Werbeblocker

Werbung auf dem Android-Smartphone blocken

Donnerstag den 15.03.2012 um 10:15 Uhr

von Liane Cassavoy

Mit unseren Tipps und Tricks stoppen Sie Werbung auf dem Androiden
Vergrößern Mit unseren Tipps und Tricks stoppen Sie Werbung auf dem Androiden
© Polylooks
Nerven Sie die blinkenden, piepsenden und leuchtenden Werbe-Einblendungen mancher Android-Apps? Wir zeigen Ihnen, wie Sie diese Werbung loswerden.
Einst waren Android-Smartphones ein werbefreies Paradies – ein Ort, an dem man spielen, E-Mails checken und Anrufe tätigen konnte, ohne von nervtötenden Werbeanzeigen belästigt zu werden wie am PC. Doch das ist längst Vergangenheit: Mit der wachsenden Beliebtheit von Android ist auch dessen Attraktivität für Werbekunden gestiegen. Werbe-Einblendungen hielten Einzug auf dem Androiden: in Spielen und anderen Apps, im mobilen Browser und sogar in Form von Push-Mitteilungen. Solche Werbeanzeigen stören nicht nur, wenn Sie gerade ein Spiel spielen, sondern auch, wenn Sie von blinkenden Logos beim Surfen erschlagen werden und die Werbung Ihren streng geregelten Datentarif aus der Bahn wirft.


 
Was also können Android-Nutzer dagegen tun? Die schlechte Nachricht vorweg: nein, eine völlig werbefreie Android-Erfahrung ist schier unmöglich – und auch nicht unbedingt wünschenswert. Denn bedenken Sie, dass einige Webseiten und App-Entwickler auf Werbeanzeigen setzen, um im Geschäft zu bleiben. Nichtsdestotrotz können wir Ihnen einige Möglichkeiten vorschlagen, besonders lästige Werbeeinblendungen zu unterbinden – zumindest bis zu einem gewissen Grad.
 
Werbe-Blocker-Apps
 
Wenn Sie durchstöbern (den ehemaligen Android-Marktplatz), werden Sie über eine Reihe von Apps stolpern, die versprechen, jedwede Werbung auf Ihrem Android-Gerät zu blockieren. Allerdings ist ein Großteil solcher Apps – unter anderen auch AdAway, NetSpector Sniffer/ Ad Blocker und AdFree Android – nur für gerootete Geräte verfügbar. Der Grund für diese Exklusivität: die Apps nehmen Veränderungen an den Host-Datenbanken vor – eine Aktion, die nur auf Root-Geräten erlaubt ist. Wenn Sie über ein gerootetes Android-Smartphone verfügen, probieren Sie ruhig eine der oben genannten Apps aus und schauen Sie, inwieweit diese für Sie funktionieren.
 
Diejenigen, die kein gerootetes Smartphone besitzen und auch keinen Root durchführen wollen, haben ein paar andere Optionen. Zum Beispiel die App "Ad Blocker & Data Toggle" für 1,49 Euro. Wir haben die App auf einem Motorola Milestone Bionic in den USA getestet – und hatten so unsere Schwierigkeiten, sie zum Laufen zu kriegen. Die Installation selbst ist noch einfach. Sobald die installierte App gestartet wird, präsentiert sie eine Liste der installierten Anwendungen auf Ihrem Android-Gerät. Aus dieser Liste wählen Sie dann die Apps aus, bei denen die Werbeeinblendungen blockiert werden sollen. Der Prozess ist simpel, die Ausführung funktionierte hingegen nicht immer wie angepriesen. Als wir zum Beispiel versuchten, mit Hilfe von Ad Blocker & Data Toggle Werbung aus der App Angry Birds zu blocken, funktionierte das nur in gut der Hälfte der Fälle. Manchmal wurde beim Start trotzdem Werbung eingeblendet, manchmal wurde sie blockiert.

Blockierte Verbindungen

John Huang, der Entwickler von Ad Blocker & Data Toggle, erklärt, dass er die App entwickelt habe, weil er wisse, dass viele Nutzer von Werbeeinblendungen genervt sind. Insbesondere diejenigen, die ihre Kinder mit dem Smartphone spielen lassen. Nach seinen Angaben funktioniere die App, indem sie die Internet-Verbindung beim Starten einer Anwendung blockiere. Ohne eine Datenverbindung kann die App auf ihre Werbeeinblendungen nicht zugreifen. Gleichzeitig heißt das aber auch, dass Sie die App nicht für Anwendungen benutzen können, die eine Internetverbindung voraussetzen, um überhaupt zu funktionieren.


 
Nutzer können die Internetverbindung auch einfach selbst kurzzeitig abschalten, meint Huang. Er fügt aber hinzu, dass die App den Prozess beschleunige und vereinfache, indem sie selbstständig die Verbindung wiederherstelle, sobald die App beendet wird. Das Gerät in den Flugzeugmodus zu versetzen, hätte quasi den gleichen Effekt – dadurch würden Sie aber auch mögliche Anrufe und Kurznachrichten verpassen.
 
Auch wenn das manuelle Ausschalten der Internet-Verbindung etwas mehr Arbeit erfordert, erzeugt es oft bessere Ergebnisse. In unserem Test schalteten wir unser Testgerät in den Flugzeugmodus und spielten im Anschluss nach Herzenslust Angry Birds – werbefrei. Hin und wieder erinnerte uns das Spiel daran, dass wir nicht mit dem Internet verbunden seien, der Hinweis ließ sich jedoch schnell und einfach wegklicken.
 
Werbeblocker per App
 
Natürlich hilft es Ihnen wenig, Ihre Datenverbindung zu kappen, wenn Sie im Web surfen wollen. Glücklicherweise helfen Ihnen verschiedene Apps dabei, Werbeanzeigen im Browser aufzuhalten. Zum Beispiel AndroidAdblock: eine kostenlose App, die sich noch in der Beta-Phase befindet. Sie zu benutzen stellt eine kleine Herausforderung dar, da Sie die App zunächst installieren und dann manuell Blockier-Regeln und Filter einstellen müssen. Wir haben den Hersteller der App um Hilfe gebeten, der ebenfalls eingestehen musste, dass das Einrichten von Filtern insbesondere für Neulinge gewisse technische Kenntnisse erfordert.


 
Sie können natürlich auch manuell versuchen, Werbeeinblendungen in Ihrem Browser zu blockieren. Eine Möglichkeit ist zum Beispiel, Flash zu deaktivieren, was Sie über das Einstellungen-Menü direkt im Browser erledigen. Wenn Ihr Browser geöffnet ist, tippen Sie auf den Menü-Button, wählen Sie "Mehr", "Einstellungen" und "Plug-Ins aktivieren". Stellen Sie im darauf folgenden Menü "Bei Bedarf" ein. Wenn nun ein Flash-Symbol in Ihrem Browser auftaucht, können Sie auf Wunsch darauf tippen, um den Flash-Inhalt zu aktivieren.
 
Ärgerliche Push-Nachrichten
 
Werbung zu blockieren, die in Form von Push-Nachrichten bei Ihnen ankommt, ist eine umso größere Herausforderung, wenn Sie Ihr Smartphone nicht rooten wollen. Trotzdem haben Sie ein paar Optionen. Die erste besteht darin, grundsätzlich solche Apps zu meiden, die solche Nachrichten versenden. Klingt offensichtlich, ist aber nicht immer ebenso ersichtlich. Lesen Sie deshalb bei jeder App, die Sie installieren wollen, auch das Kleingedruckte und werfen Sie auch einen Blick in die Nutzer-Rezensionen. Wenn sich eine solche Push-Nachrichten-App bereits auf Ihrem Smartphone befindet, Sie aber nicht sicher sind, welche genau der Übeltäter ist, probieren Sie eine App wie AirPush Detector oder Addons Detector aus. Beide Apps machen werbefreundliche Anwendungen auf Ihrem Android-Gerät ausfindig.
 

 
Push-Nachrichten werden von Werbe-Netzwerken und Mobile-Marketing-Firmen versendet, darunter AirPush, Appenda, LeadBolt und Moolah Media. Viele von ihnen bieten jedoch die Möglichkeit, ihre Dienste zu deaktivieren. AirPush bietet beispielsweise die Möglichkeit eines dauerhaften Ausstiegs in Form einer Opt-out-App, die man von ihrer Webseite herunterladen kann. Appendas Webseite stellt ein weltweites Austrittsformular zur Verfügung und auch auf der Seite von LeadBolt finden Sie die Option, den Dienst wie einen Newsletter zu kündigen.
 
Werbung hat aber nicht nur Nachteile
 
Werbung von Ihrem Smartphone fernzuhalten scheint erst einmal Ihr gutes Recht zu sein. Denken Sie aber daran, dass ein solches Vorgehen nicht immer gern gesehen wird – insbesondere nicht von der Entwickler-Gemeinschaft. In einem E-Mail-Gespräch mit dem Android-App-Entwickler Chris (alias KreCi), der auch über das Einkommen bloggt, das er durch App-Entwicklung verdient, schreibt er, dass er noch nicht über die Verbreitung von Werbeblockern besorgt sei: "Die Verwendung von Werbeblocker-Software verändert mein Einkommen als App-Entwickler nicht besonders, da nur ein sehr geringer Prozentsatz aller Nutzer solche Dienste in Anspruch nimmt."

Andere Entwickler sind weitaus weniger entspannt bei dem Thema. Wer sich einmal durch ein paar Online-Foren wälzt, in denen Nutzer Rat zum Thema Werbeblocker suchen, findet oft verärgerte Antworten von Entwicklern, die um ihr Einkommen besorgt sind. Die meisten Android-Nutzer sind sich einig, dass diejenigen Entwickler, die es übertreiben – etwa in jeder halbwegs freien Ecke der App Werbung platzieren, die womöglich auch noch die Navigation in der App und die genrelle Benutzung des Smartphones behindert – Werbung generell einen schlechten Ruf verpassen.

Donnerstag den 15.03.2012 um 10:15 Uhr

von Liane Cassavoy

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