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Windows 8.1 vs. OS X Yosemite im Duell

14.11.2014 | 10:27 Uhr |

Windows 8.1 von Microsoft gegen MacOS X Yosemite von Apple. Welches Betriebssystem kann mehr überzeugen?

OS X 10 Yosemite ist seit kurzem erhältlich. Und auch Microsoft hat für sein Windows 8.1 eine große Update-Runde gedreht. Doch wie schlagen sich die beiden Betriebssystem-Flaggschiffe im direkten Vergleich?

Mit Windows 8.1 und einigen seiner 2014er-Updates lassen sich etliche Schwachstellen von Windows 8 umgehen – denn Windows 8.1 fühlt sich wieder ähnlich komfortabel an wie einst Windows 7. Apple fährt mit Yosemite dagegen einen ganz anderen Kurs und steuert den Mac so nicht nur in eine neue, gemeinsame Arbeitsumgebung mit iPhone und iPad, sondern übernimmt auch die visuellen Eigenschaften von iOS. Kurz gesagt: Während Microsoft in diesem Jahr ein wenig vor sich hin schippert, setzt Apple volle Segel gen 2015 und damit auf die neue Version von MacOS, die dann erscheinen soll. Die Integration von OS X in iOS-Terrain setzt der Konzern dabei stetig fort.

Gratis: OS X Yosemite steht zum kostenlosen Download bereit

Im Folgenden werden wir die wesentlichsten Unterschiede, Stärken und Schwächen der beiden Betriebssysteme genauer herausarbeiten. Auf einer Skala von 1 bis 10 können Sie bereits im Vorfeld ablesen, in welchen Kategorien welches System die Nase vorn hat.

1) Bedienbarkeit

Windows 8.1: 7 Yosemite: 9

Apple hat das grafische User-Interface, wie wir es heute kennen, überhaupt erst definiert. Und selbst nach knapp 30 Jahren voller Änderungen und Neuerungen bleiben die Kernelemente stets erhalten. Diese Beständigkeit macht es auch für den Benutzer einfach, sich in jede neue Version von OS X einzuarbeiten – Yosemite ist da keine Ausnahme.

Yosemite wurde um die Funktion der Touch-Steuerung erweitert, die sich durchweg sehr natürlich anfühlt. Hierfür werden Touch-Mäuse und Touch-Pads benötigt. Auch Apples Repertoire an hilfreichen Utilities (Quick Look, Notification Center, Spotlight, etc.) tut, was es schon immer tat: es bietet eine große Bandbreite an Funktionen, die der User aber erst dann entdeckt, wenn er sie wirklich benötigt. So vermeidet Apple seit jeher eine zu steile (und damit frustrierende) Lernkurve. Die Menüzeile erleichtert den App-Zugriff, währen der Fullscreen-Modus (eingeführt in OS X Lion) dabei hilft, konzentriert bei einer Sache zu bleiben.

Yosemite bringt ein paar Detailveränderungen dieser bekannten Benutzeroberfläche mit: Das Notification Center (genauso wie sein iOS8-Gegenstück) kann nun Widgets – quasi Erweiterungen – enthalten, zum Beispiel für Börsendaten, den aktuellen Wetterbericht oder Evernote. Auch das ungeliebte Dashboard-Feature wurde gekippt und kann nun als Overlay über Ihrem momentanen Desktop-Screen liegen, nicht nur als eigener, separater Desktop. Nichtsdestotrotz macht auch diese Neuerung das Dashboard nicht unbedingt nützlicher. Wir glauben daher, dass es in Yosemite seinen letzten Auftritt feiert.

Eine größere Veränderung ist der Wechsel von iCloud Documents zu iCloud Drive. Wo iCloud Documents eher unbequem in der Nutzung war, funktioniert iCloud Drive ähnlich komfortabel wie Dropbox oder Box. Mit den normalen Öffnen- und Speichern-Dialogen und dem bekannten Finder-Fenster lässt sich auf die Daten zugreifen. Unter iOS8 gilt iCloud Drive als wichtige Import-/ Export-Funktion, weniger als direkter Speichern-/ Öffnen-Mechanismus wie in Yosemite – daher sind leider ein paar Überbleibsel des sperrigen iCloud Documents in iCloud Drive enthalten.

In Yosemite benutzt Apple iCloud Drive auch in seiner Mail-App, wodurch große Anhänge automatisch im iCloud Drive gespeichert werden. Die Empfänger der Mail erhalten dann lediglich einen Link, über den sie sich den Anhang aus der Cloud herunterladen können. Sie brauchen dazu keinen iCloud-Account! Das hilft vor allem dabei, Grenzen bei Anhanggrößen hinter sich zu lassen.

Die Schwächen von OS X wie die iCloud Documents-Überbleibsel oder Dashboard-Nutzlosigkeit verblassen jedoch im Vergleich zu Windows 8.1. Der unstimmigen Benutzeroberfläche sieht und merkt man es einfach an, dass sie aus zwei verschiedenen Umgebungen stammt: Von Windows 7 der Desktop und von "Metro" die Kacheln.

Beispiel für einen Fehler aus Windows 8, der in Windows 8.1 nicht behoben wurde: Microsoft hat die Ribbons in den File Explorer Dateimanager eingefügt. So weit, so gut, denn die ist schließlich Standard in vielen Microsoft-Apps. Im Gegensatz zu anderen Apps ist die Ribbonleiste im Dateimanager jedoch unsichtbar, bis Sie das entsprechende Menü anklicken. Okay, auch damit könnte man noch leben. Der Beinbruch allerdings: Sobald die Ribbon-Leiste dann mal erscheint, überlagert sie einen Teil des Content-Fensters und verdeckt somit alle Einträge, die sich darin ganz oben befinden. Gerade in einem Dateimanager kann sich das schnell zu einem besonders nervigen Problemfall entwickeln.

Im Gegensatz dazu wirkt der Metro-Teil von Windows 8 geradezu elegant in seiner Simplizität, seinem Fokus und dem Einsatz von Bildern, ohne dabei Fensterrahmen oder Menüs zu stören. Dagegen wirkt Windows 7 altbacken.

Ein weiteres, nettes Feature, das von Windows-Tablets importiert wurde, ist die Snap-Funktion. Damit lassen sich zwei Metro-Apps parallel – also im Fenster nebeneinander) betreiben. Die Funktion zu aktivieren ist allerdings nicht wirklich intuitiv – hierzu ist ein Rechtsklick ins obere, linke Eck der laufenden App nötig. Sobald Sie aber einmal wissen, wie’s geht, lässt sich die Bildschirmfläche deutlich effizienter nutzen – vor allem für Widgets, die ohnehin nicht die gesamte Bildfläche benötigen.

Mit Snap View lässt sich der Platz auf dem Metro-Bildschirm deutlich effizienter nutzen - vor allem für Apps im Widget-Stil wie die Wetter-App.
Vergrößern Mit Snap View lässt sich der Platz auf dem Metro-Bildschirm deutlich effizienter nutzen - vor allem für Apps im Widget-Stil wie die Wetter-App.

Metro tut sich allerdings noch immer schwer damit, sowohl mit Tastatur und Maus, als auch mit Touch-Bedienung jeweils fehlerfrei zu funktionieren. Zum Beispiel lassen sich die Optionen einer Anwendung mittels Gesten spielend leicht aufrufen. Versucht man das Gleiche allerdings mit Maus und Tastatur (wie bisher noch knapp 99% aller Nutzer), wird daraus eine ungelenke, behäbige Klick-Aktion. Andersherum: Wenn Sie keine physische Tastatur haben (etwa auf einem Tablet), lassen sich bestimmte Metro-Funktionen gar nicht nutzen. Zum Beispiel können Sie nicht nach einer Anwendung suchen, indem Sie ihren Namen in den Startbildschirm eintippen, denn dort gibt es schlicht keine Möglichkeit, die virtuelle Tastatur aufzurufen. Um ein Windows-Tablet im vollen Umfang nutzen zu können, brauchen Sie also tatsächlich eine separate Tastatur.

Glücklicherweise hat das erste Update von Windows 8.1 zwei neue Icons eingeführt: Suchen und Power. Dadurch werden sowohl die Suchfunktion, als auch der Neustart oder das Herunterfahren deutlich einfacher in der Handhabung.

Kleine Änderung, große Wirkung: Such- und Power-Buttons auf dem Metro-Startbildschirm erleichtern die Arbeit mit Windows 8.1.
Vergrößern Kleine Änderung, große Wirkung: Such- und Power-Buttons auf dem Metro-Startbildschirm erleichtern die Arbeit mit Windows 8.1.

Trotz seiner Einfachheit kann die Metro-Umgebung manchmal verwirrend sein. Die Store-App und der Internet Explorer zum Beispiel sind schwer zu navigieren und es kann passieren, dass Sie sich schnell im Kreis drehen. Einer der Gründe dafür: Es existiert keine offensichtliche Hierarchie in den Metro-Apps, wodurch Sie oft die Anwendungsleiste bemühen müssen, statt spezielle Funktionen mit den Navigationswerkzeugen auszuwählen.

Nichtsdestotrotz: Das Imitat von Apple Safaris iCloud im Internet Explorer 11 ist eine nette Neuerung – damit lassen sich aktuell geöffnete Webseiten auf anderen Geräten ebenso ansteuern, sofern das Gerät mit Ihrem Microsoft-Konto verbunden ist. Windows 8.1 hat auch die App für die PC-Einstellungen angenehm überarbeitet und mehr Funktionen eingefügt – wobei sich eingefleischte Windows-User trotzdem eher auf das Control Panel im Windows Desktop verlassen, das noch mehr Kontrolle über den PC gewährt.

Der Desktop ist genau das, was die meisten Nutzer an Windows 7 kennen und lieben. Die gute Nachricht für Windows 8.1-Nutzer: Sie können jetzt festlegen, dass Ihr PC bereits auf den Windows Desktop bootet, statt Sie erstmal in die Metro-Umgebung zu schicken. In der Taskleiste finden Sie jetzt zudem auch aktuell laufende Metro-Apps, nicht nur die Desktop-Apps.

Trotzdem können Sie nach wie vor unerwartet einen Abstecher in die Metro-Umgebung machen, indem Sie eine Datei doppelklicken und dann feststellen, dass sie eine Metro-App statt eine traditionelle Windows-Software öffnet. Microsoft will, dass die Nutzer langsam aber sicher zu Metro wechseln – deshalb gehören auch Standard-Anwendungen wie E-Mail und der Media Player mittlerweile zu den Metro-Apps.

Noch immer vermissen wir in Windows 8.1 das Startmenü – das macht es umso schwieriger und umständlicher, zu Ihren Windows-7-Anwendungen zu gelangen. Zwar hat Microsoft den Start-Button wieder eingeführt, doch das einzige was der tut, ist zwischen dem Windows-Desktop und Metro hin- und herzuwechseln. Ihm wohnt also die gleiche Funktion inne wie der Windows-Taste.

So wie Metro gut mit Touchsteuerung funktioniert und eher mäßig mit traditionellen Eingabemethoden, funktioniert der Windows-Desktop problemlos mit traditionellen Eingabe-Methoden, tut sich aber schwer mit Gesten – auch unter Windows 8.1 ist hier keine Verbesserung in Sicht. Icons und Menüs sind oft zu klein, um ihre Beschriftung auf Tablet-Bildschirmen lesen zu können, zusätzlich lassen sie sich schwer per Touch anwählen. Auch Gesten-Äquivalente zu klassischen Windows-Funktionen wie dem Rechtsklick funktionieren auf dem Desktop mehr schlecht als recht.

Unterm Strich bedienen Sie mit Windows 8.1 nun also zwei verschiedene PCs, die sich ein Dateisystem und einige Kern-Dienste teilen, doch jeder Computer ist für unterschiedliche Eingabemethoden optimiert. Besser wäre es gewesen, Metro als reines System für Tablets einzuführen und Windows 7 für Laptops und Desktop-PCs zu belassen. Danach hätte man sich immer noch an eine langsame Verschmelzung beider Systeme wagen können, wie es Apple nun mit OS X und iOS tut. Für die meisten Nutzer ist Windows 8.1 so nur ein zusammengewürfeltes Chaos.

Doch es gibt Hoffnung: Das kommende Windows 10 beherzigt scheinbar viele Wünsche und Ideen der Nutzer, wie man Desktop und Metro sinnvoll vereinen kann. Doch bis das Betriebssystem irgendwann 2015 erscheint, sind wir gezwungen noch ein bisschen Jekyll & Hyde mit Windows 8.1 zu spielen…

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2) Funktionen

Windows 8.1: 7 OS X Yosemite: 9

Im Laufe der Jahre hat Apple aus OS X mehr gemacht als nur ein Betriebssystem. Es ist auch ein Service-Anbieter mit einem leistungsstarken E-Mail-Client, einem Kalender-Manager, Notizbuch, solider Textverarbeitung, Bildbearbeitung, PDF-Tool, Kartenanwendungen, Media Player und einem Dienst für Instant Messaging.

Wenn Sie sich einen neuen Mac kaufen, bekommen Sie die starke iWork Produktivitäts-Suite (Pages, Numbers und Keynote), iPhoto, sowie GarageBand und iMovie für Media-Bearbeitung und –Erstellung mit dazu. Für viele Nutzer sind das alle Anwendungen, die sie brauchen. Zudem punktet OS X mit herausragender Unterstützung für menschliche Sprachen und Spracheingabe, sowie mit zahlreichen, hilfreichen Funktionen für Menschen mit Behinderungen.

Windows 8 hat da deutlich weniger im Gepäck – vor allem, weil Microsoft die Nutzer dazu bringen will, die teure Office Suite zusätzlich zu kaufen. So bekommt man mit WordPad und der Mail-App in Metro nur ein reichlich abgespecktes Set an nützlichen Anwendungen. Doch selbst die Anwendungen, für die Microsoft keinen extra Aufpreis verlangt (zum Beispiel Xbox Music, Xbox Video und der Windows Media Player), sind den Apple-eigenen Produkten deutlich unterlegen. Selbst nach zweieinhalb Jahren unterstützt Metros Mail-App zum Beispiel immer noch nicht den ältesten und am weitesten verbreiteten Typ eines E-Mail-Kontos, nämlich POP.

Immerhin: Einige der Metro-Apps sind in Windows 8.1 deutlich leistungsstärker als noch in Windows 8. Die Kamera-App leistet beispielsweise Panorama-Aufnahmen, die Foto-App beherrscht einfache Bildbearbeitung wie Ausschneiden und Farbveränderungen. Gegen Apples Musik- und Video-Player, Kalender und PDF-Apps kommen die jeweiligen Windows-Gegenstücke absolut nicht an. Einzig die Wetter-App von Windows 8.1 kann der von Yosemite die Stirn bieten: Letztere ist lediglich ein einfaches Widget im Benachrichtigungscenter. Neu in Windows 8.1 sind Apps, mit denen Sie Dokumente scannen können und eine Leseliste für Web-Dokumente. Beides besitzt OS X allerdings schon lang.

Mit dem Continuity-Feature erkennt OS X Yosemite eingehende Anrufe auf dem iPhone und leitet sie entsprechend auf Facetime Audio um.
Vergrößern Mit dem Continuity-Feature erkennt OS X Yosemite eingehende Anrufe auf dem iPhone und leitet sie entsprechend auf Facetime Audio um.

Die größte Neuerung von OS X Yosemite sind die Funktionen „Handoff“ und „Continuity“: Features, mit denen dem Mac die Zusammenarbeit mit iOS-Geräten erleichtert wird. Insbesondere Handoff ist dabei faszinierend, allerdings zeigte es sich auf dem Mac hin und wieder als unzuverlässig. Aktionen auf dem iPhone 6 oder iPad Mini wurden nicht immer als verfügbar für Handoff auf dem OS X Dock angezeigt, obwohl sie das eigentlich sollten. Auch andersherum das gleiche Phänomen. Zwischen iPhone 6 und iPad Mini funktionierte Handoff jedoch problemlos.

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Auf anderen Testgeräten (einem MacBook Pro von 2009 und einem von 2012) funktionierte das Feature am Ende dann doch noch: Die FaceTime-App informierte uns zuverlässig über einen eingehenden Anruf auf dem iPhone 6 und via FaceTime Audio konnten wir das Gespräch auch auf dem Mac annehmen. Das gleiche gilt für die Nachrichten-App mit SMS-Nachrichten, die auf unserem iPhone-6-Testgerät eintrudelten. Es scheint also, als bräuchte Handoff noch ein wenig Feinschliff – ausgehend davon, was das Feature aber schon jetzt auf iOS 8 leistet, birgt es auch für den Mac ein großes Potenzial. Das Continuity-Feature existierte auch schon in früheren Versionen von OS X und iOS und speichert Ihren aktuellen Gerätestatus, um ihn automatisch mit anderen Geräten aus Ihrer iCloud zu synchronisieren.

Die Handoff-Funktion ist ein bequemes Feature, um schnell und einfach zwischen Mac und mobilem iOS-Gerät hin- und herzuwechseln.
Vergrößern Die Handoff-Funktion ist ein bequemes Feature, um schnell und einfach zwischen Mac und mobilem iOS-Gerät hin- und herzuwechseln.

Windows 8.1 bietet nichts vergleichbares zu OS X‘ Handoff. Auch passende Gegenstücke zu Continuity beschränken sich bei Microsoft auf die Synchronisation von Anwendungs-Einstellungen, sowie in der „Weitermachen, wo ich zuletzt aufgehört habe“-Funktion für Dokumente.

3) Anpassbarkeit & Kontrolle

Windows 8.1: 9 OS X Yosemite: 7

Wenn Sie bereit sind, das entsprechende Kleingeld zu investieren, können Sie einen Windows-8-PC auf alle erdenkliche Weise manuell steuern und anpassen – mit Hilfe von Tools wie Microsofts Systemsteuerung, Remote-Installation, Durchsetzung von Richtlinien, Anwendungsüberwachung, Software-Updates, und so weiter.

OS X Yosemite bietet ähnliche Möglichkeiten durch seine Client-Profile mittels OS X Server. Alternativ sind OS-X-Management-Tools von Drittanbietern erhältlich - etwa von Quest Software -, die sich ins System Center einklinken, oder über MDM Tools von Anbietern wie Citrix Systems, Good Technology und MobileIron.

OS X Mavericks hat die Richtlinien von OS X rationalisiert, weshalb es nun einfacher ist, Macs mit den Tools zu verwalten, die Sie vermutlich auch schon für Ihre mobilen Geräte benutzen. Yosemite behält diese Neuerungen bei und fügt lediglich ein paar neue Richtlinien-Punkte für neue Apps und Funktionen wie Handoff hinzu.

Trotzdem: Der Grad an Kontrolle, den ein Windows-Admin hat – und die Fülle an Tools, um diese Kontrolle auszuführen – bleibt für OS-X-Admins in weiter Ferne.

4) Sicherheit

Windows 8.1: 8 OS X Yosemite: 9

Da heutzutage so ziemlich jeder Computer mit dem Internet verbunden ist, steht Sicherheit bei vielen Herstellern an erster Stelle – sowohl die Sicherheit der Anwendungen als auch die Datensicherheit. Windows gilt dabei schon seit Urzeiten als Malware-Magnet und Antiviren-Software jeglicher Art war bisher immer nur teilweise erfolgreich darin, PCs zu schützen.

Macs hingegen waren lange Zeit immun gegen die meisten Angriffe, doch gerade in den vergangenen zwei Jahren musste auch Apples Betriebssystem einige schwerwiegende Trojaner-Attacken hinnehmen – vor allem durch Plug-in-Technologien wie Oracle Java und Adobe Flash. Windows hingegen erfährt jedes Jahr hunderte solcher Angriffe.

Microsoft stattet sein Windows 8.1 mit dem kostenlosen aber bestenfalls als solide zu bezeichnenden Windows Defender als Antimalware-App aus. Es löst damit das frühere Security Essentials ab. Auch Apple setzt seit OS X Mountain Lion auf vorinstallierte Malware-Aufspürer, die täglich nach Updates zu Signaturen suchen und bekannte Malware entfernen.

Doch die Windows Registry macht es kompliziert, wirklich sämtlich Malware zu entfernen – ganz im Gegensatz zu Apples Unix-basierter Herangehensweise, die auf getrennte Dateien und Ordner setzt, welche sind im Zweifelsfall schnell entfernen lassen.

OS X besitzt eine Funktion namens Gatekeeper, die die Installation von Apps ohne gültige Apple-Developer-Signatur verhindert. So soll Malware, die sich klammheimlich selbst installiert, keine Chance haben. Sie können diese Funktion permanent deaktivieren oder es von der Situation abhängig machen. Windows macht Sie auf verdächtige Download-Dateien aufmerksam, es kann Sie aber nicht vor selbstinstallierenden Schadprogrammen schützen wie OS X. OS X benutzt zudem keine Java-Versionen, die älter sind als Java 7 – damit stopft es automatisch eine der gravierendsten Sicherheitslücken.

Sicherheitsforscher wie Trail of Bits behaupten zudem, dass OS X für Angreifer deutlich schwerer zu attackieren sei als Windows – obwohl Vista und spätere Windows-Versionen bereits gute Arbeit dabei geleistet haben, viele Löcher von Windows XP zu stopfen. Ausgehend von den größeren Sicherheitsrisiken gibt es für Windows allerdings auch mehr Tools und Programme, um das System zu überwachen und zu schützen.

Die Bootloader beider Betriebssysteme beinhalten eine Malware-Erkennung. OS X besitzt zudem eine Passwort-geschützte Firmware-Option, um das Starten externer Disks zu verhindern. So kann niemand die Eingabe des Start-Passworts umgehen.

Abseits von solchen Sicherheits-Anwendungen unterstützen beide Betriebssysteme die Verschlüsselung FIPS 140-2 und bieten On-Disk-Verschlüsselungen für die IT-Verwaltung an. Microsofts BitLocker benötigt allerdings einen Trusted Platform Module-Chip (TPM) dafür, den nur wenige PCs besitzen. Das bedeutet für viele, dass sie ihre Firmenmails nicht von einem x-beliebigen Windows-8-PC über die Metro-Mail-App abrufen können, wenn dieser keinen TPM-Chip besitzt.

Einfacher in der Handhabe ist OS X auch in puncto Datensicherheit und zwar dank des Backup-Programms Time Machine. Mit Time Machine funktioniert das Mac- oder OS-X-Server-Backup quasi idiotensicher – die entstandenen Backups können sogar verschlüsselt werden. Auch die Systemwiederherstellung wird damit zum Kinderspiel – Sie müssen nicht einmal Treiber installieren.

Mit Windows 8 wurde die Funktion File History eingeführt, die Dateien an bestimmten Orten auf der Boot-Festplatte, einer externen Festplatte oder Microsofts Cloud-Speicherdienst OneDrive als Backup anlegt. Ähnlich wie Time Machine aktualisiert File History die Backup-Daten regelmäßig, sodass Sie beliebig immer wieder zu einem früheren Zeitpunkt Ihrer Systemversion wechseln können. Allerdings kann es im Gegensatz zu Time Machine nicht Ihren PC nach einem Crash komplett wiederherstellen – auch nicht nach den Updates von Windows 8.1.

Windows 8 verlässt sich auf das hauseigene OneDrive als Cloudspeicher-Lösung und Standard-Speicherort für Office- und andere Microsoft-Dateien. Das gleiche tut OS X Yosemite mit iWork- und anderen Apple-Dateien. Ein Backup bereitet damit weniger Kopfzerbrechen als noch vor wenigen Jahren. Andererseits ist ein Cloud-Speicher nun einmal ein synchronisierter Speicher – löscht man eine Datei also (versehentlich) an einer Stelle, verschwindet sie auch an der anderen, was das Verlustrisiko erhöht.

Datenwiederherstellung aus der Cloud funktioniert bei Windows 8.1, indem das System gelöschte OneDrive-Dateien zunächst nur in den lokalen Papierkorb verschiebt (im Web genauso wie auf dem Desktop). Sie können die Dateien also solange relativ einfach wiederherstellen, bis Sie den Papierkorb leeren.

Beim iCloud Drive funktioniert das Prinzip zunächst sehr ähnlich: Dateien, die Sie via OS X löschen, wandern in einen Papierkorb, von wo sie einfach wiederherzustellen sind. Löschen Sie sie jedoch auf der iCloud-Webseite oder von einem iOS-Gerät, sind sie für immer weg, ohne die Möglichkeit der Wiederherstellung – ein gefährliches Unterfangen.

5) Kompatibilität

Windows 8.1: 10 OS X Yosemite: 8

Da Windows 8 im Wesentlichen Windows 7 mit aufgeflanschter Metro-Umgebung ist, ist es kompatibel mit der gesamten Software, Hardware und allen Diensten, die Sie vom Vorgänger bereits besitzen. Zwar sträuben sich einige ältere PC-Modelle gegen Windows 8.1, das ist aber lediglich eine Frage von Ressourcen-Anspruch und dem Fehlen einiger Hardware-Treiber.

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OS X Yosemite läuft natürlich nur auf Apples Macs, für die es ein insgesamt kleineres Sortiment an Hard- und Software gibt. Auch, wenn Apple immer wieder ältere Technologien fallen lässt, läuft Yosemite auf allen Macs, auf denen zuvor auch Mavericks lauffähig war. Allerdings können Sie Yosemites neues Handoff-Feature nicht nutzen, wenn Ihr Mac nicht mindestens ein Modell von 2012 ist; denn die Funktion benötigt Sender, die sowohl Bluetooth Low Energy, als auch WiFi Direct unterstützen, was auf ältere Modelle nicht zutrifft.

OS X wird immer wieder unterschätzt, was seine Kompatibilität zu Firmensoftware angeht: Es unterstützt Microsofts SMB File Sharing, Open Directory und Active Directory, Firmen-VPNs und Exchange. Auch der Safari-Browser ist weitaus kompatibler mit den aktuellen und zukünftigen HTML-Standards, als beispielsweise Microsofts Internet Explorer. Der IE11 erreicht zum Beispiel nur 376 von 555 möglichen Punkten in den Tests von HTML5Test.com. OS X Yosemites Safari schafft dagegen 427 Punkte, Mozillas aktueller Firefox 475 und Googles Chrome sogar 512. Wenn Sie also die maximale Web-Performance ausreizen wollen, sollten Sie bei beiden Betriebssystemen auf den Chrome-Browser setzen.

Die Wahrheit ist, dass der Internet Explorer ein hoffnungslos veralteter Browser ist, der mit nicht wirklich vielen Webseiten kompatibel ist. Firmen sind wegen der Nutzung von ActiveX-basierten Apps aber oft auf ihn angewiesen.

6) Preis-Leistungs-Verhältnis

Windows 8.1: 7 OS X Yosemite: 10

OS X Yosemite bietet definitiv den besseren Gegenwert für seinen Preis, denn es bringt viel Kompatibilität mit und ist gleichzeitig einfach zu bedienen. Auch Apples Angebot, kostenlos auf Yosemite upzudaten, ist kaum zu überbieten. Allerdings zieht Microsoft nach und bietet Windows 8.1 für Windows-8-Nutzer ebenfalls als Gratis-Update an. Wenn Sie allerdings eine frühere Windows-Version benutzen, zahlen Sie für Windows 8.1 Pro knapp 120 Euro. Besitzen Sie hingegen OS X Snow Leopard oder eine neuere Version, zahlen Sie für Yosemite gar nichts. Zudem müssen Sie kein umständliches Zwischen-Update fahren, wie es bei Windows 8.1 der Fall ist, wenn Sie noch Windows XP oder Vista benutzen.

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Für Firmen mag OS X höhere Kosten für die IT bedeuten – zumindest anfänglich, wenn die Mitarbeiter die Verwaltung des Betriebssystems noch lernen müssen und einige Investitionen nötig sind, um bei Tools und Programmen auf dem gleichen Stand zu sein, wie zuvor bei Windows. Mac-Nutzer benötigen aber erwiesenermaßen im Alltag weniger Unterstützung durch die IT als Windows-User.

7) Fazit

Windows 8.1: 7.8 OS X Yosemite: 8.7

Unterm Strich ist OS X Yosemite ein besseres Betriebssystem als Windows 8.1: Es ist besser gestaltet, leistungsstärker und beherrscht – entgegen der allgemeinen Annahme – auch gängige Sicherheitslösungen für Firmen und Verwaltungs-Tools. Windows bringt dafür eine um einiges größere Bandbreite an Anwendungen mit.

Der Artikel stammt von unserer US-Schwesterpublikation PC-World.

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