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Disk2vhd: Alte Windows-Installation auf neuem PC

27.09.2012 | 11:29 Uhr |

Neues System, doch was ist mit den alten Programmen? Windows 7 bietet dafür zwei Möglichkeiten: den Windows XP Mode und Virtual PC.

Virtualisierung ist in aller Munde. In den meisten Fällen geht es dabei allerdings um die Server in einem Unternehmen. Doch auch Desktop-Installationen lassen sich virtualisieren. Dabei gibt es zwei Wege: Komplette Neu-Installation des Desktops als virtuelle Maschine oder das Virtualisieren einer bereits vorhandenen Installation. Wie Sie Windows 7 als virtualisiert installieren erklärt unter anderem Daniel Melanchthon von Microsoft in seinem Blog. Wer "nur" eine Windows XP Installation unter Windows 7 benötigt, findet im reinen XP-Mode die Lösung. Etwas kniffliger wird es, wenn eine bestehende Installation als virtuelle Installation in einem neuen System laufen soll. Das ist vor allem dann interessant, wenn Sie sich nicht sicher sind, ob alle Programme, die Sie im Einsatz haben, unter einem neuen Betriebssystem laufen.

Mit dem Microsoft-Tool Disk2vhd können Sie eine bestehende Installation einfach virtualisieren.
Vergrößern Mit dem Microsoft-Tool Disk2vhd können Sie eine bestehende Installation einfach virtualisieren.

Der Weg dahin führt über das Tool disk2vhd , das Microsoft anbietet und mit dem sich eine bestehende Installation ohne große Vorkenntnisse in ein virtuelles System umwandeln lässt. Der große Vorteil dieses Tools liegt darin, dass es direkt in der Windows-Installation gestartet wird, die virtualisiert werden soll. Die Oberfläche bietet nur drei Auswahlmöglichkeiten. Als erstes legen Sie fest, welche Festplatten Sie virtualisieren wollen. Meist reicht es, die Bootplatte zu virtualisieren. Haben Sie Programm-Installationen auf eine weitere Festplatte ausgelagert, müssen Sie diese gegebenenfalls ebenfalls virtualisieren. Zu beachten ist dabei, dass Virtual PC nur Festplatten bis zu einer Größe von 127 GByte unterstützt. Als nächstes legen Sie den Speicherort für die virtuelle Platte fest. Dieser muss auf einem anderen Laufwerk liegen als die zu virtualisierenden Platten. Meist bietet sich dafür eine externe Festplatte an, da die Daten damit gleich transportabel sind. Zuletzt sollten Sie dann noch das Häkchen bei "Prepare for Use in VirtualPC" setzen.

Über dem Fortschrittsbalken zeigt das Tool an, wann es voraussichtlich mit der Konvertierung fertig ist.
Vergrößern Über dem Fortschrittsbalken zeigt das Tool an, wann es voraussichtlich mit der Konvertierung fertig ist.

Sobald das erledigt ist können Sie auf "Create" klicken und für die nächsten Stunden Kaffee trinken gehen oder sich anderweitig die Zeit vertreiben. Die Umwandlung in eine virtuelle Festplatte dauert. Bei meiner Festplatte, die aktuell etwa 110 GByte Daten enthält, dauert der Vorgang etwa vier Stunden. Oberhalb des Fortschrittsbalkens zeigt das Tool an, wie lange der Vorgang etwa noch dauern wird. Nicht erschrecken, wenn am Anfang Zeitangaben von jenseits zehn Stunden erscheinen – das wird schnell nach unten korrigiert. Ab und zu kann es vorkommen, dass das Tool eigentlich schon fertig ist, der Fortschrittsbalken aber immer noch anzeigt, dass die Konvertierung noch im Gange ist. Sie erkennen das daran, dass die Endzeit, die über dem Fortschrittsbalken angezeigt wird, in der Vergangenheit liegt. Meine Erfahrung zeigt, dass Sie eine halbe Stunde nach dieser Endzeit problemlos auf "Cancel" klicken können und die virtuelle Festplatte ist trotzdem vollständig und verwendbar. Endet die Konvertierung regulär, beendet sich das Tool selbst.

Die Download-Seite für Windows-XP-Mode und Virtual PC erklärt die notwendigen Schritte sowie deren Reihenfolge.
Vergrößern Die Download-Seite für Windows-XP-Mode und Virtual PC erklärt die notwendigen Schritte sowie deren Reihenfolge.

Als nächstes müssen Sie auf dem Zielsystem Windows XP Mode und Virtual PC installieren. Beides ist jedoch nur für die Professional-, Enterprise- oder Ultimate-Versionen von Windows 7 verfügbar. Es lässt sich auch nur dann installieren, wenn eine dieser Versionen vorliegt, da vor Installation eine Validierung der Windows-Installation erfolgt. Laden Sie am besten gleich beide Dateien herunter. Installieren müssen Sie dann zuerst das Paket für den Windows-XP-Mode und danach das Windows-Update für Virtual PC. Letzteres verlangt dann einen Neustart des Rechners.

Sind beide Programme installiert, führen Sie als nächstes die Konfiguration des Windows XP Modes durch.
Vergrößern Sind beide Programme installiert, führen Sie als nächstes die Konfiguration des Windows XP Modes durch.

Danach finden Sie den XP-Mode im Startmenü unter <Windows Virtual PC>-<Windows XP Mode>. Beim ersten Aufruf startet die Konfiguration des XP-Mode bei der Sie nach dem Speicherort für die XP-Mode-Installation sowie einem Passwort für den User "XMPUser" gefragt werden. Dieser User ist für die Kommunikation zwischen dem Host-System und der virtuellen Maschine notwendig. Daraufhin folgt noch ein Warnhinweis, dass die Laufwerke des Host-Systems für die gemeinsame Nutzung freigegeben werden.

Die Konfiguration des Windows XP Mode ist denkbar einfach. Das Konfigurations-Tool fragt Sie lediglich nach einem Passwort für den Benutzer, der für die Kommunikation mit dem Host-System erforderlich ist.
Vergrößern Die Konfiguration des Windows XP Mode ist denkbar einfach. Das Konfigurations-Tool fragt Sie lediglich nach einem Passwort für den Benutzer, der für die Kommunikation mit dem Host-System erforderlich ist.

Sobald Sie diesen Dialog bestätigen beginnt Windows mit der Installation der XP-Umgebung als virtuelle Installation. Nach Abschluss der Installation sehen Sie ein Fenster in dem eine komplette XP-Installation läuft. Schließen Sie dieses Fenster nun wieder und rufen Sie Virtual PC im Startmenü unter <Windows Virtual PC>-<Windows Virtual PC> auf.

Den Virtual PC finden Sie im Startmenü unter Windows Virtual PC. Die Verknüpfung "Virtual PC" führt Sie zu dem Ordner, in dem die virtuellen Computer gespeichert werden.
Vergrößern Den Virtual PC finden Sie im Startmenü unter Windows Virtual PC. Die Verknüpfung "Virtual PC" führt Sie zu dem Ordner, in dem die virtuellen Computer gespeichert werden.

Hinter dieser Verknüpfung verbirgt sich ein Unterordner des Benutzer-Ordners, in dem die virtuellen Maschinen gespeichert werden. In der Menüzeile finden Sie einen Eintrag "Virtuellen Computer erstellen", der wiederum das Konfigurations-Tool für Virtual PC aufruft.

Das Konfigurations-Tool für virtuelle Computer führt Sie schrittweise durch die Einrichtung. Im ersten Schritt geben Sie dem virtuellen Computer einen Namen und wählen den Speicherort aus.
Vergrößern Das Konfigurations-Tool für virtuelle Computer führt Sie schrittweise durch die Einrichtung. Im ersten Schritt geben Sie dem virtuellen Computer einen Namen und wählen den Speicherort aus.

Als erstes müssen Sie den neuen virtuellen Computer benennen und festlegen, wo er gespeichert werden soll.  

Als nächstes legen Sie die Größe des Arbeitsspeichers fest. Außerdem entscheiden Sie, ob der virtuelle Computer die Netzwerkverbindungen des Host-Computers nutzen soll.
Vergrößern Als nächstes legen Sie die Größe des Arbeitsspeichers fest. Außerdem entscheiden Sie, ob der virtuelle Computer die Netzwerkverbindungen des Host-Computers nutzen soll.

Im zweiten Schritt legen Sie fest, wie viel Arbeitsspeicher der virtuelle Computer verwenden darf. Auf modernen Systemen können Sie hier meist den Höchstwert von 3712 MB einsetzen, da das Host-System im Normalfall noch ausreichend Speicher für eigene Nutzung übrig haben dürfte. Sie können diesen Wert auch später noch ändern, falls Sie feststellen, dass das Host-System mit dem verbliebenen Arbeitsspeicher zu langsam wird. In diesem Schritt legen Sie zudem noch fest, ob das virtuelle System die Netzwerk-Verbindungen des Host-Systems nutzen darf. Solange das virtuelle System keinen Internet-Zugang benötigt, können Sie darauf durchaus verzichten. Auch diese Option können Sie später in den Einstellungen anpassen.

In Schritt 3 haben Sie drei Optionen: Sie können eine neue virtuelle Festplatte anlegen lassen, die nach Bedarf dynamisch erweitert wird oder eine bestehende virtuelle Festplatte verwenden. Option 3 bietet noch weitere Optionen für eine neue virtuelle Festplatte.
Vergrößern In Schritt 3 haben Sie drei Optionen: Sie können eine neue virtuelle Festplatte anlegen lassen, die nach Bedarf dynamisch erweitert wird oder eine bestehende virtuelle Festplatte verwenden. Option 3 bietet noch weitere Optionen für eine neue virtuelle Festplatte.

Im nächsten Schritt entscheiden Sie, ob Virtual PC eine neue Festplatte für den virtuellen Computer anlegen soll oder eine vorhandene eingebunden werden soll. Da Sie ja bereits eine virtuelle Festplatte haben, sollten Sie hier die zweite Option auswählen und den Speicherort der vhd-Datei angeben. Der virtuelle Computer wird nun angelegt und die notwendigen Dateien erzeugt.

Sobald alles abgeschlossen ist können Sie den virtuellen Computer starten. Sie müssen dann aber noch die Windows-Installation aktivieren, da Windows erkennt, dass sich die zugrundeliegende Hardware geändert hat.
Vergrößern Sobald alles abgeschlossen ist können Sie den virtuellen Computer starten. Sie müssen dann aber noch die Windows-Installation aktivieren, da Windows erkennt, dass sich die zugrundeliegende Hardware geändert hat.

Im Explorer sehen Sie nun Datei mit der Endung "vmc" und dem von Ihnen gewählten Namen. Diese Datei können Sie nun öffnen und starten damit den virtuellen Computer. Beachten Sie, dass Sie nach dem Starten die Windows-Installation neu aktivieren müssen, da sich die zugrundeliegende Hardware in den meisten Fällen erheblich geändert hat.

Ist die Konfiguration abgeschlossen, können Sie über das Menü "Einstellungen" den virtuellen Computer noch anpassen.
Vergrößern Ist die Konfiguration abgeschlossen, können Sie über das Menü "Einstellungen" den virtuellen Computer noch anpassen.

Einmal installiert können Sie viele Optionen des virtuellen Computers über den Einstellungen-Dialog anpassen. Sie können den Arbeitsspeicher anpassen oder die virtuelle Festplatte ändern oder auch weitere virtuelle Festplatten hinzufügen. Bei den Festplatten finden Sie zudem noch ein paar erweiterte Optionen, die beispielsweise ermöglichen, die Festplatten-Größe dynamisch dem Bedarf anzupassen. Die Angaben hier entsprechen den Optionen aus Schritt 3 der Konfiguration. Wenn Sie mit einer vorhandenen virtuellen Festplatte arbeiten, sollten Sie diese Einstellungen aber erst hier vornehmen, da Sie anders die vorhandene Festplatte nicht einbinden können. Die maximale Festplattengröße beträgt aber in jedem Fall 127 GByte.

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