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Zufallsentdeckungen - Nicht gesucht, aber trotzdem erfunden

24.09.2012 | 15:44 Uhr |

Industrie und Universitäten stecken jedes Jahr Milliarden in die Forschung neuer Produkte. Doch nicht immer kommt dabei das heraus, wonach die Wissenschaftler gesucht haben. Viele Dinge, die heute selbstverständlich sind, waren einfach Zufallstreffer.

Die Entdeckung Amerikas 1492 war keineswegs geplant, vielmehr suchte Christoph Kolumbus einen neuen Seeweg nach Indien. Woher sollte der Seefahrer auch wissen, dass ihm beim geplanten Westkurs ein Kontinent den Weg versperrte? Denn Karten, auf denen das unbekannte Land eingezeichnet gewesen wäre, hatte er naturgemäß nicht.

So wie die Entdeckung Amerikas Zufall war, verhält es mit zahlreichen Entdeckungen und Erfindungen. Die Antihaft-Beschichtung in der Bratpfanne, die praktischen Post-It-Aufkleber oder auch das Potenzmittel Viagra: alles Treffer, die die Wissenschaft quasi nebenbei erzielte.

Als Polytetrafluorethen, der Grundstoff von Teflon, 1938 zufällig entdeckt wurde, gab es zunächst keine Verwendung dafür. Heute dient er als Antihaft-Beschichtung und Pfannen.
Vergrößern Als Polytetrafluorethen, der Grundstoff von Teflon, 1938 zufällig entdeckt wurde, gab es zunächst keine Verwendung dafür. Heute dient er als Antihaft-Beschichtung und Pfannen.
© Tefal

Teflon: In der Pfanne brennt nichts mehr an

Wie mühsam wäre das Braten doch ohne Teflon-Beschichtung in der Pfanne! Festgebackenes Fett und Reste des Bratguts lassen sich ohne Beschichtung nur durch stundenlanges Einweichen entfernen. Mit dem Teflon-Überzug dagegen haftet nichts an, wahnsinnig praktisch für Hausfrauen (und -männer) in aller Welt.

Die größten Apple-Erfindungen unter Steve Jobs

Dabei war der Entdecker des Polytetrafluorethen, wie der Stoff wissenschaftlich korrekt heißt, 1938 gar nicht auf der Suche nach einem Beschichtungsmittel. Vielmehr experimentierte der amerikanische Chemiker Roy Plunkett mit Kältemitteln, wie sie in jedem Kühlschrank eingesetzt werden. Dabei entstand das kunststoffähnliche Material, das sich als chemisch besonders widerstandsfähig erwies und deshalb fünf Jahre später im Manhattan-Projekt der US-Atombombenbauer verwendet wurde.

Bis Teflon dann allerdings Verwendung als Material für Antihaft-Beschichtungen fand, für die es heute vor allem bekannt ist, vergingen weitere zehn Jahre. Die erste Teflonpfanne wurde erst 1954 in Frankreich verkauft. Von da an trat sie ihren Siegeszug an.

Post-It: Ärgernis führt zur Erfindung der Klebezettel

Ebenfalls eine Zufallserfindung sind die einfach wieder abziehbaren Notizzettel, meist gelb und schlicht Post-It genannt. Wieder war es ein US-Chemiker, der nicht einmal den richtigen Riecher hatte, dem aber trotzdem die Erfindung der kleinen Klebezettel zugerechnet wird. Spencer Silver vom Chemieriesen 3M war in den 1960er-Jahren auf der Suche nach einem neuen Superkleber. Doch statt des gewünschten Produkts gelang ihm die Synthese des Gegenteils – eines schwach haftenden Klebstoffs, der sich leicht wieder abziehen ließ.

Doch auch hier dauerte es Jahre und bedurfte eines Zufalls, bis die Entdeckung zu dem wurde, wie wir sie heute kennen. Ein Kollege des Erfinders ärgerte sich immer, dass die Notizzettel aus seinen Büchern fielen. Da erinnerte er sich an die Entdeckung seines Freundes: Die Idee, den schwachen Klebstoff auf Notizzettel aufzutragen, war geboren. Vermarktet wurden die Post-Its ursprünglich ausschließlich in der Einheitsfarbe Gelb und den Einheitsmaßen 76 × 76 mm. Inzwischen gibt es Hunderte Varianten von verschiedenen Herstellern.

Rund 50 Prozent der im Internet gehandelten Medikamente sind wirkungslos. Insbesondere in unverlangten Spam-Mails zu Viagra und Co heißt es aufzupassen!
Vergrößern Rund 50 Prozent der im Internet gehandelten Medikamente sind wirkungslos. Insbesondere in unverlangten Spam-Mails zu Viagra und Co heißt es aufzupassen!

Viagra: der zufällige Weg vom Herz- zum Potenzmittel

Nicht einmal zwanzig Jahre ist es her, dass britische Forscher des Pfizer-Konzerns mit dem Wirkstoff Sildenafil Herzbeschwerden therapieren wollten: durch Steigerung der Durchblutung des Herzmuskels. Doch während die erwünschte Heilwirkung beim Herz ausblieb, wurden offenbar auch andere Körperteile besser durchblutet.

Denn als die Wissenschaftler die Studie wegen der enttäuschenden Ergebnisse abbrachen, weigerten sich viele männliche Probanden, ihre überzähligen Tabletten wiederherzugeben. Ja, es wurde sogar in das Sildenafil-Labor eingebrochen. Da ahnte mancher im Pharmaunternehmen, in welchem Bereich das Mittel besser eingesetzt würde: Das Potenzmittel kam 1998 unter der Bezeichnung Viagra auf den Markt – ein einträgliches Geschäft für Pfizer, denn eine Packung mit nur vier Tabletten kostet rund 50 Euro.

Online-Medikamente bis zu 80 Prozent billiger 

Selbst Kartoffelchips sind im Prinzip eine zufällig gemachte Entdeckung, die bei einem Gast gut ankam. Das Quasi-Original gibt es nach wie vor im Internet zu kaufen.
Vergrößern Selbst Kartoffelchips sind im Prinzip eine zufällig gemachte Entdeckung, die bei einem Gast gut ankam. Das Quasi-Original gibt es nach wie vor im Internet zu kaufen.

Klettverschluss, Kartoffelchips und Süßmittel: alles Glückstreffer

Viagra ist keineswegs die einzige zufällige Entdeckung auf dem Gebiet der Medizin: Das Antibiotikum Penicillin, das die Bekämpfung bakterieller Krankheitserreger geradezu revolutioniert hat, ist ein ebensolcher Glücksfall.

Das Gleiche gilt für den Klettverschluss, den die Menschheit einem Spaziergang des Schweizer Ingenieurs George de Mestral im Jahr 1948 zu verdanken hat. Eines Tages waren sein Hund und seine Hosenbeine mit Kletten übersäht. De Mestral ging der Frage nach, warum die Kletten so gut haften. Die Antwort entdeckte er unter dem Mikroskop, denn die Samen hatten überall kleine Häkchen, die sich im Stoff und im Fell festsetzten. Bis zum Patent dauerte es drei Jahre, bis zur industriellen Fertigung des Klettverschlusses gar gut zehn Jahre.

Die Reihe der zufälligen Erfindungen lässt sich fortsetzen: Das Süßmittel Cyclamat, Sekundenkleber und sogar Kartoffelchips, zunächst Saragota Chips genannt, gehören dazu: Einem vermögenden Gast waren Mitte des 19. Jahrhunderts die bisherigen Bratkartoffeln in einem Hotelrestaurant in New York zu dick – da kam der Koch auf die Idee, die Kartoffeln hauchdünn zu schneiden und dann in Fett zu frittieren. Dem Gast schmeckten die neuen Chips, doch bis zum Siegeszug der neuen Knabberei vergingen noch Jahrzehnte. Übrigens: Die „Original Saragota Chips“ gibt es im Internet auch heute noch zu kaufen.

 

 

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