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30 Jahre Windows: Überblick von Version 1.0 bis 10

19.10.2015 | 11:00 Uhr |

30 Jahre! Hübsch alt für ein Produkt in einem Biotop mit permanent mutierenden Fressfeinden und rasenden Mutationszyklen. Viel mehr als den Namen haben aber die aktuellen Versionen 7/8/10 mit ihren Ahnen nicht mehr gemein.

Microsoft hat wirtschaftliche Sorgen – weniger beim Umsatz, aber doch deutlich beim Gewinn. Der 2014 beschlossene massive Stellenabbau wurde Mitte 2015 noch einmal deutlich erweitert . Manche teuren Projekte wie Bing, Surface oder Windows Phone erreichen im Gesamtmarkt nur marginale Anteile. In solcher Situation über das Ende von Microsoft zu unken, ist daher in bestimmten Kreisen ein beliebtes Ritual. Oft reicht ein kleiner Bug oder ein auffälliger Windows-Patchday, und die Untergangspropheten quaken wieder ihren Abgesang. Ist nach 30 Jahren Windows Schluss?

Die Geschichte von Microsoft: 40 Jahre im Überblick

Windows & Co.: Der Status quo

Objektiv ist es Unsinn, sich den wirtschaftlich grundsoliden Konzern an den Abgrund zu träumen. Wer vor fünf Jahren Microsoft-Aktien gekauft hat, freut sich über den doppelten Kurswert. Windows bleibt mit über 90 Prozent Marktanteil sozusagen das Gesicht von PC-und Notebook-Hardware, und das erfolgreich ausgelieferte Windows 10 wird auch die Verbreitung auf Mobilgeräten vorantreiben. Auch als Server spielt Windows eine bedeutende Rolle, wenngleich hinter Linux und Apache. Die folgende Kurzgeschichte soll daher vor allem eines zeigen: Windows ist gelegentlich falsch abgebogen, hat aber immer wieder den richtigen Weg gefunden – nicht zurück, sondern nach vorne.

Die Anfänge von Windows

Zuerst war DOS, und die Präzision textbasierter Kommandos ist unbestritten: Unter Linux geht es nicht ohne, und unter Windows beweist die Powershell, dass die Kommandozeile Zukunft hat. Für Laien aber bedeutet die grafische Bedienung einen Segen. Wer daher zu DOS-Zeiten Ende der 80er-Jahre seinen EDV-Schülern mal nebenbei eine Kuriosität demonstrieren wollte, war von der Reaktion überrascht: Das Echo der Kommando-geplagten Schüler war ein begeistertes „Oh, so geht das auch!“: Es handelte sich um eine hässliche, wackelige Oberfläche namens Windows 2.0.

Lesetipp: Windows 10, Windows 8 & Windows 7 im großen Vergleich

Schon Anfang der 90er-Jahre avanciert dieses immer noch wackelige Gespann aus DOS und grafischem Aufsatz als Windows 3.0 und 3.1/3.11 zum Quasi-Standard. Grund dafür sind gewiss nicht die mühseligen Optimierungen in Start-und Systemdateien und die Neustarts nach Abstürzen, sondern die erfolgreichen Arbeitsstunden mit herausragender Software wie Winword oder Doom. Dagegen hat das technisch klar überlegene OS/2 von IBM keine Argumente.

Windows 3.0: Ein grafischer Programmstarter und Dateimanager bedeuteten echten Fortschritt gegenüber den DOS-Kommandos.
Vergrößern Windows 3.0: Ein grafischer Programmstarter und Dateimanager bedeuteten echten Fortschritt gegenüber den DOS-Kommandos.

Der zähe Weg zu Windows NT

Während das nachfolgende Windows 95 nicht nur eine zukunftsweisende Oberfläche, sondern auch technische Basisfunktionen wie Plug & Play oder die zentrale Registry einführt, bemüht sich Microsoft bereits intensiv, sein Erfolgssystem baldmöglichst loszuwerden. Typischen Multiplikatoren wie IT-Journalisten wird jetzt offensiv das moderne, stabile Multiuser-System Windows NT angepriesen. Doch ist die Zeit noch nicht reif: Der gefühlte Unterschied zwischen einem Win-DOS und einem Windows NT entspricht zwar dem Umstieg von einem wackeligen Sportflugzeug in eine 7er-Boeing; jedoch scheint NT noch zu anspruchsvoll, ist nicht spieletauglich und wirkt zu träge, um nicht doch lieber die Abstürze im Sportflugzeug in Kauf zu nehmen.

Microsoft hilft aktiv nach: Wesentliche technische Schritte sind die Vereinheitlichung der Oberfläche für das kleine und große Windows, ein einheitliches Treibermodell für beide Produktlinien (WDM) und eine gemeinsame Multimedia-und Spieleschnittstelle (DirectX). Vielleicht noch durchschlagender sind die strategischen Schritte: Windows 98 erhält nur noch das technisch Überfällige und fast zeitgleich zum exzellenten Windows 2000 kommt mit Windows ME ein überladenes DOS-Windows auf den Markt, das zu Recht floppt: Man darf Absicht unterstellen.

Von Windows XP bis heute

DOS ist tot, Windows 2000 gut, XP noch besser. XP bringt den Durchbruch der NT-Produktlinie und wird mit allen Mitteln gefördert. Im Prinzip ist das kostenlose Service Pack 2 vom Jahr 2004 ein Upgrade, das in anderer Situation als neues Windows verkauft worden wäre. Das 2007 nachfolgende Vista ist hingegen ein Sündenfall, der zeigt, dass Microsoft 2005 und 2006 die kommenden Geräteklassen nicht erahnt hat (Smartphones ab 2007, Netbooks ab 2008, Tablets ab 2010). Vista ist zwar unterm Strich das innovativste Windows seit 1995, aber es ist überladen – ein System für fette PCs und protzige Notebooks. Gut für Microsoft, dass man zumindest für Netbooks noch ein schlankes XP in der Hinterhand hat, dessen Lebenszeit prompt noch einmal verlängert wird.

Wer Windows am Ende sieht, hat ein Argumentationsproblem. Die Microsoft-Systeme erreichen insgesamt über 90 Prozent Marktanteil.
Vergrößern Wer Windows am Ende sieht, hat ein Argumentationsproblem. Die Microsoft-Systeme erreichen insgesamt über 90 Prozent Marktanteil.

Windows-Ausblick

Microsoft macht nicht bei jedem Windows alles richtig. Trotzdem darf man Windows als Realist langfristige Vorherrschaft auf den Produktivgeräten PC und Notebook voraussagen. Windows ist ein stabiles, offenes, universelles System für Office, Spiele, Multimedia, DTP und jedes Spezialinteresse. Nirgendwo sonst gibt es vergleichbare Software-Auswahl und hundertprozentige Hardware-Unterstützung.

Lesetipp: Acht Tipps, um Windows 10 optimal einzurichten

Apple und Mac OS X mit eher hermetischer Philosophie dürfen weiter auf eine kleine, quasi-religiöse Anhängerschaft vertrauen, werden aber nur auf mobilen Geräten zugewinnen können, die sich als Statussymbole in der Öffentlichkeit eignen. Linux bietet zwar die ganz große Freiheit von Open Source, hat aber nicht erste Priorität bei Hardware-Herstellern, kann einige Top-Software nicht anbieten und hat – abgesehen vom Kernel und professionellen Distributionen wie Ubuntu oder Red Hat – punktuelle Qualitätsprobleme (am Desktop, keineswegs als Server). Und das vielleicht wichtigste Argument für Windows ist schlicht Gewöhnung: Mehr als 90 Prozent der PC-Anwender kennen Windows seit vielen Jahren: Wer ein System 10 Jahre nutzt, hat einiges investiert. Oft sind es mehr als nur ein paar Klickwege – vielleicht Scripts oder einige Excel-Makros. Solche persönlichen Investitionen gibt niemand gerne auf: Planen Sie getrost schon mal den nächsten runden Windows-Geburtstag 2025.

Windows 1985 bis 2015

1985 / 1987: Windows 1.0 und 2.0

Microsoft entwickelt einen grafischen Aufsatz nach dem Vorbild des teuren Macintosh. Mangels nativer Software bleiben die ersten Versionen eine Art Task-Switcher für DOS-Programme und ihr Erfolg ist – auch aufgrund der teuren Folgekosten (Maus!) – vorerst mager.

1990: Windows 3.0 (und Office)

Version 3.0 bedeutet den Durchbruch. Maßgeblicher Unterschied zu den Vorgängern ist ein Hardware-unabhängiges Setup, das das System auf alte 8086, auf neuere 80286 sowie auf neueste 80386 bringt. Mitentscheidend für den Erfolg ist das schnell wachsende Software-Angebot. Microsoft legt kurz nach Erscheinen von Windows 3.0 sein Office-Paket vor, das mit Excel und Winword Maßstäbe setzt.

1992: Windows 3.1 und WfW 3.11

Mit Windows 3.1 und Windows for Workgroups 3.11 beginnt trotz technischer Mängel der Siegeszug. Der 32-Bit-Kernel leistet nur kooperatives Multitasking: Nicht-kooperative Programme können das System lahmlegen – und tun dies auch regelmäßig. Die Konfiguration des 32-Bit-Festplattenzugriffs, der Cache-Werte und des virtuellen Speichers fordert diverse Fummeleien in System.ini und Config.sys, die Windows aber durch spürbaren Leistungsschub belohnt.

1993: Windows NT 3.1

Microsoft hatte mit IBM an OS/2 gearbeitet. Die Allianz zerbricht 1991, und Microsoft entwickelt sein eigenes 32-Bit-System ohne DOS mit dem Namen Windows New Technology. Das erste NT startet als Version 3.1. Die Oberfläche ähnelt der des kleinen Windows.

1995: Windows 95

Das nach wie vor DOS-basierte Windows 95 ist ein Meilenstein: Maßgeblicher Coup ist die Zusammenlegung von Programm-und Dateimanager unter einem Explorer, der einen anpassbaren Desktop mit Startmenü und Taskleiste anbietet. Plug & Play, also die automatische Treiberinstallation und Vergabe von Interrupts, läuten eine neue Ära ein, wenngleich längst noch nicht jede Hardware mitspielt. Unter WfW 3.11 noch unausgereifte Festplatten-und Cache-Funktionen arbeiten jetzt einwandfrei. Zudem gelingt der Umstieg zur zentralen Registry, die vorher nur eine marginale Rolle spielte.

1996: Windows NT 4.0

Ab Windows NT 4.0 vereinheitlicht Microsoft die Oberfläche der NT-und der DOS-Linie: NT 4.0 erhält die Explorer-Oberfläche von Windows 95. Die Workstation-Ausgabe von NT 4.0 findet Einzug in viele Firmen-Arbeitsrechner. Privatanwender bleiben wegen höherer Hardware-Ansprüche und schlechterer Treiberunterstützung skeptisch.

1998: Windows 98

Ab Windows 98 (und schon NT 4.0) versucht Microsoft, das bislang verschlafene Internet über den Zwangsbrowser IE zurückzugewinnen. Äußerlich weitgehend ein Windows 95, unter der Haube kommen native Unterstützung für USB und FAT32 hinzu.

2000: Windows 2000 (NT 5.0)

Windows 2000 ist die solide Fortsetzung der NT-Linie mit der Oberfläche von Windows 95/98. Wesentlicher Schritt zur Zusammenführung der Produktlinien ist WDM (Win32 Driver Model): Ab Windows 2000 (und Windows 98) müssen Hardware-Hersteller nur noch einen Treiber entwickeln, der unter beiden Produktlinien arbeitet. Damit ist der Weg der NT-Linie auch als Spiele-Plattform geebnet.

2000: Windows ME

In Windows ME verbaut Microsoft Sicherheitsfunktionen wie die Systemdateiüberwachung und Systemwiederherstellung. Der aufgeblähte grafische DOS-Aufsatz hat annähernd dieselben Hardware-Ansprüche wie das NT-System aus demselben Jahr, sieht genauso aus und birgt doch die instabilen Altlasten der DOS-Linie.

2001: Windows XP (NT 5.1)

XP wird das bislang erfolgreichste Betriebssystem und bringt Home-Anwender auf NT-Kurs: XP ist stabil, Spiele-und Multimedia-tauglich, unterstützt jede Hardware und hat moderate Hardware-Ansprüche. 2004 nutzt Microsoft mit Service Pack 2 die Chance, mit XP die DOS-Produktlinie endgültig loszuwerden: Es gibt ein runderneuertes XP mit Firewall, Virenschutz und Pop-up-Blocker. Microsoft lässt XP entgegen seiner Lifecycle-Prinzipien bis 2014 am Leben.

2007: Windows Vista (NT 6.0)

Vista rüstet mit der Benutzerkontensteuerung, neuen Reparaturfunktionen (Zweitsystem), Aero-Schick und Indexsuche ordentlich auf, wird aber als Dickschiff geschmäht und gerät zum Buhmann für jegliche System-und Hardwareprobleme. Die Kritik ist zum Teil überzogen, führt aber dazu, dass Vista neben XP eine Marginalie bleibt und Microsoft zum schnellen Nachlegen zwingt.

2009: Windows 7 (NT 6.1)

Windows 7 beweist, wie erfolgreich Software ohne „Featuritis“ sein kann. Der würdige XP-Nachfolger bietet gegenüber seinem Vorgänger Vista nur behutsame Neuerungen, stellt aber dessen Funktionalität schneller und ökonomischer bereit: Windows 7, ein bis ins Detail entschlacktes Vista, ist das aktuell meistverbreitete Betriebssystem.

2012: Windows 8 / 8 RT (NT 6.3)

Das solide Windows 8 ist in weiten Teilen ein Windows 7, tauscht aber den PC-Desktop gegen einen simplen Programmstarter im Vollbild (Kacheloberfläche) aus. Das kommt bei PC-und Notebook-Nutzern nicht gut an – zumal die Trennung in klassische und „moderne“ Oberfläche nicht konsistent gelingt. Auch auf Tablets ist Windows 8 RT mit seiner Doppeloberfläche irritierend. Soweit jedoch die „Modern UI“ reicht, erweist sich Windows 8 RT oft eleganter und flüssiger als Android.

2015: Windows 10 (NT 10.0)

Windows 10 soll als „Rolling Release“ nicht nur Sicherheits-Updates erhalten, sondern wird durch Funktions-Updates auf den aktuellen Windows-Stand gehievt. Technische Neuerungen gibt es vor allem bei der Anpassungsfähigkeit der Oberfläche je nach Hardware.

Video: Windows 10 - Versteckte Funktionen
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