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Windows-Tuning für mehr Leistung und Komfort

08.12.2013 | 09:35 Uhr |

Windows ist ein flottes und komfortables Gefährt. Ausgeliefert wird es allerdings weder mit Sitzpolstern noch mit Rückspiegel, dafür oft mit einem OEM-Anhänger voller Schwerlast.

Auch wenn Tuning-Pakete Ihnen etwas anderes einreden wollen: Windows-Tuning hat enge Grenzen. Deshalb werden wir Sie hier nicht auffordern, die Registry zu säubern – das wäre Zeitverschwendung. Unsere Tipps konzentrieren sich auf wirklich nachhaltige Maßnahmen, die entweder die Leistung oder den Komfort verbessern. Alle Tipps sind beschrieben für das aktuelle Windows 7, gelten jedoch größtenteils auch für die Vorgänger Vista und XP. Unter XP abweichende Konfigurationsorte und Menüfolgen werden angegeben.

Das beschleunigt den Windows-Startvorgang

Windows 7 und XP bieten einige Möglichkeiten, den Systemstart zu verkürzen. Sie können die folgenden Maßnahmen alternativ oder kombiniert einsetzen.

Tempo-Bremsen beim Hochfahren von Windows lösen

Ruhezustand nutzen: Wenn Sie anstatt „Herunterfahren“ den „Ruhezustand“ verwenden, startet Windows annähernd doppelt so schnell – und lädt nebenbei noch Ihre Sitzungsdaten mit. Den Ruhezustand können Sie mit Rechtsklick auf das Startmenü und „Eigenschaften“ zur „Standardaktion für Beenden“ definieren. Dann erscheint er als Standard im Startmenü. Unter XP erscheint der Ruhezustand im Fenster „Computer ausschalten“, sobald Sie die Taste Shift drücken. Falls der Ruhezustand auf Ihrem System technisch deaktiviert ist, suchen Sie cmd.exe im Suchfeld des Startmenüs und starten diese nach einem Rechtsklick mit der Option „Als Administrator ausführen“. Auf der Kommandozeile geben Sie dann powercfg -h on ein.

Systemkonfiguration Msconfig: Standardmäßig bootet Windows mit einer CPU, auch wenn ein Multikernprozessor vorliegt. Das lässt sich hier ändern.
Vergrößern Systemkonfiguration Msconfig: Standardmäßig bootet Windows mit einer CPU, auch wenn ein Multikernprozessor vorliegt. Das lässt sich hier ändern.

Dienste aufräumen: Zahlreiche Windows-Dienste starten standardmäßig, längst nicht alle sind auf jedem Rechner notwendig. Die Dienste lassen sich in der Dienstekonsole einsehen, konfigurieren und abschalten. Geben Sie nach Win-R den Befehl Services.msc ein. Nach Doppelklick auf einen Dienst lässt sich dieser mit der Schaltfläche „Beenden“ erst mal stoppen und dann unter „Starttyp“ dauerhaft auf „Deaktiviert“ setzen. Sie müssen hier allerdings wissen, was Sie tun: Während eine „Windows Search“, ein Heimnetzgruppen-Dienst oder auch ein Media Center Extender optionale Komponenten bedienen, erfüllen andere Dienste zentrale und unverzichtbare Aufgaben.

Entfernen unnötiger Treiber: Der Geräte-Manager gibt die nicht aktiven Komponenten erst dann preis, wenn Sie vorher eine spezielle Umgebungsvariable setzen.
Vergrößern Entfernen unnötiger Treiber: Der Geräte-Manager gibt die nicht aktiven Komponenten erst dann preis, wenn Sie vorher eine spezielle Umgebungsvariable setzen.

Alte Treiber entfernen: Windows lädt Treiber für längst nicht mehr genutzte Hardware unverdrossen mit. Welche das sind, erfahren Sie nach einer kleinen Vorbereitung: Öffnen Sie mit Win-Pause und „Erweiterte Systemeinstellungen“ (XP: „Erweitert“) die „Umgebungsvariablen“. Unter „Systemvariablen“ erstellen Sie mit der Schaltfläche „Neu“ die Variable  devmgr_show_nonpre sent_devices und geben ihr den Wert 1. Wenn Sie jetzt den Geräte-Manager starten und mit „Ansicht ➞ Ausgeblendete Geräte anzeigen“ fortfahren, erscheinen zahlreiche deaktivierte (blassere) Einträge.

Aber Achtung: Sie dürfen nicht einfach alle diese Einträge entsorgen, denn viele inaktive Treiber versorgen mobile Geräte wie MP3-Player, Kamera, WLAN-Stick oder USB-Festplatte, die Sie früher oder später wieder anschließen werden. Nur bei Komponenten, die Sie sicher nicht mehr brauchen, klicken Sie rechts und wählen „Deinstallieren“.

Booten mit zwei CPUs: Windows begnügt sich beim Booten mit einer CPU, auch wenn ein Mehrkernprozessor vorliegt. Das lässt sich mit einem Windows-eigenen Tool ändern: Geben Sie dazu msconfig im Suchfeld des Startmenüs ein, starten Sie daraufhin das Programm und wählen Sie die Registerkarte „Start“. Unter „Erweiterte Optionen“ finden Sie den Eintrag „Prozessoranzahl“. Wenn Sie diese Option aktivieren, können Sie im Drop-down-Feld die „2“ oder „4“ wählen – je nach CPU.

Msconfig unter XP bietet dafür den Parameter „/NUMPROC“ auf der Registerkarte „Boot.ini“ unter „Erweiterte Optionen“.

Wie Sie Software und Autostarter ausmisten

Bis Windows nach der Anmeldung die Selbststarter abgearbeitet hat, ist oft eine Geduldsprobe. Ausmisten ist hier fast Pflicht, gerade auch bei Rechnern frisch vom Ladentisch.

Wichtiger Filter in Autoruns: An den Windows-eigenen Komponenten liegt es meistens nicht, wenn der Explorer lahmt. Mit diesem Filter zeigt Autoruns nur noch die Fremdkomponenten an.
Vergrößern Wichtiger Filter in Autoruns: An den Windows-eigenen Komponenten liegt es meistens nicht, wenn der Explorer lahmt. Mit diesem Filter zeigt Autoruns nur noch die Fremdkomponenten an.

Autostarts aufräumen: Während das systemeigene Msconfig unter „Systemstart“ lediglich das Offensichtlichste auflistet, ist Autoruns (sysinternals.com) der Alleskönner in puncto Software- und Komponentenstarts. Nach dem Start des Programms sollten Sie sich auf zwei Registerkarten konzentrieren: einerseits „Logon“ und ande  rerseits „Scheduled Tasks“. Unter „Logon“ ist praktisch alles entbehrlich, was nicht über den Registry-Zweig „Windows NT“ geladen wird. Allerdings sollten Sie Update-Dienste aus Sicherheitsgründen gelten lassen (etwa AV-Software, Adobe-Flash, Google und Java).

Mit diesem Gratis-Tool startet Ihr Windows schneller

Die „Scheduled Tasks“, die Sie – unübersichtlicher – auch in der Windows-Aufgabenplanung durchforsten können, zeigen zahlreiche Wartungsvorgänge. Wo immer Sie sicher sind, dass Sie eine Komponente nicht nutzen, etwa das Windows Media Center oder die Offline-Dateien, entfernen Sie das Häkchen. Mit einem Rechtsklick und „Delete“ Einträge zu löschen, ist nur dann ratsam, wenn Sie sich absolut sicher sind.

Shell - Erweiterungen aufräumen: Wenn der Explorer seine Kontextmenüs lediglich noch mit Denkpausen aufklappt, ist eine defekte Shell-Erweiterung die Ursache. Hier hilft das spezialisierte Shellexview oder erneut Autoruns – mit der Registerkarte „Explorer“. Sie können Einträge einfach deaktivieren oder nach einem Rechtsklick löschen („Delete“). Als Explorer-Bremsen stehen in erster Linie Komponenten unter Verdacht, die nicht von Microsoft stammen.

Software reduzieren: Kontrollieren Sie periodisch unter „Systemsteuerung ➞ Programme und Funktionen“ (XP: „Software“), ob unnötige Software installiert ist. Zögern Sie nicht, diese mit „Deinstallieren/ändern“ zu entsorgen. Bei kleineren Tools, die keine Benutzerdateien verarbeiten, greifen Sie, falls möglich, zu einer portablen Variante.

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