Zwei Browser im Vergleich
Wie steht es um die Sicherheit
Wenn Sie über eine sichere HTTPS-Verbindung online gehen, muss der Browser die dazugehörigen Zertifikate verwalten, ungültige erkennen und geeignete Vorschläge machen, wie er verfahren soll. Schädliche Web-Seiten zu erkennen und gegebenenfalls vor ihnen zu warnen oder sie gleich zu filtern, gehört inzwischen ebenfalls zu den Grundfunktionen eines Browsers. Viele Benutzer zählen dazu auch den Schutz vor Pop-ups sowie die gezielte Rechtevergabe für Javascript und andere aktive Inhalte. Ein sensibles Sicherheitsthema ist die Passwort-Verwaltung, das Ausfüllen von Formularen und die Möglichkeit, beides schnell wieder ungeschehen machen zu können: Auf Befehl soll der Browser nicht nur diese Informationen irreversibel shreddern, sondern bei Bedarf auch den ganzen Verlauf sowie den Cache leeren.
Was eine Site darf und was nicht, hängt beim Internet Explorer seit Version 5 davon ab, in welche Sicherheitszone der Benutzer sie einsortiert hat - neben den Standard-Rechten für Scripts und andere aktive Inhalte können Sie für bestimmte Websites auch höhere und niedrigere Rechte definieren. Für höhere Rechte sieht die Voreinstellung vor, dass die Seite verschlüsselt übertragen wird, und hierfür müssen die Zertifikate in Ordnung sein. Stimmt damit etwas nicht, zeigt der IE eine Warnseite, auf der Sie sich entscheiden können, ob Sie die Seite wirklich aufrufen wollen. Bei einem von Ihnen ignorierten Fehler färbt sich die Adresszeile zur Warnung rot, solange Sie sich auf der Site befinden. Pop-up- und Phishing-Filter arbeiten unabhängig von diesen Mechanismen und versuchen, Ihnen anhand schwarzer Listen und der Erkennung bestimmter Verhaltensweisen (es öffnet sich etwa ein Pop-up ohne vorherigen Klick) schädliche Seiten vom Leibe zu halten. Die - auf Wunsch selektive - Löschung der Spuren finden Sie als ersten Punkt des Menüs "Extras" unter "Browserverlauf löschen".
Das Zonenmodell kennt der Firefox nicht - ob Sie Scripts erlauben oder verbieten, gilt global. Andererseits können Sie feiner als beim IE festlegen, was Scripts nie dürfen, obwohl sie allgemein zugelassen sind, etwa das Kontextmenü ersetzen oder den Text in der Statusleiste ändern. Für andere Berechtigungen, etwa um Grafiken zu laden, Cookies zu setzen oder Pop-up-Fenster zu öffnen, gibt es Voreinstellungen sowie Listen mit Ausnahmeregelungen. Wenn bei verschlüsselten Sites die Zertifikate nicht in Ordnung sind, warnt Firefox 3 eindringlich mit mehreren Dialogboxen. Neben der Wahl zwischen "Vorsicht" und "Ignorieren" der Warnungen haben Sie hier außerdem die Möglichkeit, fehlerhaften Zertifikaten für bestimmte Sites einmalig oder dauerhaft eine Ausnahmegenehmigung zu erteilen: Firefox weist im Laufe dieses Genehmigungsverfahrens darauf hin, dass es für vertrauenswürdige Sites wie eine Bank nicht erforderlich sein darf, es überhaupt durchzuführen. Phishing- und Pop-up-Filter gibt es bei Firefox schon länger, bösartige Inhalte haben kaum eine Chance durchzukommen. Insbesondere beim recht scharf eingestellten Pop-up-Filter müssen Sie vermutlich Ausnahmen zulassen. Zum Löschen der Daten Ihrer Sitzung ist die entsprechende Funktion im Menü "Extras" und per Hotkey Strg + Shift + Entf erreichbar. Sie kann per Einstellung auch dauerhaft so gesetzt werden, dass der Browser beim Schließen des letzten Fensters seine Vergangenheit vergisst - auf Wunsch mit Nachfrage.
Das Zonenmodell des IE ist eine gute Idee, aber schlecht umgesetzt. Auch in Version 8 ist es umständlich, die Zugehörigkeit einer Website zu konfigurieren: Abgesehen von Firmenumgebungen, in denen die Zone "Intranet" eventuell automatisch erkannt wurde, werden wohl weiterhin nahezu alle IE-Nutzer ausschließlich die Zone "Internet" verwenden. Ansonsten weisen die Sicherheits- und Datenschutzfunktionen beider Browser Unterschiede in der Bedienung auf, bieten aber jeweils vergleichbaren Schutz.
Zwei Browser parallel zu verwenden, kann nervtötend sein: Immer dort, wo Sie sich gerade befinden, fehlt das entscheidende Lesezeichen, oder der Browser belästigt Sie beim Start wieder einmal mit einer Frage, ob er denn auf diesem System der Standard sein darf. Bei allem Verständnis für die Konkurrenzsituation beider Hersteller - Sie wollen einfach nur arbeiten, und das geht am besten, wenn sich die unterschiedlichen Produkte um Kooperation bemühen.
Erstmals in seiner Versionsgeschichte erkennt der IE die Existenz von Firefox offiziell an und bietet bei dessen Vorhandensein an, Lesezeichen, RSS-Feeds und Erweiterungen zu importieren. Das geschieht automatisch beim ersten Start. Der Export funktioniert wie gewohnt über Dateien: bookmarks.html für die Favoriten, cookies.txt für Cookies und feeds.opml für RSS-Feeds, die Firefox importieren kann.
Bis Version 2 bot Firefox nur eine Importfunktion und verließ sich, statt auch einen Export anzubieten, auf den IE, der ja seinerseits Lesezeichen und Einstellungen importieren kann. Durch die bei Firefox 3 neu eingeführte Organisation der Lesezeichen in einer "Places" genannten Datenbankstruktur genügt dies allerdings nicht mehr: Die meisten anderen Browser, inklusive dem IE, kennen als Austauschformat nur die noch aus Netscape-Zeiten herrührende bookmarks.html. Firefox 3 hat die Funktion deshalb nachgerüstet, allerdings gut versteckt in der Bibliothek, dem neuen Lesezeichen-Manager. Dort finden Sie unter "Importieren und Backup" auch den Punkt "Exportieren".
Die Konkurrenzsituation geht nicht auf Kosten des Anwenders. Beide Browser machen es dem Anwender inzwischen leicht, ohne Schwierigkeiten abwechselnd das Konkurrenzprodukt zu nutzen. Hier liegen IE 8 und Firefox 3 gleichauf.
Die Zeit des funktionsarmen und hoffnungslos veralteten IE 6 ist definitiv Geschichte. Microsoft ist aufgewacht und überlässt der Konkurrenz nicht mehr kampflos das Feld. Version 8 des Windows-Browsers hat aufgeholt, kann allerdings nicht an Firefox 3 vorbeiziehen. Zwar hat Firefox 3 in puncto Geschwindigkeit leichte Nachteile, schlägt den IE 8 aber andererseits in den Kategorien Oberfläche, Bedienung und Erweiterbarkeit.


