Ausblick in die Gaming-Zukunft

Wirklichkeit und Wunsch

Donnerstag den 17.01.2008 um 12:24 Uhr

von Damina Robota

Was der PC derzeit verliert, ist sein Gewohnheitsrecht. Die sperrigen Heimcomputer wurden historisch vor allem deshalb zur riesigen Spieleplattform, weil sie eh überall herumstanden; erst in den Büros, dann bald auch am Schreibtisch zu Hause.

"PCs haben nach wie vor die größte installierte Basis der Welt", sagt der Hellgate: London-Macher Bill Roper. In Deutschland allein sind es rund 35 Millionen Stück. Rechnet man all die Büro-, Gebrauchsund Alt-PCs heraus, auf denen moderne Spiele schon vor Schreck den Dienst verweigern, schnurrt die Gesamtzahl allerdings zusammen.

Nur rund ein Viertel aller deutschen PC-Käufer legt laut des Marktforschungsinstituts Allensbacher Wert darauf, dass die neue Maschine auch spieletauglich ist. Auf 22 Millionen deutschen PCs wird überhaupt nicht gespielt. Auf dem beachtlichen Rest von 13 Millionen dürfte zum Großteil deshalb gedaddelt werden, weil das Gerät das nun mal kann: für Word gekauft, für Minesweeper benutzt.

Die Mentalität ändert sich. Vor allem die junge Generation, für die digitales Spielen selbstverständlich zur Freizeit gehört, will nicht mehr auf dem Arbeitstraktor in die Stadt fahren, sondern im schicken Schlitten - also auf Konsolen spielen statt auf dem PC.

Die Marktforscher von Allensbacher fragen die Deutschen jährlich, ob sie planen, einen neuen Spiele-PC oder eine neue Konsole anzuschaffen. Mittlerweile liegen beide Werte gleich hoch: 13% der Befragten wollen einen spieletauglichen PC, genauso viele eine Playstation & Co. Bei Jugendlichen von 10 bis 19 Jahren spielt bereits die Hälfte überwiegend Konsole. Gelockt werden sie, neben dem Preis, auch von originellen Spielen wie dem Gitarren- Simulator Guitar Hero, neben dessen Coolness der PC für manche mausgrau aussieht.

Innovationskraft fehlt
"Keine andere Plattform hat so viel Innovation hervorgebracht wie der PC", schwärmt Scott Miller von 3D Realms. Das war mal so. Während der Heimcomputer hauptsächlich mit sperrigen Aufgüssen wie Windows Vista oder DirectX10 von sich gähnen macht, gelingt den Konsolen in letzter Zeit ein Innovations-Coup nach dem anderen.

Eine originelle Bewegungssteuerung, die Fuchteln zum Familienspaß erhebt? Macht die Nintendo Wii zum Riesenerfolg. Ein spielübergreifendes Punktesystem namens Gamerscore und motivierende Achievement- Herausforderungen? Fesselt Xbox-360-Spieler an ihre Konsole. Den Boom der Blu-ray-Datenträger bei Filmen? Hat die Playstation 3 ausgelöst. Einen integrierten Online-Kaufmarkt für kultige Kleinspiele? Bietet inzwischen jede der drei großen Konsolen und erschließt damit clever neue Kundenkreise, von Ehefrauen bis zum Opa.

All das wäre am PC technisch seit langer Zeit machbar, teils ist es auch probiert worden. Aber während jede Konsole von einem starken Hersteller auf Kurs gehalten wird, fühlt sich für den PC niemand zentral verantwortlich. Dabei hat der Heimcomputer nichts dringender nötig als eine ordnende Instanz, die das Kleinklein der Systeme ausmistet und verbindliche Standards schafft.

Donnerstag den 17.01.2008 um 12:24 Uhr

von Damina Robota

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