Vorderzug. Bei konventionellen Strecken fährt ein menschlicher Fahrer bis zum nächsten Signal – um dann vielleicht zu merken, dass er bremsen muss. Sicherheitsabstand daher hier mindestens: 200 Sekunden.
Noch plastischer wird der Zeitvorsprung des Rechners beim Wenden an Endhaltestellen. Erreichte ein Zugführer der U2 früher Röthenbach, räumte er den Fahrerraum auf, sperrte die Türe ab, lief am ganzen Zug vorbei zum anderen Ende, öffnete dort die Tür und startete den Zug neu. Ein Computer fährt einfach in die andere Richtung.
 
Schneller ist der Computer, aber auch spontaner, ökonomischer und präziser: Wenn plötzlich mehr Passagiere an den Bahnsteigen stehen, fährt einfach ein neuer Zug aus der Abstellanlage. Er verbraucht weniger Energie, weil er gleichmäßiger beschleunigt und bremst. Und er wartet nicht auf Fahrgäste, die flehend die Rolltreppe hinunterrennen – weil sonst der Abstand zum nächsten Zug gefährlich schrumpfen würde.
 
Die Bilanz seit Tiefensees Jungfernfahrt: Bis auf einige Störungen zu Beginn des Jahres 2010 läuft der Betrieb seit Start „mit einer Verfügbarkeit von 99 Prozent“, wie Rainer Müller erklärt. Störungen, die aus Sicherheitsgründen entstanden: Im Zweifelsfall fahren die Züge nicht weiter. So verhakten sich die Spaltüberbrückungen bei Türen manchmal, fuhren nicht zurück – und die Computer-U-Bahn blieb stehen. Zudem schlugen in seltenen Fällen Entgleisungsdetektoren bei manchen Weichen Alarm. Jüngst allerdings bestand das Netz den Härtetest: Am Tag der deutschen Einheit fuhren Kurzzüge alle 100 Sekunden durch die Tunnel. Ohne Zwischenfälle.
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