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Windows gut verkabelt: Fünf clevere Heimnetz-Tricks

21.08.2014 | 14:09 Uhr |

Windows möchte das Thema Netzwerk seit der Version 7 möglichst einfach machen. Es bleiben jedoch Defizite – die Sie mit Bordmitteln und Spezial-Tools simpel ausmerzen.

Ihre Netzwerkfähigkeiten haben aktuelle Windows-Versionen von Windows NT geerbt, das in den frühen 90er Jahren vornehmlich eine Rolle als Server-Betriebssystem spielte. Hier war erstmals die Unterstützung für TCP/IP, auf dem Ethernet basiert, ein fester und stabiler Bestandteil von Windows. selbst. Mit Vista hat Microsoft die Netzwerkunterstützung zuletzt gründlich überarbeitet und eine native Unterstützung für das zukünftige Internetprotokoll IPv6 ergänzt. Der Protokollstapel (Network Stack) sowie dessen Konfiguration wurden damit komplexer, gleichzeitig vereinfachte Microsoft allerdings auf der Oberfläche die Einrichtung von Windows-Netzwerken und führte ab Vista das „Netzwerk- und Freigabecenter“ in der Systemsteuerung ein.

Ab Windows 7 kamen zum einfachen Aufbau von kleinen Netzwerken noch „Heimnetzgruppen“ hinzu. Dadurch verstehen sich aktuelle Windows-Versionen untereinander sehr gut. Anders verhält es sich, wenn unterschiedliche Netzwerkteilnehmer wie Drucker, Smartphones, Tablets mit Android und NAS-Systeme mitmachen sollen oder wenn das Notebook in mehreren Netzen zu Hause ist.

Üble Sicht: Die Übersicht im Netzwerk- und Freigabecenter von Windows 7/8 ist nur bedingt brauchbar, da meist nur der Router und andere PCs mit aktueller Windows-Version zu sehen sind.
Vergrößern Üble Sicht: Die Übersicht im Netzwerk- und Freigabecenter von Windows 7/8 ist nur bedingt brauchbar, da meist nur der Router und andere PCs mit aktueller Windows-Version zu sehen sind.

1.Übersicht: Alle Geräte im Netzwerk finden

Ob drahtlos oder klassisches Ethernet: Ein Netzwerk ist zu Hause oder im Büro schnell eingerichtet, sofern ein Router mit DHCP automatisch Adressen an alle Netzwerkteilnehmer vergibt. Heute ist das der übliche Weg, da es in fast jedem Heimnetzwerk zumindest einen DSL-Router gibt, der einen DHCP-Server bietet. Dies hat den Nachteil, dass Sie die IP-Adressen einiger Geräte nicht exakt kennen und sich darauf verlassen müssen, dass Windows die anderen Netzwerkteilnehmer erkennt. Das gelingt jedoch nicht immer, so bieten Vista und 7 in der Systemsteuerung unter „Netzwerk und Internet ➞ Netzwerk- und Freigabecenter ➞ Gesamtübersicht anzeigen“ zwar eine Netzwerkübersicht, selten sind aber auch wirklich alle Teilnehmer zu sehen.

Probleme mit nicht-identifiziertem Netzwerk lösen

Findet gnadenlos alles: Der Angry IP Scanner klappert alle Adressen eines eingegebenen IP-Bereichs ab und kann bei gefundenen Teilnehmern einen PortScan vornehmen, um Geräte zu identifizieren.
Vergrößern Findet gnadenlos alles: Der Angry IP Scanner klappert alle Adressen eines eingegebenen IP-Bereichs ab und kann bei gefundenen Teilnehmern einen PortScan vornehmen, um Geräte zu identifizieren.

Besser zur Inventur geeignet ist der Angry IP Scanner . Das englischsprachige Open-Source-Tool kombiniert einen Netzwerk-Scanner mit einem Port-Scanner. Damit ist es in der Lage, einen angegebenen Adressbereich – beispielsweise 192.168.0.1 bis 192.168.1.254 – systematisch nach Netzwerkteilnehmern zu durchsuchen, und zeigt die gefundenen Geräte dann in einer Übersicht an. Falls vorhanden, auch gleich mit Computernamen, der in Windows-Netzwerken dem Net-BIOS-Namen entspricht. Der enthaltene Port-Scanner ist standardmäßig deaktiviert und lässt sich über die Option „Scan ports“ anknipsen, die sich bei einem Klick auf das Pfeilsymbol in der Menüleiste zeigt. Gewünschte Portnummern müssen Sie dabei manuell in den Eingabefeldern angeben. Beispielsweise Ports von 1 bis 65535, um bei gefundenen Geräten sämtliche Ports zu testen. Der Einsatz in Firmennetzwerken sollte gut überlegt und abgesprochen sein, da viele Admins verschnupft auf rigorose Scans reagieren. Empfehlenswert ist der Einsatz der älteren Version 2.21 von Angry IP Scanner, da diese Version ohne Java auskommt.

2. IPv6: Nur in Heimnetzgruppen wirklich nötig

Im Internet ist der Adressraum von IPv4-Adressen weitgehend erschöpft und ServerBetreiber sowie Service-Provider arbeiten mit Nachdruck an der überfälligen Umstellung auf IPv6. Im Heimnetzwerk besteht dieses Problem natürlich nicht, da es im lokalen Netzwerk mit einem C-Subklassennetzwerk mehr als genügend IPv4-Adressen für alle Geräte gibt. Ein weiteres Hindernis für die rasche Einführung sind DSL-Provider für Privatkunden, die zunächst abwarten, bis ein Großteil der Dienste und Server im Internet auch per IPv6 erreichbar ist, bevor es eine native Unterstützung für Privatanwender gibt. Die Telekom bietet seit Dezember 2012 für DSL-Privatkunden IPv6 an, dies ist jedoch zurzeit noch optional.

In Heimnetzwerken spielt IPv6 bisher keine Rolle. Allerdings ist das Protokoll schon ab Windows Vista standardmäßig aktiviert. Windows 7/8 brauchen IPv6 zudem für die Heimnetzgruppen, und ohne IPv6 steht die Funktion nicht zur Verfügung. Der Haken daran ist, dass einige Router und Netzwerk-Hardware auf IPv6-Pakete mit längeren Antwortzeiten und schlechterem Datendurchsatz reagieren. Wer IPv6 nicht zwingend benötigt und in Windows 7/8 keine Heimnetzgruppen nutzt, sollte es deshalb abschalten. Unter Windows Vista/7/8 öffnen Sie dazu das „Netzwerk und Freigabecenter“ und gehen links auf „Adaptereinstellungen ändern“. Im nächsten Fenster klicken Sie mit der rechten Maustaste auf das Symbol der Netzwerkverbindung und wählen „Eigenschaften“. In den Einstellungen entfernen Sie den Haken vor „Internetprotokoll Version 6 (TCP/IPv6)“ und klicken danach auf „OK“.

Netzwerk-Probleme systematisch lösen

3. TCP/IP-Autotuning: Nicht immer schneller

Bei TCP/IP, das in Windows-Netzwerken zum Einsatz kommt, muss die Gegenstelle empfangene Datenpakete bestätigen, ansonsten werden diese erneut geschickt. Wie groß die Datenpakete sein können, bis eine Bestätigung fällig ist, bestimmt das „TCP Receive Window“. Ab Vista passt Windows dessen Größe dynamisch an, was die Datenübertragung zu anderen Windows-PCs unter Umständen beschleunigt. In gemischten Netzen mit WLAN-Routern und Android-Geräten kann das Verhalten aber das Gegenteil bewirken, sodass die Verbindung langsamer wird oder regelmäßig abbricht.

TCP/IP-Autotuning abschalten: Die dynamische Anpassung von Verbindungskapazität unter Windows kann für Verbindungsprobleme sorgen und lässt sich mit diesem Befehl deaktivieren.
Vergrößern TCP/IP-Autotuning abschalten: Die dynamische Anpassung von Verbindungskapazität unter Windows kann für Verbindungsprobleme sorgen und lässt sich mit diesem Befehl deaktivieren.

Wenn Sie dieses Problem bei Windows Vista/7/8 feststellen, lohnt es sich, das TCP/IP-Autotuning testweise abzuschalten. Starten Sie dazu ein Fenster der Eingabeaufforderung mit Administrator-Rechten und geben Sie dort den folgenden Befehl ein:

netsh interface tcp set global autotuning=disabled

Kontrollieren lässt sich die aktuelle Einstellung mit diesem Kommando:

netsh interface tcp show global

Steht in der Ausgabe des Befehls „Autom. Abstimmungsgrad Empfangsfenster: disabled“, so ist das Autotuning abgeschaltet. Wieder einschalten lässt es sich dann übrigens mit folgendem Befehl:

netsh interface tcp set global autotuning=normal

4. Fähigkeiten nachrüsten: Zugriff über SSH

Während sich SSH als sichere, weil verschlüsselte Alternative zu FTP durchsetzt und bei der Kommunikation mit Servern und zum Datenaustausch zwischen Hosts im Internet zum Quasi-Standard wurde, kann Windows ohne Hilfsmittel weiterhin nicht mit dem Protokoll umgehen. Wer zur Datenübertragung SSH braucht, weil etwa der eigene Webserver oder ein Firmen-PC nur über dieses Protokoll erreichbar ist, bekommt mit Filezilla einen fähigen und kostenlosen Client für den Dateitransfer.

Mittlerweile gibt es für den beliebten Total Commander ebenfalls einen SSH-Client, der dem Dateimanager mit etwas Aufwand auch SSH beibringt. Dazu ist das Plug-in SFTP 1.4.1 erforderlich. Das Plug-in wird in das Unterverzeichnis „ \plugins\wfx\sftpplug “ im Programmordner von Total Commander entpackt oder einfach im Total Commander doppelt angeklickt. Der Dateimanager erkennt automatisch, dass es sich um ein Plug-in handelt, und schlägt von sich aus dessen Installation vor. Damit dies funktioniert, brauchen Sie jedoch noch eine weitere Komponente, denn die SSH-Fähigkeiten leiht sich das Plug-in vom Open-Source-Tool Open SSH. Der folgende Schritt erfordert Aufmerksamkeit, da Sie für die 64- und 32-Bit-Version von Total Commander jeweils andere Bibliotheken manuell nachrüsten müssen.

So erweitern Sie Ihr WLAN-Netzwerk

SSH für Total Commander: In das Plug-in-Unterverzeichnis müssen Sie dann noch einige Programmbibliotheken des Open-Source-Programms Open SSH kopieren, hier die 64-Bit-Version.
Vergrößern SSH für Total Commander: In das Plug-in-Unterverzeichnis müssen Sie dann noch einige Programmbibliotheken des Open-Source-Programms Open SSH kopieren, hier die 64-Bit-Version.

64 Bit: Laden Sie dazu das 7-Zip-Archiv namens „ MinGW64 7.29.0 devel SSL SSH “ herunter und entpacken Sie dessen Inhalt in ein temporäres Verzeichnis. Dort finden Sie den Unterordner „bin“, dessen Inhalt Sie in das Unterverzeichnis „\plugins\wfx\sftpplug“ von Total Commander kopieren, wo bereits das zuvor installierte Plug-in liegt. Zum Entpacken des Archivformats benötigen Sie den Packer 7-Zip .

32 Bit: Für diese Total-Commander-Version brauchen Sie andere Bibliotheken, die Sie unter dem Namen „ Win32 2000/XP 7.29.0 libcurl SSL “ finden. Entpacken Sie dieses 7-Zip-Archiv wie die 64-Bit-Version und kopieren Sie den Ordnerinhalt „bin“ in das Plug-in-Unterverzeichnis „\plugins\wfx\sftpplug“. Nach der Einrichtung und einem Neustart von Total Commander finden Sie hier die neue Funktion in der „Netzwerkumgebung“, die Sie mithilfe der Tastenkombination Alt-F1 beziehungsweise F2 in einem der Dateifenster öffnen. Für SSH-Verbindungen gibt es dort den neuen Punkt „Secure FTP“, nach einem Klick darauf bietet der Eintrag „Schnellverbindung“ ein Menü zur Verbindung mit dem gewünschten Server.

5. Netsetman: In mehreren Netzen zu Hause

Ab Windows Vista erkennt das System das Netzwerk, mit dem es verbunden ist, über die Funktion „Network Location Awareness“. Bei wechselnden Netzwerkverbindungen fragt Windows bei der ersten Verbindung nach, ob es sich um ein Heimnetzwerk, ein Arbeitsplatznetzwerk oder ein öffentliches Netzwerk handelt. Für diese Kategorie gelten dann restriktive Firewall-Einstellungen.

Wenn ein Notebook aber in verschiedenen Heim- und Arbeitsplatznetzwerken mit jeweils unterschiedlichen Einstellungen unterwegs sein soll, genügt diese Kategorisierung nach Sicherheitsaspekten nicht. Um unterschiedliche Netzwerkprofile zu verwalten sowie bei Bedarf in Kraft zu setzen, eignet sich die Freeware Netsetman , die die Einrichtung von bis zu sechs Netzwerkprofilen für Windows XP/Vista/7 und neuerdings für Windows 8 ermöglicht. Der Clou dabei ist, dass Sie mit den Profilen nicht nur manuell konfigurierte IP-Adressen und Gateways verwalten. Sie können auch unterschiedliche Einstellungen für Computername, Arbeitsgruppe sowie Standarddrucker festlegen. Für den schnellen Zugriff lässt sich Netsetman in den Infobereich der Taskleiste verkleinern. Das Tool liegt auf Deutsch vor und ist kostenlos für die private Nutzung.

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