Windows 8

Windows 8 macht den PC zur Medienzentrale

Donnerstag den 21.06.2012 um 09:22 Uhr

von Friederike Jubel

Bildergalerie öffnen Windows 8 bietet nun auch eine Online-Videothek und einen Musik-Store.
Mit Windows 8 wird der PC immer mehr zur Entertainment-Zentrale. Der klassische Computer-Arbeitsplatz tritt in den Hintergrund.
Windows 8 ist als übergreifende Plattform geplant, die vom Smartphone bis zum stationären PC die verschiedensten Geräteklassen abdecken und mit einander vernetzen soll. Betrachtet man den Datentraffic, entfielen bereits 2011 44 Prozent des Datenvolumens auf Videos, davon immerhin bereits 6 Prozent auf IP-Fernsehen. Windows 8 trägt dem Rechnung und wartet mit runderneuerten Multimedia-Funktionen auf. Kacheln für direkten Zugriff auf die Musik-, Bilder- und Video-Bibliotheken sind auf der Startseite platziert.


Im Hintergrund hat sich einiges getan. Microsoft hat das Decoding für Video und Audio so weit möglich von der CPU weg verlagert. Für Videos wird das Decoding beispielsweise zum Teil an die GPU ausgelagert. Audio-Decoding erfolgt nicht mehr in kleinen Paketen sondern möglichst im Ganzen, wodurch die CPU längere, zusammenhängende Ruhephasen erhält. Das alles dient zum einen der Senkung des Stromverbrauchs und damit Verlängerung der Akkulaufzeit für mobile Geräte als auch zur Verringerung von Latenzzeiten beim Codieren und Streamen. Der Audio-Mixer wurde ebenfalls überarbeitet. Im Normalfall ist immer nur der Audio-Stream im Vordergrund aktiv. Es dürfen überhaupt nur noch wenige Medien im Hintergrund aktiv laufen. Dazu gehören Audio-Playlisten und Kommunikationsdienste wie Skype, Voice-over-IP und Live-Chat.


Das Windows Media Center, das lange zum Lieferumfang von Windows gehörte, soll mit Windows 8 nur noch als kostenpflichtige Erweiterung zu haben sein. Damit geht Microsoft einen logischen Schritt weiter, nachdem bei Windows 7 bereits Versionen ohne Media Center zu haben waren. Wer sich in der Preview das Media Center ansehen möchte, kann das noch kostenlos tun. Die Anleitung zum kostenlosen Nachinstallieren des Media Centers finden Sie in unserem Artikel "Windows8 RP: Windows Media Center freischalten - so geht´s" . Der Windows Media Player ist nach wie vor verfügbar, es gibt jedoch kein Bordmittel mehr zum Brennen von CDs oder DVDs. Hier müssen Sie auf Extra-Tools zurückgreifen.


Doch bereits mit den Bordmitteln haben Sie Zugriff auf umfangreiche Bibliotheken mit Videos und Musik. Die Foto-App verbindet den Rechner mit lokalen Bilder-Ordnern und Facebook und Flickr. Über XBOX Live haben Sie die Möglichkeit, Videos zu kaufen beziehungsweise zu leihen oder können Musik-Dateien erwerben. Die Bezahlung erfolgt in Microsoft Points. Dabei entsprechen 500 Microsoft Points derzeit 6 Euro. Für die Abrechnung ist die Angabe einer Kreditkarte erforderlich. Als Alternative ist die Eingabe eines (Gutschein-)Codes möglich. Abbuchung, Paypal oder ähnliches ist nicht vorgesehen.


Der Leihvorgang bei Videos geht recht einfach. Sie wählen in der Video-App einen Film aus, sehen sich gegebenenfalls noch die hinterlegte Beschreibung zum Film durch und klicken dann auf „leihen“ oder „kaufen“. Daraufhin leitet die App Sie auf eine Seite weiter, die zum einen die gewählte Übertragungsart und –auflösung (HD oder SD) sowie den Preis für diese Option anzeigt. Über den Link "Anzeigeoptionen ändern" können Sie neben der Auswahl der Auflösung noch angeben, ob Sie den Film streamen oder herunterladen wollen. Gerade für Nutzer mit langsamen Internet-Anbindungen kann letzteres sinnvoller sein. Sie können so den Download des Films beispielsweise am Morgen starten und haben am Abend den Film fertig heruntergeladen auf der Festplatte und können ihn in Ruhe ansehen.

Die Leihdauer beträgt 24 Stunden ab dem ersten Ansehen oder maximal 14 Tage ab Erwerb. In der Musik-App können Sie sowohl ganze Alben als auch einzelne Titel kaufen. Bei Einzeltitel können Sie davor jeweils ein paar Sekunden in den Titel reinhören. Die Suche ist in der Leiste versteckt, die über die rechte untere Ecke des Bildschirms erreichbar ist und unter anderem den Link zu den Einstellungen enthält. Die Suche nach einer Band oder einem Songwriter geht sehr schnell. Sobald Sie allerdings anfangen nach einem speziellen Titel zu suchen, dauert das etwas. Wem zudem noch der richtige Suchbegriff fehlt, muss sich zum gesuchten Titel durcharbeiten. Und selbst mit dem noch dünnen Angebot dauert der Aufruf einer Genreliste einige Sekunden. Eigene Medien in den Bibliotheken sind in all diesen Apps schnell verfügbar. Das Hinzufügen von Ordnern zu den Bibliotheken hat sich gegenüber Windows 7 nicht verändert. Einen Überblick über die Möglichkeiten der Windows Bibliotheken finden Sie im Artikel "WindowsBibliotheken - Organisationshilfe nicht nur für Musik und Videos" . Voraussetzung für das Hinzufügen von Netzwerkordnern ist dabei, dass Windows diese indizieren kann, da nur dann die Suche funktionieren kann.


Wem das Angebot in diesen Apps nicht reicht, der kann im Store auf die Suche gehen. Noch ist das Angebot zwar recht mager, aber erste – großteils kostenlose – Apps für Internet-Radio wie die App Webradio oder die App zum Musik-Streaming-Dienst Gaana sind bereits zu finden. Aber das wenigste davon ist bisher für den deutschen Markt optimiert. Bis zum Verkaufsstart werden sicher noch einige Anbieter solcher Dienste wie Youtube, der Musik-Streaming und Internet-Radio-Dienst Deezer (http://www.deezer.com/de/), der IPTV-Anbieter Zattoo oder auch das Film-Portal Maxdome mit eigenen Apps nachziehen. Bis dahin können Sie aber natürlich bereits die Web-Portale der Anbieter direkt nutzen – fehlt dann nur die Bequemlichkeit der App.

Interessant wird das Ganze dann in einem Umfeld mit XBOX und DLNA-fähigen Geräten, die sich in die Netzwerk-Umgebung einbinden lassen. Sie können dann direkt vom PC aus an diese Geräte streamen. Vom Desktop aus funktioniert das auch, aus Apps heraus erscheint immer die Meldung: "Diese App kann nicht an andere Geräte senden." Das ist in der Praxis lästig, aber nachvollziehbar, weil damit Microsoft die Schnittstelle zwischen App und Computer nicht auch noch in die Optimierungen aufnehmen musste.

Donnerstag den 21.06.2012 um 09:22 Uhr

von Friederike Jubel

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