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Vorschau auf iOS 7: Die besten Designkonzepte

22.04.2013 | 08:01 Uhr |

Apple hüllt sich wie gewohnt in Bezug auf neue Produkte in Schweigen, doch die Netzgemeinde arbeitet an interessanten Ideen für das anstehende iOS 7. Wir haben die schönsten Konzepte herausgesucht und auf ihre Praxistauglichkeit hin geprüft.

Frei nach dem Motto „Nach iOS ist vor iOS“ waren kaum ein paar Wochen nach dem iOS-6-Start vergangen, als die ersten Vorschläge zum Nachfolger im Netz auftauchten. Als Apple noch Ende Oktober bekannt gab , dass Scott Forstall das Unternehmen verlassen und seine Aufgabenbereiche zwischen Jonathan Ive und Craig Federighi aufgeteilt würden, hat sich die Diskussion zur Zukunft von iOS erneut entfacht.

Skeuomorphismus vs. Flat Design

Scott Forstall gehörte - genau wie sein Ziehvater Steve Jobs - zu den Anhängern des sogenannten Skeuomorphismus beim Software-Design – grafische Assoziationen aus dem realen Leben in Apps, Programmen und im Betriebssystem. So haben wir den beiden die abgerissenen Blätter in der Kalender-App auf dem Mac, den grünen Casino-Tisch-Hintergrund beim Game Center sowie die Ledertextur und die Garnnähte in der Freunde-App zu verdanken. Johnny Ive ist dagegen mit seinen Produkten wie dem iPhone oder dem Macbook Air ein klarer Anhänger von Dieter Rams und seinen zehn Thesen für gutes Design: „ Gutes Design ist so wenig Design wie möglich “.

Durch diesen Paradigmenwechsel in der Designphilosophie bei Apple erwarten Nutzer und Entwickler grundlegende Änderungen der iOS-Oberfläche und der Apps, die Apple mitliefert. Alleine vom Aufwand her betrachtet ist ein iOS 7 mit komplett neuer Oberfläche eher unwahrscheinlich. iOS 8 oder gar 9 im neuen Design ist realistischer. Apple geht aber bereits in Richtung Flat Design. So hat man in Cupertino mit dem Update auf iOS 6.1 die Musiksteuerung im Sperrbildschirm leicht überarbeitet und an das allgemeine iOS-Design angepasst.

Die besten iOS-7-Vorschläge

Windows Phone auf dem iPhone

Unabhängige Designer trauen sich hier deutlich mehr. So hat Andrew Adamides noch im Dezember letzten Jahres sein Konzept für eine nächste iOS-Version vorgestellt. Aus der allgemeinen Masse der iOS-7-Konzepte sticht sein Vorschlag dadurch heraus, dass der Nutzer aus einer neuen Perspektive mit dem iPhone agiert. Dabei dreht es sich nicht um Apps und ihre Funktionen, sondern die Mitteilungszentrale rückt in den Vordergrund. Dementsprechend bietet auch der Sperrbildschirm deutlich mehr Informationen als nur eine Zeitangabe. Komplett neu sind hier Multitasking und der Schnellzugriff auf die Apps gelöst: Die Wischgeste nach links bringt die Spotlight-Suche und die Liste der installierten Apps, so spart sich der Nutzer den Doppelklick auf den Home-Button und das Blättern in der Liste bereits geöffneter Apps.

Über die Spotlight-Suche sind sofort alle Apps erreichbar.
Vergrößern Über die Spotlight-Suche sind sofort alle Apps erreichbar.

Macwelt-Beurteilung: Die Schriften und der Sperrbildschirm erinnern deutlich an Windows Phone. Schon die animierte Widget-Zeile mit Wetterbericht, Börsenzahlen und anderen Informationen macht das Ganze unübersichtlich. Dagegen sind die vereinte Spotlight-Suche und die App-Übersicht eine elegante Lösung nach dem Vorbild von OS X für das iOS-Multitasking und App-Management. Somit wären auch Probleme bei vielen installierten Apps und App-Ordnern gelöst.

Inspirationsquelle Cydia Store

SB-Settings ist eine kostenlose App aus dem Cydia Store und vermutlich einer der wichtigsten Beweggründe, warum Nutzer den Jailbreak durchführen. Mehrere Konzepte von iOS 7 nutzen die Idee von SB-Settings und bringen sie in der einen oder anderen Form direkt auf iOS (Konzeptvideos von Almanimation und Ralph Theodory ). Die App macht nichts anderes, als Einstellungsoptionen direkt auf den Bildschirm oder in die Mitteilungszentrale zu befördern. Sie wird sogar mit jeder weiteren iOS-Version nützlicher: Je mehr Funktionen Apple einbaut, desto unübersichtlicher und verschachtelter werden die Listen in der Einstellungs-App. Bei der alltäglichen Nutzung braucht man jedoch nur wenige davon, ein Schnellzugriff darauf ist durchaus hilfreich.

Mit der personifizierten Einstellungsliste ist die iPhone-Verwaltung ganz einfach.
Vergrößern Mit der personifizierten Einstellungsliste ist die iPhone-Verwaltung ganz einfach.

Macwelt-Beurteilung: Die Jailbreak-Community reagiert schnell und kreativ auf Beschränkungen der jeweiligen aktuellen iOS-Version und SB-Settings gehört quasi zu den Klassikern aus dem alternativen App Store. Zudem ist die Funktion kein tiefer Eingriff ins System, sondern sie ändert nur die Art und Weise, wie der Nutzer auf die Einstellungen zugreift. Selbst die wichtigsten Icons wie Mitteilungen, iCloud oder Bluetooth sind bereits vorhanden. Ob über die Mitteilungszentrale als eine App-Reihe, wie eine Reglerliste im Konzeptvideo , oder als eine Art Launchpad à la Apfel-Menü auf dem Mac: Egal, wie Apple das Problem des Schnellzugriffs auf die Einstellungen lösen würde, brächte dies definitiv Erleichterungen bei der iOS-Nutzung.

Widgets

Ralph Teodory sowie Ran Avni und ein Teilnehmer im Forum von Devian Art wollen auf dem iPhone unbedingt eine Art von Widgets sehen. Nach den vorgestellten Konzepten sollten Widgets eine Zwischenstufe zwischen App-Icon und App im Vollbildschirm sein, sprich die Informationen und Funktionen aus diversen Quellen zusammen auf einen Bildschirm bringen.

Widgets auf dem iPhone? Eher unwahrscheinlich
Vergrößern Widgets auf dem iPhone? Eher unwahrscheinlich

Macwelt-Beurteilung: Eine neue Funktion sollte im Idealfall ein Problem des Nutzers zufriedenstellend lösen. Wie bekannt, sind dafür auf dem iPhone die Apps gedacht. Derzeit können wir uns keine Widgets denken, die es nicht schon in Form einer App im App Store gibt. Das mobile Safari bringt noch eine Funktion, mit der man Webclips aus Webseiten erstellt (Weiterleiten-Button – Zum Home-Bildschirm). Zudem sieht es nicht so aus, dass Apple auf die Widgets unter OS X besonderen Wert legt: Seit geraumer Zeit wird die Seite apple.com/downloads/dashboard nicht mehr gepflegt, sehr viele Widgets dort funktionieren nicht mehr.

Erweiterbare Mitteilungen

Auffällig viele Konzepte wie die von Joost Van Der Ree , Federico Bianco und Max Rudberg bringen neue Ideen zur Gestaltung von Mitteilungen aus der Mitteilungszentrale sowie alternative Lösungen für die Badges an den App-Icons. Max Rudberg bringt eine Art Windows-Phone-Funktion auf das iPhone: Die Apps kann man antippen und groß ziehen, sodass man einen Teil der Inhalte direkt sieht. Federico Bianco überlegt sich in seinem Konzept so etwas wie einen Schnellzugriff auf die wichtigsten Funktionen einer App, indem der Nutzer zweimal auf das App-Icon tippt. Im Konzept von Joost Van Der Ree erscheinen die Benachrichtigungen aus der Mitteilungszentrale direkt am jeweiligen App-Icon. Chris Chilue bringt die dynamischen Icons auf das iPhone: Das entsprechende Icon sollte direkt auf dem Bildschirm die nötigsten Informationen anzeigen: Das aktuelle Wetter, die verpassten Anrufe von Kontakten, die gerade gespielten Titel in der Musik-App.

Nach dem Vorbild von Windows Phone will Max Rudberg dynamische App-Icons auf dem iPhone haben
Vergrößern Nach dem Vorbild von Windows Phone will Max Rudberg dynamische App-Icons auf dem iPhone haben

Macwelt-Beurteilung: Solche erweiterbaren Mitteilungen sollten das Problem des knapp bemessenen Informationspotenzials bei den Icon-Badges lösen. An den Badges sieht der Nutzer, dass es in der jeweiligen App etwas Neues gibt. Wer genau angerufen oder geschrieben hat, kann man nur in der Mitteilungszentrale oder direkt in der App nachsehen. Obwohl die vorgestellten Konzepte schön aussehen, sind sie teilweise umständlicher als die Funktionen von Apple. Während der Nutzer die App aus dem Bildschirm mit einem Tap erreicht und so den Zugriff auf alle Funktionen hat, sind bei diesen Konzepten meist zwei Taps erforderlich. Sehr gut dagegen gefällt uns das Konzept der dynamischen Icons von Chris Chilue. Die grafischen Informationen belegen nicht unnötig die Bildschirmfläche, alles andere ist wie gewohnt mit einem Tap erreichbar. Es ist eigentlich seltsam, dass die Entwickler bei Apple nicht früher auf die Idee gekommen sind. Schließlich funktioniert das dynamische Icon in der Kalender-App seit dem ersten iPhone-OS, es zeigt stets das aktuelle Datum an.

Fingerabdruck statt Code-Sperre

Laut seinem Konzeptvideo will T3.com unbedingt einen Fingerabdruck-Scanner auf dem nächsten iPhone haben. Dies ist der Tatsache geschuldet, dass Apple 2012 die Sicherheitsfirma Authentec gekauft hat, die zufälligerweise solche Scanner herstellt. Im Gegensatz zu den üblichen Gerüchten , die nach einem Kauf kursieren, ist der Scanner im T3.com-Vorschlag nicht in den Home-Button, sondern direkt in den Bildschirm integriert.

Authentec lässt grüßen: T3.com hat sich den Fingerabdruck-Scanner gewünscht
Vergrößern Authentec lässt grüßen: T3.com hat sich den Fingerabdruck-Scanner gewünscht

Macwelt-Beurteilung: Ob Apple tatsächlich einen solchen Scanner beim nächsten iPhone einbaut, bleibt äußerst fraglich. Schließlich ist der Fingerabdruck nur einer der eindeutigen biometrischen Merkmale. Was aber beim Hype um den Authentec-Kauf gerne übersehen wird, ist die Tatsache, das Apple mit der Firma ein ziemlich ausgereiftes Know-how zum Management der digitalen Identität eingekauft hat. So ist mit Protector Suite von Authentec nicht nur die Systemanmeldung mit eigenem Fingerabdruck möglich: Die Software bietet das Management von gespeicherten Passwörtern bei unterschiedlichen Webdiensten, die automatische Ummeldung eines anderen Nutzers, die Datensicherung sowie das Starten von Programmen mit einem zugewiesenen Finger(abdruck). Dagegen sieht selbst der Schlüsselbund auf dem Mac altbacken aus. Selbst wenn ein Fingerabdruck-Scanner auf dem iPhone nur in James-Bond-Filmen vorkommen würde, wäre eine zentrale und sichere Verwaltung für Passwörter und andere sensible Daten im Alltag durchaus nützlich.

Fazit:

Apples mobiles System feiert in diesem Jahr sein siebenjähriges Bestehen. Selbst für Desktop-Betriebssysteme ist dies eine lange Zeit. Deswegen wird Jonathan Ive gerne als neuer Hoffnungsträger für eine grundlegende Überarbeitung des iOS gesehen. Doch meist beschränkt sich die Diskussion auf die Auswirkungen diverser Designrichtungen. Apple hat seinem Chefdesigner im Hinblick auf iOS und OS X deutlich mehr Verantwortung eingeräumt, denn der Leiter der Software-Abteilungen für nutzerorientierte Gestaltung, wie Ives Titel jetzt offiziell lautet, ist nicht nur für abgerundete Ecken verantwortlich. Schließlich erwartet ein Apple-Nutzer Software, die zuverlässig sowie möglichst einfach und logisch funktioniert, ohne diese Grundvoraussetzung ist auch das schönste Design, ob skeuomorphisch oder puristisch, ziemlich nutzlos.

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