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Wenn-Dann-Regeln im Internet der Dinge nutzen

12.09.2015 | 09:41 Uhr |

Der Automatisierungsdienst „If this then that“ (IFTTT) lässt sich auch für das Internet of Things nutzen. Lesen Sie, was alles jetzt schon möglich ist und wo noch ganz viel Potenzial für die Zukunft liegt.

Die Verknüpfung ist naheliegend. Der Automatisierungsservice „If this then that“ ( IFTTT ) verbindet mittlerweile fast 200 Online-Dienste miteinander, weshalb soll dies nicht auch für miteinander kommunizierende Hardware funktionieren? Derzeit sind im „Internet der Dinge“ (Internet of Things: IoT) weltweit etwa fünf Milliarden Geräte miteinander vernetzt, 2020 wird diese Zahl nach einer Prognose der Marktforscher von Gartner auf ca. 25 Milliarden steigen. Wenn all diese Geräte Daten produzieren, senden und empfangen, müssten sie sich doch auch mit IFTTT verarbeiten und nutzen lassen.

Erste Einsatzmöglichkeiten existieren, doch häufig hapert es noch an der Umsetzung. Zum Teil sind sich die Hardware-Hersteller (noch) nicht der Möglichkeiten bewusst. Zum Teil setzen die Unternehmen aber auch auf proprietäre Lösungen oder exklusive Partner, die Zusammenarbeit von BMW und Deutscher Telekom über die Qivicon-Plattform ist da nur ein Beispiel.

Lesetipp: Die 15 cleversten IFTTT-Tricks für Android

Immer mehr Firmen nutzen jedoch das Potenzial ihrer IoT-Lösungen für weitergehende Automatisierungen mit IFTTT, beispielsweise beim Smart Home oder Connected Car . Wir geben einen Überblick über den status quo der IFTTT-Hardware-Automatisierung und konkrete Hilfestellung dort, wo es noch hakt. Ein Ausblick zeigt, was in den nächsten Jahren kommen wird.

Internet of things: einzelne Hardware unterstützt IFTTT

Seit der Gründung von „If this then that“ vor fünf Jahren stehen Online-Dienste und die sozialen Medien im Vordergrund: Das automatische Speichern von Mail-Anhängen in der Dropbox oder der Alarm bei aufziehendem Unwetter sind nur zwei Beispiele.

Neben der Deutschen Telekom arbeiten bereits eine Reihe weiterer Firmen bei der Smart-Home-Plattform Qivicon mit, nutzen über IFTTT lassen sich die Daten bisher nicht.
Vergrößern Neben der Deutschen Telekom arbeiten bereits eine Reihe weiterer Firmen bei der Smart-Home-Plattform Qivicon mit, nutzen über IFTTT lassen sich die Daten bisher nicht.
© Qivicon

Gerade der Wetter-Kanal , der seine Daten von Yahoo bezieht, ist ein gutes Beispiel für die Beschränkungen eines Online-Dienstes. Zwar kann man darin den Ort des Geschehens bzw. der Aktionen angeben, doch „Berlin“, „Hamburg“ oder „München“ allein sagen noch wenig über die lokalen Verhältnisse im Stadtteil. Während dort noch die Sonne scheint, kann woanders im Stadtgebiet ein regelrechter Platzregen niedergehen. Eine Wetterstation zuhause weiß viel präziser, wann die Lichtjalousien wegen starken Windes von der Smart-Home-Zentrale hochzuziehen sind. Auch dafür gibt es Lösungen als Smart-Home-Gesamtpaket, doch die funktionieren meist nur proprietär. Die Messdaten stehen also für nichts anderes zur Verfügung. Ließen sich lokale Messstation und Smart-Home-Aktoren über IFTTT miteinander verbinden, könnte man im Nu fast beliebige Szenarien steuern.

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Dabei ist das Internet of Things längst in vielen Bereichen im Einsatz: Apps und Webdienste der Deutschen Bahn zeigen – zumindest im Prinzip – aktuelle Verspätungen, Zugausfälle und ähnliches, doch eine IFTTT-Anbindung mit allen daraus resultierenden Möglichkeiten fehlt. Im konkreten Beispiel bleibt nur die Möglichkeit, über eine E-Mail des Verspätungsalarms eine IFTTT-Aktion auszulösen – dazu später mehr. Ähnlich verhält es sich bei den Stau- und anderen Echtzeitverkehrsdaten auf der Straße: Tomtom, Google, Nokia, Garmin, Inrix usw. haben sie und nutzen sie auch für eigene Zwecke wie schnellere Umleitungen, systematisch von außen nutzbar sind die Verkehrsdaten aber nicht.

Smart Home stark bei IFTTT vertreten

Ein Blick in die bereits erwähnten Online-Dienste bzw. Geräte mit IFTTT-Anbindung zeigt, dass die Rubrik Smart Home / Connected Home schon ganz beachtlich bestückt ist. Da finden sich die Harmony-Fernbedienungen samt Online-Steuerung von Logitech, die intelligenten Hue-LED-Leuchten von Philips ebenso wie die in vor allem in den USA verbreitete Lifx-Beleuchtung, die von Google aufgekauften Thermostate und Rauchmelder von Nest , die Tado-Heizungssteuerung und diverse Wemo-Produkte von Belkin. Auf die Schaltsteckdose Wemo Switch gehen wir noch genauer ein.

Belkin bietet für diverse seiner Wemo-Produkte für das intelligente Haus eine IFTTT-Anbindung, so auch für die Schaltsteckdose Wemo Switch (rechts im Bild die Variante für US-Stecker).
Vergrößern Belkin bietet für diverse seiner Wemo-Produkte für das intelligente Haus eine IFTTT-Anbindung, so auch für die Schaltsteckdose Wemo Switch (rechts im Bild die Variante für US-Stecker).
© Belkin

Mit diesem Produkt für weniger als 40 Euro lassen sich dank WLAN-Anbindung an den Router daheim beliebige Verbraucher nicht nur per Smartphone-App steuern, sondern auch automatisiert in Abhängigkeit anderer Dinge. So kann die Steckdose das Licht einschalten, wenn man sich dem Zuhause nähert. Derzeit lässt sich die GPS-gestützte Funktion (ohne zusätzliche Tricks) allerdings nur auf dem iPhone und iPad nutzen. Oder die Klimaanlage startet automatisch, sobald die Außentemperatur einen einstellbaren Grenzwert überschreitet.

Im IFTTT-Channel Wemo Switch existieren viele weitere fertige Recipes, die Beispiele ließen sich fortsetzen. Darüber hinaus können Sie einfach eigene Regeln definieren.

Geräte steuern ist mit der Schaltsteckdose Wemo Switch kein Problem. Die Regel unten schaltet die Steckdose oberhalb 21 Grad Außentemperatur (69 F) ein.
Vergrößern Geräte steuern ist mit der Schaltsteckdose Wemo Switch kein Problem. Die Regel unten schaltet die Steckdose oberhalb 21 Grad Außentemperatur (69 F) ein.

Auch bei der Philips Hue ist die Auswahl groß, als Beispiel sei das Zusammenspiel mit der Familien-Location-App Life360 genannt: „Vorsicht, Dad kommt nach Hause, Konsolen aus!“ könnte ein automatische Warnung der Kinder heißen.

In einer eigenen Rubrik, nämlich unter „Fitness and Wearables“, aufgeführt sind die Sport- und Fitnesstracker, darunter Fitbit, Up Jawbone, Nike+ und Withings. Auch hier handelt es sich um IoT-Geräte, die Daten erheben und damit andere Dinge auslösen und steuern können.

Connected Car bietet viel Potenzial

Internet-Anbindung, das Kommunizieren der Autos untereinander (Car to Car) oder zu anderen Geräten (Car to X), der automatische Notruf eCall und das autonome Fahren sind nur einige Stichpunkte, die zeigen, wie sich die technischen Möglichkeiten, die Erwartungshaltung der Käufer und die IT-Hardware im Fahrzeug innerhalb weniger Jahre grundlegend geändert haben. So werden – bzw. sind es längst – moderne Fahrzeuge Teil des Internet of things, die eine Vielzahl von Daten erzeugen, die sich wieder abseits des Autos verwenden lassen. Voraussetzung ist natürlich, dass diese Daten nicht nur beim KFZ-Hersteller oder bei Google und Co. bleiben, sondern dass sie auslesbar und somit wieder über IFTTT mit anderen Diensten verknüpfbar sind.

Den Ansatzpunkt zum Erfassen der Daten aus dem Auto bietet die OBD-Schnittstelle (Onboard Diagnostics), die seit Jahren in jedem Wagen eingebaut ist. Für diese 16-polige Steckbuchse gibt es günstige Funk- und USB-Adapter, welche die Motor- und Fahrzeugdaten an geeignete Apps auf dem Smartphone oder Tablet bzw. an PC-Software weitergeben. Die Auswerte- und Diagnosemöglichkeiten sind enorm, ihnen widmen wir einen separaten Artikel .

Der Automatic-Adapter fürs Auto (ganz rechts unten) bietet nicht nur im Web und auf Mobilgerät aufbereitete Fahrdaten, diese lassen sich auch über „If this then that“ mit anderen Diensten koppeln.
Vergrößern Der Automatic-Adapter fürs Auto (ganz rechts unten) bietet nicht nur im Web und auf Mobilgerät aufbereitete Fahrdaten, diese lassen sich auch über „If this then that“ mit anderen Diensten koppeln.
© Automatic

Jedoch verfügt keiner der hierzulande erhältlichen OBD-Adapter oder Services über eine IFTTT-Anbindung, auch nicht das neue All-in-one-Paket Car Connection des Mobilfunkproviders O2. Anders in den USA: Dort ist unter der Bezeichnung Automatic für knapp 100 US-Dollar der „Smart Driving Assistent“-Adapter erhältlich, der einfach in die OBD-Buchse im Auto gesteckt wird. Die Hardware verbindet sich nun aber nicht nur wie üblich über Bluetooth LE oder WLAN mit der Smartphone-App (Android und iOS), der Hersteller bietet auch IFTTT-Anbindung. So sendet das Fahrzeug beispielsweise automatisch an die Werkstatt per Mail einen kompletten Fehlerbericht, wenn die Motorwarnlampe leuchtet. Oder man verbindet die Automatic-App mit einer ans Internet angeschlossenen Außenbeleuchtung und schaltet diese ein, sobald man nach Hause kommt.

Diese Verkehrslage-Dienste gibt es für Autofahrer

Möglichkeiten gibt es zuhauf, in Deutschland muss man sich mit der Kombination von einem Bluetooth-OBD-Adapter ab zehn Euro und der Android-App Dash helfen: Zu Dash existieren ebenfalls IFTTT-Recipes , darunter das vollautomatische Abspeichern jeder Fahrt auf Google Drive oder in der Dropbox. Mit der Android-App Torque Pro ist dies nicht möglich, denn die Mail- und Social Media-Anbindung muss man hier stets manuell auslösen. Einzig über Twitter-Tweets lassen sich zusammen mit Twitter-IFTTT-Regeln weitere Aktionen anstoßen. Die Tweets beschränken sich jedoch auf das regelmäßige Absetzen, singuläre Ereignisse wie die Motorwarnung sind damit nicht nutzbar.

In Deutschland bisher nicht verfügbar: Der OBD-Adapter von Automatic, der sich per Smartphone-App mit weiteren Diensten koppeln lässt: beispielsweise automatische Mails an die Werkstatt.
Vergrößern In Deutschland bisher nicht verfügbar: Der OBD-Adapter von Automatic, der sich per Smartphone-App mit weiteren Diensten koppeln lässt: beispielsweise automatische Mails an die Werkstatt.

Stau- und Verkehrsdaten sowie Verspätungsmeldungen bisher ungenutzt

Sinnvoll und praktisch wäre es auch, wenn sich die vielen im Internet ohnehin vorhandenen Daten von Verkehrsträgern sowie Straßen allgemein nutzen ließen. Warum sollte man früher zum Bahnhof gehen oder fahren, wenn sich die Zugabfahrt ohnehin um 30 Minuten verzögert? Weshalb sollte man vor der Fahrt mit dem Auto zur Arbeit erst manuell auf Google Maps oder sonstwo die Verkehrslage prüfen? Ein automatischer Push nach dem Muster „Achtung: heute 25 Minuten Stau auf dem Arbeitsweg“ oder gleich ein rotes Flackern der Hue-Leuchte am Morgen würden als Signal genügen. Oder: Welche Aufzüge an welchen U-Bahn-Haltestellen sind gerade außer Betrieb, so dass man sich diesen Weg mit Koffer oder Kinderwagen besser spart?

Die Daten sind vielfach vorhanden, aber zersplittert und nicht systematisch. Jeder Anbieter macht bzw. lässt, was er will. Da muss auch das verkehrsträgerübergreifende Mobilitätsportal Qixxit passen, das im Prinzip die Reiseplanung mit Bahn, Bus, Flugzeug, Carsharing, Mietwagen, Taxi usw. ermöglicht. Denn wenn die Kooperationspartner die Echzeitverkehrsdaten nicht liefern, können Qixxit-App und -Webseite sie auch nicht anzeigen.

Die Deutsche Bahn selbst bietet nur eingeschränkte Benachrichtigungsmöglichkeiten bei Verspätungen. Zwar lässt sich nach dem Einloggen auf der Webseite der Bahn ein „Verspätungsalarm“ einrichten, doch das muss mindestens ein Tag vor der Fahrt geschehen – spontan geht also nichts. Außerdem ist die Benachrichtigung auf eine im System hinterlegte Mail-Adresse beschränkt. Abholer stehen deshalb ohne Infos dar, wenn man sich nicht mit einer manuellen Mail-Weiterleitung und/oder dem IFTTT-Recipe „Connect Email to SMS“ hilft. Das funktioniert übrigens mit jedem Handy und ohne Internet.

Erst IFTTT-Rezepte wie diese Mail-zu-SMS-Regel machen den eingeschränkten Mail-Verspätungsalarm der Deutschen Bahn weitergehend nutzbar.
Vergrößern Erst IFTTT-Rezepte wie diese Mail-zu-SMS-Regel machen den eingeschränkten Mail-Verspätungsalarm der Deutschen Bahn weitergehend nutzbar.

Alternativ hilft man sich über die Zugradar-Webseite oder die gleichnamigen Apps (Android, iOS, Windows Phone), die die aktuelle Position der Züge inklusive Verspätung anzeigen – hier muss man allerdings jeweils aktiv suchen. Mitunter hilft auch etwas Basteln, wie ein Blog am Beispiel der Schweizer Bahnen SBB mit einem Twitter-Filter zeigt.

Mehr Möglichkeiten bieten viele Fluggesellschaften. Bei der Lufthansa kann man sich per SMS, Mail, Twitter oder Facebook über den aktuellen Flugstatus und kurzfristige Änderungen informieren lassen, ideal für die Weiterverarbeitung mit IFTTT. Bei den Fernbussen differieren die Alarmoptionen von Anbieter zu Anbieter. Doch Benachrichtigungen erst bei mehr als 30 Minuten Verspätungen reduzieren bestenfalls die Flut der Nachrichten, helfen den Fahrgästen aber nur sehr eingeschränkt. Enttäuschend stellt sich die Situation derzeit bei den Staus- und Verkehrsinfos auf der Straße dar: Die Echtzeitdaten sind vorhanden, einfach nutzen lassen sie sich nicht: Automatische Benachrichtigungen existieren gerade einmal in Ansätzen.

Staus im morgendlichen Berufsverkehr in München. Warum lassen sich die vorliegenden Verkehrsdaten nicht einfach über IFTTT mit Folgeaktionen verbinden?
Vergrößern Staus im morgendlichen Berufsverkehr in München. Warum lassen sich die vorliegenden Verkehrsdaten nicht einfach über IFTTT mit Folgeaktionen verbinden?

Fazit: Internet of Things steht erst am Anfang

Einerseits existieren bereits interessante und nützliche Verknüpfungen zwischen intelligenter Hardware und dem Dienst „If this then that“. Doch angesichts der Tatsache, dass bereits fünf Millionen Geräte Teil des Internets of Things sind, ist die Zahl verschwindend klein. Das Potenzial aber ist vorhanden, wie der Mobilitätssektor beispielhaft zeigt: Da liegen viele Möglichkeiten brach, was vor allem vor dem Umstand bedauerlich ist, dass die Daten im Prinzip bereits vorliegen.

In ein paar Jahren wird die Welt wegen der massiv gestiegenen Zahl der Geräte, die mit dem Internet verbunden sind, sehr viel automatisierter sein als heute – nicht zuletzt über personalisierbare Dienste wie IFTTT. Ein interessanter Ansatz ist die brandneue App Higgns , die Amazons Smart-TV-Box Fire TV zum Steuern und zur IFTTT-Verknüpfung verwendet, oder das deutsche iHaus-Projekt . Werfen Sie zum Schluss mal einen Blick in die kleine IoT-IFTTT-Zusammenstellung : Dort existiert sogar eine Regel für den automatischen Anruf aufs Handy, wenn der Nachwuchs daheim an die Bar mit dem Hochprozentigen geht.

Obwohl der Hersteller (bisher) IFTTT offiziell nicht unterstützt, lässt sich die Fritzbox über einen Mail-Push für diverse Wenn-Dann-Szenarien und weitergehende Aktionen verwenden.
Vergrößern Obwohl der Hersteller (bisher) IFTTT offiziell nicht unterstützt, lässt sich die Fritzbox über einen Mail-Push für diverse Wenn-Dann-Szenarien und weitergehende Aktionen verwenden.
© AVM

Zum Schluss darf der Datenschutzaspekt nicht fehlen: So praktisch der Dienst „If this then that“ ist, so handelt es sich bei IFTTT um einen Cloud-Dienst aus den USA, der wiederum viele weitere Cloud-Dienste und andere Services, für die ein persönlicher Online-Account erforderlich ist, verknüpft. Damit IFTTT diese Accounts überwachen und auswerten kann, muss man dem Regeldienst den Zugriff auf das jeweilige Konto gewähren. Hinsichtlich des Datenschutzes ist das bedenklich. Denn was passiert, wenn der Dienst einmal gehackt werden sollte? Wer garantiert für die Datenintegrität, falls IFTTT verkauft wird? Wie nutzt IFTTT die möglichen Verknüpfungen zwischen den ansonsten unabhängigen Accounts? Letztlich muss jeder Anwender für sich selbst entscheiden, ob und in welchem Maß er IFTTT nutzen möchte.

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