11.08.2009, 09:45

Ruwen Schwerin

Existenzgründung

Was Sie beachten müssen

Auf dem Weg zur Selbstständigkeit dürfen Sie nie aus den Augen verlieren, dass letztlich eine solide Planung, das Beherrschen des nötigen Handwerkszeugs, eine transparente finanzielle Planung und eine Absicherung für alle Fälle unerlässlich sind. In den wenigsten Fällen wird man sich bereits am Anfang des langen Weges für alles entsprechend erfahrenes Personal leisten können. Das heißt, dass unterm Strich sehr viel organisatorische Arbeit an Ihnen hängen bleiben wird. Die Zusammenarbeit mit einem Anwalt und einem Steuerberater wird dagegen in den wenigsten Fällen entbehrlich sein und somit zusätzliche Kosten verursachen.
Auch ein langer Weg führt irgendwann ans Ziel - aber nur, wenn man sich nicht verläuft:
Die Idee und das Konzept
Die Selbstständigkeit ist ein vielschichtiges Vorhaben. Je nach Rechtsform kann und wird Ihnen zwar niemand hineinreden, solange Sie selbst bereit sind, finanzielle Risiken zu tragen und das nötige Kapital haben. Doch an erster Stelle des Weges steht natürlich die Idee selbst. Von Ihrer Idee sollten nicht nur Sie überzeugt sein, sondern sie sollte auch eine realistische Chance auf Erfolg haben. Dazu sollten sie nicht voreilig sein, sondern alle Eventualitäten bedenken und dabei an alle Faktoren und Widrigkeiten der Realität denken. Außerdem muss bei Ihnen (oder anderen) die für das Konzept erforderliche Qualifikation vorhanden sein. Hierbei kann Ihnen immer der gute Rat von anderen helfen.
Der Name
Der Name ist das Aushängeschild Ihres Unternehmens. Sie sollten sich hier frühzeitig Gedanken machen, welcher Name am besten geeignet ist. Ganz unabhängig davon müssen Sie beachten, dass in vielen Bereichen Namensvorschriften gelten. Beachten: Durch eine Eintragung ins Handelsregister besteht ein gewisser (beschränkter) Namensschutz. Wollen Sie einen intensiveren Schutz, dann sollten Sie sich über die Möglichkeiten einer Markeneintragung informieren - diese ist allerdings auch mit Kosten verbunden.
Der richtige Zeitpunkt
Erlauben Ihre persönlichen, finanziellen und gesundheitlichen Verhältnisse den Schritt in die Selbstständigkeit? Oder wäre ein anderer Zeitpunkt besser geeignet? Lassen Sie sich die nötige Zeit, überstürzen sie nichts. Sind Sie aufgrund anderer Dinge in ihrem Leben bereits stark eingebunden, könnte zu wenig Zeit und Kapazität für die Selbstständigkeit vorhanden sein.

Die richtige Rechtsform
Um die Vorteile der verschiednen Rechtsformen (in Bezug auf die jeweils relevanten Steuergesetze, Risiken und Mitbestimmungsrechte) ausnutzen zu können, sollten Sie gründlich überlegen, welche Rechtsform für Sie die beste ist. Die Übersicht auf der vorherigen Seite konnte Ihnen diesbezüglich einen ersten Überblick geben.
Kaufmännische Kenntnisse, unternehmerische Erfahrung und Branchen-Know-how
Je nach Unternehmensbereich sollte man nicht unterschätzen, dass für eine erfolgreiche Gründung und Führung mehr oder weniger stark kaufmännische Kenntnisse und Erfahrung mit der jeweiligen Branche entscheidend für das eigene Unternehmen sein können. Bedenken Sie auch, dass im geschäftlichen Umfeld unter Umständen Tätigkeiten auf Sie zu kommen, die Sie bisher so nicht kannten. Schon einfache Dinge, wie eine Rechnungsausstellung, können an einfachen Fehlern scheitern und zu Verzögerungen führen. Eine gute Buchführung muss Einnahmen und Ausgaben festhalten und dadurch immer die finanzielle Situation des Unternehmens abbilden - das entscheidet nicht selten direkt über den Erfolg eines Unternehmens.

Finanzielle Planung
Finanzielle Planungen und Kalkulationen sind mehr als bloße Zahlen. Sie sollten immer - von der Startphase bis hin zu einem expandierenden Geschäftsbetrieb - alle finanziellen Belange stetig im Auge behalten. Im Folgenden werden einige Punkte angesprochen, aber eine komplette, professionelle Finanzierungsplanung mit Bedarfs- und Umsatzplanung, Rentabilitätsvorschau und Liquiditätsplan darf nicht fehlen.
In der Planungsphase sollten Sie berechnen, ob die Selbstständigkeit überhaupt eine Gewinnerwartung in Aussicht stellt, die sich für Sie lohnt. Dann sollten Sie die Aufstellung des Startkapitals kalkulieren. Was benötigen Sie rechtlich, was ist für die Verwirklichung Ihrer Idee nötig. Denken Sie kurz- und langfristig.
Welche Finanzquellen Ihnen zur Verfügung stehen, sollten Sie frühzeitig und realistisch in Ihr Konzept einplanen: Eigenes Geld, private oder geschäftliche Beteiligungen, Kredite und Förderungen (dazu siehe auch nächste Seite). Achten Sie immer auf Bedingungen (etwa Zinsen) und planen Sie diese langfristig in Ihre Berechnungen mit ein, etwa auch für den Fall, dass die Gewinnerwirtschaftung geringer ist als eingeplant.
Die Liquidität Ihres Unternehmens ist im Laufe der Geschäftstätigkeit ein wichtiger Faktor. Laufende Rechnungen müssen bezahlt werden. Die Liquidität sollten einige Monate (am besten zwölf) im Voraus geplant werden. Wenn der Selbstständige den Kapitalbedarf für Forderungen und nötige Wareneinkäufe zu gering einschätzt, scheitert daran nicht selten das ganze Unternehmen.
Ein wesentlicher Faktor ist auch die richtige Einplanung von Steuern. Im ersten Jahr geht das Finanzamt etwa von Ihren Angaben über den erwarteten Gewinn aus. Doch Sie müssen immer damit rechnen, dass es anders als erwartet kommen kann - und das auch zu Ihren Ungunsten. Am Steuerberater sollte man am besten nicht sparen, denn dieser Bereich bietet auch viel Potential für eigene Einsparungen.
Preisplanung
Es ist nicht einfach, den idealen Absatzpreis für ein Produkt oder eine Dienstleistung zu finden. Einerseits muss jemand kaufen, andererseits müssen die Erlöse die Kosten denken. Bedenken Sie das rechtzeitig und schauen Sie sich auf dem Markt um.
Absicherung
Die finanzielle Absicherung des Unternehmens und je nach Rechtsform auch der beteiligten Personen ist – auch für die Zukunft – zu bedenken. Gehen Sie hierbei nicht nur von idealen Bedingungen aus, sondern planen Sie Rückschläge und Härten angemessen ein.
Handelsregister/Genossenschaftsregister
Grundsätzlich müssen Unternehmensgründungen in das Handelsregister eingetragen werden. Ausnahmen sind hier nur Freie Berufe und Kleingewerbetreibende, wobei letztere sich freiwillig eintragen lassen können. Bei Genossenschaften muss eine Eintragung ins Genossenschaftsregister beim Amtsgericht erfolgen.
Gewerbeanmeldung
Jede Aufnahme einer selbstständigen Tätigkeit ist in Deutschland anmeldepflichtig. Dazu teilen Sie ihrer Kommune mit, welche konkrete Tätigkeit Sie beginnen. Ausgenommen sind hier z.B. Freiberufler. Tipp: Das Internet bietet heute oft die Möglichkeit, sich online anzumelden und zu informieren. Nutzen Sie diesbezügliche Angebote Ihrer Kommune.
Genehmigungsverfahren
Grundsätzlich benötigen sie wegen der Gewerbefreiheit in Deutschland nach der Anmeldung keine zusätzliche Genehmigung. Ausnahmen gibt es hier nur bei einigen Branchen, unter anderem für das Handwerk, das Reisegewerbe, Spielhallen und Gaststättenkonzessionen. Erkundigen Sie sich vorher, welche speziellen Genehmigungen Sie benötigen.
Andere gesetzliche Anforderungen
Zu beachten sind auch alle weiteren möglichen gesetzlichen Anforderungen. Darunter könnten die folgenden Punkte fallen: Arbeits- und Gesundheitsschutz für Beschäftigte, Umweltschutz, Anforderungen an Räumlichkeiten, Denkmalschutz. Informieren Sie sich rechtzeitig und planen Sie Zeitverzögerungen und zusätzliche Kosten ein.
Versicherungen
Sicherheit geben Ihnen, Ihrem Unternehmen und evtl. Ihren Beschäftigten die entsprechenden Versicherungen. Erkundigen Sie sich, welche Versicherungen vorgeschrieben sind, und welche freiwilligen Versicherungen für Ihren speziellen Fall empfehlenswert sind. Bedenken Sie dabei:
Betriebliche Versicherungen. Überlegen Sie genau, welche betrieblichen Versicherungen sie benötigen, wie hoch entsprechende Risiken für Ihren Bereich sind und welche genauen Bedingungen für Sie am sinnvollsten sind. Zu beachten z.B.: Betriebs-Haftpflichtversicherung, Betriebs-Unterbrechungsversicherung, Versicherungen für Folgen von Naturereignissen und für Berufsversehen bei Dienstleistern und Freien Berufen, Sachversicherung, Elektronik-, Feuer- und Kfz-Versicherungen, Produkt- und Umwelthaftpflichtversicherungen.
Persönliche Versicherungen. Denken Sie auch an sich und gegebenenfalls an Ihre Beschäftigten. Eine langwierige Krankheit oder ein Unfall sind für Selbstständige im Gegensatz zu Angestellten ein besonderes Risiko. Was Sie benötigen: Krankenversicherung, Krankentagegeld-Versicherung, Pflegeversicherung, Unfallversicherung, Alters- und Hinterbliebenenversicherung. Erwerbsminderungs-, Berufsunfähigkeits- und Rentenversicherung - bedenken Sie hier auch private Zusatzversicherungen. Eine freiwillige Arbeitslosenversicherung für Selbstständige ist möglich. Tipp: Auch Selbstständige haben Anspruch auf Elterngeld auf Grundlage der Einkommensteuererklärung.
Mitarbeiter
Wenn Sie Mitarbeiter benötigen, dann gilt es viele damit zusammenhängende Fragen frühzeitig zu klären. Welche Beschäftigungsform ist sinnvoll und kann diese finanziert werden? Beachten Sie auch Ihre Pflichten als Arbeitgeber: Anmeldung, Versicherungsbeiträge, Urlaubsansprüche, Kündigungsbelange, Pflichtquote für Schwerbehinderte und andere gesetzliche Regelungen (etwa Arbeitszeiten und Gesundheitsvorsorge).
Standortwahl und Räumlichkeiten
Suchen Sie sich baulich und örtlich geeignete Geschäftsräume. Planen Sie Kosten und Folgekosten ein. Je nach Unternehmenstyp sollten Sie auch Übergangslösungen (eigenes Haus) und Bürogemeinschaften (Kostenersparnis) in Betracht ziehen. Je nach Relevanz für die jeweilige Branche sollten Sie bedenken, dass die Lage Ihres Unternehmens entscheidende Bedeutung haben kann - einerseits bezüglich der Nähe zu potentiellen Kunden und vielleicht auch zu Laufkundschaft, andererseits bezüglich der Anbindung an eine geeignete Infrastruktur.
Unternehmensführung
Wenn das Unternehmen läuft, dann stellen sich immer neue, komplexe Aufgaben im Bereich Marketing. Das ist nicht nur Werbung, sondern umfasst, dass Sie die Kunden und die Konkurrenz im Auge behalten und Ihr Unternehmen den jeweiligen Begebenheiten anpassen.
Krisenmanagement
Auch Krisen müssen bedacht und notfalls bewältigt werden. Es ist keine Schande, wenn Sie etwas falsch machen, aber es kann der Untergang Ihres Unternehmens sein, wenn Sie das nicht bemerken oder nicht die richtigen Gegenmaßnahmen einleiten.
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