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Windows 8: Task- und Speichermanagement

18.10.2012 | 17:12 Uhr |

Windows 8 ist mehr noch als Windows 7 auf Ökonomie getrimmt. Trotz zusätzlicher Modern UI, Windows RT-Interpreter und Live-Kacheln kommt Windows 8 mit weniger Ressourcen zurecht.

Es gibt eine Reihe von technischen Maßnahmen, die Windows 8 zum besseren Eco-System machen. Die wichtigsten skizzieren wir hier:
 

Suspended Modern Apps : Modern Apps wie „Foto“, „Video“ oder „Mail“ werden nach kurzer Inaktivität automatisch “angehalten” (“suspended”). Der CPU-Verbrauch einer angehaltenen App Bedarf sinkt dabei definitiv auf 0, der weitere Speicherkonsum richtet sich nach der allgemeinen Situation am Gerät: Steht ausreichend freier Speicher zur Verfügung behält die inaktive App ihre Speicherseiten zunächst. Bei längerer Inaktivität, vor allem aber bei Speicheranforderungen aktiver Programme geben die Apps ihre Speicherseiten fast komplett frei.
Aufgrund dieses Speichermanagements hält es Microsoft technisch eigentlich für unnötig, Modern Apps zu schließen. Ganz können wir uns dieser optimistischen Haltung nicht anschließen: Die Speicherseiten angehaltener Apps werden auf die Festplatte ausgelagert. Wie schnell und wie ruhig dies geschieht, hängt von der Qualität der Platte ab; beim Re-Aktivieren einer schlafenden App gilt dasselbe.
 
Reduzierter Footprint : Microsoft hat Windows-Kernkomponenten wie den Explorer oder den Desktop Window Manager optimiert und deren Speicherbedarf verringert.
Eine weitere einfache Maßnahme ist der sparsamere Einsatz von Services (System-Dienste). Es ist nicht so, dass Windows 8 bewährte Dienste für überflüssig erklären würde. Jedoch werden Dienste, die unter Windows 7 und Vista permanent laufen (Dienstekonsole Services.msc “Starttyp: Automatisch”) unter Windows 8 nur noch ad hoc gestartet, also wenn sie wirklich benötigt werden (“Starttyp: Manuell”).
Eher marginal ist eine dritte, allgemeine Sparmaßnahme: Das Speichermanagement von Windows 8 hat eine verbesserte Priorisierung. Speicheranforderungen mit explizit niedriger Priorität werden umgehend wieder geräumt. Dabei muss allerdings ein Programm den Speicher aktiv und freiwillig mit “low priority” anfordern.
                                        

Memory Combining reduziert den "privaten" Speicherbedarf vieler Programme (alle Zahlenangaben in MB).
Vergrößern Memory Combining reduziert den "privaten" Speicherbedarf vieler Programme (alle Zahlenangaben in MB).

Memory Combining : Fast alle Anwendungen, Systemprogramme und Tools profitieren vom verbesserten Speichermanagement, ungeachtet ihrer Herkunft und ihres Alters. Viele Windows-Programme nutzen nämlich identische Windows-Bibliotheken (Dynamic Link Libraries – DLLs). Folglich gibt es im Multitasking bei vielen geladenen Programmen immer redundante Kopien gleichen Inhalts im Arbeitsspeicher. Das verbesserte Speichermanagement erkennt und beseitigt diese überflüssigen Kopien, stellt aber die Speicherseiten einem Programm umgehend wieder zur Verfügung, sobald dies notwendig ist. Die Software bekommt davon nichts mit und muss auch nicht speziell angepasst werden, um hier mitspielen zu können.
 
Wie durchschlagend sich das “Memory Combining” auswirkt, hängt aber offensichtlich stark davon ab, wie viele Funktionen ein Programm aus allgemeinen Windows-Bibliotheken bezieht. So hat etwa ein VLC Media Player unter Windows 8 denselben Speicherbedarf wie unter älteren Systemen, während etwa selbst-kompilierte Autohotkey-Tools, die praktisch komplett auf Windows-Funktionen basieren, unter Windows 8 nur noch die Hälfte des Speichers erfordern.
 
Spareffekte beim CPU-Verbrauch : Als System für Akku-betriebene Geräte will Windows 8 auch Maßstäbe bei der Akkulaufzeit setzen und die CPU-Auslastung reduzieren. Beim Messen eines typisch CPU-intensiven Tasks - das Abspielen eines Videos - ergeben sich tatsächlich deutliche Unterschiede zu Windows 7:
In Windows 7 konsumiert der Windows Media Player während der Film-Wiedergabe im Schnitt 56 Prozent der CPU . Unter Windows 8 arbeitet der Player mit nur noch 34 Prozent CPU-Belastung. Die unter Windows 8 als Standardplayer bevorzugte Modern-UI-App „Video“ kann dabei nicht zusätzlich punkten: Sie liegt mit 36 Prozent etwa gleichauf mit dem Desktop-Programm.
Diese Optimierung gilt allerdings nur für Grafik- und Videodarstellung: Hier nutzt Windows 8 verstärkt die Möglichkeit, den Prozessor durch den Grafikchip (GPU) zu entlasten.

Lesen Sie hier alle Details zu allen Windows-8-Versionen.

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Was ist Windows 8?

Das neue Microsoft-Betriebssystem ist der Nachfolger von Windows 7 und erschien am 26. Oktober 2012. Windows 8 baut auf seinen sehr erfolgreichen Vorgänger auf und enthält den neuen Kachel-Startbildschirm, der sich an der Oberfläche mit rechteckigen Kästen orientiert, die Microsoft mit Windows Phone 7 eingeführt und später auch bei der Xbox 360 integriert hat. Der zunächst eingeführte Begriff der "Metro-Oberfläche" wurde kurz vor dem Start aus rechtlichen Gründen zurückgezogen. Inzwischen spricht Microsoft von "Windows-Live-Tiles".

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