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Entstörungsdienst: Nervige Windows-Funktionen im Griff

17.10.2014 | 12:01 Uhr |

Oft sind es Kleinigkeiten, die stören und ein zügiges Fortkommen behindern. Viele Windows-Nutzer nehmen solche Widrigkeiten achselzuckend hin – doch das muss gar nicht sein.

Dieser Ratgeber benennt Windows-Mängel und Nervereien, zeigt aber vor allem, was Sie dagegen unternehmen können. Die Tipps und Tools gelten vorrangig für Windows 7 und 8, die meisten aber auch für XP und Vista. Für einige Windows-Nervereien nehmen wir Ihnen mit kleinen Hilfsprogrammen die lästige Wühlarbeit in Systemzentralen wie der Registry ab. Alle genannten Programme finden Sie Online. Im Text sind Tastenkombinationen jeweils mit „-“ gekoppelt dargestellt.

Text aus der Zwischenablage: Die Standard-Hotkeys bleiben erhalten, doppeltes Strg-V liefert puren Text.
Vergrößern Text aus der Zwischenablage: Die Standard-Hotkeys bleiben erhalten, doppeltes Strg-V liefert puren Text.

1. Nur-Text aus der Zwischenablage (Windows XP, Vista, 7, 8)

Wenn Sie etwas mit Strg-C kopieren, landet die Kopie in der Zwischenablage. Das funktioniert mit Dateien, Texten oder auch Bildern. Wenn Sie die Kopie mit Strg-V einfügen, erhalten Sie aber nicht immer das erwartete Resultat. Oft kommen unerwünschte Formatierungen mit. Dass die Zwischenablage diverse Formate beherrscht, ist sinnvoll. Aber es sollte einen schnellen Weg geben, um puren Text einzufügen. Genau hier greift das Autohotkey-Tool Plain Paste , das die PC-WELT ins Deutsche übersetzt hat. Rufen Sie es per Doppelklick auf – ein Symbol im Infobereich der Taskleiste signalisiert, dass es läuft. Wenn Sie nun Strg-V zweimal schnell hintereinander drücken, wird purer Text eingefügt. Um genau zu sein: Sie halten die Strg-Taste und drücken doppelt auf die Taste V. Die übliche Funktionalität von Strg-V bleibt erhalten.

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2. Zwischenablage erweitern (Windows XP, Vista, 7, 8)

Die Zwischenablage kann immer nur genau ein Element (Text, Grafik, Musik) aufnehmen. Für das Sammeln von Textteilen wären mehrere Ablagen wünschenswert. Zum Sammeln von Texten ist das englischsprachige Tool Ditto ideal. Die Texte kopieren Sie wie gewohnt mit Strg-C in die Zwischenablage. Ditto übernimmt praktisch beliebig viele Texte in seine Sammlung – per Voreinstellung sind es hundert Einträge. Später öffnen Sie die Textverarbeitung Ihrer Wahl und klicken auf das Ditto-Icon in der Taskleiste. Die ausgewählten Texte landen dann per Doppelklick im Textprogramm. Mit der Option „Always on top“ (Strg-Leertaste) halten Sie die Textsammlung im Vordergrund. Den undurchsichtigen Optionsdialog sollten Sie dem technisch guten Tool nachsehen.

3. Fenster unter Mauszeiger scrollen (Windows XP, Vista, 7, 8)

Wenn Sie am Mausrad drehen, blättert Windows im aktuell aktiven Fenster mit dem Eingabe-Fokus. Da der Eingabefokus im Vorfeld jedoch nicht immer zu erkennen ist, scrollt man oft im falschen Fenster: Dann müssen Sie noch einmal klicken, um das richtige Fenster zu aktivieren.Unser Tool pcwHoverWheel verbessert den Mauskomfort. Nach dem Aufruf per Doppelklick erscheint das Icon im Infobereich der Taskleiste. Nun fahren Sie mit der Maus auf ein Fenster, das gerade nicht aktiv ist, und betätigen das Mausrad: Anders als beim Standard-Windows blättern Sie jetzt immer in dem Fenster, auf dem der Mauszeiger gerade steht.

Ändern der NTFS-Rechte ist eine der härtesten Windows-Strafen: Der abgebildete Dialogsalat bei Windows 7 ist unter Windows 8 immerhin leicht entschärft.
Vergrößern Ändern der NTFS-Rechte ist eine der härtesten Windows-Strafen: Der abgebildete Dialogsalat bei Windows 7 ist unter Windows 8 immerhin leicht entschärft.

4. NTFS-Rechte verändern (Windows XP, Vista, 7, 8)

Das Ändern von Ordner- und Dateirechten ist auf der grafischen Oberfläche nach Rechtsklick „Eigenschaften ➞ Sicherheit“ ebenso kompliziert wie mit Kommandozeilen-Tools. Oft verweigert Windows auch nach mehrfachen Versuchen immer noch den Zugriff. PC-WELT empfiehlt hierfür die kleine Shell-Erweiterung pcwMyRights (enthalten im Archiv PC-WELT-Win-Helper.zip). Das Tool gibt es in zwei Versionen – eine für XP, die zweite für Windows Vista, 7 und 8.Importieren Sie die passende Datei per Doppelklick in Ihr System. XP zeigt das Rechtsklickmenü „Besitz übernehmen“ bei allen Ordnern und Dateien.

In den neueren Versionen bleibt die Erweiterung dezent ausgeblendet, da man sie nicht ständig benötigt; hier drücken Sie in einem Konto mit Admin-Rechten beim Rechtsklick zusätzlich die Umschalt-Taste, um das Menü „Besitz übernehmen“ einzublenden. Eventuelle Nachfragen des Explorers beantworten Sie mit „Ja, alle“.Nach der Besitzübernahme mit dem Takeown-Tool erhalten die Gruppen „Administratoren“ sowie „Authentifizierte Benutzer“ das Vollzugriffsrecht mit dem Windows-Tool Icacls. Da die Gruppen „Administratoren“ und „Authentifizierte Benutzer“ auf englischsprachigen Systemen „Administrators“ und „Users“ heißen, funktioniert pcwMyRights nur auf einem deutschsprachigen Windows.

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5. Die Tastatur umbelegen (Windows XP, Vista, 7, 8)

Die Capslock- oder Feststell-Taste, die dauerhaft auf Großbuchstaben umstellt, ist ein häufiges Ärgernis. Bis man das versehentliche Umstellen bemerkt, ist oft schon ein halber Satz geschrieben. Eine nachhaltige Maßnahme ist es, die Taste einfach anders zu belegen – eine Aufgabe, die das Tool Remapkey 0.99 beherrscht. Remapkey ist Bestandteil der uralten Windows Server 2003 Resource Kit Tools, läuft aber in allen aktuellen Windows-Versionen. Windows 8 meldet Kompatibilitätsprobleme, die Sie ignorieren können. Remapkey benötigt Administratorrechte („Als Administrator ausführen“).

Umbelegen einzelner Tasten: Spezial-Tools setzen ungeliebte Tasten problemlos außer Gefecht. Die Aktion erfordert aber sorgfältige Planung.
Vergrößern Umbelegen einzelner Tasten: Spezial-Tools setzen ungeliebte Tasten problemlos außer Gefecht. Die Aktion erfordert aber sorgfältige Planung.

Ziehen Sie nach dem Start mit der Maus in der oberen Hälfte („Base Keyboard“) die gewünschte Taste auf jene, die Sie umbelegen, wollen – also etwa Alt Gr auf die Feststelltaste und „ß“ auf die rechte Windows-Taste. Die Feststelltaste, sofern Sie sie ab und an brauchen, können Sie ferner auf eine unbenutzte Taste ziehen. Damit verhindern Sie versehentliches Capslock und machen den Backslash mit Alt Gr und rechte Windows-Taste erreichbar. Mit „Save and Exit“ speichern Sie die Belegung in der Registry. Die gilt dann ab dem nächsten Neustart. Eine Ergänzung zu Remapkey ist Sharp Keys 3.0 . Es bietet keine Tastaturabbildung, so dass die Tasten manuell umbelegt werden müssen. Aber Sharp Keys zeigt alle Umbelegungen übersichtlich an und macht sie bequem einzeln oder insgesamt rückgängig.

6. Weg mit dem Kompatibilitätsassistenten (Windows 7, 8)

Der relativ neue Kompatibilitätsassistent meint öfter mal, ein Programm sei „möglicherweise nicht richtig installiert“. Er bietet dann eine neuerliche Installation an, wobei unter der Haube bestimmte Kompatibilitätseinstellungen gesetzt werden. Sie werden selbst feststellen, ob Sie dieser Dienst in Ihrem Windows-Alltag häufig belästigt. Falls ja, starten Sie nach Win-R über den „Ausführen“-Dialog mit Services.msc die Dienste-Konsole. Hier lässt sich der „Programmkompatibilitäts-Assistent-Dienst“ (PcaSvc) leicht abschalten, indem Sie bei Starttyp „Deaktiviert“ festlegen und dies mit „OK“ bestätigen.

7. Bibliotheken entfernen (Windows Vista, 7, 8)

Die Windows-Bibliotheken sind ein umfassendes Konzept, das sich nicht nur auf die Ordnerstruktur auswirkt. Indizierung, Sicherung, Heimnetzgruppe, Media Player, Media Center, Fotogalerie – alles bezieht sich auf die Bibliotheken. Viele Benutzer ziehen aber ihre eigene Organisation vor.

Wenn Sie Bibliotheken-Ballast abwerfen wollen, können Sie selbst über den Umfang entscheiden:

1. Möchten Sie lediglich, dass der über die Taskleiste gestartete Explorer statt der Bibliotheken die „Computer“-Ebene mit den Laufwerken anzeigt? Dazu klicken Sie rechts auf das Taskleistensymbol und nochmal rechts auf „Windows-Explorer“. Im Dialog „Eigenschaften ➞ Verknüpfung“ erweitern Sie neben „Ziel“ das bisherige „explorer.exe“ zu „explorer.exe /e,“.

2. Um die Bibliotheken im Navigationsbereich des Explorers und die Option „In Bibliothek aufnehmen“ zu deaktivieren, genügt das Löschen eines einzigen Registry-Schlüssels. Das erledigt die Datei „Bibliotheken-im-Explorer-deaktivieren.reg“ (im Archiv PC-WELT- Win-Helper.zip ). Das Archiv enthält auch „Bibliotheken-im-Explorer-reaktivieren.reg“, um den Schlüssel zu reimportieren. Beide Aktionen erfordern eine Neuanmeldung.

3. Sie können die Bibliotheken komplett entsorgen, indem Sie eine Reihe von Registry-Schlüsseln entfernen. Die Aktion kann die Datei „Bibliotheken-in-Windows-deaktivieren.reg“ automatisch ausführen (im Archiv Reg_Imports.zip ). Zum Wiederherstellen des Originalzustands gibt es die „Import-Datei Bibliotheken-in-Windows-reaktivieren.reg“. Beachten Sie, dass beides einen erheblichen Eingriff in das System bedeutet.

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8. Ordneransichten generalisieren (Windows Vista, 7, 8)

Windows Vista, 7, 8 interpretieren den Inhalt von Ordnern und zeigen die Dateien dann in der ihnen passenden Ansicht. Deshalb ist es nicht mehr möglich, eine Ansicht systemweit festzulegen. Sie können aber für die fünf vorgegebenen Ordnertypen je eine Ansichtsvorlage festlegen. Stellen Sie in einem beliebigen Ordner die Ansicht wunschgemäß ein. Nach Drücken der Alt-Taste und Auswählen von „Extras ➞ Ordneroptionen ➞ Ansicht“ übertragen Sie diese Vorgabe auf alle typgleichen Ordner. Dazu klicken Sie auf „Für Ordner übernehmen“. Für welchen Ordnertyp Windows den aktuellen Ordner hält, können Sie nach Rechtsklick unter „Eigenschaften ➞ Anpassen“ prüfen.

Zur Wahl stehen „Allgemeine Elemente“, „Dokumente“, „Bilder“, „Musik“, „Videos“. Um für die fünf Benutzerordnertypen ein einheitliches Aussehen zu schaffen, müssen Sie den beschriebenen Weg fünfmal gehen und dabei auf den korrekten Ordnertyp achten. Ordneransichten, die Sie schon einmal manuell geändert haben, sind in der Registry vermerkt und ignorieren Ihre neue Standardansicht. Um radikal aufzuräumen, verwenden Sie am besten die Datei „ Ordneransichten-zurücksetzen_Win_6.1-7-8.reg “. Sie löscht drei Schlüssel mit Ordnereinträgen aus der Registry und setzt „Allgemeine Elemente“ als Standardtyp. Nachdem Sie den Import per Doppelklick erledigt haben, setzen Sie in einem beliebigen Ordner den neuen Ansichtsstandard – wie oben beschrieben.

9. Windows-Update entschärfen (Windows Vista, 7, 8)

Ein unbeaufsichtigtes Windows, das Sicherheits-Updates erhalten hat, ist ungeduldig. Bei Nichtbenutzung des PCs fährt das System nach einiger Zeit einfach herunter und startet neu – ohne Rücksicht auf geöffnete Dateien und Programme. Den Zwangsneustart können Sie abschalten: Starten Sie Regedit.exe, und gehen Sie zum Schlüssel „Hkey_Local_Machine\Software\Policies\Microsoft\Windows\WindowsUpdate\AU“. Im rechten Wertefenster legen Sie nach Rechtsklick mit „Neu, DWORD-Wert (32Bit)“ den Eintrag „NoAutoRebootWithLoggedOnUsers“ an – falls nicht bereits vorhanden. Nach Doppelklick vergeben Sie den Wert „1“. Die Aktion können Sie sich mit der Datei Wupdate-NoAutoReboot.reg vereinfachen.

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10. Problemberichterstattung abschalten (Windows 7, 8)

Windows will Programmfehler und Abstürze an Microsoft melden. Wenn Sie Microsoft unterstützen wollen, lassen Sie die standardmäßig aktivierte Problemberichterstattung aktiviert. Fakt ist aber, dass die Sendeaktion an den Microsoft-Server die Arbeitsunterbrechung zusätzlich verlängert. Die Funktion lässt sich ganz regulär in der Systemsteuerung abschalten: Suchen Sie mit dem Suchfeld nach „Problembericht“ und „Art der Problemberichterstattung auswählen“. Die unterste Option schaltet den Problembericht ganz ab, die vorletzte Option („Bestätigung“ vor der Online-Suche) entschärft ihn.

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