2098975

Vorsicht vor diesen fiesen Fallen beim Reise-Buchen online

14.09.2015 | 09:42 Uhr |

Servicegebühr hier, versteckte Kosten da. Online-Dienste und -Shop greifen gerne in die Trickkiste, um Kunden erst mit günstigen Angeboten zu locken und dann teuer abzuzocken.

„Sehr geehrter Herr Meier (Name geändert), Ihr Veranstalter Auto Escape hat uns soeben darüber informiert, dass Ihre Mietwagen-Buchung nicht vom Vermieter vor Ort rückbestätigt werden konnte. Ihre Buchung auf Anfrage wurde daher kostenfrei storniert. Ich habe für Sie ein Alternativ-Angebot herausgesucht, das Ihrer abgesagten Buchung sehr ähnlich ist…“. So beginnt die E-Mail des Online-Vergleichsportals Billiger-Mietwagen.de, die der Redaktion vorliegt und die ein Kunde einen Tag nach der Autobuchung über das Webportal erhielt. „Sehr ähnlich“ bedeutet im vorliegenden Fall einen Preisaufschlag von rund 15 Prozent und darüber hinaus nur noch begrenzte Haftung im Versicherungsfall.

So weit, so gut. Die Preise im Web ändern sich wegen der starken Konkurrenzsituation eben von Tag zu Tag und tatsächlich zeigte das Mietwagenportal nun den höheren Preis. Doch der Kunde hatte einen Verdacht: Er vermutete dahinter ein System nach dem Motto „billig gelockt, teuer bezahlt“. Also recherchierte er die Mietangebote nochmals von einem anderen Rechner: Plötzlich bekam er wieder die ursprünglichen, günstigeren Konditionen zu Gesicht. Das gleiche Bild beim Wechsel des Browsers am ersten Rechner sowie nach dem Löschen der Cookies.

Browser-Vergleich: Firefox, Chrome und IE gegen Edge, Vivaldi und Pale Moon

Systematische Preiserhöhungen nach Lockangeboten?

Konfrontiert mit diesen systematischen Rechercheergebnissen erhielt der Kunde vom Vergleichsportal wachsweiche Antworten und den Verweis auf die Allgemeinen Geschäftsbedingungen. Dort heißt es: Der Kunde hat die Möglichkeit, über Billiger-Mietwagen.de einen Mietwagen zu reservieren. Hierbei kommt der Mietvertrag ausschließlich zwischen dem Kunden und der jeweiligen Autovermietung zustande. Billiger-mietwagen.de tritt also nur als Vermittler des jeweiligen Vertrags auf“. Zusammen mit der Passage „Für den Fall, dass Billiger-Mietwagen.de oder der Mietwagenanbieter die Buchung nicht innerhalb von 72 Stunden entsprechend bestätigt, entfällt die Bindung des Kunden an den Auftrag“ zieht sich das Portal so aus der Affäre.

Ein Einzelfall? Offizielle Presseanfragen machen in solchen Fällen wenig Sinn, denn kein Unternehmen würde einräumen, systematisch solche kundenfeindlichen Methoden anzuwenden. Auf unsere konkrete Anfrage schreibt Frieder Bechtel, Leiter PR bei Billiger-Mietwagen.de, dass ein Teil der Angebote nicht als „sofort verfügbar“, sondern als „auf Anfrage“ markiert ist. Das ist zwar richtig, allerdings fällt diese klein angezeigte Unterscheidung angesichts der übrigen prominenten Angaben kaum auf. Insgesamt, so Bechtel weiter, würden nur „ca. 1 % der Buchungen“ innerhalb der 72-Stunden-Frist nicht bestätigt.

Abseits dieses konkreten Falls sieht es beim Blick in Internet-Foren anders aus: Hier verschaffen sich Betroffene ihrem Ärger über Preiserhöhungen vor allem beim Buchen von Reisen, Flügen, Autos und ähnlichem gleich reihenweise Luft. Glaubt man den dort veröffentlichen Erfahrungen, steigt der Preis häufig sogar noch während des eigentlichen Buchungsprozesses – teilweise stillschweigend, mitunter auch begleitet von der Begründung, dass die Nachfrage stark gestiegen sei. Buchen lässt sich jeweils nur zum höheren Preis, auch wenn danach beim erneuten Buchungsstart wieder das günstigere Angebot erscheint. Die Preissteigerungen bewegen sich dabei häufig im Bereich von zehn Prozent, offenbar eine Art „Schmerzgrenze“, bis zu der die Kunden trotz Ärger die Buchung dennoch fortfahren.

Beschwerden wegen Preiserhöhungen im Laufe von Kauf- oder Buchungsprozessen bestätigt auch Tatjana Halm, Referatsleiterin Markt und Recht bei der Verbraucherzentrale Bayern . Im Interview mit PC-WELT berichtet die Juristin, dass beispielsweise Reisebuchungen plötzlich „technisch bedingt“ abbrechen und dann beim erneuten Aufrufen teurer sind. Zu berichten weiß die Expertin auch von Preiserhöhungen, wenn Kunden Produkte beim Online-Shopping bereits längere Zeit im Warenkorb liegen haben. Das zeige erhöhtes Kundeninteresse, das die Händler auf diese Weise ausnutzten. Auch für das „Verstecken“ von kostenlosen Buchungsoptionen hat Halm eine Erklärung: „Seit 2014 sind voreingestellte kostenpflichtige Zusatzoptionen nicht mehr erlaubt. Also helfen sich die Betreiber durch Ausgrauen der Gratisoption“.

Die letzte Zusammenstellung vor dem Bezahlen ist wichtig

Wichtig ist deshalb, die letzte Zusammenfassung vor dem abschließenden Klick auf den Button „Zahlungspflichtig bestellen“ nochmals sorgfältig zu lesen. Gerade da verteuert sich mancher Online-Abschluss nochmals, beispielsweise durch Service- und Kreditkartengebühren oder – oftmals überteuert – Zusatzleistungen wie Versicherungen oder ähnliches.

Auch bei DSL-Verträgen werden Zusatzangebote wie Mobilfunk oder Virenschutz gerne versteckt, in dem sie die ersten ein bis drei Monate kostenlos sind und deshalb in der Preisübersicht nicht unmittelbar ersichtlich sind. Kündigt man aber nicht fristgerecht, fallen für die gesamte Vertragslaufzeit monatlich weitere Kosten an. Beliebt sind auch hohe Versandkosten, mit denen Online-Shops ihre günstigen Preise in die Höhe treiben.

Hört man sich unter der Hand um, ist der Einsatz kostentreibender Verfahren keine Seltenheit werden. Da werden Algorithmen programmiert, die bei erneutem Aufrufen die Preise automatisch erhöhen, so wie dies in einer Marktwirtschaft bei erhöhter Nachfrage üblich ist – nur eben vollautomatisch und quasi in Echtzeit.

Das Wiedererkennen eines Kunden über Cookies ist für den Webseitenbetreiber eine Kleinigkeit. So lassen sich ganz gezielt die günstigsten Angebote und Preise ausblenden, schließlich besucht der Kunde das Portal ja mindestens das zweite Mal, scheint also „besonders buchungswillig“. Insider berichten, dass solche Methoden „von nahezu jedem Reiseanbieter“ angewendet werden.

Aufzupassen gilt es aber auch bei den allgemeinen Preisvergleichen im Internet. Nach einem Urteil des Bundesgerichtshofs müssen die Preise bei den Online-Diensten eine „höchstmögliche Aktualität“ haben. Die Preissuchmaschinen schützen sich deshalb vor Haftungsfragen durch zwischenzeitliche Preiserhöhungen mit Angaben wie „Preisänderungen sind in der Zwischenzeit möglich“ oder „Preis kann jetzt höher sein“. Kontrollieren Sie bei der Weiterleitung auf die Shop-Seite eines Händlers deshalb unbedingt nochmals die dortige Preisangabe.

Lesen Sie auf der folgenden Seite, warum Sie bei Online-Buchungen immer einen kühlen Kopef behalten sollten und weshalb es sinnvoll ist, regelmäßig Cookies zu löschen.

0 Kommentare zu diesem Artikel
2098975