Anwenderfreundlicher, stabiler und nicht mehr auf DOS-Basis: So lauteten die Ankündigungen für die Windows Millennium Edition (ME). Diese Versprechen kann die Version kaum erfüllen: Die Neuerungen liegen vor allem im Detail, zahlreiche neue Funktionen werden versierte Windows-Nutzer vergeblich suchen.

Beim Versuch, mit Windows ME die Versionen 9.x und NT auf eine gemeinsame Codebasis zu stellen, ist Microsoft gescheitert. Der Test des Release Candidate 1 bei tecChannel hat gezeigt, dass Windows ME zwar viele Features bieten wird, die bisher Windows 9.x vorbehalten waren, aber noch lange nicht als Consumer-Betriebssystem durchgeht. Entgegen der Microsoft-Ankündigung ist auch in Windows ME die MS-DOS-Eingabeaufforderung noch enthalten, ganz verschwunden ist hier lediglich die Option "Im MS-DOS-Modus starten".

Die Verbesserungen der neuen Version liegen eher im Detail: "Einfacher" lautete die oberste Maxime der Programmierer. Und dies bezieht sich nicht nur auf die Vereinfachung von Arbeitsabläufen, sondern vielfach auch auf Dialogboxen, etwa bei der Beschreibung der Installationsoptionen, bei deren Formulierung die Vorschläge von Betatestern eingeflossen sind.

Wichtige, aber oft vergessene Aufgaben wie das regelmäßige Defragmentieren der Festplatte oder das Löschen temporärer Dateien kann bei ME der Maintenance Wizard übernehmen. Praktisch ist auch der ZIP-Support, wenn es darum geht, auf dem Rechner Platz zu sparen. Mit dieser Zusatzfunktion kann mit gezippten Dateien ebenso wie mit normalen Verzeichnissen gearbeitet werden.

Mit dem integrierten Home Networking Wizard ist das richtige Installieren von Netzwerken unter Windows ME einfacher als bisher. Allerdings installiert der Wizard als Netzwerkprotokoll NetBEUI und nicht TCP/IP, was vermutlich darauf zurückzuführen ist, dass Microsoft dafür keine wirklich einfache Lösung gefunden hat. Dafür kann man mit dem Wizard eine Installationsdiskette erstellen, auf der aktuelle Treiber für Windows 95 und 98 abgespeichert sind, so dass auch diese Systeme in das Heim-PC-Netzwerk eingebunden werden können.

Fest im Betriebssystem integriert sind der Internet Explorer 5.5 und der Media Player 7. Auch der MSN-Messenger kann mit dem Betriebssystem installiert werden, lässt sich aber im Gegensatz zu den obigen Anwendungen wieder von der Festplatte löschen. Neu bei den Funktionen des Media Player 7 ist etwa das Kopieren von Musik-CDs auf die Festplatte und die Option, über eigene Skins das Aussehen des Players zu verändern.

Erweitert wurden die Multimedia-Funktionen etwa mit dem Movie Maker, der es Heimanwendern möglich macht, relativ einfach aus Videosequenzen eigene Filme zusammenzustellen. Zwar ist das Programm weniger leistungsfähig als andere kommerzielle Produkte, dafür aber kostenlos integriert und hat eine leicht zu bedienende Oberfläche.

Als tatsächlich wichtige Neuerung enthält Windows ME das Programm System Restore. Mit diesem integrierten Tool bietet Windows endlich die Möglichkeit, Systemeigenschaften sichern und wiederherstellen zu können. Das Programm legt eine Kopie der aktuellen Registry an, die man zurück holen kann, wenn einmal Fehler auftreten. Jeder Sicherungssatz läßt sich dabei mit Datum und Beschreibung versehen.

Wichtige System-DLLs bringt Windows ME außerdem in einem geschützten Bereich unter, so dass man sie nicht zufällig überschreiben kann - ein Feature, das aus Windows 2000 stammt. Gar so empfindlich soll die neue Version außerdem nicht mehr sein: Die Fähigkeit aus Windows 2000, wichtige System-DLLs selbständig zu reparieren, wurde ebenfalls integriert.

Windows-Neulinge wird die Millennium Edition den Einstieg sicher erleichtern. Versierte Nutzer des Betriebssystems werden allerdings kaum essenzielle Änderungen vorfinden, die den Preis für das Upgrade rechtfertigen. Außerdem lassen sich einige Zusatzfunktionen wie der ZIP-Support auch durch preiswerte Tools wie WinZip ersetzen, die noch dazu leistungsfähiger sind.

Wirklich interessant wird wohl erst der nächste Entwicklungsschritt des Microsoft-Produktes sein, also die Vereinigung von Windows ME und Windows 2000 zu einer gemeinsamen Codebasis. Derzeit läuft dieses Projekt unter dem Namen Whistler und soll voraussichtlich im März 2001 fertiggestellt werden.

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