21.01.2009, 12:25

Christian Löbering

Schutz vor Angriffen

Virtuelles Testsystem

Selbst wenn Sie als eingeschränkter Benutzer surfen und auch sonst alle möglichen Lücken geschlossen haben, besteht immer noch die Gefahr, dass Sie Ihr System unabsichtlich verseuchen, indem Sie etwa eine scheinbar nützliche Freeware aus dem Netz herunterladen und - jetzt mit Admin-Rechten - per Doppelklick installieren. Damit Sie auf das Ausprobieren neuer Software nicht zu verzichten brauchen, aber trotzdem mit Ihrem System kein Risiko eingehen, können Sie ein virtuelles System auf Ihrem Rechner nutzen. Dazu verwenden Sie am besten die Virtualisierungs-Freeware Virtual Box. Nachdem Sie das Tool installiert und gestartet haben, klicken Sie auf "Neu", um eine neue virtuelle Maschine anzulegen. Folgen Sie dem Assistenten, und wählen Sie als Typ des Gastbetriebssystems die Windows-Version, die Sie in der virtuellen Umgebung installieren möchten. Danach bestimmen Sie die Größe des Arbeitsspeichers, der für das Gastsystem reserviert werden soll (bei XP mindestens 256, bei Vista mehr als 512 MB). Legen Sie über "Neu" eine neue virtuelle Festplatte an, auf die Sie die gewünschte Windows-Version installieren.
In der Konfigurationsübersicht Ihres neuen virtuellen PCs können Sie nun noch weitere Einstellungen treffen. Klicken Sie auf "CD/DVD-ROM", und aktivieren Sie die Klickbox "CD/DVD-Laufwerk einbinden". Achten Sie darauf, dass der hier eingetragene Laufwerksbuchstabe demjenigen Ihres tatsächlichen Laufwerks entspricht. Sehen Sie auch im Bereich "Netzwerk" nach, ob der Adapter 1 aktiviert und über NAT (Network Address Translation) angeschlossen ist, damit Sie später auch surfen können. Zusätzlich können Sie bei Bedarf noch die Audio- und USB-Unterstützung aktivieren. Legen Sie Ihre Windows-CD/-DVD ein, und klicken Sie in Virtual-Box auf "Starten". Der virtuelle PC startet, anschließend das Windows-Setup. Installieren Sie Windows wie gewohnt. Aktivieren müssen Sie es nicht unbedingt - da Sie den Zustand Ihres virtuellen Windows immer wieder zurücksetzen können, läuft die Aktivierungsuhr nie ab. Nachdem das Gast-Windows installiert wurde, klicken Sie auf "Geräte, Gasterweiterungen installieren", damit Sie unter anderem mit der Maus zwischen Host- und Gast-System hin- und herwechseln können. Klicken Sie nun auf "Maschine, Sicherungspunkt erstellen", um den aktuellen Zustand zu sichern. Nun können Sie darauf beliebig Software ausprobieren oder surfen. Sollten Sie den virtuellen PC mit Unerwünschtem verseucht haben, schließen Sie die virtuelle Maschine und öffnen in Virtual Box die Registerkarte "Sicherungspunkt". Dort wählen Sie den Punkt "Aktuell", drücken Strg-Shift-R und klicken auf "Starten": Sie erhalten so den sauberen Anfangszustand zurück.
Das unveränderbare Profil
Wenn Sie Ihr Windows so eingerichtet haben, dass jedes Familienmitglied ein eigenes Benutzerkonto hat, dann sollten Sie genau darüber nachdenken, wem Sie welche Berechtigungen einräumen. An PC-technisch unbedarfte Mitbenutzer vergeben Sie am besten nur minimale Rechte. Im Idealfall sollten solche Benutzer überhaupt nichts ändern dürfen. Das englischsprachige Microsoft-Tool Steady State schützt Windows in jeglicher Hinsicht zu 100 Prozent. Zunächst müssen Sie Steady State von einem Konto mit Admin-Rechten aus installieren und starten. Im Hauptdialog sehen Sie rechts unter "User Setting" eine Liste mit allen anderen Konten. Wählen Sie eines per Doppelklick aus, oder erstellen Sie über "Add a new user" ein neues. Falls Sie ein neues Konto angelegt haben, sollten Sie sich jetzt dort anmelden und alle Installationen und Konfigurationen vornehmen, die der Benutzer später benötigt. Denn wenn Sie das Konto erst einmal geschützt haben, kann nichts mehr daran verändert werden. Zurück in Ihrem Admin-Konto, befinden Sie sich nun in Steady State im Konfigurationsdialog für den gewählten Benutzer. Auf der Registerkarte "General" aktivieren Sie "Lock Profile", um alle Veränderungen im Profil zu unterbinden. Darunter können Sie eine Wartezeit eingeben, nach der der Benutzer zwangsabgemeldet wird (obere Option) oder nach der das System den Benutzer abmeldet, falls keine Benutzereingabe erfolgt.
Auf der Registerkarte "Windows Restrictions" können Sie die Anzeige von Funktionssymbolen, Menüs, Ordnern und ganzen Laufwerken verbieten. Auf der Registerkarte "Feature Restriction" grenzen Sie den über die Oberfläche zugänglichen Funktionsumfang von Internet Explorer und Office ein. Zudem können Sie eine Liste erlaubter Web-Seiten eintragen. Unter "Block Programs" lässt sich das Ausführen einzelner Programme verbieten. Sind alle Einschränkungen gesetzt, klicken Sie auf "OK", um alles zu speichern. Dabei gelangen Sie zurück zum Hauptdialog. Über die Option "Set Computer Settings" können Sie Einstellungen vornehmen, die alle Benutzer des Systems betreffen (etwa, ob der letzte Benutzername im Anmeldedialog stehen soll oder nicht). Über "Schedule Software-Updates" können Sie die automatischen Updates von Windows aktivieren. So bleibt Ihr System auf dem aktuellen Stand, obwohl das System (für den Benutzer) komplett gesperrt ist. Die letzte Schutzoption "Protect the Hard Disk" verbietet über einen Virtualisierungstreiber Veränderungen am Datenbestand der Festplatte. Voraussetzung dafür ist, dass mindestens 4 GB Speicherplatz frei sind, denn dort erzeugt Steady State eine Cache-Datei. Wenn Sie die Option aktiviert haben, schreibt der Treiber alle Veränderungen nur noch in diese Cache-Datei. Die Daten lassen sich im laufenden System ganz normal ändern, erstellen und löschen, doch nach einem Neustart ist alles wieder im Ausgangszustand.
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