2094900

XFCE 4.12 - Das Desktop-Leichtgewicht im Test

04.09.2015 | 12:34 Uhr |

Nach fast drei Jahren Stillstand gab es bereits Gerüchte um das Ende der XFCE-Oberfläche. Zur Erleichterung aller Nutzer, die den konservativen, aber schlanken und flexiblen Desktop schätzen, meldet sich XFCE mit Version 4.12 zurück.

XFCE 4.12 sieht auf den ersten Blick nicht gravierend anders aus als sein Vorgänger. Es wurde diskutiert, XFCE 4.12 komplett auf die modernere Komponentenbibliothek Gtk3 umzustellen. Daraus ist allerdings nichts geworden: Insgesamt nutzt XFCE weiterhin älteres Gtk2, einige Komponenten hingegen bereits die jüngere Basis. Fans von XFCE müssen sich kaum umstellen. Unter der Haube hat sich dennoch einiges geändert, und es gibt neue Funktionen, die sich erst beim näheren Hinsehen zeigen. Einige Linux-Distributionen haben die neue Version der Desktop-Umgebung schon an Bord.

Das beste System: Windows 7, 8 & 10 gegen Linux

Die Neuerungen am XFCE-Desktop

Fenster und Tasks: Die Tastenkombination Alt-Tab schaltet bekanntlich zwischen laufenden Task hin und her. Diesen Taskswitcher können Sie bei XFCE 4.12 mit einem individuellen Theme versehen. Weiterhin sind die Modi Listenansicht und eine Fenstervorschau hinzugekommen. Sie können das Verhalten unter „Einstellungen -> Feineinstellungen der Fensterverwaltung“ individuell konfigurieren.

Die Einrastfunktion der Taskfenster wurde ebenfalls überarbeitet. Wenn man ein Fenster in eine Ecke zieht, dann nimmt es eine definierte Größe an und richtet sich an dieser Bildschirmseite aus.

Whisker-Menü als Standard: Wer Xubuntu 14.04 oder höher oder eine aktuelle XFCE-Variante von Linux Mint verwendet, kennt XFCE ohne Whisker-Menü gar nicht mehr. Diese Distributionen liefern dieses funktionale Startmenü mit dem zusätzlichen Suchfeld per Standard aus. XFCE 4.12 macht das Whisker-Menü, das auch schicke Transparenz beherrscht, nun ebenfalls zum Standard.

Damit lassen sich zum Beispiel Favoriten markieren, auf die man schneller zugreifen kann. Sie müssen dafür im Menü die entsprechende Anwendung nur mit der rechten Maustaste anklicken und danach „Zu Favoriten hinzufügen“ wählen.

Intelligente Leiste: Nutzt man in diesem Einstellungsdialog die Option „Intelligent“, verbirgt sich die Desktop-Leiste, sobald ein Fenster in die Nähe kommt.
Vergrößern Intelligente Leiste: Nutzt man in diesem Einstellungsdialog die Option „Intelligent“, verbirgt sich die Desktop-Leiste, sobald ein Fenster in die Nähe kommt.

Leisten und Arbeitsflächen: Die XFCE-Leisten lassen sich so konfigurieren, dass sie sich intelligent verstecken. Ist diese Funktion aktiviert, verbirgt sich die Leiste automatisch, sobald ein anderes Fenster in seine Nähe kommt. Es wurden außerdem Änderungen eingepflegt, so dass die Leisten sowohl Gtk3- als auch Gtk2-Plugins nutzen können.

Unter Linux gehören mehrere Arbeitsflächen zum Standard. XFCE 4.12 kann diesen Arbeitsflächen nun je eigene Hintergrundbilder spendieren. Die betreffenden Optionen finden Sie unter „Einstellungen -> Schreibtisch“. Dort muss zunächst die Schaltfläche „Auf alle Arbeitsflächen anwenden“ deaktiviert werden. Danach können Sie jedem Desktop sein eigenes Hintergrundbild zuweisen, indem Sie den Dialog „Schreibtisch“ in jener Arbeitsfläche aufrufen, in der Sie das Bild einstellen möchten.

Bildschirmeinstellungen: XFCE 4.12 erscheint auf großen Bildschirmen mit hohen Auflösungen deutlich attraktiver, da die Entwickler dem Desktop Unterstützung für Hi-DPI spendiert haben. Es gibt dafür sogar zwei speziell entworfene Xfwm4-Themes. Sie finden diese Themes „hdpi“ und „xhdpi“ unter „Einstellungen -> Fensterverwaltung“.

Desktop-Wallpaper: Unter XFCE 4.12 dürfen Sie den Arbeitsflächen unterschiedliche Hintergrundbilder spendieren. Das ist nicht nur hübsch, sondern auch eine Orientierungshilfe.
Vergrößern Desktop-Wallpaper: Unter XFCE 4.12 dürfen Sie den Arbeitsflächen unterschiedliche Hintergrundbilder spendieren. Das ist nicht nur hübsch, sondern auch eine Orientierungshilfe.

Signifikant verbessert zeigt sich außerdem die Multimonitor-Verwaltung: Sobald Sie einen neuen Bildschirm anschließen, erscheint ein Einstellungsfenster, mit dem Sie das Arrangement der Monitore schnell und unkompliziert anpassen. Sie können hier den neuen Bildschirm per Mausaktion auf der linken oder rechten Seite des anderen platzieren.

Energie-Management: Ein neues Leisten-Plug-in bietet komfortable Steuerung der Bildschirmhelligkeit. Darüber hinaus zeigt das Plug-ins-Menü alle anderen verbundenen Geräte wie zum Beispiel Tastatur, Maus und so weiter und deren Ladezustand. Weiterhin können Sie dort den Präsentationsmodus aktivieren, der den Bildschirmschoner außer Kraft setzt.

In den „Einstellungen“ finden Sie eine komplett überarbeitete Energieverwaltung. Das Verhalten des Systems und des Bildschirms ist jetzt von anderen Energiefunktionen separiert, die zum Beispiel beim Schließen des Notebook-Deckels ausgeführt werden. Ob diese Trennung übersichtlicher ist, bleibt eine Geschmacksfrage. Weiterhin lässt sich nun einstellen, was bei Inaktivität geschehen soll, während das Notebook mit Akku läuft. In der Energieverwaltung finden Sie außerdem Ladestand-Informationen zu angeschlossenen Geräten.

Verbesserungen bei der XFCE-Software

XFCE bringt mit Thunar einen eigenen Dateimanager mit sich, der ständig verbessert wird. Die auffälligste Änderung ist die Einführung von Verzeichnis-Tabs: Ein Thunar-Fenster kann nun mehrere Tabs öffnen. Eine weitere Kleinigkeit zeigt sich, wenn Sie mit der rechten Maustaste auf einen Ordner klicken und dann „Eigenschaften“ wählen: Jetzt zeigt Thunar an, wie viel Platz auf dem Datenträger noch frei ist. Weiterhin können Sie mehrere Dateien auswählen und die summarischen Eigenschaften einsehen oder die Rechte ändern.

Auch der Taskmanager wurde überarbeitet. Er unterstützt Gtk3 und hat eine neue Filterfunktion erhalten: Dazu tippen Sie einfach den gewünschten Ausdruck in das Suchfeld rechts oben ein. Der Taskmanager reagiert sofort beim Tippen und filtert die Tasks entsprechend. Durch Farbauszeichnung wird zudem ersichtlich, ob ein Task gerade startet (grün), seinen Status ändert (gelb) oder aktuell beendet wird (rot).

Der hauseigene Mediaplayer Parole wurde komplett neu in Gtk3 geschrieben. Er unterstützt nun mehrere Videoquellen und arbeitet ressourcenschonender. Der unscheinbare Texteditor Mousepad erhält einen neuen Einstellungsdialog, und das Brennprogramm Xfburn beherrscht nun auch das Brennen von Blu-ray-Rohlingen.

Linux-Distributionen mit XFCE 4.12

Wer XFCE 4.12 nicht manuell herunterladen und selbst kompilieren möchte, kann Xubuntu 15.04 als Live-Distribution oder in einer virtuellen Maschine einsetzen. Auch das auf Arch Linux basierende Manjaro 0.9.0 setzt bereits auf XFCE 4.12. Wenn Sie ein Xubuntu 14.04 LTS auf XFCE 4.12 aktualisieren möchten, können Sie das über ein PPA realisieren. Der Dreisprung dafür lautet:

sudo add-apt-repository ppa:xubuntu-dev/xfce-4.12 sudo apt-get update sudo apt-get dist-upgrade

Das funktioniert analog auch bei Linux Mint 17.1 XFCE.

0 Kommentare zu diesem Artikel
2094900