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Wie man mit Fake-Followern Geld macht

10.04.2014 | 13:12 Uhr |

Clegg verdient Geld mit dem Verkauf von Followern und Fans für Facebook, Instagram, YouTube und Twitter. Clegg erklärt, wie sein trickreiches Geschäft funktioniert.

Cleggs (Name von der Redaktion geändert) Geschäftsprinzip ist eigentlich ganz einfach: Sie besuchen eine seiner 13 Internetseiten und geben an wie viele Follower oder Freunde Sie für Ihre Social-Media-Auftritte kaufen möchten. Zur Zeit kosten 1000 Follower rund 8,50 Euro. Oft sind es unbekanntere Prominente, große Unternehmen, Leute, die sich einen Spass mit Freunden erlauben und viele andere. Der Großteil sind Unternehmen die schnell von vielleicht 20 auf 1000 Follower kommen möchten und damit ihr Marketing im Sozialen Netzwerk starten möchten.

Twitter will Nutzer durchs Web verfolgen

Ein Geschäft ist geboren

Clegg wurde für sein Geschäftsmodell von der Internetseite Fiverr inspiriert. Auf dieser Onlineplattform verkaufen Nutzer alles für fünf Dollar. Darunter waren auch Leute, die 1000 Follower preiswert anboten. Diese ließen sich auf eBay und anderen Plattformen teurer verkaufen. Also kaufte Clegg die Follower auf Fiverr und verkaufte sie bei eBay für das doppelte und machte so Gewinn mit minimalem Aufwand. Als der Markt auf eBay gesättigt war, wurde es für Clegg dort aber uninteressant.

Dennoch kündigte Clegg innerhalb von fünf Monaten seinen Job und wechselte Vollzeit ins Fake-Follower-Geschäft.

Nicht der typische Schwindler

Follower auf Twitter werden von einigen als Statussymbol gesehen.
Vergrößern Follower auf Twitter werden von einigen als Statussymbol gesehen.

Google sieht das Fake-Follower-Geschäft nicht gerne. Um trotzdem ganz oben auf den Trefferlisten von Google zu stehen, führt Clegg nun 13 Follower-Kaufseiten, von denen es ein paar dank intensiver SEO-Arbeit an die Spitze der Trefferlisten bei Google geschafft haben. Die kleineren Seiten unterstützen das Geschäft der großen Seiten, indem sie verschiedene Nischen abdecken.

Die monatliche Gewinn- und Verlustrechnung für eine ordentliche Fake-Follower-Seite sieht, laut Clegg, in etwa wie die folgende Liste aus.

Einnahmen:
Twitter-Follower: 4500 Euro
Twitter-Retweets: 250 Euro Gesamteinnahmen: 4750 Euro

Ausgaben:
Twitter-Follower: 450 Euro
Twitter-Retweets: 25 Euro
Link-Generierung: 1800 Euro
Ausgelagertes SEO: 450 Euro
Kundenbetreuung: 450 Euro
Gesamtausgaben: 3175 Euro

Netto Gewinn: 1575 Euro

Zusammengefasst verdient Clegg also mit einer Seite in etwa 1575 Euro durch den Verkauf von Twitter-Followern im Wert von 4500 Euro im Monat. Nun ist Clegg aber noch nicht so lange im Geschäft, ein Topanbieter verdient noch mehr. 80 bis 100 Bestellungen, bei einem Durchschnittswert von zirka 23 Euro pro Bestellung ergeben ein tägliches Plus von 1900 Euro.

Wie die Zahlen schon zeigen sind Fake-Follower das Topprodukt, Daneben werden Fake-Retweets aber auch immer spannender. Clegg sagt, dass viele Kunden diese oft zusammen mit Followern kaufen und dass diese dem Käufer einen extra Schub geben.

So entstehen künstliche Follower

Ein indisches Programmiererteam erstellt die Follower und erhält sie aufrecht. Alles ist auf Bots basierend: Aus einer Vielzahl von Quellen tragen die Bots Informationen zusammen und zerlegen diese Informationen in viele Einzelbestandteile um daraus neue Informationen zu erstellen. Das alles wird zu Biographien, Photos und Tweets von Usern zusammengefügt. Viele dieser User sehen beängstigend real aus. Ein Fake-Follower wird oft mit Hilfe eines bestimmten Themas erstellt: Ein künstlicher Justin Bieber-Fan tweetet nur auf Bilder, die in einer Justin Bieber-Bildersuche erscheinen und retweetet auch nur Nachrichten, die den Justin Bieber-Hashtag beinhalten. Neue Tweets sind oft Kombinationen aus zwei alten Tweets von Usern ohne Bezug zueinander.

Das Angebot für Follower auf Twitter ist groß.
Vergrößern Das Angebot für Follower auf Twitter ist groß.

Diese Arbeit ist überraschend preiswert. Die größere Herausforderung besteht darin die Seiten der Fake-Follower weit oben auf den Trefferlisten von Google zu halten. Google versucht solchen Spam herauszufiltern, aber es belohnt Verlinkungen auf solche Seiten, indem es Seiten, auf die von unterschiedlichen Quellen verlinkt wird, höher rankt. Deshalb lässt Clegg viele Seiten auf seine Verkaufsseiten verlinken. Das funktioniert zumindest meistens, wenn auch oft nur für eine gewisse Zeit. Clegg hat auf den Philippinen ein Team von vier Mitarbeitern, die nur Links auf seine Seiten erstellen. Sie arbeiten für zirka 110 Euro 40 Stunden pro Woche.

Beschwerden sind für Cregg ganz normal und kommen oft auf, wenn Twitter eine große Zahl von Fake Followern findet und löscht. Ein Kunde kann dann einen „Nachschlag“, zu dem Clegg verpflichtet ist, verlangen. Aber die Kundenbetreuung benötigt einen externen Mitarbeiter, der den ganzen Tag über einen Live Chat, Skype oder Email für alle Antworten zur Verfügung steht. Aber trotzdem kommt Clegg noch auf 30 Prozent Gewinn.

Kann das ewig so weitergehen?

Clegg räumt ein, dass das Fake-Followergeschäft nicht ewig so viel Gewinn einbringen wird. Google und Twitter spüren Fake-Follower immer schneller auf. Ein Follower von niedriger Qualität, welcher auf der gleichen IP wie 50 andere Fake-Follower in den letzten 24 Stunden erstellt wurde, wird innerhalb der folgenden 24 Stunden von den Social-Media-Betreivern schon wieder gelöscht und alle Accounts, die einen Bezug zu diesem haben, werden von Twitter & Co. überprüft. Deshalb konzentrieren sich Cleggs Mitarbeiter darauf,  Follower möglichst einzigartig erscheinen zu lassen, um Twitters Sicherheitsmaßnahmen zu entgehen. Eine kleine Änderung in den Richtlinien von Google oder Twitter kann aber trotzdem die Arbeit von sechs Monaten über Nacht zerstören.

Diese Social-Media-Fehler sollte Ihre Firma vermeiden

Clegg räumt ethische Bedenken über seine Arbeit durchaus ein. Fake-Follower seien der falsche Weg, um eine soziale Präsenz im Internet aufzubauen. Er selbst hat keine Fake-Follower für seine eigenen Kampagnen eingesetzt. (Der echte "Clegg" hat weniger als 100 Follower auf Twitter).

Er erklärt seinen Standpunkt so: „Wenn ich ein Produkt verkaufen würde, das niemand möchte, würde ich kein Geld verdienen, also gebe ich diese moralische Entscheidung an den Konsumenten weiter. Zusätzlich biete ich immer eine Geld-zurück-Garantie und Ratschläge dafür, wie Sie die Follower wieder entfernen können.“

Dieser Artikel stammt von unserer Schwesterpublikation PC-World.

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