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Langstreckenfunk für jedermann

19.09.2008 | 08:20 Uhr |

In ländlichen Gegenden ist DSL häufig nicht verfügbar. Durch hohe Kosten für die Infrastruktur sehen DSL-Anbieter meist von einem Ausbau ab. Die Alternative heißt Wimax. Auf welchem Stand die Technik derzeit ist und was sich in den kommenden Monaten tut, erfahren Sie in diesem Artikel.

Drahtloser Zugang zum Internet ist eine feine Sache. Einfach am eigenen WLAN oder an einem Hotspot anmelden und schon kann man lossurfen. Telefonieren, Surfen und Fernsehen über das Internet sind mit den schnellen, kabellosen DSL-Anschlüssen kein Problem mehr. Was aber, wenn DSL gar nicht existiert? In vielen ländlichen Gebieten gibt es kein DSL. Vor allem dann, wenn die so genannte „letzte Meile“, also das Stück zwischen Vermittlungsstelle und Anschluss, zu lang wird. Hier soll Wimax (Worldwide Interoperability for Microwave Access) helfen. Wimax ist ein Standard für regionale Funknetze.

Warum Wimax?
Die Vorteile von Wimax liegen unter anderem in der Reichweite. Ein normales WLAN-Netz hat eine Reichweite von etwa 30 bis 40 Metern in geschlossenen Räumen wie Büros und Wohnungen. Die theoretische Reichweite von Wimax beträgt etwa 50 Kilometer. Diese Strecke ist allerdings nur unter Laborbedingungen realistisch. In der Praxis sind derzeit etwa sechs bis sieben Kilometer zu überwinden. Befinden sich Sender und Empfänger in einer Sichtlinie sollen bis zu 1:6 Kilometer erreicht werden. Weite Strecken, etwa auf dem Land, können so kostengünstiger überbrückt werden.

Auch in punkto Bandbreite wird mit zweierlei Maß gemessen. So werden die 300 MBit/s (IEEE 802.1:1:n), die WLAN erreichen soll, nur unter besten Bedingungen übertragen. Wie schnell ein WLAN-Netz in der Praxis überträgt, ist von den örtlichen Gegebenheiten abhängig. Ähnlich sieht es bei Wimax-Netzen aus: Soll ein Wimax-Netz im Labor bis zu 75 MBit/s übertragen, sind es in Wirklichkeit bei größeren Distanzen derzeit etwa 20 MBit/s.

Wimax-Karte für den PC von Motorola: PCMw 200 Wireless Card.
Vergrößern Wimax-Karte für den PC von Motorola: PCMw 200 Wireless Card.
© 2014

Über 500 Hersteller
Die Wimax-Technologie wird im Standard IEEE 802.1:6 (Institute of Electrical and Electronics Engineers) beschrieben. Ähnlich wie beim WLAN-Standard IEEE 802.1:1: gibt es auch bei Wimax verschiedene Zusätze. Diese sind für den Endanwender allerdings weniger interessant. Der landläufige Name „Wimax“ stammt eigentlich von einem Zusammenschluss von Herstellern drahtloser Vernetzungstechnologie. Dieses Wimax-Forum wurde 2001: gegründet. Unter den über 500 Mitgliedern sind unter anderem Intel, Microsoft, die Deutsche Telekom und Motorola. Das Wimax-Forum hat sich zur Aufgabe gemacht nach dem IEEE 802.1:6-Standard produzierte Geräte zu zertifizieren und mit einem Label auszustatten. „Wimax Certified“ nennt sich das Gütesiegel für kompatible Wimax-Produkte.

Pilotprojekte seit 2005
Erste Wimax-Pilotprojekte gibt es bereits seit dem Jahr 2005. In Heidelberg und Berlin wurden von den Anbietern Arcor und Deutsche Breitband Dienste GmbH (DBD) Netze in Betrieb genommen. Ein Jahr später kamen Wuppertal, Dresden und Leipzig dazu. Im Dezember 2006 versteigerte die Bundesnetzagentur die Lizenzen für das Broadband Wireless Access-Netz (BWA), das für den Wimax-Betrieb nötig ist. 56 Millionen Euro machten die Bieter insgesamt locker. Für die Lizenzen in den ländlichen Gebieten gab es von der Bundesnetzagentur allerdings Auflagen. So müssen die Anbieter bis 2009 mindestens 1:5 Prozent und bis 201:1: mindestens 25 Prozent der Gemeinden im Versorgungsgebiet an das Wimax-Netz anbinden.

Die Qualität macht’s
Wimax-Verfechter schwören vor allem auf die gute Übertragungsqualität bei VoIP. Möglich macht das die Quality-of-Service-Option (QoS). Damit wird bei Telefonie- und Videoanwendungen eine bestimmte Bandbreite für diese Anwendungen zugesichert. Anders als bei WLAN-Verbindungen wird bei Wimax also die Verbindung bei mangelhafter Bandbreite nicht einfach unterbrochen. Vielmehr werden Sprachpakete bevorzugt übertragen. Das macht nicht nur Abbrüche zur Ausnahme, sondern garantiert auch eine konstante Sprachqualität.

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