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Vorsicht vor den mobilen Assistenzsystemen

28.06.2015 | 10:22 Uhr |

Das Smartphone schickt sich an, der perfekte Assistent für unterwegs zu werden. Es hilft Ihnen, wenn Sie Informationen aktiv suchen, und es hilft Ihnen automatisch – ganz ohne, dass Sie danach gefragt hätten.

Moderne Assistenten:  Natürlich kennen Sie Navi-Apps oder die Internetsuche, die Ihnen unterwegs beistehen. Doch das ist längst nicht mehr alles, was moderne Assistenten am Smartphone leisten. Gerade dank der Kamera eines Handys können Apps weit mehr. So bieten Scanner-Apps wie Googles Goggles die Möglichkeit, Gegenstände zu erkennen und Infos dazu online einzuholen. Das funktioniert bei Produkten, Logos, Kunstwerken und bei bekannten Gebäuden. Die Analyse der Daten erfolgt stets auf den Servern von Google, damit der Suchmaschinenkonzern noch mehr über Sie erfährt.

Live-Übersetzer:  Im Ausland sind Live-Übersetzer-Apps nützlich. Besonders hilfreich sind diese, wenn einem das Alphabet des Gastlandes fremd ist. So helfen sie bei der Wegbeschreibung genauso wie bei einer Speisekarte. Voraussetzung ist natürlich, das Sie auch im Ausland eine Internetverbindung haben, denn die Übersetzung der von Ihnen fotografierten Zeichen findet natürlich wieder auf den Servern des App-Anbieters statt.

Automatische Unterstützung:  Am weitesten fortgeschritten mit seinem automatischen Assistenten ist Google. Er heißt Google Now und ist bei den meisten Geräten ab Android 4.1 bereits mit an Bord. Über sogenannte „Karten“, die sich als Widgets auf den Android-Homescreen legen lassen, versorgt Sie Google mit den Infos, die Sie augenblicklich und am jeweiligen Ort brauchen.

Dieser „Service“ funktioniert erstaunlich gut. Zumindest dann, wenn Sie zuvor Google möglichst viel von sich verraten: Nutzen Sie Google Mail als Postfach, Google Kalender als Terminplaner, Google Maps zur Navigation und Google Chrome als Internet-Browser. Dann sagt Ihnen Ihr Handy etwa, wann Sie aufbrechen müssen, um zum nächsten Termin pünktlich einzutreffen. Dabei berücksichtigt Google sogar die Wahl Ihres bevorzugten Verkehrsmittels, etwa Auto, Fahrrad oder öffentlicher Personenverkehr. Google Now informiert Sie auch über Pakete, die heute bei Ihnen eintreffen sollen, listet neue Artikel zu Themen, die Sie gerade interessieren oder weist Sie auf Sehenswürdigkeiten in der Nähe hin. Das vor allem dann, wenn Sie in einer anderen Stadt sind.

Google Now heißt der Dienst, der Ihnen Unterstützung und Infos genau dann anbietet, wenn Sie sie brauchen oder zumindest als besonders nützlich empfinden.
Vergrößern Google Now heißt der Dienst, der Ihnen Unterstützung und Infos genau dann anbietet, wenn Sie sie brauchen oder zumindest als besonders nützlich empfinden.

Spracherkennung, Fingerabdruck und Gesichtserkennung

Ihr Smartphone bietet sich zudem als Sprach­erkennungsassistent an. Am weitesten ist hier das iPhone mit dem Siri genannten Assistenten. Aber auch Google will mit Ok Google dem Nutzer ein Ohr leihen. Und Microsoft wird mit seinem Cortana genannten Assistenten Nutzern von Windows 10 bereit stehen.

Allen Assistenten gemeinsam ist, das die Analyse der Daten nicht auf dem Smartphone stattfindet, sondern auf den Servern der Hersteller. Zumindest von Siri ist zudem bekannt: Je öfter Sie die Spracherkennung nutzen, desto besser funktioniert sie. Ihr ganz persönliches Sprachmuster wird also mit jeder Abfrage besser erkannt und mit noch mehr Details auf den Servern von Apple gespeichert. Bei den Apps von Google und Microsoft wird es sich vermutlich ebenso verhalten.

Wer die Assistenten nutzt, hat also sein persönliches Stimmmuster hergegeben. Handys mit Fingerabdruck-Scanner, etwa das iPhone oder das HTC One Max, versprechen zwar, Ihren Fingerabdruck nur in verschlüsselter Form zu speichern, diese Sicherheit lässt sich aber anzweifeln. Die biometrischen Daten Ihres Gesichts schließlich haben Sie bereits preisgegeben, wenn Sie ein gutes Porträtfoto von sich etwa auf Facebook geladen haben.

Wenn es nichts kostet, dann bist du selbst die Ware

Die modernen Assistenten eines Smartphones sind unbestritten angenehme Reisebegleiter. Doch sammeln sie zusätzlich zu der bereits stattfinden Internetnutzung weitere, teils persönlichste Daten über Sie. Ein beliebtes Sprichwort in der IT lautet: Wenn es nichts kostet, dann bist du die Ware. Im Falle von Google liegt trifft das voll zu. Dort sind Sie die Ware, die Google an seine Werbekunden verkauft. Apple ist in dieser Hinsicht bisher kaum aufgefallen. Doch persönliche Daten müssen ja nicht immer direkt verkauft werden. Gelingt es Hackern, bei Apple einzubrechen, können die Daten auf diesem Weg in unerwünschte Hände gelangen. Auch hier gilt also: Je weniger man von sich preisgibt, desto weniger verliert man.

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