08.10.2008, 10:01

David Wolski

Wine 1.1.1

Windows-Programme unter Linux

Das Etikett zeigt 1993: Das Jahr, in dem die Entwicklung des 15 Jahre gereiften Wine begann. Jetzt ist die Windows-Umgebung für Linux in der Version 1.0 abgefüllt und bereits auf 1.1.1 aktualisiert worden.
Wine ist kein Emulator wie Qemu oder eine Virtualisierungsumgebung wie VMware, sondern eine Laufzeitumgebung, welche die Windows-API unter Linux nachbildet. Diese API-Abbildung ist zwar nicht komplett, reicht aber, um viele Programme fast wie unter Windows zu nutzen. Wine simuliert dabei alle Windows-Versionen von 95 bis Vista, wobei die Unterstützung von 2000/XP/Vista noch stark variiert. Einfache Anwendungen laufen oft sofort, komplexe Programme benötigen meist noch manuelle Konfiguration. Die jetzt vorliegende Version 1.1.1 von Wine unterstützt mehr aktuelle Programme und Spiele als je zuvor, etwa Photoshop CS2 und Half Life 2.
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Pünktlich zum 15. Geburtstag veröffentlichten die Entwickler die Version 1.0 von Wine. Die Zeit war reif, denn endlich laufen genügend Windows-Funktionen, um auch komplexe Windows-Programme mit Wine einzusetzen. Bislang lassen sich etwa 1300 Windows-Anwendungen und -Spiele mit Wine nutzen, vereinzelt allerdings noch mit Einschränkungen und gelegentlichen Abstürzen. Die Messlatte für die Version 1.0 war hoch: Die Entwickler wollten ihrer Software erst dann die Versionsnummer 1.0 gönnen, wenn nichts Geringeres als Adobe Photoshop CS2 sich problemlos installieren und verwenden lässt. Das ist jetzt gelungen, ebenso wie die Unterstützung der drei anderen Referenzprogramme: Power Point Viewer 97/2003, Word Viewer 97/2003 und der Excel Viewer 97/2003.
Entwicklung in kleinen Schlucken
Die Auswahl der Referenzprogramme mag eigenwillig erscheinen. Sie hat etwas mit der speziellen Art der Wine-Entwicklung zu tun: Wine versucht, die API der verschiedenen Windows-Versionen abzubilden. Nun ist die API von Microsoft zum einen sehr umfangreich, zum Teil undokumentiert und nicht selten obskur. Dieses Gebilde hat Microsoft über Jahre mit Tausenden Mitarbeitern erschaffen, mit teilweise erheblichen Unterschieden zwischen unterschiedlichen Windows-Versionen. Die Wine-Entwickler haben weder Zugriff auf den Quellcode von Microsoft noch auf den Quellcode der Programme, die unter Wine laufen sollen. Also muss die API Stück für Stück, Programm für Programm neu aufgebaut werden. Da hilft nur Ausprobieren, was die lange Entwicklungszeit erklärt. Zwar gibt es viele Anwender, die ihre Experimente mit Windows-Programmen in der Wine-Datenbank dokumentieren. Um die Entwicklung neuer APIs kümmert sich jedoch meist nur ein kleines Team, die meisten davon sind Hobby-Programmierer.
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