Windows 10

Windows 10 ist das aktuelle Windows-Betriebssystem, das Microsoft an die Nutzer von Windows 7 und Windows 8 im ersten Jahr gratis ausliefert. Mit Windows 10 feiert das Start-Menü ein Comeback und Cortana auf dem Desktop ihre Premiere. Aber Windows 10 ist nicht nur für Desktop-PCs erhältlich, sondern kommt auch bei Smartphones, der Xbox One, IoT-Geräte und Hololens zum Einsatz.

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Windows 10: Microsoft-Manager verrät neue Details

28.01.2015 | 14:37 Uhr |

Boris Schneider-Johne, Produkt Manager bei Microsoft Deutschland steht uns im Interview Rede und Antwort zum Thema Windows 10.

PC-WELT: Windows 10 soll gratis innerhalb des ersten Jahres angeboten werden, für Windows-8-Nutzer, für Windows-7-Nutzer und für Windows-Phone-Nutzer. Wie genau entscheidet sich, ob jemand das Update gratis erhält?

Boris Schneider-Johne, Produkt-Manager bei Microsoft: Das ist relativ einfach. Es muss ein sogenanntes qualifiziertes Gerät sein, das heißt, es muss eine legale Version von Windows darauf sein. Es muss technisch Windows 7 SP1 darauf sein oder Windows 8 Update 1. Schlicht und einfach, weil wir nicht von jeder Windows-Version upgrade können. Und dann darf ich innerhalb des ersten Jahres kostenlos auf Windows 10 dieses Gerät bringen. Aber das ist nicht nur für das eine Jahr kostenlos, es bleibt dann kostenlos. Logischerweise kann ich dann Windows 10 auch weiter benutzten. Auch zwei, drei, vier Jahre. Wir werden das Gerät für die Lebensdauer der Hardware unterstützen und immer mit neuen Versionen versorgen.

Windows 10 - Microsoft-Manager verrät neue Details

PC-WELT: Das ist auch ein wichtiger Punkt, oder? Das beschränkt sich nur auf das Gerät. Also wenn ich eine Lizenz gekauft habe, etwa von Windows 8, und ich habe sie auf ein Gerät installiert, dann bezieht sich das kostenlose Update nur auf dieses Gerät?

Boris Schneider-Johne: Das ist soweit richtig. Es gibt sehr viele verschiedene Methoden, um Windows-Lizenzen zu kaufen. Die meisten Menschen haben Windows mit dem PC gemeinsam gekauft, da ist das Windows an den PC gekoppelt. Es gibt viele andere Windows-Lizenzen, die sich mit der Installation an den PC koppeln. Im Unternehmensbereich ist das anders. Da gelten dann andere Regeln, aber für Konsumenten als Daumenregel bedeutet: Ja, das Gerät, das ich aktualisiere, kann ich bis auf ewig mit Windows 10 betreiben.

PC-WELT: Eine häufige Frage ist auch, wie das Update ausgeliefert wird. Also ob es auf einem Medium erhältlich sein wird oder nur als Download. Da gibt es aber noch keine Infos, oder?

Boris Schneider-Johne: Doch. Das haben wir schon gesagt. Als Download über Windows Update. Das heißt in Windows 7 und Windows 8 über die Windows-Update-Funktion, nachdem ich mich freigeschaltet habe, wird es eingespielt. Das heißt, es ist eigentlich kein richtiger Installationsprozess, sondern ein ganz großes Update.

PC-WELT: Das ist auch ein wichtiger Punkt, den wir noch betonen sollten. Es ist ein richtiges Update. Das heißt, alle Programme und alle Daten – das verspricht Microsoft – bleiben erhalten. Ich kann also sofort nach dem Update auf Windows 10 sofort alles so weiter nutzen, wie bisher?

Boris Schneider-Johne: Unser Ziel ist es, dass alles genau an derselben Stelle bleibt, wo es ist. Dass wir die Daten nicht anfassen, die Programme weiterhin funktionieren und da sind. Dass im Startmenü die Reihenfolge aller Dinge weiterhin erhalten bleibt. So wie sie etwa auf meinem Windows-7-Rechner waren. Das ist das Ziel der ganzen Geschichte, dass es sich eben anfühlt mehr wie ein Update und nicht wie eine komplette Systeminstallation.

PC-WELT: Ich muss also nicht stundenlang meine Programme nach dem Update installieren, sondern kann sofort mit Windows 10 loslegen.

Boris Schneider-Johne: Ja. Immer mit der Einschränkung: Es gibt sehr viele Dinge auf dem Planeten, es kann einzelne Dinge geben, die nicht kompatibel sind, die laufen dann auf einmal nicht. Das sind dann aber extreme Ausnahmefälle. Aber Microsoft kann eben nicht alles auf diesem Planeten prüfen, was läuft.

PC-WELT: Wenn mir Windows 10 nach dem Update nicht gefällt, was dann?

Boris Schneider-Johne: Wir haben schon gesagt, dass es dann eine Möglichkeit gibt, wieder zurückzukehren auf die zuvor genutzte Windows-Version. Das geht schon bei der jüngsten Version der Technical Preview. Wenn ich die installiere, dann gibt es die Möglichkeit mit Windows Rollback wieder zurückzukommen zu meinem alten Betriebssystem.

PC-WELT: Stichwort "Windows 10 Technical Preview Build 9926". Was sind aus Ihrer Sicht die wichtigsten Neuerungen?

Boris Schneider-Johne: Wir haben – und das ist ganz wichtig – das Feedback eingebaut, das aus der Preview bisher kam. Das Startmenü sieht wieder komplett anders aus und es scrollt jetzt anders. Wir haben jetzt den Modus, dass man das Startmenü ganz schnell auf den ganzen Bildschirm bringen kann und wieder zurück.   Für die Anwender, die sogenannte 2-in-1-Geräte (also Tablets, die an eine Tastatur angeschlossen werden können) besitzen, haben wir den Tablet-Modus, was wir früher unter dem Schlagwort Continuum hatten. Das heißt, ohne Tastatur ist es wie ein Tablet und die Apps sind immer auf dem ganzen Bildschirm. Sobald ich eine Tastatur anschließe, geht das Gerät in eine Art Desktop-Modus, wo es sich eher verhält wie ein PC.

Wir haben das neue Action-Center, also die Benachrichtigungen am rechten Bildschirmrand. Das ist sehr mächtig und damit kann man sehr viel machen. Da hat sich also sehr viel in der Bedienung getan. Die Kompatibilität ist höher als bei der letzten Technical Preview. Es ist auch sehr viel im Unterbau passiert. Wenn man sich traut den Rechner mit englischer Tastatur und englischer Sprache zu betreiben, dann kann man Cortana ausprobieren. Also die Sprachassistentin. Die gibt es zur Zeit nur auf Englisch, wird aber noch auf Deutsch kommen im Laufe der Preview.

PC-WELT:  Das ist auch ein wichtiger Punkt. Möchte ich mit meinem PC reden? Wo liegen die Stärken von Cortana?

Boris Schneider-Johne: Die Stärken sind dort, wo ich ganz schnell eine Kleinigkeit machen muss. Eine Kleinigkeit, wie etwa schnell mal einen Kalendereintrag machen oder eine SMS schreiben. Da muss ich auf dem PC immer erst eine App oder ein Programm aufmachen, das entsprechende raussuchen und so weiter. Das kann ich vereinfachen. Das ich einfach etwa mitten in der Arbeit sagen kann, ohne meinen Kalender aufzumachen: „Hey Cortana, erinnere mich morgen um 11 Uhr, das ich einen Friseurtermin brauche.“ Und dann erscheint es automatisch im Kalender und ich muss nichts anderes machen. Ich kann mich auf meine Arbeit konzentrieren. Diese Kleinigkeiten einem so abzunehmen, die mehr Arbeit machen in der digitalen Welt als früher, als man sich nur irgendwo einen Zettel hin kleben musste, dafür ist es geeignet.

PC-WELT: Eine neue Funktion ist auch das Streaming von Xbox-One-Spielen auf den Windows-10-PC. Das ist in der Technical Preview noch nicht möglich. Was ist das typische Einsatzszenario für diese neue Funktion?

Boris Schneider-Johne: Die Xbox One ist eine Wohnzimmerkonsole, die an einem großen Fernseher angeschlossen ist und an der man spielt oder auch mal eine Blu-ray anschaut. Sie steht also fest in dem Raum. Jetzt will der Sohn aber ein Xbox-One-Spiel spielen, während ich einen Film im Wohnzimmer anschaue. Ich kann das Bild von der Xbox One auf einen PC streamen, wo ich dann mit einem Xbox-Controller genauso spielen kann, als wäre die Xbox bei mir im Zimmer. Ich kann sie quasi von Zimmer zu Zimmer tragen, ohne mich abzuschleppen.

PC-WELT: Wird das Bildsignal skaliert oder ist es 1:1 die Auflösung, die ich auch am Fernseher habe?

Boris Schneider-Johne: Technische Details folgen :-)

PC-WELT: Wie viele Versionen wird es von Windows 10 geben?

Boris Schneider-Johne: Dazu haben wir überhaupt noch nichts gesagt. Im Augenblick gibt es monatliche Varianten der Technical Preview, weil sich diese immer weiter entwickelt. Aber welche Versionen es nachher gibt und was für Funktionen die haben, dazu haben wir noch nichts gesagt.

PC-WELT: „Projekt Spartan“ soll irgendwann in der Zukunft als Browser für Windows 10 ausgeliefert werden. Ist abzusehen, ab wann man den in der Technical Preview ausprobieren kann?

Boris Schneider-Johne: Nein, das können wir derzeit noch nicht absehen. Die Kollegen sind ganz heiß darauf, dass er ausprobiert wird. Das weiß ich. Es sollte flott gehen, ich habe aber selber keine Ahnung, wann dies passieren wird. Ich habe den selber bei mir auch noch nicht laufen. Er wird aber ganz spannend, weil er viele Dinge anders macht, als man es von Browsern kennt.

PC-WELT:  Aber werden dann künftig in Windows 10 parallel zwei Browser stecken? Also einmal der Internet Explorer 11 und dann „Projekt Spartan“? Wo ist dann der Vorteil von „Projekt Spartan“?

Boris Schneider-Johne: Sind wirklich zwei Browser in Windows 10? Das wissen wir noch nicht genau, das ist noch nicht entschieden. Wir haben nur eine Aussage gemacht für Firmenkunden, weil diese viel auf den Internet Explorer setzen. Denen vergewissern wir, in Windows 10 wirst Du immer Zugriff auf einen Internet Explorer haben und alle deine alten Unternehmensapps, die auf den Internet Explorer setzen, werden funktionieren. Dafür sorgen wir. Wie das nachher bei meinem PC zu Hause aussehen wird, ist noch nicht entschieden.

PC-WELT: Welche Neuerungen bietet "Spartan"?

Boris Schneider-Johne: Mit Spartan machen wir eine ganz neue Browser-Engine, die den alten Internet-Explorer-Krempel weglässt. Dadurch ist das „Biest“ viel schneller als vorher. Dann kommen drei wesentliche Funktionen hinzu, die den Browser interessant machen. Ich kann Webseiten kommentieren und weiterverschicken. Wie geht das? Ich sehe beispielsweise eine Seite bei einem Schuhhändler. Und jetzt ist das ja so, dass sich Seiten im Online-Handel ändern und dies auch dynamisch. Die Magie ist, dass ich die aktuell geöffnete Seite kommentieren kann und dies jemandem schicken kann. Der kriegt jetzt eine Version dieser Website, so wie sie zu dem Zeitpunkt war, als ich sie gesehen habe. Mit meinen Notizen und allen Links darauf, die auch funktionieren. Später landet man wieder auf der realen Website, die sich inzwischen verändert haben kann, aber ich habe die Möglichkeit, eine Momentaufnahme dieser Webseite einzufrieren, Notizen darauf zu machen und mit jemandem zu teilen. Das wird ganz spannend.

PC-WELT: Ist bekannt, ob der neue Browser erweiterbar sein wird?

Boris Schneider-Johne: Dazu haben wir noch nichts gesagt :-)

Nachtrag der Redaktion: Mittlerweile hat sich Microsoft zu der Erweiterbarkeit von Spartan offiziell geäußert.

PC-WELT:  Abschließende Frage: Windows 8 musste sich viel Kritik gefallen lassen, obwohl es ein sehr gutes Betriebssystem ist. Viele unserer Leser haben immer wieder diese Kacheloberfläche kritisiert.  Hat Microsoft bei Windows 10 nun aus diesen Fehlern gelernt? Ist Windows 10 nun das bessere Windows 8?

Boris Schneider-Johne: Es ist das bessere Windows 8 und insbesondere das bessere Windows 7. Wir vermählen alles aus denen. Ich muss auch ganz ehrlich sagen: Die Anwender haben ganz klar gewonnen. Das sieht man am Preview-Programm. Wenn man es auch vergleicht mit der Version, die wir Anfang Oktober hatten. Bis jetzt hat sich viel geändert. Und sehr viel hat sich geändert, weil die Benutzer gesagt haben: „Halt! Wir wollen dies viel lieber so.“

In der aktuellen Preview haben wir mehrere Möglichkeiten, Feedback zu geben. An verschiedenen Stellen. Wir fragen den Kunden auch immer wieder, wie ihm Funktionen gefallen. Wir richten unsere Entscheidungen danach, wie die Nutzer die Funktionen beurteilen, um ein Windows zu machen, das sich voll danach richtet, was die Benutzer wollen und nicht, wie sich Microsoft das einmal ausgedacht hat.

PC-WELT: Jetzt habe ich gelogen, denn es war meine vorletzte Frage. Meine letzte Frage: Kann ich mein Feedback auch in deutscher Sprache verfassen oder sollte es möglichst in englischer Sprache abgegeben werden? Wird das wirklich gelesen?

Boris Schneider-Johne: Oh ja, ja! Das wird in vielen verschiedenen Sprachen gelesen. Das Windows-Team ist international und wir haben auch deutsche Kollegen in Redmond sitzen, die helfen können. Wir kriegen so viel Feedback, das liest ja nicht alles sofort ein Mensch. Viel wird vorgefiltert durch Algorithmen und automatische Übersetzung, und so weiter. Aber in dem Augenblick, wo es interessant wird, wo interessantes Feedback kommt, kann man das auch in seiner eigenen Sprache einreichen.

PC-WELT: Wird es später möglich sein, von der Technical Preview auf die finale Version von Windows 10 umzusteigen?

Boris Schneider-Johne: Ja – das ist wirklich neu. Ich weiß, damit haben wir früher immer die Leute gequält, gerade die treusten Kunden, die ganz am Anfang ausprobieren wollten. Das war bei 8 so und das war bei 7 so. Wenn ich die Preview installiert hatte, musste ich danach meinen Rechner komplett neu aufsetzen. Auch das ist bei Windows 10 nicht der Fall. Wenn man jetzt einsteigt, kommt man graduell auf die finale Version und muss sich um nichts mehr kümmern.

Vielen Dank für das Gespräch!

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