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Fünf Gründe gegen Linux - darum scheitert der Umstieg (angeblich)

13.06.2016 | 15:02 Uhr |

Wir nennen die 5 häufigsten Gründe und Vorurteile, weswegen der Umstieg auf Linux scheitert und Anwender enttäuscht zu Windows zurückkehren. Und nennen Gegenargumente. Update 13.6.

Update 13.6.: Endlich gibt es nagelneue Linux-Laptops mit edler Optik

Gegen den Umstieg auf Linux führen Linux-Kritiker oft Hardware-Probleme ins Feld. Weil es für die neuesten Hardware-Komponenten oft keine Linux-Treiber gibt und Linux mit nagelneuer Hardware mitunter nicht zurecht kommt. Oder weil es besonders hochwertige Rechner mit vorinstalliertem Linux schlicht nicht gibt. Doch das ändernt sich, wie das Beispiel des Infinitybooks von Tuxedo zeigt. Das Infinitybook ist nicht nur rattenschnell, sondern bietet auch gute Haptik, beweist hohe Alltagstauglichkeit und glänzt obendrein mit edler Macbook-Optik.

Update Ende, Beginn des ursprünglichen Artikels

Windows 10 ist seit Sommer 2015 final erhältlich. Mit der neuen Windows-Version will Microsoft Nutzer besänftigen und zurückgewinnen, die von Windows 8/8.1 enttäuscht wurden und die vielleicht mit einem Wechsel von Windows zu Linux geliebäugelt haben. Anscheinend haben viele Windows-Anwender, die zu dem freien, kostenlosen und vergleichsweise sicheren Linux-Betriebssystem wechseln wollen, Probleme.

Unsere Schwesterpublikation PC-World hat einige Gründe aus Leserbriefen und Community-Beiträgen zusammengestellt, weswegen Windows-Anwender, die zu Linux wechseln wollten, frustriert aufgaben und zu Windows zurückkehrten. Insgesamt scheinen sich fünf Hauptgründe festmachen zu lassen, die dazu führen, dass der Umstieg von Windows auf Linux scheitert. Wir stellen diese fünf Gründe vor und bewerten deren Relevanz.

1. Das Lieblingsprogramm läuft nicht unter Linux

Meist sind es Profi-Programme von Adobe, insbesondere Photoshop und Dreamweaver, auf die Umsteiger von Windows auf Linux partout nicht verzichten wollen. Da hilft auch nicht der Hinweis auf GIMP - denn GIMP ist ungeachtet seiner Stärken kein vollwertiger Ersatz für Adobe. Insofern gilt: Wer wirklich alle Features von Photoshop benötigt, sollte entweder nicht vollständig auf Linux wechseln (und beispielsweise noch eine Partition mit Windows behalten) oder sich geeignete Virtualisierungslösungen wie Wine anschauen, unter denen sich Photoshop bis zu einem gewissen Grad auch auf Linux-Rechnern einsetzen lässt.

Photoshop, Reader und Air unter Linux nutzen - ein Überblick

Bei Photoshop und Dreamweaver handelt es sich aber um spezialisierte Profi-Werkzeuge für den Unternehmenseinsatz. Kaum ein Privatanwender benötigt wirklich alle Funktionen von Photoshop, der Funktionsumfang von GIMP dürfte für die meisten Anwender völlig ausreichen. Und Webseiten lassen sich auch ohne Dreamweaver erstellen, insbesondere in Zeiten, in denen Content-Management-Systeme und Blogsoftware wie Wordpress für viele professionelle Websites die Basis bilden .

Spielen unter Linux : Neben diesen professionellen Anwendungsprogrammen gibt es aber noch eine weitere Software-Gruppe, die gegen den Einsatz von Linux spricht: Spiele nämlich. Denn nach wie vor behandeln die Spiele-Publisher Linux zweit-, wenn nicht gar drittrangig. Immerhin bessert sich die Situation hier langsam etwas durch SteamOS und die Spiele-Plattform Steam von Valve.

Insgesamt konnte Linux an Attraktivität für Spieler in letzter Zeit durchaus hinzugewinnen. Es gibt mittlerweile eine Reihe von Möglichkeiten, um auf Linux-Rechnern hochwertige Spiele zu genießen. Beispielsweise gibt es das neue Weltkriegs-Strategiespiel Hearts of Iron IV von Anfang an auch für Linux.

Die besten Linux-Spiele für Steam, Ubuntu, Holarse, Gog, Shell

Privatanwender, die Linux verwenden und weder Photoshop benötigen noch viel daddeln, können trotzdem hin und wieder vor das Problem gestellt werden, dass sie plötzlich Windows bräuchten, beispielsweise wenn das Kind eine neue Lernsoftware mit nach Hause bringt, die nur unter Windows läuft. Hier hilft eventuell eine virtuelle Maschine weiter, in der Windows läuft. Oder aber es gibt die Lernsoftware auch als Apps für iOS und/oder Android, denn immer mehr Publisher wie USM bringen ihre bekannte Windows-Lernsoftware mittlerweile auch für die beiden wichtigsten mobilen Plattformen heraus. Das bietet sich dann als Ausweichmöglichkeit für Linux-Anwender an. Eine dritte Lösung wären Cloud-basierte Web-Anwendungen als Ersatz für solche Windows-Software.

Linux für jeden Zweck und jeden Anwender - der große Überblick

Unsere Einschätzung: Der Großteil der Privatanwender kann problemlos sofort zu Linux wechseln, ausgenommen Hardcore-Daddler. Insbesondere in Kombination mit einem iPad oder Android-Tablet steht dem Wechsel zu Linux nichts im Wege.

2. Die Hardware zickt

Grundsätzlich verfügt Linux mittlerweile über eine hervorragende Hardwareerkennung. Doch hin und wieder kommt es noch vor, dass eine bestimmte Grafikkarte oder ein UMTS-Stick den Dienst verweigert, nachdem man Linux installiert hat. Hier helfen eventuell Workarounds weiter, die man in den diversen Linux-Foren wie ubuntuusers und bei der PC-WELT findet. Unsere alle zwei Monate erscheinende LinuxWelt bietet ebenfalls immer wieder Tipps zur Lösung von Hardware-Problemen. Ebenso helfen Standwardwerke wie Linux. Das umfassende Handbuch von Michael Kofler hier weiter.

Mitunter hilft aber auch die wirklich umfangreiche Linux-Community nicht weiter, beispielsweise wenn es sich um relativ ausgefallene Hardware-Komponenten handelt, für die es einfach keine Linux-Treiber gibt. Oder wenn eine Teilkomponente zum Auslieferungszeitpunkt einfach noch nicht ausgereift war. So bereitete beispielsweise das neue Soundsystem von Ubuntu Linux 8.04 seinerzeit vielen Anwendern Kopfzerbrechen, weil nach dem Update auf Ubuntu 8.04 die PCs und Notebooks stumm blieben und keinen Sound mehr abspielen konnten. Das ist zwar lange her, doch solche Probleme lassen sich auch im Jahr 2016 nicht völlig ausschließen.

Diese Ubuntu-Linux-Varianten gibt es

Solche Hardware-Probleme lassen sich aber elegant vermeiden, indem Sie von vornherein fertig konfigurierte PCs oder Notebooks mit Linux kaufen. Das Angebot ist hier allerdings noch dünn gestreut. Ein bekannter Anbieter von Desktop-Rechnern und Notebooks mit vorinstalliertem und speziell angepasstem Linux ist das deutsche Unternehmen Tuxedo.

Mittlerweile bietet Tuxedo mit MyTuxedo sogar einen eigenen Cloud-Dienst mit Serverstandort Deutschland an. Und mit den InfinityBooks verkauft das in der Nähe von Augsburg angesiedelte Unternehmen Linux-Notebooks mit der hochwertigen Anmutung eines Macbooks. Dieses Tuxedo-Notebook bewährt sich sowohl im Langzeit-Praxistest als auch im Benchmark-Test.

Unsere Einschätzung: Kaufen Sie fertig vorkonfigurierte Rechner mit Linux ab Hersteller. Recherchieren Sie aber unbedingt vor dem Kauf in Internetforen, wie gut die Konfiguration und der Support wirklich funktionieren.

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