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Windows mit Virtualbox in Linux weiternutzen - so geht's

07.02.2016 | 17:11 Uhr |

Virtualisierung ist eine Lösung, wenn Sie auf Linux umsteigen, aber auf Windows-Anwendungen nicht verzichten können. Mit Virtualbox richten Sie virtuelle Maschinen ein und nutzen Windows bei Bedarf.

Vor einem Umstieg auf Linux sollten Sie prüfen, welche Windows-Anwendungen für Sie unverzichtbar sind. Dabei kann es sich zum Beispiel um Software für die Steuererklärung handeln oder auch um andere spezielle Programme, die nicht für Linux verfügbar sind. Windows lässt sich bei Bedarf in einer virtuellen Maschine weiter benutzen. Als Virtualisierungs-Software kommt unter Linux bevorzugt Virtualbox zum Einsatz. Die Vorteile: Windows ist sofort ohne Neustart des PCs einsatzbereit, Windows läuft in einer sicheren Umgebung, und der Datenaustausch zwischen Linux und Windows ist einfacher. Jedoch benötigt auch ein virtualisiertes Windows einen gültigen Lizenzschlüssel und muss aktiviert werden.

Tipp: Wer sich beim Umstieg auf Linux nicht sicher ist, welche Programme er mitnehmen sollte oder nicht vergessen darf, kann einen Blick auf Ninite werfen . Das Tool ist speziell für frische Betriebssysteme gedacht und bietet die typische Freeware-Grundausstattung im Überblick. Leider gibt es derzeit keine Linux-Version, dennoch kann man sich von der Liste gut inspirieren lassen.

1. So funktioniert eine virtuelle Maschine mit Virtualbox

Virtualbox stellt einen Zweit-PC per Software bereit. Aus Sicht des darin installierten Betriebssystems (Gastsystem) handelt es sich um einen Rechner mit eigener Hardware, der völlig unabhängig von der im Gerät physikalisch verbauten Hardware ist (Host-System). Es gibt beispielsweise virtuelle Festplatten, die sich wie gewohnt partitionieren und formatieren lassen. Tatsächlich handelt es sich um Container-Dateien auf der Festplatte des Host-PCs.

Die Grafikkarte ist ebenfalls nur virtuell vorhanden. Daher steht hier nicht die volle Leistung zur Verfügung, was aber für typische Office-Anwendungen keine Rolle spielt. Aufwendige PC-Spiele laufen daher in einer virtuellen Umgebung sehr schlecht oder gar nicht. Ansonsten liegt die Leistung des Systems in der virtuellen Maschine nur wenige Prozent unterhalb der des Host-PCs.

Virtualbox läuft auf PCs ab 1,5 GHz CPU-Takt und 512 MB Hauptspeicher. Ein schnellerer Rechner verbessert auch die Leistung des Gast-systems. Für 64-Bit-Gäste muss der Prozessor Intel VT beziehungsweise AMD-V unterstützen. Darüber hinaus muss die Funktion im Bios-Setup aktiviert sein.

2. Virtualbox unter Linux einrichten

Die OSE-Version (Open Source Edition) von Virtualbox lässt sich bei nahezu allen Linux-Distributionen über das Paket-Management installieren. Wer jedoch die neueste Version nutzen möchte oder Unterstützung für USB 2.0 benötigt, der muss Virtualbox für Linux und das Virtualbox Extension Pack von www.virtualbox.org/wiki/Downloads verwenden. Laden Sie für Linux Mint die DEB-Datei für Ubuntu 14.04 Trusty herunter. Für die Installation genügt ein Doppelklick und daraufhin ein Klick auf „Paket installieren“. Als Nächstes installieren Sie das Extension Pack ebenfalls per Doppelklick. Folgen Sie den Anweisungen auf dem Bildschirm. Damit sich USB-Geräte nutzen lassen, ist noch ein Schritt erforderlich. Öffnen Sie mit Strg-Alt-T ein Terminal-Fenster und führen Sie danach folgende Befehlszeile aus:

sudo adduser User vboxusers

User ersetzen Sie durch Ihren Benutzernamen. Starten Sie Linux nachfolgend neu.

Auf der Webseite von Virtualbox finden Sie auch Hinweise, wie Sie Virtualbox in die Paketquellen einbinden. Updates lassen sich so schneller durchführen.

3. Windows in Virtualbox neu installieren

Starten Sie Virtualbox über das Menü und „Systemverwaltung -> Oracle VM Virtualbox“. Klicken Sie auf „Neu“. Geben Sie hinter „Name:“ eine Bezeichnung für die virtuelle Maschine ein. Wählen Sie hinter „Typ:“ den Eintrag „Microsoft Windows“ und darunter die Version des Betriebssystems. Folgen Sie den weiteren Anweisungen des Assistenten und übernehmen Sie die Vorgaben. Für die virtuelle Festplatte empfiehlt es sich, deutlich mehr Speicherplatz als die vorgeschlagenen 25 GB zu verwenden. Der Platz wird ohnehin erst dann belegt, wenn er tatsächlich benötigt wird.

Nach Abschluss des Assistenten klicken Sie auf „Ändern“ und danach auf „Anzeige“. Stellen Sie hinter „Grafikspeicher:“ mindestens „64 MB“ ein und setzen Sie Häkchen vor „3D-Beschleunigung aktivieren“ und „2D-Video-Beschleunigung aktivieren“. Unter „Netzwerk“ stellen Sie „Netzwerkbrücke“ ein, damit Sie nicht nur die Internetverbindung nutzen können, sondern auch Zugriff auf das lokale Netzwerk haben. In der Rubrik „Gemeinsamer Ordner“ legen Sie über die Schaltfläche „+“ einen Ordner für den Datenaustausch mit dem Linux-System fest. Setzen Sie im folgenden Schritt ein Häkchen vor „Automatisch einbinden“. Im Windows-System können Sie später über „Netzwerk“ und „Vboxsrv“ auf diesen Ordner zugreifen.

Virtuelle PCs im Virencheck - wie sicher sind sie wirklich?

Gehen Sie auf „Massenspeicher“, klicken Sie auf das CD-Icon und anschließend rechts im Fenster auf das CD-Icon mit dem Pfeil. Geben Sie nun über „Datei für virtuelles CD/DVD-Medium auswählen...“ den Speicherort einer ISO-Datei der Windows-Installations-DVD an. Oder Sie wählen „Hostlaufwerk“, wenn Sie eine Installations-DVD verwenden wollen, die im DVD-Laufwerk des Rechners liegt.

Klicken Sie auf „Starten“. Der virtuelle PC bootet vom Installationsmedium. Danach führen Sie die Windows-Installation wie gewohnt durch. Nach Abschluss gehen Sie auf „Geräte -> Medium mit Gasterweiterungen einlegen“ und starten im virtualisierten Windows „VBox WindowsAdditions“ vom CD-Laufwerk. Folgen Sie den Anweisungen des Setup-Assistenten. Damit installieren Sie Tools und Treiber für die optimale Leistung der virtuellen Maschine.

Tipps: Sollte der Maustreiber in der virtuellen Maschine gefangen sein, befreien Sie diesen über die „Host-Taste“. Das ist standardmäßig die Strg-Taste rechts auf der Tastatur.

Per Host-L schalten Sie Windows in den nahtlosen Modus und wieder zurück. Lediglich die in Windows geöffneten Fenster sind im Anschluss daran auf dem Linux-Desktop zu sehen. Die Windows-Taskleiste blendet Virtualbox am unteren Bildschirmrand ein.

Mit dem kostenlosen Microsoft-Tool Disk2vhd konservieren Sie Ihr Windows als VHD-Datei.
Vergrößern Mit dem kostenlosen Microsoft-Tool Disk2vhd konservieren Sie Ihr Windows als VHD-Datei.

4. Installation für Virtualbox umwandeln

Das kostenlose Microsoft-Tool Disk2vhd überführt den Inhalt der Festplatte nun in eine VHD-Datei. Es läuft unter Windows ab XP. Zurzeit funktioniert das nur mit Installationen von Windows XP oder 7 im Bios-Modus. Uefi-Installationen lassen sich bisher nicht zuverlässig in virtuelle Maschinen überführen.

Starten Sie das Programm Disk2vhd und wählen Sie sämtliche Partitionen der Systemfestplatte aus. In der Regel hat Disk2vhd diese bereits automatisch erkannt und ein Häkchen davor gesetzt. Entfernen Sie das Häkchen vor „Use Vhdx“. Geben Sie hinter „VHD File name:“ über die Schaltfläche „...“ den Namen und den Speicherort der neuen VHD-Datei an, am besten auf einer externen Festplatte. Klicken Sie zum Abschluss auf die Schaltfläche „Create“.

Erstellen und konfigurieren Sie jetzt eine virtuelle Maschine wie bei Punkt 3 beschrieben. Im Fenster „Festplatte“ wählen Sie jedoch die Option „Vorhandene Festplatte verwenden“. Über das Ordnersymbol geben Sie die mit Disk2vhd erzeugte VHD-Datei an und klicken auf die Schaltfläche „Erzeugen“.

Gratis: Virtuelle Maschinen von Microsoft

Microsoft bietet unter www.modern.ie fertige virtuelle Maschinen an, die sich maximal 90 Tage lang nutzen lassen. Klicken Sie auf der Seite „Virtuelle Maschine (VM)“ an. Wählen Sie neben „1“ beispielsweise „IE 11 on Win7“ und neben „2“ den Eintrag „Virtualbox für Linux“. Laden Sie die Zip-Datei herunter und öffnen Sie die enthaltene OVA-Datei mit einem Doppelklick in Virtualbox. Folgen Sie den Anweisungen auf dem Bildschirm.

Bevor Sie die virtuelle Maschine starten, erstellen Sie über die Schaltfläche „Sicherungspunkte“ und Strg-Shift-S einen Schnappschuss. Sie können dann jederzeit neu mit einer frischen Installation starten und wieder 90 Tage lang testen. Bisherige Änderungen gehen dabei jedoch verloren.

Die angebotenen Windows-Versionen sind englischsprachig. Über „Control Panel“ und „Windows Update“ lässt sich das „German Language Pack“ aus den „Optional updates“ aber nachinstallieren und über „Region and Language“ auf der Registerkarte „Keyboards and Languages“ auswählen.

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