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Vorsicht Kostenfalle – so surfen Sie günstig im Urlaub

23.07.2014 | 09:05 Uhr |

Internet im Ausland ist teuer! Falsch, denn inzwischen ist der Mobilzugang richtig günstig – vorausgesetzt, man tappt nicht doch in die Kostenfalle. PC-WELT erklärt, wo sie lauert.

Alles wird gut, aber es dauert noch ein bisschen! Denn es zieht sich noch bis zum Dezember 2015, bis nämlich die Roaming-Gebühren innerhalb der EU ein für alle Mal abgeschafft werden. So sehen es die aktuellen Pläne des Europäischen Parlaments vor, denen die Mitgliedsstaaten nur noch zustimmen müssen.

Besonders in der Vergangenheit waren die zum Teil horrenden Zusatzentgelte beim Surfen und Telefonieren nicht nur ein Ärgernis, sondern eine regelrechte Abzockerei. Während im Inland ein MByte mobiles Datenvolumen per Flatrate gerade einmal um einen Cent kostet, können sich die Kosten für die gleiche Datenmenge im Ausland auf rund 20 Euro belaufen – das ist das 2.000-fache. Kein Wunder, wenn angesichts solcher Preise viele Urlauber Angst vor hohen Kosten während einer Auslandsreise haben. Nach einer aktuellen Umfrage der EU-Kommission reduzieren 94 Prozent der Befragten ihre mobile Internet-Nutzung. Knapp die Hälfte schaltet das Smartphone nicht einmal ein, wenn sie in anderen Ländern unterwegs sind.

Roaming-Gebühren: Vieles hat sich zum Besseren geändert

Die gute Nachricht lautet: Die schlimmsten Auswüchse sind vorbei. Kritiker monieren, dies habe viel zu lange gedauert und Urlauber seien von den Mobilfunk-Providern regelrecht ausgenommen worden. Tatsächlich ist es gerade einmal zwei Jahre her, da konnten beim technisch unbedarften Türkei-Urlauber beim Wiedereinschalten seines Handy am Flughafen innerhalb weniger Minuten Roaming-Gebühren von vielen Hundert Euro auflaufen – also mehr, als manche einwöchige All-Inclusive-Reise kostet. Denn als Nichtmitglied der Europäischen Union existierte dort bis Mitte 2012 keinerlei Kostenlimit .

Dies hat sich erst mit der dritten EU-Roaming-Verordnung geändert, die beim mobilen Datenroaming seit dem 1. Juli 2012 auch weltweit gültig ist. Danach dürfen die Mobilfunkanbieter, sofern sie ihren Sitz innerhalb der EU haben, ihren Kunden bei einem Auslandaufenthalt maximal 50 Euro netto pro Monat berechnen. Für Deutsche liegt der „Kostenairbag“ zusammen mit dem Mehrwertsteuersatz von 19 Prozent also bei knapp 60 Euro (59,50 Euro).

Kostenlos über Skype telefonieren

Fünf Euro für eine Woche und 120 MByte Datenvolumen: Bei EU-Internet-Paketen von Resellern wie Aldi Talk kann man nicht viel falsch machen – selbst wenn man sonst einen anderen Mobilfunkvertrag hat.
Vergrößern Fünf Euro für eine Woche und 120 MByte Datenvolumen: Bei EU-Internet-Paketen von Resellern wie Aldi Talk kann man nicht viel falsch machen – selbst wenn man sonst einen anderen Mobilfunkvertrag hat.

So verbraucherfreundlich diese gesetzliche Regelung klingt, so existiert eine gefährliche Lücke. Kann nämlich der Providerpartner im Nicht-EU-Ausland die Handy-Nutzung nicht in Echtzeit überwachen, greift die Grenze nicht. Die zuständige Bundesnetzagentur formuliert dazu klar: „Dies (der Kostenairbag) findet jedoch keine Anwendung, wenn der Betreiber eines besuchten Netzes in dem besuchten Land außerhalb der EU es nicht zulässt, dass der Roaming-Partner das Nutzungsverhalten seines Kunden in Echtzeit überwacht“. Formal genügt dann eine kurze Hinweis-SMS bei der Einreise, doch in der Praxis kann sich deren Zustellung verzögern. Dann erfährt der Kunde erst viel zu spät davon und es drohen die genannten Roaming-Gebühren bis 20 Euro pro MByte. Die EU-internen Höchstsätze pro Datenmenge kommen hier ja nicht nur Anwendung.

Im Zweifelsfall informieren Sie sich vor dem Urlaub genau über die Regelungen und Partner Ihres Providers im Ausland, beschränken das Roaming auf bestimmte Anbieter oder schalten die Funktion für ein paar Stunden ganz ab. Erhalten Sie in dieser Zeit keine Warn-MS, sind Sie über die 60-Euro-Grenze auf der sicheren Seite.

In der EU gelten neue Höchstgrenzen für mobiles Internet

Innerhalb der Europäischen Union wurden zum 1. Juli die Höchstpreise beim Telefonieren und für mobiles Internet turnusmäßig nochmals gesenkt, die Provider folgen damit den Vorgaben aus Brüssel. So kosten Handygespräche in anderen EU-Ländern jetzt maximal 22,6 Cent pro Minute (bisher 28,5 Cent), ankommende Gespräche höchstens sechs Cent (bisher 8,3 Cent).

Noch stärker fällt die Kostensenkung beim mobilen Internet aus: Musste man bis vor kurzem bis zu 53,5 Cent pro übertragenen MByte zahlen, dürfen jetzt höchsten 23,8 Cent berechnet werden. Der Empfang von SMS bleibt kostenlos, der SMS-Versand sinkt von 9,5 Cent auf 7,1 Cent pro Nachricht. Die neuen Gebühren gelten nicht nur in den Mitgliedsstaaten, sondern auch in Lichtenstein, Norwegen und Island. Für die Schweiz als Deutschlands Nachbar und die Türkei als beliebtes Urlaubsziel gelten die EU-Sätze aber weiter nicht.

Trotz dieser schon deutlich gesunkenen Online-Preise empfiehlt sich für viele Auslandsreisen ein „Urlaubspaket“ oder „EU-Internet-Paket“. Ähnlich wie die auf Deutschland beschränkten mobilen Internet-Flatrates beinhalten diese Pakete ebenfalls in begrenztes Datenvolumen. Gerade hier haben viele Anbieter in den vergangenen Wochen deutlich nachgebessert und offerieren jetzt nicht mehr nur 50 oder 60 MByte pro Woche, sondern das Doppelte. Und noch eine Besonderheit: Diese Urlaubspakete enden nach der üblichen Laufzeit von einer Woche automatisch, sie verlängern sich also nicht selbstständig. Man kann sie bei einem längeren Aufenthalt aber verlängern.

Hat man kein Paket gebucht, werden die Internet-Gebühren pro verbrauchtem Datenvolumen abgerechnet, also mit maximal 23,8 Cent pro MByte. Bei knapp 60 Euro wird die Verbindung über den Cut-off-Mechanismus gekappt, eine Warnung per SMS gibt es bei 80 Prozent dieses Betrags.

Die genauen Preise und Konditionen der unterschiedlichen Online-Pakete fürs Ausland variieren von Anbieter zu Anbieter. Schauen Sie deshalb bei Ihrem Provider nach, wo welche Preise gelten und ob beispielsweise die Schweiz oder andere Nicht-EU-Staaten im EU-Paket enthalten sind. Auslandspakete gibt es sowohl für Prepaid-Karten, für laufende Verträge der Reseller und für Kunden der Betreiber der Mobilfunknetze selbst. Die wichtigsten Auslandpreise von Deutscher Telekom, E-Plus/Base, O2 und Vodafone haben wir aktuell für Sie zusammengestellt.

Mobiles Internet und Handygespräche sind auf Kreuzfahrtschiffen nur in Küstennähe zu den üblichen EU-Gebühren möglich. Außerhalb der 12-Seemeilen-Zone wird es meist richtig teuer.
Vergrößern Mobiles Internet und Handygespräche sind auf Kreuzfahrtschiffen nur in Küstennähe zu den üblichen EU-Gebühren möglich. Außerhalb der 12-Seemeilen-Zone wird es meist richtig teuer.
© Aida

Vorsicht auf See: Auf Kreuzfahrtschiffen wird es teuer

Richtig aufpassen muss man auf Kreuzfahrtschiffen, auch im Mittelmeer oder der Ostsee. Denn gesetzlich gedeckelt sind nur die Roaming-Gebühren der Provider an Land, nicht aber das bordeigene Mobilfunknetz des Schiffes, das via Satellit ans Internet und weltweite Telefonnetz angeschlossen ist. Hier gilt, sich vorab genau zu informieren, auf welchem Schiff, mit welchem Satellitennetzbetreiber und zu welchen Roaming-Kosten man unterwegs ist. In Küstennähe ist das Einbuchen über den Land-Provider immer günstiger. WLAN gibt es auf den Schiffen natürlich auch. AIDA berechnet auf seinen Schiffen beispielsweise knapp 20 Euro pro Stunde, der Wochenpass kostet 159 Euro: nicht gerade wenig für eine mitunter sogar langsame Verbindung.

Günstige Alternativen: Ausländische SIM-Karten und Internet über WLAN

Für viele Urlauber dürfte ein mobiles Datenvolumen von 100 MByte pro Woche bereits reichen, sofern sie im Urlaub auf Videos, App-Updates und andere datenintensive Dienste verzichten. Ist das Limit vorzeitig erreicht, bucht man einfach das gleiche Paket noch einmal – angesichts der sonstigen Kosten im Urlaub spielen die paar Euro für ein EU-Paket ja nur eine untergeordnete Rolle.

Wer außerhalb der Europäischen Union Ferien macht oder deutlich mehr Traffic erzeugt und dennoch seine Kosten gering halten möchte, hat die Möglichkeit, WLAN zu benutzen oder sich die SIM-Karte eines ausländischen Providers zu kaufen. Damit bucht man ein Paket analog einer Internet-Flatrate im Inland.

Die „GSM Roaming and Coverage Maps“ zeigen providerspezifisch und über die Zoommöglichkeit sehr detailliert die Mobilfunkversorgung in aller Welt.
Vergrößern Die „GSM Roaming and Coverage Maps“ zeigen providerspezifisch und über die Zoommöglichkeit sehr detailliert die Mobilfunkversorgung in aller Welt.

Eine ständig aktualisierte und nach Ländern sortierte Liste mit Providern, Preisen, Konditionen und Hilfestellungen gibt es in englischer Sprache im Internet. Wer es bequem auf Deutsch haben und die Ausland-SIM-Karte schon vor dem Urlaub haben möchte, kauft eine solche bei einem der zahlreichen Online-Händler, z.B. bei Prepaid-Global.de. Und über die „ GSM Roaming and Coverage Maps “ sehen Sie genau, wo welcher Provider im Gastland überhaupt eine ausreichende Mobilfunkversorgung zur Verfügung stellt.

Meist kostenlos, aber eben auch potentiell unsicher ist die Online-Verbindung über WLAN, das im Ausland viele Restaurants, Hotels, Verkehrsmittel und andere Provider anbieten. Das Problem dabei: Man weiß meist nichts über die Sicherheit des Hotspots! Was beim normalen Surfen unerheblich sein mag, ist bei allen personalisierten Diensten mit Kennwörtern kritisch – und damit eben auch beim Smartphone-Gebrauch mit E-Mail, Messengern und sozialen Netzwerken usw.

Unser Tipp: Wenn immer Sie solche Funkverbindungen nutzen, verschlüsseln Sie die übermittelten Daten über einen VPN-Client und -Anbieter. Im Jahresabo kosten VPN-Dienste wie Hotspot Shield VPN oder Cyberghost VPN rund 30 Dollar bzw. Euro, kürzere Zeiträume lassen sich ebenfalls buchen. Mehr zum Thema finden Sie in unserem Ratgeber .

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