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Wunschmusik aus der Cloud auf das Smartphone streamen

26.09.2014 | 11:09 Uhr |

Was vor zehn Jahren der MP3-Player war, ist heute das Smartphone. Die Netzwerkfähigkeit erlaubt Streaming von Musik aus der Cloud. Dies gelingt schon mit einem kostenlosen Dropbox-Konto.

Smartphones haben den MP3-Player weitgehend abgelöst und zu einem seltenen Exoten gemacht, der nur noch als besonders robuste und kompakte Lösung gefragt ist. Davon abgesehen dienen heute meist Smartphone und Tablets als portable Musikquelle, und der Speicherort braucht auch nicht mehr der eigene PC zu sein. Sofern eine stabile Internetverbindung zur Verfügung steht, kann auch die Cloud als Musikquelle dienen und damit Teile der Musiksammlung online bringen und überall verfügbar machen. Die Möglichkeit, Musik aus der Cloud zu hören oder dort zu speichern, macht die Versorgung mit Musik zum eigentlichen Service. Der Trend: Man „besitzt“ keine Musiktitel mehr, sondern nur noch die Lizenz zum Abspielen. Zwischen 5 und 10 Euro im Monat kosten die jeweiligen Angebote von Google Play Music , Spotify , Simfy , Rdio und Co., um so viel Musik zu hören, wie man möchte. Warum aber für etwas zweimal bezahlen, fragen sich da jene Nutzer, die überwiegend bereits erworbene oder mühsam digitalisierte Stücke hören. Doch es gibt auch kostenlose Wege, wie die bestehende Musiksammlung in die Cloud kommt.

Dieser Artikel stammt aus dem Sonderheft PC-WELT WLAN & Heimnetz

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Droptunes spielt Musik aus der Dropbox

Auf Musik-Streaming zielt der Speicherservice von Dropbox nicht ab. Für Audiodateien gibt es nur eine Abspielfunktion beim Webzugriff auf das Dropbox-Konto über einen Browser, aber keinen ausgewachsenen Player. Mit dem webbasierten, kostenlosen Zusatzdienst Droptunes lässt sich dieser Cloudspeicher aber zum bequemen Streamingservice umfunktionieren. Diese Lösung ist nicht nur für zahlende Kunden von Dropbox interessant, die über stattlichen Speicherplatz verfügen. Auch für kleinere, hin und wieder aufgefrischte und ausgetauschte Musikzusammenstellungen ist Droptunes nützlich.

Droptunes speichert selbst keine Dateien, sondern arbeitet als Streaming-Schnittstelle im Browser und greift auf die Audiodateien im Dropbox-Konto zu. Jeder Browser, der HTML5 unterstützt oder über Adobe-Flash verfügt, kann als Player dienen. Um Droptunes einzurichten, besuchen Sie einfach die Adresse http://droptun.es im Browser, gehen auf „Go to the Web App“ und erlauben dann den Zugriff auf Ihren Dropbox-Account. Droptunes stellt den Dropbox-Ordner in einer Spalte auf dem rechten Rand Ihres Bildschirms dar. Klicken Sie dort auf einen Ordner, so erscheinen alle darin enthaltenen MP3-Dateien in einem Player in der Mitte des Fensters. Um auch Dateiformate wie M4A, OGG, OGA und WAV zu sehen, klicken Sie oben rechts auf den Link „MP3,M4A,OGA,WAV Mode“ und gehen dann erneut zum gewünschten Ordner. Droptunes liefert keine erweiterten Funktionen wie das Erstellen von Playlists oder eine Zufallswiedergabe, denn dafür gibt es eine kostenpflichtige iPhone-App (1 US-Dollar), mit der sich der Dienst finanziert.

Musiksammlungen auf das Smartphone packen

Mit Droptunes Musik aus der Dropbox im Browser abspielen: Der webbasierte Dienst ist kostenlos und stellt eine Verbindung zum Dropbox-Konto her. Er speichert selbst keine Dateien.
Vergrößern Mit Droptunes Musik aus der Dropbox im Browser abspielen: Der webbasierte Dienst ist kostenlos und stellt eine Verbindung zum Dropbox-Konto her. Er speichert selbst keine Dateien.

Android: Eigene Musik per Beat Cloud & Music Player

Droptunes funktioniert auf jedem Gerät mit HTML5-fähigen Browser. Für Android-Geräte gibt es aber auch eine kostenlose App, die eine ähnliche Aufgabe erfüllt und vom eigenen Dropbox-Speicher Musik abspielen kann. Der Beat Cloud & Music Player unterstützt aber auch Google Drive, Microsoft Drive One (Sky Drive), Box und lokale Musikstücke. Allerdings funktioniert die App erst ab Android 4.0.

Nach der Installation der App über Google Play fragt Beat Cloud & Music Player nach dem Speicherort der Musiksammlung auf einem lokalen Datenträger oder in der Cloud. Nach der Auswahl des Cloudanbieters geht es im Browser zur Anmeldung, um den App-Zugriff auf das Konto freizuschalten. Die App unterstützt Wiedergabelisten sowie Shuffle und Wiederholung. Der Player ist in seiner Bedienung etwas umständlich und auch optisch wenig aufregend. Dafür eignen sich die schlichten Bedienelemente gut für den Betrieb im Hintergrund.

Damit die Musik aus der Cloud unterbrechungsfrei spielt, ist eine solide Internetverbindung nötig.

Shop mit Speicherplatz: Google Play Music

Eine Kombination aus Online-Shop und Cloud- Speicher für Musik ist Google Play Music: Neben dem Angebot von einzelnen Titeln gibt es auch eine Streaming-Flatrate für 9,99 Euro/Monat (Stand August 2014). Daneben dürfen Nutzer des Diensts aber auch bis zu 20.000 Musikstücke der eigenen Sammlung hochladen – völlig gratis. Es ist nur die Anmeldung bei Google Play Music nötig, kaufen müssen Sie dagegen nichts, um den kostenlosen Speicherplatz zu nutzen. Um sich für Google Music und dann über „Meine Musik“ anmelden zu können, benötigen Sie einen Google-Account. Außerdem müssen Sie eine gültige Kreditkarte angeben, von der aber nichts abgebucht wird, wenn Sie keine Lieder erwerben und den Standardccount nutzen („All Access“ ist nur 30 Tage kostenlos).

Abspielen und verwalten lässt sich die Musik von Google Play Music mit dem Music Manager , den es für Windows, Mac-OS X und Linux gibt. Und natürlich gibt es dazu auch eine App für alle Android-Betriebssysteme, die Kindle-Fire-Modelle von Amazon ausgenommen. Der Google Music Player spielt MP3, AAC, FLAC, OGG und WMA (nur auf Windows- PCs). Mit DRM-geschützten Formaten kann Google Play Music nicht umgehen.

Zugriff auf die eigene Cloud mit Tonido. Dieser Dienst lässt alle Dateien auf dem PC des Anwenders und stellt lediglich die Verbindung her. Ein Player ist in die Weboberfläche integriert.
Vergrößern Zugriff auf die eigene Cloud mit Tonido. Dieser Dienst lässt alle Dateien auf dem PC des Anwenders und stellt lediglich die Verbindung her. Ein Player ist in die Weboberfläche integriert.

Tonido: Aus der eigenen Cloud Musik abspielen

Einen ganz anderen Ansatz verfolgt der Dienst Tonido, der einen privaten Cloudspeicher einrichtet, bei dem die Daten weiterhin auf dem eigenen Rechner zu Hause liegen. Der Dienst ist vornehmlich für den unkomplizierten Fernzugriff über einen zentralen Vermittlungsserver geschaffen, kann aber auch Musik streamen. Eine Auslagerung der Musiksammlung in fremde Rechenzentren entfällt dabei komplett.

Die private Cloud von Tonido ist zunächst kostenlos, denn die Einnahmequelle des Anbieters ist ein Synchronisationsservice, der nur bis zwei GB gratis ist. Mehr Speicher für die Synchronisation gibt es ab 39 US-Dollar im Jahr für einen Ordner mit 100 GB. Für das Musikstreaming allein wird dieses Zusatzangebot aber nicht benötigt.

Die Einrichtung erfolgt über Download und Installation von Tonido Desktop, das für Windows, Mac OS X und Ubuntu Linux auf www.tonido.com/tonidodesktop zum Download bereit steht (englischsprachige Freeware, 26 MB). Tonido startet einen lokalen Webserver auf Port 10001 mit einer deutschsprachigen Weboberfläche für Dateizugriff und Verwaltung. Unter der Adresse https://[benutzername].tonidoid. com steht die Oberfläche auch außerhalb des lokalen Netzwerks bereit, und der zentrale Server von Tonido stellt die Verbindung ähnlich wie beim dynamischen DNS her. Die Streamingfunktion ist in der Weboberfläche integriert: Nach dem Klick auf eine Audiodatei im Format MP3, M4A, OGG oder FLAC können Sie diese abspielen oder zu einer Wiedergabeliste hinzufügen.

Den unkomplizierten, aber etwas schwerfälligen Player erreichen Sie im Browser in der linken Spalte unter „Medien“. Eine Cache-Funktion sorgt für unterbrechungsfreies Abspielen, selbst wenn die Upload-Geschwindigkeit der Internetverbindung zu Hause lahmt.

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