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Windows Server 2012 R2 - Alle Neuerungen im Überblick

19.04.2014 | 08:04 Uhr |

Windows Server 2012 R2 heißt die aktuelle Version von Microsofts Server-Betriebssystem. Wir stellen Ihnen die Funktionen ausführlich in Bild und Text vor.

Parallel mit der Preview-Version von Windows 8.1 stellte Microsoft seinerzeit auch die neue Serverversion Windows Server 2012 R2 zur Verfügung. Windows Server 2012 R2 bietet zahlreiche Neuerungen im Vergleich zum direkten Vorgänger Windows Server 2012. Im Unterschied zu Windows 8.1 ist die Aktualisierung von Windows Server 2012 auf Windows Server 2012 R2 nicht kostenlos. Unternehmen müssen die neue Serverversion lizenzieren. Kunden mit Software-Assurance-Vertrag bekommen diese Version umsonst.

Für Unternehmen ist noch interessant zu wissen, dass System Center 2012 R2 zeitgleich mit Windows Server 2012 R2 erschienen ist. Vorteil ist, dass Unternehmen dann die Funktionen der neuen Serverversion gleich zentral mit System Center-Produkten verwalten können. Außerdem wird mit Windows Server 2012 R2 auch der Microsoft-Clouddienst Windows Azure aufgewertet. Mit neuen Diensten wie Windows Azure Services for Windows Server lassen sich cloudbasierte virtuelle Server und Server in Unternehmensnetzwerken gemeinsam verwalten und in einem Webportal zentral steuern.

Hyper-V 2012 R2 - Shared VHDX und mehr

Die wichtigsten und meisten Neuerungen von Windows Server 2012 R2 hat Microsoft in Hyper-V vorgenommen. Vor allem den Zugriff auf virtuelle Server auf Basis von RDP hat Microsoft verbessert, sodass VM Connect jetzt wesentlich effizienter funktioniert. Die RDP-Sitzungen laufen in Windows Server 2012 R2 über den Host, eine direkte RDP-Verbindung zum virtuellen Server ist nicht mehr notwendig um zum Beispiel die Zwischenablage zu nutzen. Sie können virtuelle Server automatisiert schneller und effizienter aktivieren.

Viele Administratoren wird erfreuen, dass sich über VM Connect jetzt auch Dateien per Drag&Drop kopieren und verschieben lassen.

In der neuen Version können Sie die virtuellen Festplatten (VHDX) im laufenden Betrieb vergrößern und verkleinern. Virtuelle Server können sich in Windows Server 2012 R2 eine virtuelle Festplatte teilen (Shared VHDX). Das hat vor allem den Vorteil bei Festplatten, auf denen Daten gespeichert sind, und bei Clustern auf Basis virtueller Server.

Virtuelle Festplatten können Sie in Windows Server 2012 R2 im laufenden Betrieb verkleinern oder vergrößern
Vergrößern Virtuelle Festplatten können Sie in Windows Server 2012 R2 im laufenden Betrieb verkleinern oder vergrößern

Die Live Migration, also das Verschieben von virtuellen Servern zwischen Hyper-V-Hosts im laufenden Betrieb, hat Microsoft deutlich beschleunigt. Die Daten werden bei der Datenübertragung in der neuen Version effizient komprimiert. Live Migration ist jetzt auch für 10 Gigabit/s-Netzwerke optimiert und kann in sehr schnellen Netzwerken mit Remote Direct Memory Access (RDMA) sehr schnell die Inhalte des Arbeitsspeichers zwischen den Hosts verschieben.  Die neue Live Migration ist kompatibel zu Windows Server 2012, sodass sich virtuelle Server zwischen Hosts mit Windows Server 2012 und Windows Server 2012 R2 verschieben lassen.

Die Live Migration unterstützt jetzt effiziente Komprimierung und ist wesentlich schneller als bei den Vorgängern
Vergrößern Die Live Migration unterstützt jetzt effiziente Komprimierung und ist wesentlich schneller als bei den Vorgängern

Virtuelle Server lassen sich jetzt im laufenden Betrieb importieren und kopieren. Dabei berücksichtigt Windows Server 2012 R2 auch Snapshots. Sie müssen vor dem Export also virtuelle Server nicht mehr herunterfahren und Snapshots löschen.

Virtuelle Server können Sie in Windows Server 2012 R2 im laufenden Betrieb exportieren und kopieren
Vergrößern Virtuelle Server können Sie in Windows Server 2012 R2 im laufenden Betrieb exportieren und kopieren

VMs - Generation 2

Außerdem unterstützen jetzt virtuelle Maschinen auch den neuen BIOS-Standard UEFI, sowie die integrierte Funktion Secure Boot.

Virtuelle Server unterstützen jetzt den UEFI-Standard, SecureBoot und mehr
Vergrößern Virtuelle Server unterstützen jetzt den UEFI-Standard, SecureBoot und mehr

Bisher war das nur dem Host vorbehalten.  Administratoren können jetzt auch den Datendurchsatz für virtuelle Server steuern. Dazu wurde die neue Funktion Storage Quality of Service in Windows Server 2012 R2 integriert. 

Neben der Netzwerkbandbreite können Sie für virtuelle Server jetzt auch den Datendurchsatz steuern
Vergrößern Neben der Netzwerkbandbreite können Sie für virtuelle Server jetzt auch den Datendurchsatz steuern

Damit Sie die neuen Funktionen für virtuelle Server, von Microsoft auch Generation 2 genannt, nutzen können, müssen Sie im Assistenten zum Erstellen virtueller Server die neue Generation auswählen. Microsoft hat dazu im Assistenten virtueller Server neue Seiten integriert. 

Während der Erstellung eines virtuellen Servers legen Sie fest, ob dieser die neuen Funktionen für virtuelle Server, Generation 2, unterstützen soll
Vergrößern Während der Erstellung eines virtuellen Servers legen Sie fest, ob dieser die neuen Funktionen für virtuelle Server, Generation 2, unterstützen soll

Die Konfiguration der Generation lässt sich nachträglich nicht mehr ändern. Außerdem können Sie alte virtuelle Maschinen nicht zu Generation 2-VMs migrieren.  Als Generation 2-VMs können Sie nur Windows Server 2012, Windows Server 2012 R2, Windows 8 x64 und Windows 8.1 x64 verwenden. Virtuelle Maschinen auf Basis von Generation 2 nutzen aus Leistungsgründen keine emulierte Hardware mehr.

Bereits mit Windows Server 2012 hat Microsoft eine Datendeduplizierung integriert, mit dem Sie der Speicherverschwendung wegen doppelter Dateien entgegenwirken können. In Windows Server 2012 R2 haben Sie zusätzlich die Möglichkeit diese Funktion auf virtuelle Festplatten auszudehnen. Das ist beim Einsatz virtueller Desktops sehr sinnvoll.

Die Replikation von virtuellen Servern (Hyper-V-Replica) ist in Windows Server 2012 R2 wesentlich flexibler und erlaubt jetzt auch die Replikation auf einen dritten Host. Windows Server 2012 beherrscht hier nur zwei Hosts. Ebenfalls verbessert hat Microsoft die Unterstützung für Linux als virtuelle Server. Sie können jetzt Dynamic Memory auch in Linux-Clients nutzen.

SSD und SATA-Platten zu Storage Spaces zusammenfassen

Bereits in Windows Server 2012 können Sie mehrere Festplatten zu virtuellen Storage Spaces zusammenfassen und so den Speicherplatz effizienter zur Verfügung stellen. In Windows Server 2012 R2 können Sie jetzt auch SSDs mit anderen Festplatten mischen.  Der Server analysiert die gespeicherten Daten und legt häufiger verwendete auf den schnelleren Datenträgern ab.

In den Speicherpools von Windows Server 2012 R2 können Sie herkömmliche Festplatten und SSDs gemeinsam betreiben
Vergrößern In den Speicherpools von Windows Server 2012 R2 können Sie herkömmliche Festplatten und SSDs gemeinsam betreiben

Setzen Sie Windows Server 2012 R2 als iSCSI-Ziel ein, können Sie VHDX-Festplatten mit einer Größe von bis zu 64 TB verwenden. Windows Server 2012 hat nur VHD-Festplatten mit einer Größe von maximal 2 TB unterstützt.  Die virtuellen Festplatten lassen sich jetzt auch in System Center verwalten und so als iSCSI-Target besser zur Verfügung stellen. Zusätzlich wurden in der PowerShell 4.0 weitere CMDlets zur Verwaltung von iSCSI-Targets integriert.

Das SMB-Protokoll hat Microsoft in Windows Server 2012 R2 weiter überarbeitet und Leistung, sowie Ausfallsicherheit erhöht. Verbindung zu SMB-Freigaben sind stabiler und schneller, auch beim Einsatz von Clustern oder im Bereich Hyper-V.

Work Folders - Windows Server 2012 R2 mit Windows 8.1

Windows Server 2012 R2 arbeitet natürlich auch mit Windows 8.1 zusammen. So gibt es mit den Work Folders die Möglichkeit Unternehmensdaten mit dem Client auszutauschen, ähnlich zu den Offline-Dateien. Anwender, die ihr Notebook mit Windows 8.1 an das Unternehmensnetzwerk anbinden, haben so die Möglichkeit auf die Daten der Server zuzugreifen, wenn die Administratoren das über Richtlinien zulassen. Daten in den synchronisierten Work Folders können Administratoren remote löschen.  Die Übertragung der Dateien in den Work Folders findet verschlüsselt statt. Die neue PowerShell 4.0 bietet noch mehr CMDlets als der Vorgänger.

Work Folders ermöglichen die Zusammenarbeit von Windows 8.1 mit Windows Server 2012 R2 und den Datenaustausch über die Cloud
Vergrößern Work Folders ermöglichen die Zusammenarbeit von Windows 8.1 mit Windows Server 2012 R2 und den Datenaustausch über die Cloud

Schnelleres und besseres Netzwerk

Das mit Windows Server 2012 eingeführte Serverfeature IP Adress Management (IPAM) unterstützt auch virtuelle Umgebungen mit Windows Server 2012 R2 und arbeitet besser mit System Center 2012 R2 zusammen.  Außerdem hat Microsoft die Möglichkeit Netzwerkkarten-Teams zu erstellen verbessert und die Leistung von NIC-Teams erhöht. Dazu hat Microsoft die Überprüfung des TCP-Datenstroms auf Paketebene optimiert. Fehler werden jetzt erkannt und an andere Teammitglieder können Datenpakete weitergeleitet werden, wenn ein Adapter Probleme beim Datenempfang hat.

Windows Server 2012 Essentials gibt es in Windows Server 2012 R2 als Serverrolle für die Editionen Standard und Datacenter. Natürlich gibt es auch weiterhin die eigeneständige Edition für kleinere Unternehmen. In Windows Server 2012 R2 Essentials können Sie zukünftig bis zu 100 Benutzer und 200 Geräte anbinden. 

Fazit

Windows Server 2012 bietet vor allem Neuerungen im Bereich Hyper-V und Anbindung an Clouddiensten von Windows Azure. Unternehmen die auf diese Technologien setzen, sollten sich eine Aktualisierung überlegen. Andere Firmen profitieren zwar von den Verbesserungen in Windows Server 2012 R2, allerdings nicht so stark. 

Ein Update der einzelnen Serverdienste von Windows Server 2012 zu Windows Server 2012 R2 wird sicherlich nicht sonderlich kompliziert ablaufen. Aufpassen müssen Sie aber bei der Installation von Serverdiensten wie Exchange oder SQL. Unter Umständen müssen Sie auf Aktualisierungen der betreffenden Produkte warten, bevor Sie zu Windows Server 2012 R2 wechseln. 

Mit der neuen Version fällt stark die mittlerweile starke Zusammenarbeit von System Center, Windows Azure und Windows Server auf. Diese Zusammenarbeit ist derzeit nahezu konkurrenzlos.

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