09.09.2010, 09:39

Jürgen Hill

Ratgeber LAN

Fehler: Performance-Falle PriorisierungFehler: Device-MissbrauchFehler: TCP/IP-BremseVorbeugen statt heilen

Allerdings warnt Schmitt davor, zu glauben, dass in den heutigen Netzen mit genügend Bandbreite jedes Problem gelöst werden kann. Gerade bei Echtzeitanwendungen wie VoIP oder Video seien zudem Parameter wie Delay, Jitter oder Paket Loss von Bedeutung. "Bandbreite ist kein Ersatz für Priorisierung", unterstreicht der Support-Experte. Bei der Priorisierung ist allerdings darauf zu achten, dass diese im gesamten Netz Ende zu Ende genutzt wird. Wird etwa nur vom VoIP-Telefon in der lokalen Arbeitsgruppe bis hin zum ersten Swicth eine Priorisierung gefahren, dann sollte sich niemand wundern, wenn es später dennoch zu Ausfällen kommt. Ebenso wichtig ist, dass alle beteiligten Geräte die Priorisierungsmechanismen auch wirklich unterstützen.
In diesem Zusammenhang spricht Schmitt noch eine andere Systembremse an, die häufig unterschätzt wird: Der Missbrauch von Endgeräten für Einsatzzwecke, für die sie eigentlich nicht konzipiert wurden. Gerade die langen Feature-Listen aktueller Hardware verleiten oft dazu, zu viele beziehungsweise falsche Aufgaben auf einem Gerät erledigen zu wollen. Ein klassisches Beispiel hierfür ist in Schmitts Augen ein WLAN-Access-Point. Die eigentliche Aufgabe des Geräts sei ein reibungsloser Transport der Daten per Funk. "Deshalb sollte ein Access Point als Access Point", so der Supporter, "und ein Edge Device wirklich als Edge Device genutzt werden." Wer die Geräte mit ungeeigneten Aufgaben belaste, müsse sich nicht wundern, wenn hinterher die Performance leide. So gehört für Schmitt etwa das Routing in den Core- und nicht in den Edge-Bereich.
Etliche unerklärliche Netzphänomene haben ihre Ursache allerdings auch auf den oberen Netzebenen: Doppelt vergebene IP-Adressen können zu den wildesten Fehlern führen. Eine Ursache hierfür sind häufig nicht erlaubte DHCP-Server im Netz, die eigenmächtig Adressen vergeben. Ob diese Server nun aus Versehen entstehen, weil ein neues Gerät per se mit aktiviertem DHCP-Server ausgeliefert wird, oder bewusst von einem User installiert werden, sei dahingestellt. Als Abhilfe hilft hier ein DHCP Server Screening, das DHCP-Pakete erkennt und im Bedarfsfall automatisch den entsprechenden Netz-Port abschaltet. Ebenfalls oft zu beobachten ist, dass Anwender ihren Rechnern selbst IP-Adressen geben, ohne zu wissen, dass sie damit komplette Netzsegmente lahm legen können. Um dies zu verhindern, empfehlen sich Switches, die das Anlegen von White Lists erlauben, in denen eine IP-Adresse fest einer MAC-Adresse und einem Switch-Port zugeordnet ist. Kommt nun ein Datenpaket mit der falschen Zuordnung - bei D-Link nennt man diese Technik beispielsweise IP-MAC-Port-Binding (IMPB), dann blockiert der Switch den Weitertransport.
Unabhängig von diesen Detaillösungen hat Schmitt für alle Anwender noch einen grundsätzlich Ratschlag auf Lager: "Dokumentieren Sie den Aufbau ihres Netzes penibel genau". Denn diese Dokumentation ist später bereits die halbe Miete bei der Fehlersuche oder hilft bei Erweiterungen, Störungen zu vermeiden, da eventuelle Wechselwirkungen teilweise bereits beim Blick in die Dokumentation ersichtlich sind. Last, but not least, sollte sich jeder Anwender fragen, was ihn ein Netzausfall wirklich kostet. So wird ein Unternehmen in die Ausfallsicherheit eines LANs im Börsensaal - dessen Ausfall den Ruin bedeuten kann - sicherlich mehr investieren als in das LAN der Verwaltung, wo die Auswirkungen nicht so gravierend sind (computerwoche.de).
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