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XBMC: Mediacenter mit Android-Anschluss

31.05.2014 | 09:35 Uhr |

XBMC erfreut sich immer größerer Beliebtheit, vor allem aufgrund der Verfügbarkeit für fast alle Plattformen. Dieser Workshop zeigt, wie man damit umgeht.

Die Geschichte des XBMC (XBox Media Center) begann bereits im Jahre 2002, als mehrere Entwickler daran gegangen waren, einen Mediaplayer für die erste Generation von Microsofts X-Box zu programmieren. Innerhalb kurzer Zeit entwickelte sich daraus ein Programm mit einer graphischen Oberfläche samt eigenständigem Dashboard, welches die vorinstallierte Komponente der X-Box ersetzte.

In den folgenden Jahren wurde das Mediacenter auf weitere Plattformen portiert, und es bietet inzwischen nicht nur für Windows, Linux und Mac OS X eine Version an, sondern auch für Apple TV, iOS und Android. Auf den Apple-Plattformen gibt es allerdings keine direkte Installationsmöglichkeit aus dem App Store heraus – in diesem Falle müssen Sie vorher einen Jailbreak für Smartphone, Tablet oder die Apple-TV-Box durchführen.

Die aktuellste Portierung existiert für den Mini-Computer Raspberry Pi, wobei auf dieser Plattform vor allem die Wiedergabe von hochauflösendem Filmmaterial die Hardware schnell an ihre Grenzen bringt.

Der erste Abschnitt dieses Workshops behandelt die Installation und Grundkonfiguration des Mediacenters. Im zweiten Abschnitt stellen wir Ihnen drei Apps vor, mit denen Sie über Ihr Galaxy auf das Mediacenter zugreifen können.

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Beim ersten Aufruf fragt Sie die Windows Firewall, welche Anfragen zugelassen werden sollen.
Vergrößern Beim ersten Aufruf fragt Sie die Windows Firewall, welche Anfragen zugelassen werden sollen.

Installation des Mediacenters

Auf der offiziellen Website von XBMC sehen Sie eine komplette Übersicht der unterstützten Plattformen. In der folgenden Anleitung beschreiben wir die Installation unter Windows 7. Die Konfiguration des Systems ist unter allen Plattformen anschließend gleich. Führen Sie die Installationsroutine von XBMC aus, und verwenden Sie die vorgegebenen Standardwerte. Sollten Sie bereits eine ältere Version auf dem Computer installiert haben, deinstallieren Sie diese, bevor Sie das aktuelle XBMC 12.2 mit dem Codenamen Frodo nutzen.

Die erste Konfiguration

Wenn Sie die Windows-Firewall einsetzen, bekommen Sie beim ersten Aufruf eine Meldung und müssen die Zugriffsrechte festlegen. Damit XBMC funktioniert, sollten Sie die Kommunikation innerhalb privater Netzwerke zulassen.

Das Gleiche gilt im Übrigen auch für alle anderen Firewalls. Sollten diese zu restriktiv konfiguriert sein, funktioniert unter Umständen die Verbindung zwischen Ihrem Android-Smartphone und dem Mediacenter nicht.

Nach dem ersten Start erscheint die Oberfläche von XBMC in englischer Sprache. Die Umstellung auf Deutsch nehmen Sie über das Menü „System ➞ Settings ➞ Appearance ➞ International ➞ Language“ vor. Stellen Sie diesen Wert über die Pfeiltasten auf „German“, und ändern Sie im gleichen Menü auch die Region in „Deutschland“ um. Die deutsche Sprache wird ohne einen Neustart der Oberfläche angezeigt.

Unter „Einstellungen“ (vorher „Appearance“) finden Sie auch weitere wichtige Parameter, mit denen Sie das Aussehen Ihres Mediacenters nach Ihren Vorstellungen gestalten können. Der wichtigste Punkt an dieser Stelle ist sicherlich „Skin“. Dieser legt sowohl das aktuelle Skin – also das Aussehen von XBMC – als auch das Aussehen innerhalb der ausgewählten Oberfläche fest.

Die Standardoberfläche von Frodo ist „Confluence“. Sollte Ihnen diese nicht zusagen, klicken Sie den Eintrag mit dem Mauszeiger an, und wählen Sie aus dem Auswahlfenster „Mehr“ aus. Damit bekommen Sie Zugriff auf die Bibliothek der Oberflächen, die abhängig vom gewählten Repository unterschiedlich umfangreich aussieht. Laden Sie sich das gewünschte Skin herunter, und aktivieren Sie es anschließend über die Auswahlliste. Auf dem gleichen Weg können Sie jederzeit wieder zurück zum ursprünglichen Skin wechseln.

Am Ende des Konfigurationsfensters finden Sie die Möglichkeit, den vorhandenen RSS-Feed zu deaktivieren. Möchten Sie den RSS-Feed als Funktion nutzen, jedoch mit einem oder mehreren anderen Newsfeeds, so ändern Sie entweder manuell die Datei „RssFeeds.xml“ im Verzeichnis „userdata“, oder nutzen Sie das Add-on „RSS Editor“.

Ändern Sie beim ersten Start die Systemsprache sowie die Region.
Vergrößern Ändern Sie beim ersten Start die Systemsprache sowie die Region.

XBMC individuell erweitern

Ein weiterer großer Vorteil von XBMC ist die individuelle Erweiterbarkeit auf der Basis von Addons. Den zentralen Einstieg in dieses Thema finden Sie am besten über den gleichnamigen Menüpunkt innerhalb der Einstellungen. Dies ist die zentrale Verwaltungsstelle für Ihre Erweiterungen innerhalb des Mediacenters.

Unterhalb des ersten Punktes, der aktivierten Add-ons, sehen Sie alle Erweiterungen, die Sie aktuell innerhalb Ihres XBMC installiert haben. Es gibt zwei Wege, in XBMC ein neues Add-on zu installieren: entweder über die vorhandene Bibliothek oder als ZIP-Datei. Diese wählen Sie über den Menüpunkt „Aus ZIP Datei installieren“ aus.

Der einfachere Weg ist allerdings über den Menüpunkt „Weitere Add-ons ➞ Alle Add-ons“. Hier sehen Sie alle Kategorien, in denen die jeweilige Bibliothek die Erweiterungen verwaltet. Wählen Sie den entsprechenden Ordner und im nächsten Schritt das gewünschte Add-on aus. Bevor Sie es installieren, sehen Sie sich noch einmal die Details zu dieser Erweiterung an und starten anschließend den Vorgang. Gerade bei größeren Erweiterungsbibliotheken ist es manchmal sehr aufwendig, eine passende Erweiterung zielgenau zu finden. An dieser Stelle hilft die Suche.

Eine Erweiterung kann installiert und deinstalliert sein, aber auch aktiviert und deaktiviert. Eine Übersicht aller installierten Add-ons, die nicht aktiv sind, sehen Sie unter dem letzten Punkt. Die hinzugefügten Add-ons finden Sie anschließend abhängig von den Kategorien in den verschiedenen Menüs wie „Video“, „Musik“ oder „Bilder“ wieder. Eine komplette Übersicht erhalten Sie, wenn Sie die Programme aufrufen.

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Einer der zentralen Vorteile ist die umfangreiche Bibliothek an Erweiterungen.
Vergrößern Einer der zentralen Vorteile ist die umfangreiche Bibliothek an Erweiterungen.

Medienbibliothek anlegen

Für die Rubriken „Videos“, „Musik“ und „Bilder“ können Sie eigene Bibliotheken anlegen und in dieser Ihre eigenen Objekte speichern. Am Beispiel der Musik zeigen wir Ihnen die verschiedenen Möglichkeiten.

Wenn Sie den Menüpunkt mit der Maus berühren, sehen Sie die verschiedenen Optionen, die Ihnen zur Verfügung stehen. Im ersten Schritt sollten Sie die Quellen angeben, in denen sich auf Ihren Festplatten Musikstücke befinden. Diese Verzeichnisse fügen Sie über das Menü „Dateien ➞ Quelle hinzufügen“ zur Übersicht hinzu.

Rufen Sie anschließend die Menüpunkte „Interpreten“, „Alben“ oder „Titel“ auf, so werden diese allerdings immer noch leer sein. XBMC unterscheidet zwischen dem Hinzufügen von Quellen und dem aktiven Speichern von Titeln oder Alben in der Datenbank. Erst dann sind die Musikstücke auch über die drei Menüpunkte zu finden.

Der Weg in die Datenbank ist am einfachsten über das Menü „Dateien“. Navigieren Sie über die Verzeichnisstruktur zum gewünschten Verzeichnis oder zu der Datei, und fügen Sie diese(s) über das Kontextmenü zur Datenbank hinzu. Anschließend sehen Sie die Inhalte in den drei anderen Ansichten sowie im Menü „Datenbank“.

Auch für die Bilder und Videos können Sie in den Menüs entsprechend Quellen hinterlegen und über diese anschließend direkt zugreifen.

Die Weboberfläche von XBMC bietet auch eine virtuelle Fernbedienung.
Vergrößern Die Weboberfläche von XBMC bietet auch eine virtuelle Fernbedienung.

XBMC fürs Netzwerk optimieren

Damit Sie innerhalb des Netzwerks auf Ihre XBMC-Installation zugreifen können, sind noch ein paar Konfigurationsschritte notwendig. Die zentrale Information an dieser Stelle ist die IPAdresse des Computers, auf dem XBMC läuft. Diese bekommen Sie direkt über die XBMC-Oberfläche unter dem Menüpunkt „System ➞ Systeminfo ➞ Netzwerk“ geliefert.

Wenn Sie die IP-Adresse in den Browser eingeben, sollte allerdings noch nichts passieren, da XBMC dies in der Grundeinstellung nicht freigegeben hat. Diese finden Sie im Menü „System ➞ Einstellungen ➞ Dienste“ wieder. An oberster Stelle im Menü „Allgemein“ geben Sie den Namen der XBMC-Installation an. Diese steht im Standard auf „XBMC“ – gerade, wenn Sie mehrere Instanzen in einem Netzwerk betreiben, ist es ratsam, entsprechend sinnvolle Namen zur Identifikation zu verwenden.

Auf die Inhalte des Mediacenters können Sie auch per Upnp zugreifen.
Vergrößern Auf die Inhalte des Mediacenters können Sie auch per Upnp zugreifen.

Wie Sie anhand der verschiedenen Menüpunkte sehen, gibt es unterschiedliche Protokolloptionen für den Zugriff auf die XBMC-Installation. Eine der verbreitetsten Methoden ist Upnp, das für „Universal plug and play“ steht. Dabei handelt es sich um ein Protokoll zum Streamen von Inhalten, das vor allem in der Unterhaltungsindustrie zum Einsatz kommt. Haben Sie den Upnp-Server aktiviert, können alle Upnp-Clients Ihr Mediacenter im Netzwerk sehen. Da auch Windows 7 und Windows 8 den Standard unterstützen, sehen Sie beispielsweise über den Windows Media Player und den Namen Ihres Mediacenters alle freigegebene Musik und haben direkten Zugriff darauf.

XBMC bietet auch einen Webserver an, über den Sie anschließend per Browser zugreifen können. Diese Schnittstelle wird im Anschluss auch von der offiziellen Android-App für den Zugriff auf Ihr Mediacenter genutzt. Aktiviert wird der Webserver durch den Menüpunkt „Steuerung über http zulassen“. Wenn Sie eine Fernsteuerung für Ihr Mediacenter verwenden möchten, aktivieren Sie diese im gleichnamigen Menü. Virtuelle Fernbedienungen sind in den beiden Android- Apps ebenso vorhanden wie über den direkten Zugriff per Weboberfläche. Damit haben Sie alle Grundlagen für den Zugriff per App auf Ihre XBMC-Installation geschaffen.

Die Verbindung zu XBMC stellen Sie bei der offiziellen App über die IP-Adresse her.
Vergrößern Die Verbindung zu XBMC stellen Sie bei der offiziellen App über die IP-Adresse her.

XBMC-Standard-App

Als Erstes betrachten wir die Android-Standard App, die Sie direkt über den Google Play Store kostenlos herunterladen können. Im ersten Schritt muss eine Verbindung zwischen der App und Ihrem Mediacenter hergestellt werden. Dies geschieht durch die Eingabe der Netzwerkdaten Ihres Computers, auf dem XBMC läuft. Rufen Sie dazu aus dem Kontextmenü der App den Punkt „Settings ➞ Manage XBMC Hosts“ auf, und fügen Sie über den Menüpunkt „Add Host“ eine neue Verbindung hinzu. Dafür benötigen Sie neben der IP-Adresse Ihres PCs auch den http- Port, den Benutzernamen und das Passwort. Der Port steht innerhalb von XBMC per Default auf 80, die App setzt allerdings 8080. Passen Sie dieses also in der App an, damit eine Verbindung erfolgreich zustande kommt.

Testen Sie es danach am besten über den Menüpunkt „Remote Control“, also die Fernbedienung. Mit dieser ist es bei funktionierender Verbindung problemlos möglich, auf der Oberfläche zu navigieren und einzelne Menüpunkte sowie Funktionen aufzurufen.

Die App erlaubt Ihnen darüber hinaus auch Zugriff auf die einzelnen Inhalte, die Sie in Ihrem Mediacenter verwalten. Wählen Sie beispielsweise den Punkt „Listen to Music“ aus, so sehen Sie im Einstieg eine Übersicht aller Alben, die sich in Ihrer Datenbank befinden. Mithilfe des Menüs an der unteren Seite des Fensters können Sie zwischen den verschiedenen Anzeige-Modi wechseln. Nach der gleichen Logik funktionieren auch die Punkte „Watch your Movies“, „Watch your TV Shows“ und „Browse your Pictures“.

Den Zugriff auf Ihre Bilder erhalten Sie über den Punkt „Browse your Pictures“. Einen direkten Zugriff auf das laufende Lied oder den laufenden Film erhalten Sie über „Now playing“. Im Fall eines Musikstücks bekommen Sie den entsprechenden Player angezeigt sowie das Albumcover, falls dies vorhanden sein sollte.

Alternative XBMC-App

Es gibt noch eine Reihe von Alternativ-Apps für den Zugriff auf das Mediacenter. Am interessantesten ist aktuell die App „Yatse Remote“, welche vor allem in Sachen Komfort klar gegenüber der offiziellen App punkten kann. Dies fängt bereits bei der Identifizierung des XBMC-Mediacenters an: Yatse durchsucht automatisch das LAN und bietet Ihnen alle gefundenen Installationen zum Verbinden an.

Sie müssen in diesem Prozess nur noch das Passwort angeben, falls Sie eines gesetzt haben sollten, und anschließend verbindet sich die App automatisch mit dem Mediacenter. Der Einstieg in die App ist die Fernbedienungs-Funktionalität. Diese bietet vier Pfeiltasten zum Navigieren sowie Symbole für den direkten Zugriff auf Musik, Bilder und die anderen Objekte.

Auf die Musikdaten innerhalb Ihrer Datenbank können Sie über die Albentitel, die Künstler, die Genres oder die Lieder zugreifen. Die Reaktion der App auf Eingaben erfolgt sehr schnell und zuverlässig, und Sie bekommen – falls vorhanden – auch das Cover zum jeweiligen Album angezeigt.

Yatse bietet Ihnen neben der Fernbedienung noch ein Menü, um auf alle vorhandenen Funktionen zuzugreifen. Besonders interessant und hilfreich an dieser Stelle ist auch die Tastatur, mit der Sie bestimmte Eingaben wie die Suche nach einem Lied bequemer realisieren.

Für den Aufruf Ihrer Apps steht in diesem Menü ein eigener Punkt zur Verfügung, über den Sie die jeweiligen Apps starten und die Ergebnisse auf Ihrem Android Gerät betrachten können.

Fazit: Im direkten Vergleich arbeitete die App deutlich zuverlässiger als die offizielle App von XBMC, und sie bietet darüber hinaus auch einen größeren Funktionsumfang an.

Yatse sucht das Netzwerk selbständig nach XBMC-Mediacentern ab.
Vergrößern Yatse sucht das Netzwerk selbständig nach XBMC-Mediacentern ab.

Zugriff über Upnp

Neben diesen exklusiven Apps, die nur im Zusammenspiel mit XBMC funktionieren, gibt es noch eine weitere alternative Zugriffsmethode. Da das Mediacenter auch Upnp unterstützt, bietet sich eine entsprechende App als Client an. Dies hat vor allem den Vorteil, dass Sie für die Verbindung zu mehreren Bibliotheken in unterschiedlichen Mediacenter-Installationen oder anderen Upnp-Quellen nur eine App benötigen.

Für unsere Beispiele nutzen wir die App Bubble Upnp , deren Gratisversion einige Einschränkungen mit sich bringt. Die Vollversion kostet 3,49 Euro. Die Verbindung ist verhältnismäßig einfach: Die App bietet Ihnen unter „Devices“ verschiedene Bibliotheken an, die sie im Netzwerk gefunden hat – so auch unser Mediacenter.

Nachdem Sie sich mit diesem verbunden haben, stehen Ihnen die Daten für die Wiedergabe zur Verfügung. In der Bibliothek sehen Sie die aus dem Mediacenter bereits bekannte Ordnerstruktur. In der Ansicht „Interpreten“ sehen Sie anschließend eine alphabetische Auflistung und können darüber direkt auf die Alben und Lieder zugreifen. Mithilfe des integrierten Players starten Sie die Wiedergabe.

Mittels Upnp ist es allerdings nur möglich, auf die Objekte innerhalb Ihres Mediacenters zuzugreifen. Inhalte von Apps, welche diese aus dem Internet beziehen, etwa aus der ZDF-Mediathek, lassen sich damit nicht anzeigen.

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