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Fünf Gründe gegen Linux - darum scheitert der Umstieg (angeblich)

21.10.2016 | 09:02 Uhr |

Wir nennen die 5 häufigsten Gründe und Vorurteile, weswegen der Umstieg auf Linux scheitert und Anwender enttäuscht zu Windows zurückkehren. Und nennen Gegenargumente.

Windows 10 ist seit Sommer 2015 final erhältlich. Mit der neuen Windows-Version, die Microsoft sogar ein Jahr lang kostenlos als Update bereit stellte, will Microsoft Nutzer besänftigen und zurückgewinnen, die von Windows 8/8.1 enttäuscht wurden und die vielleicht mit einem Wechsel von Windows zu Linux geliebäugelt haben. Trotzdem wagten nur wenige frustrierte Windows-Anwender tatsächlich den Umstieg, wie die monatliche Auswertung von Netmarketshare zeigt. Anscheinend haben viele Windows-Anwender, die zu dem freien, kostenlosen und vergleichsweise sicheren Linux-Betriebssystem wechseln wollen, Probleme.

Wir haben zusammen mit unserer Schwesterpublikation PC-World einige Gründe aus Leserbriefen und Community-Beiträgen zusammengestellt, weswegen Windows-Anwender, die zu Linux wechseln wollten, frustriert aufgaben und zu Windows zurückkehrten. Insgesamt scheinen sich fünf Hauptgründe festmachen zu lassen, die dazu führen, dass der Umstieg von Windows auf Linux scheitert. Wir stellen diese fünf Gründe vor und bewerten deren Relevanz.

1. Das Lieblingsprogramm läuft nicht unter Linux

Meist sind es Profi-Programme von Adobe, insbesondere Photoshop und Dreamweaver, auf die Umsteiger von Windows auf Linux partout nicht verzichten wollen. Da hilft auch nicht der Hinweis auf GIMP - denn GIMP ist ungeachtet seiner Stärken kein vollwertiger Ersatz für Adobe. Insofern gilt: Wer wirklich alle Features von Photoshop benötigt, sollte entweder nicht vollständig auf Linux wechseln (und beispielsweise noch eine Partition mit Windows behalten) oder sich geeignete Virtualisierungslösungen wie Wine anschauen, unter denen sich Photoshop bis zu einem gewissen Grad auch auf Linux-Rechnern einsetzen lässt.

Photoshop, Reader und Air unter Linux nutzen - ein Überblick

Bei Photoshop und Dreamweaver handelt es sich aber um spezialisierte Profi-Werkzeuge für den Unternehmenseinsatz. Kaum ein Privatanwender benötigt wirklich alle Funktionen von Photoshop, der Funktionsumfang von GIMP dürfte für die meisten Anwender völlig ausreichen. Und Webseiten lassen sich auch ohne Dreamweaver erstellen, insbesondere in Zeiten, in denen Content-Management-Systeme und Blogsoftware wie Wordpress für viele professionelle Websites die Basis bilden .

Spielen unter Linux : Neben diesen professionellen Anwendungsprogrammen gibt es aber noch eine weitere Software-Gruppe, die gegen den Einsatz von Linux spricht: Spiele nämlich. Denn nach wie vor behandeln die Spiele-Publisher Linux zweit-, wenn nicht gar drittrangig. Immerhin bessert sich die Situation hier langsam etwas durch SteamOS und die Spiele-Plattform Steam von Valve.

Insgesamt konnte Linux an Attraktivität für Spieler in letzter Zeit aber durchaus hinzugewinnen. Es gibt mittlerweile eine Reihe von Möglichkeiten, um auf Linux-Rechnern hochwertige Spiele zu genießen. Beispielsweise gab es das neue Weltkriegs-Strategiespiel Hearts of Iron IV von Anfang an auch für Linux.

Hier zeigen wir Ihnen im Detail, wie Sie auch unter Linux hochwertige Spiele genießen können: Die besten Linux-Spiele für Steam, Ubuntu, Holarse, Gog, Shell

Privatanwender, die Linux verwenden und weder Photoshop benötigen noch viel daddeln, können trotzdem hin und wieder vor das Problem gestellt werden, dass sie plötzlich Windows bräuchten, beispielsweise wenn das Kind eine neue Lernsoftware mit nach Hause bringt, die nur unter Windows läuft. Hier hilft eventuell eine virtuelle Maschine weiter, in der Windows läuft. Oder aber es gibt die Lernsoftware auch als Apps für iOS und/oder Android, denn immer mehr Publisher wie USM bringen ihre bekannte Windows-Lernsoftware mittlerweile auch für die beiden wichtigsten mobilen Plattformen heraus. Das bietet sich dann als Ausweichmöglichkeit für Linux-Anwender an. Eine dritte Lösung wären Cloud-basierte Web-Anwendungen als Ersatz für solche Windows-Software.

Linux für jeden Zweck und jeden Anwender - der große Überblick

Unsere Einschätzung: Der Großteil der Privatanwender kann problemlos sofort zu Linux wechseln, ausgenommen Hardcore-Daddler. Insbesondere in Kombination mit einem iPad oder Android-Tablet steht dem Wechsel zu Linux nichts im Wege.

2. Die Hardware zickt

Grundsätzlich verfügt Linux schon seit langer Zeit über eine hervorragende Hardwareerkennung. Doch hin und wieder kommt es noch vor, dass eine bestimmte Grafikkarte oder ein UMTS-Stick den Dienst verweigert, nachdem man Linux installiert hat. Hier helfen eventuell Workarounds weiter, die man in den diversen Linux-Foren wie ubuntuusers und bei der PC-WELT findet. Unsere alle zwei Monate erscheinende LinuxWelt bietet ebenfalls immer wieder Tipps zur Lösung von Hardware-Problemen. Ebenso helfen Standwardwerke wie Linux. Das umfassende Handbuch von Michael Kofler hier weiter.

Mitunter hilft aber selbst die wirklich umfangreiche Linux-Community nicht weiter, beispielsweise wenn es sich um relativ ausgefallene Hardware-Komponenten handelt, für die es einfach keine Linux-Treiber gibt. Oder wenn eine Teilkomponente zum Auslieferungszeitpunkt einfach noch nicht ausgereift war. So bereitete beispielsweise das neue Soundsystem von Ubuntu Linux 8.04 seinerzeit vielen Anwendern Kopfzerbrechen, weil nach dem Update auf Ubuntu 8.04 die PCs und Notebooks stumm blieben und keinen Sound mehr abspielen konnten. Das ist zwar lange her, doch solche Probleme lassen sich auch im Herbst 2016 nicht völlig ausschließen.

Diese Ubuntu-Linux-Varianten gibt es

Solche Hardware-Probleme lassen sich aber elegant vermeiden, indem Sie von vornherein fertig konfigurierte PCs oder Notebooks mit Linux kaufen. Das Angebot ist hier allerdings noch dünn gestreut. Ein bekannter Anbieter von Desktop-Rechnern und Notebooks mit vorinstalliertem und speziell angepasstem Linux ist das deutsche Unternehmen Tuxedo.

Nagelneue Linux-Laptops mit edler Optik

MIttlerweile verkauft Tuxedo nicht nur verschiedene Notebook-Modelle mit Kunststoffgehäuse, sondern bietet mit dem Infinitybook sogar ein Notebook mit guter Haptik an, das hohe Alltagstauglichkeit beweist und obendrein mit edler Macbook-Optik glänzt. Dieses Tuxedo-Notebook bewährt sich sowohl im Langzeit-Praxistest als auch im Benchmark-Test.

Tuxedo unterhält mit MyTuxedo sogar einen eigenen Cloud-Dienst mit Serverstandort Deutschland. 

Unsere Einschätzung: Kaufen Sie fertig vorkonfigurierte Rechner mit Linux ab Hersteller. Recherchieren Sie aber unbedingt vor dem Kauf in Internetforen, wie gut die Konfiguration und der Support wirklich funktionieren.

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