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Virtuelle Systeme einsatzbereit aus dem Web laden

13.04.2017 | 09:10 Uhr |

Das Angebot an einsatzbereiten virtuellen PCs im Internet ist riesig. Nach dem Herunterladen werden sie einfach eingebunden – das erspart die oft mühsame Installation.

Für Virtualbox , Vmware und Hyper-V lassen sich vorkonfigurierte virtuelle Maschinen – Appliances genannt – aus dem Internet herunterladen und auf Knopfdruck einbinden. So entfällt der Aufwand für die Einrichtung eines leeren virtuellen PCs und das Aufspielen des gewünschten Gastbetriebssystems. Wenn Ihnen nach dem Ausprobieren eines virtuellen Fertigsystems die gebotenen Funktionen zusagen, können Sie sich immer noch für eine Eigeninstallation entscheiden oder einfach die Konfiguration der heruntergeladenen Maschine an Ihre Bedürfnisse anpassen.

So nutzen Sie Mac OS X als virtuellen PC

Tausende von VMs für Virtualbox

Für Virtualbox ist eine stattliche Anzahl fertiger virtueller Rechner im Angebot. Gute Anlaufstellen sind die Websites www.osboxes.org/ und www.virtualboximages.com .

Viele der auf diesen Webseiten angebotenen Downloads sind kostenlos, für andere werden einige Euro fällig. Neben den populären Linux-Distributionen in zahlreichen Varianten, Sprachen und Zusammenstellungen sind auch exotische PCs für spezielle Aufgaben anzutreffen – darunter zahlreiche Linux-basierte Server und Testumgebungen.

Auf Server-Systeme spezialisiert haben sich die Webseiten www.bitnami.com und www.turnkeylinux.org . Zu haben sind etwa Content-Management-Systeme auf Basis von Drupal, Typo 3, Joomla und Wordpress sowie eine Vielzahl von Shop- und Entwicklungssystemen. Auf den Seiten sind Pakete mit unterschiedlicher Ausstattung erhältlich. Neben der namensgebenden Software beinhalten die Stacks genannte Pakete auch die notwendige Infrastruktur, um die Anwendung zu betreiben. Dazu zählen etwa die für viele Systeme erforderliche Webserver- und Datenbankumgebung bestehend aus Apache Webserver, MySQL und PHP. Ein Stack ist gekapselt, sodass das umschließende Betriebssystem des Benutzers unberührt bleibt. Umfangreiche Systemkenntnisse brauchen Sie zur Inbetriebnahme nicht.

Virtuelle Maschinen für Vmware

Ein Portal mit mehreren hundert fertig konfigurierten virtuellen Maschinen – Appliances genannt – betreibt der Hersteller Vmware unter https://solutionexchange.vmware.com . Ein Klick im rechten Fensterbereich des Vmware Workstation Players auf den Link „Download a Virtual Appliance“ führt Sie direkt in den Vmware-Store. Sie können hier gezielt nach Systemen suchen und sie dann auf der jeweiligen Anbieterseite herunterladen. Einige virtuelle PCs sind kostenlos, für andere muss man sich mit einem Konto anmelden und bezahlen. Speichern Sie das Download-Dateiarchiv auf der Festplatte und entpacken Sie es in einen leeren Ordner. Haben Sie den Vmware Workstation Player oder Vmware Workstation Pro installiert, sind die Konfigurationsdateien von Vmware-PCs automatisch mit der Software verknüpft. Hierdurch öffnet ein Doppelklick im Windows-Explorer auf die VMX-Datei im Entpackordner das jeweilige System in Vmware. Die Konfiguration der Appliance lässt sich dann in den Einstellungen noch anpassen. Hier ändern Sie etwa den zugewiesenen Arbeitsspeicher oder fügen eine neue virtuelle Festplatte hinzu.

Fertige Systeme für Hyper-V

Windows 7 Professional und Ultimate bieten den kostenlosen XP-Modus auf Basis von Microsoft Virtual PC. Vorkonfigurierte virtuelle Maschinen speziell für Virtual PC finden sich im Internet allerdings nur vereinzelt.

Windows 8.1 ist mit der Virtualisierungsplattform Microsoft Hyper-V ausgestattet, die auch in Windows 10 enthalten ist. Microsoft hat Hyper-V zwar primär auf Windows-Betriebssysteme als Gast ausgelegt, allerdings kann man auch eine Reihe von gängigen Linux-Distributionen in Hyper-V nutzen.

Letzteres verwendet für virtuelle Maschinen das VHD-Format. Microsoft selbst bietet auf der eigenen Website www.microsoft.com unter dem Suchbegriff „VHD“ nur veraltete Testversionen von Serverprodukten als kostenlose VHD-Datei zur Nutzung in Hyper-V an.

Auf www.modern.ie stellt Microsoft vornehmlich für Webentwickler kostenlos virtuelle Test-PCs verschiedener Windows-Versionen mit dem Internet Explorer 6 bis 11 bereit, die Sie als Surfumgebung nutzen können.
Vergrößern Auf www.modern.ie stellt Microsoft vornehmlich für Webentwickler kostenlos virtuelle Test-PCs verschiedener Windows-Versionen mit dem Internet Explorer 6 bis 11 bereit, die Sie als Surfumgebung nutzen können.

Eine größere Auswahl an VHD-Appliances gibt es auf der Microsoft-Seite www.modern.ie . Hier lassen sich VHD-Images der Internet-Explorer-Versionen 6 bis 11 auf Basis der Betriebssysteme Windows XP, Vista, 7, 8.1 und Windows 10 herunterladen – nicht nur für Hyper-V, sondern auch für Virtualbox und Vmware. Die Dateien sind für Webentwickler zum Testen des Internet Explorers gedacht. Auf der Seite www.pwrusr.com/downloads finden Sie Hyper-V Virtual Appliances mit Ubuntu 14.04 Desktop und Server sowie Cent OS 6.2. Und unter www.zabbix.com laden Sie das Netzwerk-MonitoringSystem Zabbix als Hyper-V-Datei.

Siehe auch: Virtualbox-Tipps für Profis und Fortgeschrittene

Auch Fake-VMs sind im Angebot

Neben seriösen Quellen finden sich auf Webseiten und in Newsgroups auch zahlreiche virtuelle Maschinen unklarer Herkunft. Wer beispielsweise die Suchbegriffe „Windows 10“ oder „Windows 8.1“ mit „Vmware“, Virtualbox“, „VHD“ kombiniert, stößt auf allerlei vorkonfigurierte und aktivierte Windows-PCs für die betreffenden Desktop-Virtualisierer. Dabei handelt es sich vornehmlich schlichtweg um Raubkopien, die ohne die Zustimmung von Microsoft als Lizenzgeber angeboten werden, und deren Verwendung folglich illegal ist.

Eine besondere Gefahr beim Herunterladen virtueller Maschinen von inoffiziellen Webseiten oder Newsgroups geht von Fake-Systemen aus, also vermeintlichen virtuellen Maschinen, die in Wirklichkeit nur getarnte Malware sind. Durch die Wahl entsprechender Dateinamen wie „Windows 8 Pro x64 RTM Virtual Machine VMWare Workstation.rar“ oder „OS X Mavericks 10.9.1 Pre-Installed VMware Image For Windows PC.rar“ sollen interessierte Anwender zum Download und einer anschließenden Installation der in den Archiven enthaltenen Dateien bewogen werden. Meist lässt sich bereits anhand der verhältnismäßig geringen Dateigrößen erkennen, dass es sich kaum um einen tauglichen virtuellen Rechner mit dem angegebenen Betriebssystem handeln kann. Spätestens beim Auspacken des Software-Archivs sollten dann die Alarmglocken läuten, wenn anstelle einer VHD-, VDX-, OVA- oder VDMK-Datei eine ausführbare EXE-Datei zur angeblichen Installation auffordert.

Wichtige Passwörter

Um Ihnen den Einstieg zu erleichtern, verzichten die Macher mancher vorkonfigurierten virtuellen Maschinen auf eine Systemanmeldung mit Benutzername und Passwort. Viele Linux-Distributionen und Server bestehen jedoch auf einen Login, zumindest wenn es um administrative Aufgaben geht. Notieren Sie sich daher immer die beim Download angegebenen Benutzernamen und Kennwörter. Auch das root-Passwort sollten Sie sich aufschreiben. Sie benötigen es, wenn Sie Anpassungen am System vornehmen möchten, für die Administratorrechte erforderlich sind.

Linux-Systeme für Servereinsatz

„Eigener Server leicht gemacht“ – so in etwa könnte das Motto der Webseiten www.bitnami.com und www.turnkeylinux.org lauten. Bei Bitnami und Turnkey gibt es rund 100 vorgefertigte Linux-Systeme für viele Anwendungszwecke. Im Angebot sind etwa Content-Management-Systeme auf Basis von Drupal, Typo 3, Joomla und Wordpress sowie eine Vielzahl von Shop-und Entwicklungssystemen. Auf den Seiten sind Pakete mit unterschiedlicher Ausstattung erhältlich. Neben der namensgebenden Software beinhalten die Stacks genannten Pakete auch die notwendige Infrastruktur, um die Anwendung zu betreiben. So enthält beispielsweise der Stack zur Wiki-Software Mediwiki gleichzeitig die erforderliche Umgebung (Apache Webserver, MySQL und PHP). Ein Stack ist gekapselt, sodass das umschließende Betriebssystem des Benutzers unberührt bleibt.

Bei Turnkey gibt es Appliances zahlreicher Serversysteme, etwa für Content-Management-Systeme, E-Commerce- Lösungen, Webserver und Entwicklungssysteme.
Vergrößern Bei Turnkey gibt es Appliances zahlreicher Serversysteme, etwa für Content-Management-Systeme, E-Commerce- Lösungen, Webserver und Entwicklungssysteme.

Umfangreiche Systemkenntnisse brauchen Sie zur Inbetriebnahme nicht.

Damit die Einrichtung einer Webserver-Umgebung in der virtuellen Maschine nicht zum Stolperstein wird, sind alle wichtigen Module so eingerichtet, dass der Server nach dem Start sofort einsatzbereit ist und nur individuell konfiguriert werden muss. Die virtuellen PCs stehen für Vmware und Virtualbox bereit. Nach dem Download der Dateiarchive sind diese auf Festplatte zu entpacken und wie gewohnt in die Virtualisierungs-Software einzubinden.

Auch interessant: Das steckt hinter Virtualisierung

Virtuelle Systeme aus Newsgroups

Nicht nur in den offiziellen Quellen finden sich fertige virtuelle PCs. In Newsgroups gibt es zahlreiche Treffer auf entsprechende Suchanfragen nach VMs, Appliances und VHDs – darunter Windows von Version 3.11 über 98, ME, XP, Vista und 7, 8.1 bis hin zur Version 10. Ist das enthaltene Windows mit einer Lizenznummer aktiviert, handelt es sich um eine Raubkopie und damit um einen illegalen Download.

Zum Download virtueller PCs aus Newsgroups benötigen Sie einen zumeist kostenpflichtigen Account bei einem News-Provider wie Giganews und ein Download-Tool wie Newsleecher . Damit suchen Sie in einem Online-Index nach den entsprechenden Archiven und laden die Dateien auf Ihre Festplatte.

Fertige Maschinen beschleunigen

Entscheidend für das Arbeitstempo von heruntergeladenen virtuellen Maschinen sind CPU-Leistung und Arbeitsspeichergröße des Host-PCs. Mehr Arbeitsspeicher sorgt für eine schnellere Ausführung. In den meisten Fällen sind zum Download angebotene virtuelle Systeme für eine minimale Speichernutzung konfiguriert. Es ist also nur die zwingend zum Hochfahren nötige RAM-Menge zugewiesen. Für ein vernünftiges Reaktionstempo geben Sie den virtuellen PCs genügend RAM ab: 1 GB beanspruchen ältere Windows-Versionen und einfache Linux-Distributionen. Manche Linux-Appliances wie Firewalls, Software-Router oder Webserver ohne grafische Bedienoberfläche kommen ohne Einschränkungen sogar mit 512 KB klar. Für Windows 10 und umfangreiche Linux-Distributionen wie Ubuntu oder Linux Mint sollten es möglichst 4 GB Hauptspeicher sein. Wenn ihnen weniger RAM zusteht, wird der Start der jeweiligen Desktop-Umgebung und die Nutzung von Anwendungsprogrammen wie Microsoft Office oder Libre Office rasch zum Geduldsspiel.

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